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Bahnhof Antwerpen-Centraal

Bahnhof in Belgien

Der Bahnhof Antwerpen-Centraal (niederländisch Antwerpen-Centraal, französisch Anvers-Central) ist ein Bahnhof der NMBS/SNCB in Antwerpen (Belgien). Der ehemalige Kopfbahnhof wird täglich von etwa 540 Zügen befahren. Die Verbindungen gehen u. a. bis nach Rotterdam (– Amsterdam), Gent (– Kortrijk), Brügge (– Ostende), Brüssel, Lüttich, Neerpelt und Puurs. Der Bahnhof liegt am Astridplein östlich der Antwerpener Altstadt, unmittelbar neben dem berühmten Zoo.

Antwerpen-Centraal
Antwerpen Centraal station 12-07-2010 14-04-17.JPG
Empfangsgebäude
Daten
Lage im Netz Endbahnhof
Bauform Kopfbahnhof, Tunnelbahnhof
Bahnsteiggleise 14 (6 in Ebene +1, 4 in Ebene −1, 4 in Ebene −2)
IBNR 8800007
Eröffnung 11. August 1905
Architektonische Daten
Architekt Louis de la Censerie
Lage
Stadt/Gemeinde Antwerpen
Provinz Provinz Antwerpen
Region Flandern
Staat Belgien
Koordinaten 51° 13′ 2″ N, 4° 25′ 16″ OKoordinaten: 51° 13′ 2″ N, 4° 25′ 16″ O
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe in Belgien

GeschichteBearbeiten

Der erste Bahnhof Borgerhout war die Endstation der am 3. Juni 1836 eröffneten Bahnlinie Mechelen–Antwerpen. 1843 wurde die Strecke zum Bahnhof Antwerpen-Dokken en Stapelplaatsen am Hafen verlängert, wo auch die Bahnstrecke Richtung Deutschland (Eiserner Rhein) begann. 1854 ersetzte ein neues Gebäude das hölzerne Empfangsgebäude, und der Bahnhof Borgerhout erhielt die Bezeichnung Antwerpen-Oost.

1873 wurde der Bahnhof wieder zum Kopfbahnhof zurückgebaut, weil der zunehmende Verkehr in Richtung Niederlande nicht länger ebenerdig durch die belebte Stadt geführt werden konnte. Im Osten wurde eine Umfahrung auf einem Damm gebaut.

 
Im alten Hauptgebäude, 2007
 
Westansicht des Empfangsgebäudes
 
Schauseite des Empfangsgebäudes zu den Bahnsteigen
 
Symmetrie in Stahl und Glas: die große Bahnsteighalle
 
Große Eingangshalle

Die heutige Anlage aus den Jahren 1899 und 1905 erhielt eine 186 m lange und 66 m breite Bahnhofshalle aus Stahl nach einem Entwurf des Ingenieurs Clement Van Bogaert. Die Höhe von 43 m berücksichtigte die Abgase der Dampflokomotiven. Das steinerne Empfangsgebäude in eklektizistischem Stil stammt von Louis de la Censerie. Er ließ sich vom Bahnhof Luzern und dem Pantheon in Rom inspirieren. Wegen der dominierenden Kuppel (75 m hoch) wird das Gebäude im Volksmund Spoorwegkathedraal (= Eisenbahnkathedrale) genannt. Eröffnet wurde der Bahnhof am 11. August 1905 unter dem Namen Antwerpen-Centraal. Den freiwerdenden Name Antwerpen-Oost erhielt nun ein Haltepunkt an der Ostumfahrung.

Mitte des 20. Jahrhunderts war der Bahnhof baulich in einem sehr schlechten Zustand. Der kalkhaltige Vinalmontstein, aus dem die Kuppel errichtet ist, begann sich zu zersetzen. 1953 lösten sich erste Steine, 1957 wurde sogar ein Fahrgast von einem herabfallenden Stein getroffen. Der Abriss des Gebäudes wurde in den 1960er Jahren erwogen. Das Gebäude erhielt aber Denkmalschutz und wurde ab 1993 grundlegend renoviert.[1]

Nord-Süd-VerbindungBearbeiten

 
Der neuere Teil des Bahnhofes, Zugang zu den Fernstrecken im Untergeschoss
 
Alte Bahnhofsuhr

Die Kapazität des historischen Kopfbahnhofs mit zehn Gleisen stieß an ihre Grenzen.[2] Es gab zu wenige Gleise und die Bahnsteige waren zu kurz. Auch das Kopfmachen der Züge senkte die Kapazität.

