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Schlewecke (Bad Harzburg)

Stadtteil von Bad Harzburg

Schlewecke [ˈʃleːˌvɛkə] (von altsächsisch Slifede, niederdeutsch Sleiwecke) ist ein Stadtteil von Bad Harzburg im Landkreis Goslar in Niedersachsen, Deutschland und 2,5 km nordwestlich vom Kernbereich von Bad Harzburg entfernt. Mit 1753 Einwohnern (Stand: 30. Juni 2018) handelt es sich nach der Kernstadt, Bündheim und Harlingerode um die viertgrößte Ortschaft im Stadtgebiet.

Schlewecke
Koordinaten: 51° 53′ 51″ N, 10° 32′ 25″ O
Höhe: 225 (208–260) m ü. NN
Einwohner: 1753 (30. Jun. 2018)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1963
Eingemeindet nach: Bündheim
Postleitzahl: 38667
Vorwahl: 05322
Schlewecke (Niedersachsen)
Schlewecke

Lage von Schlewecke in Niedersachsen

Weichbild: Breite Straße in Richtung Bündheim
Weichbild: Breite Straße in Richtung Bündheim

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Der Dorfkern liegt wenige Kilometer nördlich des Harzes im Tal zwischen dem westlichen Langenberg und dem östlichen Scharenberg und liegt damit direkt auf der Harznordrandverwerfung, einer von Hahausen bis Ballenstedt reichenden geologischen Störung. Durch dieses Tal und den Ort fließt die Gläsecke, die in die östlich verlaufende Radau mündet.

NachbarorteBearbeiten

Harlingerode Vienenburg
Gut Radau
Radauanger
Lochtum
Bettingerode
Oker
Göttingerode
  Mathildenhütte
Westerode
Bündheim
Bad Harzburg

OrtsgliederungBearbeiten

Zu Schlewecke gehört statistisch der Wohnplatz Radauanger.

GeschichteBearbeiten

VorgeschichteBearbeiten

Für Schlewecke sind insgesamt vier Funde von Hammeräxten belegt, zwei davon auf dem Flurstück Heisenkamp.[2]

Ortsname und FrühgeschichteBearbeiten

Die genaue Zusammensetzung des Namens Schlewecke ist nur schwierig zu ermitteln, vielleicht handelte es sich um zwei parallel existierende Namen. Klar ist, dass die historischen Belege aus dem 12. bis 13. Jahrhundert Indizien zu mehreren im Braunschweiger Land üblichen Ortsnamensendungen liefern (-de wie in Lengde und engl. wealth, strength, -ferde wie in Leiferde). Erwähnt wurden um 1147 der Name Sleueken und im 13. Jahrhundert Slevedhe (mit [ð] wie in engl. this?) und Slyofede.[3] Eine sekundäre Assimilation zum im Bad Harzburger Raum sehr häufigen Flussnamensuffix -ecke oder ein genereller Wandel hin zu -k- aufgrund der fehlenden Dominanz der beiden Endungen -de/-ferde ist ebenfalls möglich, aber nicht gesichert. Falls es sich um die Endung -ferde handelt, deutet das jedenfalls auf eine Furt hin, was sich durch die ortsdurchfließende Gläsecke oder die etwas weiter unterhalb gelegene Radau erklären ließe.

Erstmals explizit erwähnt wurde Schlewecke im Jahre 1180 als Sclivede in einem Güterverzeichnis des Goslarer Domstifts. Zu dieser Zeit gehörte Schlewecke zum Zubehör des Haupthofs Harlingerode, in dem die unterstellten Orte zentral verwaltet wurden.[4]

NeuzeitBearbeiten

 
Schlewecke im Jahre 1910

Am 10. Juni 1708 wurde die Schlewische Dorfkirche eingeweiht. Bis weit in das 19. Jahrhundert war Schlewecke ein von der Land- und Forstwirtschaft abhängiges Dorf, das erst durch die Eröffnung der Mathildenhütte im Jahre 1861 im Nachbarort Westerode zumindest an von der industriellen Entwicklung im Umland profitierte. Zwischen 1893 und 1903 bestand in Schlewecke eine eigene Post-Agentur der Harzburger Postexpedition; Postagenten der Stelle waren Dietrich Himstedt (1893/94) und Louis Heyke (1895–1903). Von 1910 bis 1912 die Bahnstrecke Oker–Bad Harzburg gebaut, an derer der Ort einen Haltepunkt erhielt. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aufgelassen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Verhandlungen mit Nachbargemeinden zwecks einer Fusion durchgeführt: 1953/54 erwog man zunächst eine Fusion mit der Gemeinde Harlingerode, die letztlich aber am Widerstand des Schlewecker Gemeinderates scheiterte. Am 1. Januar 1963 wurde Schlewecke schließlich in den Nachbarort Bündheim eingemeindet, 1972 ging die Gemeinde wiederum in der Stadt Bad Harzburg auf.[5]

