Bahnhof Hartmannshof

Bahnhof im Landkreis Nürnberger Land in Bayern

Der Bahnhof in Hartmannshof, einem Ortsteil der Gemeinde Pommelsbrunn im Landkreis Nürnberger Land in Bayern, wurde 1858/59 errichtet. Das ehemalige Empfangsgebäude ist ein geschütztes Baudenkmal.

Bahnhof in Hartmannshof mit dem ehemaligen Bahnhofsgebäude, das seit 2011 das Vorgeschichtsmuseum Urzeitbahnhof Hartmannshof enthält

BeschreibungBearbeiten

Der Bahnhof Hartmannshof liegt an der Bahnstrecke Nürnberg–Schwandorf. Er ist östlicher Endpunkt der Linie S1 des S-Bahnnetzes Nürnberg.

GeschichteBearbeiten

Die Planung und Ausführung des Gebäudes werden Georg Friedrich Christian Bürklein, einem Schüler von Friedrich von Gärtner, zugeschrieben. Der zweigeschossige Satteldachbau mit erdgeschossigem Flügel ist eines der wenigen noch weitgehend erhaltenen Stationsgebäude an dieser Bahnstrecke. Es ist vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Baudenkmal (D-5-74-147-53) ausgewiesen.

Nördlich des Bahnhofes bestanden Anschluss- und Verladegleise zum 1860 gegründeten Kalk-, Stein- und Zementwerk Sebald Zement GmbH. Der umfangreiche Verkehr wurde mit einer eigenen Werklokomotive durchgeführt.

Heutige NutzungBearbeiten

Der Bahnhof hat seit der Fertigstellung der S-Bahnstrecke drei Bahnsteiggleise an einem Hausbahnsteig und einem Inselbahnsteig. Der Inselbahnsteig mit den Gleisen 2 und 3 wird über eine Unterführung erreicht. Während Gleis 1 und 2 richtungsrein den Regionalexpresszügen Richtung Schwandorf bzw. Nürnberg dienen, wenden die hier endenden S-Bahn-Züge an Gleis 3. Die ehemaligen Gütergleise sind entfernt.

Linie Strecke Takt Fahrzeugmaterial Betreiber
RE 40 Nürnberg – Hersbruck (re Pegnitz) – Hartmannshof – Neukirchen (b Sulzbach-Rosenberg) – Amberg – Schwandorf – Regensburg Stundentakt
(+ HVZ-Verstärker)
Baureihe 612
(RegioSwinger)
DB Regio AG Bayern
RE 41 Weiden (Oberpf) – Neustadt (Waldnaab)
RE 47 Nürnberg – Hersbruck (re Pegnitz) – Hartmannshof – Neukirchen (b Sulzbach-Rosenberg) – Amberg – Schwandorf – Furth im Wald zwei Zugpaare
S 1 Bamberg – Forchheim – Erlangen – Fürth – Nürnberg – Röthenbach – Lauf – Hersbruck (li Pegnitz) – Hartmannshof Stundentakt Baureihe 442
(Talent 2)

Urzeitbahnhof HartmannshofBearbeiten

Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Hartmannshof wurde 1992 von Kurt Tausendpfund, dem Inhaber der dortigen Sebald-Zement-Werke erworben. Am 15. Oktober 2011 wurde nach umfangreichen Renovierungsarbeiten im Bahnhofsgebäude das Vorgeschichtsmuseum Urzeitbahnhof Hartmannshof eröffnet. Das Museum gibt einen Überblick über 100 000 Jahre Umwelt- und Menschheitsgeschichte. Es werden Funde vor allem aus dem östlichen Teil des Nürnberger Landes gezeigt.

Im 1. Stockwerk werden auf leicht verständliche Weise die wichtigsten bisherigen Ergebnisse der Erforschung der nahebei gelegenen Höhlenruine von Hunas präsentiert. Das umfangreiche Fundmaterial unter anderem zu etwa 140 Tierarten (z. B. Höhlenlöwe und Höhlenbär) stellt ein weit über Bayern hinaus einzigartiges Archiv zur Umweltgeschichte des eiszeitlichen Menschen dar. In den Ablagerungsschichten war über einen langen Zeitraum hinweg der ständigen Wechsel von Klima und Umweltbedingungen während des Eiszeitalters dokumentiert.

Ein besonderes Highlight ist die Kopie eines bei den Ausgrabungen 1986 gefundenen 60 000 Jahre alten menschlichen Backenzahnes – das bislang älteste Überbleibsel eines Menschen in Bayern. Auch auf den Verlauf und die Methodik der Ausgrabungen wird in Text und Bild eingegangen.

Einmalig ist auch die Ausstellung im Dachgeschoss. Anhand von Funden aus der direkten Umgebung – 500 Fundplätze in einem Gebiet von weniger als 5 km Durchmesser – führt ein chronologisch konzipierter Rundgang durch 12 000 Jahre Menschheitsgeschichte von den letzten Eiszeitjägern über alle folgenden Epochen bis zum Ende der keltischen Zivilisation (15 v. Chr.). Damit gehört die Archäologische Kleinregion Hartmannshof zu den am besten erforschten Kleinräumen im Süddeutschen Raum. Diese intensive Erforschung beruht auf den langjährigen archäologischen Untersuchungen des Heimatpflegers Werner Sörgel und seiner Frau Edith in Form von Feldbegehungen und Beobachtungen bei Bodeneingriffen. Diese haben seit 1971 belegt, dass der Hartmannshofer Landschaftsraum in der Vorgeschichte dicht besiedelt war.[1]

Kurt Tausendpfund und Werner Sörgel erlebten die Ausgrabungen in der Höhlenruine von Hunas seit der Entdeckung von 1956 durch den Erlangener Paläontologen Florian Heller von Anfang an hautnah mit, wodurch wohl ihr Faible für die Vorgeschichte entstand, was schließlich in der Errichtung des Urzeitbahnhofs Hartmannshof gipfelte.[2]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Bahnhof Hartmannshof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Werner Sörgel: Von den letzten Eiszeitjägern zu den Kelten. Verlag Dr. Faustus, Büchenbach 2012, ISBN 978-3-933474-80-3.
  2. Hans Böller: Der erste Bayer war ein Franke. Nürnberger Nachrichten, 12. Oktober 2020.

Koordinaten: 49° 29′ 56,2″ N, 11° 33′ 18,3″ O