Nachdem das Zugangebot mit der Verkehrsnachfrage aufgrund der Kapazitätsprobleme nicht Schritt halten konnte, wurden Pläne für einen Umbau des Bahnhofs entwickelt. Der Bahnhof wurde bei dem Umbau umfassend umgestaltet, der Bahnbetrieb wird nun auf drei Ebenen abgewickelt: Von den zehn Kopfgleisen im Obergeschoss (Ebene +1) blieben je drei an beiden Seiten erhalten. Neu sind zwei Untergeschosse; das erste Untergeschoss (Ebene −1) erhält vier Kopfgleise, das zweite Untergeschoss (Ebene −2) vier Durchfahrtsgleise. Ab Mai 1998 wurde an der Nord-Süd-Verbindung gearbeitet, die die Stadt und den Bahnhof unterquert. Der zweiröhrige Tunnel ist mit 90 km/h befahrbar und erspart internationalen Zügen von Brüssel nach Amsterdam, auch den Hochgeschwindigkeitszügen auf den Schnellfahrstrecken HSL 4 und HSL-Zuid (Schnellfahrstrecke Schiphol–Antwerpen), ein Kopfmachen in Antwerpen-Centraal. Der unterirdische Bahnhofsteil wurde am 23. März 2007 eröffnet. Die vier Ebenen des Bahnhofs werden mit 40 Aufzügen und 48 Rolltreppen verbunden.[1] Das imposante Empfangsgebäude blieb erhalten, auch in seiner Funktion.

SonstigesBearbeiten

Der Bahnhof ist eine beliebte Kulisse für eine Vielzahl von Spielfilmen geworden. Ein bekanntes Beispiel ist die Anfangsszene von De zaak Alzheimer mit der Ankunft des Serienmörders Ledda aus Frankreich.

2009 entstand bei einem inszenierten Flashmob ein Musikvideo mit dem Lied „Do-Re-Mi“ aus dem Rodgers- und Hammerstein-Musical The Sound of Music, das schnell zu einem sogenannten „viralen“ Video im Internet wurde.[3] Teile des Videos tauchen auch im Flashmob-Video E.L.O. (Electric Light Orchestra) All Over The World auf.[4]

Als König Leopold II. 1905 bei der Eröffnung den Bahnhof das erste Mal sah, fiel ihm dessen offensichtliche Größe auf. Seine Reaktion darauf war: C'est une petite belle gare (Das ist ein netter, kleiner Bahnhof).[1]

Nach einer Untersuchung von Newsweek ist es der viertschönste Bahnhof der Welt.