Der Kindergarten in der Bahnhofstraße wurde im Jahr 1993 eröffnet.[6] Zudem besitzt der Ort eine Grund- und eine Hauptschule. Bis 1993 existierte in Schlewecke der TSG Bündheim-Schlewecke von 1890 e.V, der 1993 zusammen mit einem weiteren Verein zur TSG Bad Harzburg fusionierte. Am 24. Dezember 1995 wurde bei Radauanger der Windpark Schlewecke in Betrieb genommen.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Einen starken Einwohnerschub erlebte die Gemeinde Schlewecke Ende des 19. Jahrhunderts sowie mit der Errichtung verschiedener Neubaugebiete im Laufe des 20. Jahrhunderts (Heisenkamp/Hofbreite, Schlewecker Trift).

Bad Harzburg-Schlewecke – Bevölkerungsentwicklung seit 1798
Entwicklung Jahr Einwohnerzahl Jahr Einwohnerzahl Jahr Einwohnerzahl
 
1798 285 1977 1530 2012 1752
1877 685 2005 1883 2013 1734
1885 518 2007 1873 2014 1730
1907 1126 2008 1832 2015 1739
1925 1191 2009 1832 2016 1758
1933 1224 2010 1819 2017 1761
1939 1225 2011 1745 2018 1753

Quelle: [7] 1798,[8] 1877,[9] 1885–1939,[10] 1907,[11] 1977,[12] ab 2011

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Die Landesstraße L 501 bei Schlewecke, bis 1987 Bundesstraße 6

WirtschaftBearbeiten

Schlewecke besitzt keine herausragende wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt Bad Harzburg, zu erwähnen ist einzig die Kläranlage Harzburg im Radauanger. Nahe dieser Siedlung wurde im Oktober 1995 auf dem Güdeckenberg der Windpark Schlewecke eröffnet. Es handelt sich hierbei um den älteren und kleineren der beiden Windparks in Bad Harzburg (neben dem Windpark Harlingerode) mit einer Nennleistung von insgesamt 1,5 MW.

VerkehrBearbeiten

Über die Kreisstraße K 30 besteht nach Osten hin ein Anschluss zur Abfahrt Westerode der Bundesstraße 4. Die Abfahrtrampen sind nur nach Norden hin vorhanden und führen unmittelbar auf das Bad Harzburger Dreieck, über das sowohl ein Anschluss an die Bundesstraße 6 (Goslar) als auch die Bundesautobahn 369 (Bad Harzburg – Vienenburg) und von hier aus über die Bundesautobahn 36 an den überregionalen Verkehr besteht.

Folgende Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen führen durch oder aus Schlewecke:

Nr. Name Verlauf
L 501 An der Rennbahn OkerGöttingerodeHerbrinkBündheimBad Harzburg
K 30 Bahnhofstraße Westerode MathildenhütteK 70/Breite Straße
K 70 Breite Straße Harlingerode – Herbrink – K 30/Bahnhofstraße – Bündheim
Herbrink K 70/Breite Straße – L 501

Der Ort ist über die Buslinien 871 (KVG Braunschweig, Stadtverkehr Bad Harzburg) und 810 (KVG Braunschweig und RBB Busse, Goslar–Harlingerode-Schlewecke–Bad Harzburg) an den ÖPNV angebunden.

BahnverkehrBearbeiten

An der Bahnstrecke Oker–Bad Harzburg bestand zwischen dem 1. Mai 1912 und dem 30. Juni 1974 ein Haltepunkt, der in den 1920er-Jahren mit einem Empfangsgebäude aus Fachwerk versehen wurde.

