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Bettingerode [ˈbɛ.tɪŋəˌʁoːdə] ist ein Ortsteil der niedersächsischen Stadt Bad Harzburg am Nordrand des Harzes mit 438 Einwohnern (Stand 30. Juni 2018). Er liegt 4 km nördlich vom Kernbereich von Bad Harzburg entfernt.

Bettingerode
Koordinaten: 51° 54′ 49″ N, 10° 34′ 20″ O
Höhe: 180 (175–190) m ü. NN
Einwohner: 438 (30. Jun. 2018)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 38667
Vorwahl: 05322
Karte
Lage von Bettingerode in Bad Harzburg
Luftaufnahme von Bettingerode, November 2018
Luftaufnahme von Bettingerode, November 2018

Inhaltsverzeichnis

Geografie und OrtsbildBearbeiten

Bettingerode befindet sich auf einer Höhe zwischen 175 m ü. NHN und 190 m ü. NHN in einem Tal des Harzburger Harzvorlandes, das von der Schamlah durchflossen wird. Das Dorf liegt zwei Kilometer nordöstlich von Westerode, fünf Kilometer östlich von Harlingerode und drei Kilometer südwestlich von Lochtum in der dünn besiedelten Osthälfte des Bad Harzburger Stadtgebiets. Die Feldmark erlaubt einen guten Blick auf den Harz und insbesondere den Butterberg, der sich markant im Süden bemerkbar macht. Verschiedene Bäche und Gräben fließen hier in die Schamlah ein, die wichtigsten sind der Maschbach aus Westerode und der Lehmgrundsgraben.

Sieht man vom Südteil ab, der in der Nachkriegszeit als Wohnraum für Ostvertriebene entstanden ist (Schlesierring), besteht Bettingerode vollständig aus einem historischen Ortskern. Die Bauernhäuser sind hier an die örtliche Hauptstraße auf der einen und dem Schamlahbach auf der anderen Seite ausgerichtet, sodass Bettingerode als historisches Straßendorf klassifiziert werden kann.

Die zwei Kilometer westlich gelegene Siedlung Gut Radau und das vier Kilometer entfernt gelegene Gehöft Altfelder Krug gehören aus statistischen Gründen zu Bettingerode.

NachbarorteBearbeiten

Vienenburg Wiedelah
Lochtum
Lüttgenrode
Wennerode
Abbenrode
Gut Radau
Radauanger

Harlingerode
  Altfelder Krug
Eckertal
Stapelburg
Westerode
Schlewecke
Bündheim
Bad Harzburg

GeschichteBearbeiten

Frühgeschichte/EtymologieBearbeiten

 
Bettingeröder Dorfkirche, ältestes Gebäude in Bad Harzburg
 
Bettingerode im Jahre 1910

Das Bestimmungswort des Ortsnamens wird auf den Personennamen Badu zurückgeführt, der einer urgermanischen Wurzel *badwō entstammt und der so viel wie Kampf bedeutet. Das Wort besteht im Isländischen böð, Norwegisch bad und Schwedisch badd, ba bis heute fort. Das Grundwort -rode des Ortsnamens leitet sich aus dem altsächsischen Begriff für eine Rodung ab. Speziell im Gebiet um den Harz findet man in Ortsnamen häufig das Grundwort -ingerode, das in dieser Region in Verbindung mit Personennamen anstelle von -rode verwendet wird.[2]

In der ersten überlieferten Nennung von Heinrich II. an die Königspfalz Werla im Jahre 1013 wird der Ort als Redingaroth (eine Falschschreibung von Bedingaroth) bezeichnet. Weitere Nennungen des Ortes sind:

  • 1018: Beddinge[2]
  • 1129: Botingeroth
  • 1174/1195: Bettingeroth
  • 1265: Bettingerod
  • 13./14. Jahrhundert: Bettingerode, Bedtingerode, Bettyngerode

Historisch gehörte die Ortschaft bis 1972 zum Amt Harzburg. Bettingerode wird 1407 und 1436 als Lehen der Grafen Schwiecheldt zu Wernigerode und ab 1542 als zum Herzogtum Braunschweig gehörig bezeichnet.[3]

Im Zeitraum um 1500 fielen in der Bettingeröder Feldmark die Orte Bintingerode/Halbertingerode (vor 1506) und Kulingerode (vor 1468) wüst.[4] Bintingerode, das auch unter dem Namen Puerinnenroth genannt wurde, bildete den gemeinsamen Nennungen nach wahrscheinlich eine politische und räumliche Einheit mit Halbertingerode. Die Orte befanden sich westlich der Ecker, liegen also wahrscheinlich zwischen Bettingerode und Stapelburg. Kulingerode befand sich südlich von Abbenrode im oder am Schimmerwald.[5]

NeuzeitBearbeiten

Der Kircheninschrift nach wurde Bettingerode um 1600 vollständig niedergebrannt.

Im Jahre 1852 besaß Bettingerode 506 Einwohner, 46 Feuerstellen, ein Pastorat, eine Kirche, vier Ackerhöfe, acht Karrenführhöfe, 5 Großkötherhöfe und 9 Kleinkötherhöfe.[6]

1923 wurde die örtliche Feuerwehr gegründet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Heinrich Deutsch als erster Ortsbürgermeister in Bettingerode ernannt.[7]

Am 1. Juli 1972 wurde Bettingerode in die Stadt Bad Harzburg eingegliedert.[8]

Zwischen 2002 und 2008 wurde in Bettingerode ein Dorferneuerungsprogramm durchgeführt.