VerkehrBearbeiten

Stand: Fahrplanperiode 10. Dezember 2017 bis 8. Dezember 2018

Linie Verlauf Takt Mo–Fr Takt Sa, So
THA
(Thalys)
Paris-Nord – Brüssel-Süd – Antwerpen-Centraal – Rotterdam Centraal – Flughafen Schiphol – Amsterdam Centraal 60 min mit Lücken 60 min mit Lücken
THA
(Thalys)
Lille-Europe – Brüssel-Süd – Antwerpen-Centraal – Rotterdam Centraal – Flughafen Schiphol – Amsterdam Centraal 1 Zug/Tag Freitag nur nach Amsterdam 1 Zug/Tag nur sonntags
IC 02 Oostende – Brugge – Gent-Sint-Pieters – Gent-Dampoort – Lokeren – Sint-Niklaas – Antwerpen-Berchem – Antwerpen-Centraal 60 min 60 min
IC 04 Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Berchem – Sint-Niklaas – Lokeren – Gent-Dampoort – Gent-Sint-Pieters – Kortrijk, Zugtrennung, Teil 1:Ypern – Poperinge; Teil 2:Mouscron – Lille-Flandres 60 min 60 min
IC 05 Charleroi-Sud – Nivelles – Brüssel-Süd – Brüssel-Central – Brüssel-Nord – Mechelen – Antwerpen-Berchem – Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Luchtbal – Essen 60 min
IC 07 Charleroi-Sud – Nivelles – Brüssel-Süd – Brüssel-Central – Brüssel-Nord – Mechelen – Antwerpen-Berchem – Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Luchtbal – Antwerpen-Noorderdokken 60 min
IC 08 Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Berchem – Mechelen – Flughafen Brüssel-Zaventem – Leuven – Hasselt (– Tongern einzelne Fahrten) 60 min Antwerpen–Hasselt/Tongern Sa: 60 min
So: 60 min bis Leuven, jeder 2. Zug nach Hasselt
IC 09 Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Berchem – Lier – Aarschot (– Leuven oderHasselt – Tongern – Liège-Saint-Lambert – Liège-Guillemins) 60 min Antwerpen–Leuven 60 min Antwerpen–Liège
IC 10 Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Berchem – Lier – Herentals – Mol, Zugtrennung, Teil 1:Hamont, Teil 2:Hasselt 60 min Sa: 60 min
So: 60 min nur jeder 2. Zug führt Zugteil nach Hasselt
IC 22 Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Berchem – Mechelen – Brüssel-Nord – Brüssel-Central – Brüssel-Süd (– Braine-le-Comte – La Louvière – Binche) 60 min nur Antwerpen–Brüssel 60 min Antwerpen–Binche
IC 28 Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Berchem – Sint-Niklaas – Lokeren – Gent-Dampoort – Gent-Sint-Pieters – Lichtervelde – De Panne 60 min
IC 30 Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Berchem – Lier – Herentals – Turnhout 60 min 60 min
IC 31 Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Berchem – Mechelen – Brüssel-Nord – Brüssel-Central – Brüssel-Süd (– Nivelles – Charleroi-Sud) 60 min nur Brüssel–Antwerpen 60 min Antwerpen–Charleroi
IC 35 Brüssel-Süd – Brüssel-Central – Brüssel-Nord – Flughafen Brüssel-Zaventem – Mechelen – Antwerpen-Berchem – Antwerpen-Centraal – Breda – Rotterdam Centraal (– Flughafen Schiphol – Amsterdam Centraal oderDen Haag Hollands Spoor) 60 min 4 Züge/Tag nach Den Haag statt Amsterdam 60 min 4 Züge/Tag nach Den Haag statt Amsterdam
L 23 Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Berchem – Lier – Aarschot – Leuven 60 min 60 min
S 1 Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Berchem – Mechelen – Schaerbeek/Schaarbeek – Brüssel-Nord – Brüssel-Central – Brüssel-Süd (– Braine-l’Alleud – Nivelles) 30 min Antwerpen–Nivelles Sa: 30 min Antwerpen–Nivelles
So: 60 min nur Antwerpen–Brü.-Süd
S 32 Puurs – Antwerpen-Zuid – Antwerpen-Berchem – Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Luchtbal – Antwerpen-Noorderdokken – Essen (– Roosendaal umsteigen in Essen) 30 min nur Puurs–Essen 60 min nur Puurs–Essen
S 33 Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Berchem – Lier – Herentals – Mol 60 min
S 34 Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Berchem – Antwerpen-Zuid – Sint-Niklaas – Lokeren 60 min
S 53 Antwerpen-Centraal – Antwerpen-Berchem – Antwerpen-Zuid – Sint-Niklaas – Lokeren – Gent-Dampoort – Gent-Sint-Pieters 60 min
P verschiedene Verstärkerfahrten HVZ
ICT verschiedene Fahrten von/zu touristischen Orten Touristensaison

FilmBearbeiten

  • Bahnhofskathedralen – Europas Reise-Paläste. Antwerpen. (OT: Gares d’Europe, les temples du voyage. Anvers.) Dokumentarfilm, Frankreich, 2018, 43:07 Min., Buch und Regie: Jeremy J.P. Fekete, Produktion: Yuzu Productions, arte France, ServusTV, Reihe: Bahnhofskathedralen – Europas Reise-Paläste (OT: Gares d’Europe, les temples du voyage), Erstsendung: 25. Oktober 2018 bei arte, Inhaltsangabe von ARD.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bahnhof Antwerpen-Centraal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Richard Deiss: Flügelradkathedrale und Zuckerrübenbahnhof. Kleine Geschichte zu 200 europäischen Bahnhöfen. BoD, Norderstedt 2013, ISBN 3-8482-7487-6, S. 38 Antwerpen – die Eisenbahn-Kathedrale.
  2. Sven Andersen: Neu- und Ausbaustrecken für den Hochgeschwindigkeitsverkehr in Belgien. In: Eisenbahn-Revue International, ISSN 1421-2811, 2002, Heft 6, S. 278–281.
  3. Video: Historischer Flash Mob im Antwerpener Hauptbahnhof, do re mi auf YouTube, 16. November 2010.
  4. Video: E.L.O (Electric Light Orchestra) All Over The World auf YouTube, 9. Dezember 2012.