BildungBearbeiten

In Schlewecke befindet sich der städtische Kindergarten Bahnhofstraße 6b, der zusammen mit dem Kindergarten in Göttingerode seit 2012 über eine gemeinsame Leitung verfügt. Im Ort befindet sich weiterhin die Oberschule Bad Harzburg mit gegenwärtig (Stand: 2018) etwa 550 Schülern.[13]

ReligionBearbeiten

Der Ort Schlewecke ist wie auch die restliche Region evangelisch-lutherisch mit einer großen katholischen Minderheit geprägt. Die evangelische Dorfkirche, ein Saalbau aus Fachwerk, wurde nach einer Inschrift im Kircheninneren im Jahr 1708 vollendet. Der reichgeschnitzte Kanzelaltar stammt aus der Erbauungszeit der Kirche.[14]

Die nächste katholische Kirche befindet sich im Nachbarort Bündheim.

Kultur und SportBearbeiten

Durch seine sehr enge Verwobenheit mit dem Nachbarort Bündheim ist die kulturelle Souveränitat von Schlewecke im Laufe der Zeit untergegangen. Der Ortskern ist idyllisch an der Gläsecke gelegen und beinhaltet einen Dorfteich mit Spielplatz. Unmittelbar westlich der Siedlung gelegen ist das mit Wanderwegen erschlossene Naturschutzgebiet Östlicher Langenberg; die an den Ort grenzende Flur Heisenkamp bietet einen guten Blick in das Harzburger Harzvorland.

Schlewecke hat eine bewegte Sportgeschichte: Der MTV Schlewecke von 1890 war für lange Zeit der örtliche Sportverein in Schlewecke, als zweiter Verein tätig war der SV Grün-Weiß Schlewecke von 1920. Im Zuge der Gemeindefusion mit Bündheim fusionierte dieser mit dem TSV Bündheim von 1921 zur TSG Bündheim-Schlewecke. Diese fusionierte am 22. April 1993 mit dem Ballspielverein Bad Harzburg von 1950 e.V. zur TSG Bad Harzburg von 1890 e.V., die die Jahreszahl von dem ältesten Verein, dem schlewischen MTV übernahm.[15]

Abgesehen von der Schützengesellschaft SG Schlewecke v. 1954 e. V. ist in Schlewecke kein Sportverein mehr ansässig, jedoch findet sich im Ort ein lokal bedeutendes Fitnesscenter.

PersönlichkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Schlewecke (Bad Harzburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Stadt Bad Harzburg: Zahlen, Daten, Fakten. 31. Dezember 2017, abgerufen am 27. Januar 2018.
  2. Richard Wieries: Geschichte des Amtes Harzburg nach seinen Forst-, Flur- und Straßennamen. Appelhans, Braunschweig 1937 (tu-braunschweig.de [PDF; 89,3 MB; abgerufen am 3. Oktober 2018]).
  3. Gerhard Köbler: WikiLing – Schlewecke, abgerufen am 18. Februar 2018.
  4. Schlewecke wurde 1180 erstmals namentlich erwähnt auf archiv-vegelahn.de, abgerufen am 8. Januar 2019.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 272.
  6. Kindergarten Bahnhofstrasse 6b
  7. Wolfgang Heinemann: Die Chronik des Amtes Harzburg. Hanau 2003, ISBN 3-00-011170-0, S. 378.
  8. Ferdinand Julius Eduard Helmbrecht: Das Soolbad Juliushall. Nebst dem Wellenbade und der Molkenanstalt zu Harzburg. 1853, S. 3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. wolfenbuettel.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. J. Springer: Arbeiten aus dem Reichsgesundheitsamte. Band 25, 1907, S. 78 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. Friedrich Müller, Joachim Müller: Müllers großes deutsches Ortsbuch. Band 19, 1977, S. 783 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  12. Landkreis Goslar: Der Landkreis Goslar im Überblick. Zahlen, Daten, Fakten. 8. November 2018, abgerufen am 26. Januar 2019.
  13. Die Oberschule Bad Harzburg auf hrs-deilich.de, abgerufen am 27. Mai 2018, PDF.
  14. SCHLEWECKE Stadt Bad Harzburg, Kr. Goslar. Ev. Kirche. In: Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bremen Niedersachsen. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 1992, S. 1171; ISBN 3-422-03022-0
  15. Allgemeines zur TSG auf tsg-bad-harzburg.de, abgerufen am 22. August 2018.