Im Juni 2013 feierte Bettingerode sein 1000-jähriges Bestehen.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Bedingt durch seine dörfliche Struktur litt die Ortschaft Bettingerode mehrere Jahrzehnte unter einem starken Einwohnerschwund. Seit 2014 zeigt Bettingerode bis 2017 jedoch eine positive Einwohnerentwicklung und konnte in der Zwischenzeit von 432 Einwohner (2014) auf 440 (2017) steigern. Zum 30. Juni 2018 war sie wieder im Fallen begriffen.

Bad Harzburg-Bettingerode – Bevölkerungsentwicklung seit 1798
Entwicklung Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
 
1798 329 1949 986 2012 438
1818 387 1965 740 2013 434
1852 506 2005 487 2014 432
1877 541 2007 470 2015 435
1910 601 2008 467 2016 439
1925 566 2009 460 2017 440
1933 564 2010 453 2018 438
1939 529 2011 436

jeweils zum 31. Dezember des Jahres
Quelle: [9] 1798,[10] 1818,[6] 1852,[11] 1877,[12] 1885–1939,[13] 1910, 1949 und 1965,[1] danach.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Turnhalle des MTV 1890 Bettingerode

Der Mittelstand ist in Bettingerode fest verwurzelt, insbesondere im handwerklichen und landwirtschaftlichen Bereich. Größter Betrieb in Bettingerode ist der Schlachterbetrieb Leiste, der neben dem Hauptsitz im Dorf weitere Zweigfilialen in Bad Harzburg und Goslar betreibt.[14] Weiterhin befinden sich ein Hofcafé und ein Tätowierbetrieb als Gewerbe im Ort, zudem bietet ein Landwirtschaftsbetrieb ein Erdbeerfeld zum Selberpflücken an.

VerkehrBearbeiten

Durch Bettingerode führen die Kreisstraßen K 30 (Westerode – Bettingerode – Lochtum; Hauptstraße) und K 42 (Harlingerode – Bettingerode – L 501/Eckertal). Über die K 42 besteht westlich von Bettingerode die Autobahnabfahrt Bad Harzburg-Harlingerode an der Bundesautobahn 369.

Durch den Ort führt die Buslinie 821 (Bad Harzburg – Westerode – Bettingerode – Lochtum – Vienenburg).

Kultur und SportBearbeiten

Traditionell existiert zwischen Bettingerode und Westerode ein Wettstreit, in welchem es um den Verzehr möglichst vieler Würste geht. Der letzte Wettbewerb dieser Art endete beinahe in Handgreiflichkeiten, sodass er seitdem ruht.[15]

Der MTV Männer-Turnverein von 1890 Bettingerode e. V. bietet die Abteilungen Tischtennis, Turnen, Gymnastik und Wintersport an, genutzt wird die örtliche Turnhalle am Schlesierring.

ReligionBearbeiten

Die evangelisch-lutherische Dorfkirche an der Hauptstraße, deren Kirchengemeinde auch die Kirchen im benachbarten Westerode und Lochtum (Vienenburg) zugeordnet sind, gehört zur Propstei Vienenburg. Früher gehörte sie allerdings zu der Propstei Bad Harzburg. In der Kircheninschrift am Haupteingang ist festgehalten, dass sie um 1200 errichtet wurde und „das älteste Gebäude im Amte Bad Harzburg“ ist.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Johann Christoph Lüders (* 1803 in Bettingerode; † 1872), Industrieller, Industriepionier, Kommunalpolitiker und Kulturförderer
Westpanorama, Blick auf Bettingerode und Umland

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bettingerode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Landkreis Goslar: Der Landkreis Goslar im Überblick. Zahlen, Daten, Fakten. 8. November 2018, abgerufen am 26. Januar 2019.
  2. a b Der Ortsnamenforscher (Memento vom 2. Dezember 2016 im Internet Archive) auf NDR 1 Niedersachsen, Recherche Jürgen Udolph
  3. Richard Wieries: Die Namen der Berge, Klippen, Täler, Quellen, Wasserläufe, Teiche, Ortschaften, Flurteile, Forstorte und Wege im Amtsgerichtsbezirk Harzburg. In: Landesverein für Heimatschutz im Herzogtum Braunschweig (Hrsg.): Die Flurnamen des Herzogtums Braunschweig. Band 1. E. Appelhans & Comp. G.m.b.H, Braunschweig 1910, S. 8 f. (PDF-Datei auf Publikationsserver der TU Braunschweig).
  4. Bernd Stenal: Die Harz-Geschichte 2: Früh- und Hochmittelalter. S. 145 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Wolfgang Petke: Die Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg. 1971 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. a b Ferdinand Julius Eduard Helmbrecht: Das Soolbad Juliushall. Nebst dem Wellenbade und der Molkenanstalt zu Harzburg. 1853, S. 3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Wilhelm Baumgarten: Das größere Bad Harzburg. S. 55.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 272.
  9. Wolfgang Heinemann: Die Chronik des Amtes Harzburg. Hanau 2003, ISBN 3-00-011170-0, S. 378.
  10. Länder- und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch. Band 19. Landes-Industrie-Comptoirs, Weimar 1818, S. 487 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. Karl Andree: Geographie des Welthandels. Band 3, 1877, S. 752 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  12. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. wolfenbuettel.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  13. Harald Meier, Kurt Neumann: Bad Harzburg. Chronik einer Stadt. S. 356.
  14. Filialen auf leiste-lecker.de, abgerufen am 22. März 2013.
  15. Wolfgang Pöhlmann: Es geht um die Wurst: Eine deutsche Kulturgeschichte. Albrecht Knaus Verlag, München 2017, ISBN 978-3-641-17960-1 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).