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Assam – অসম
Wappen
Status Bundesstaat
Hauptstadt Dispur
Fläche 78.438 km²
Einwohner 31.169.272 (2011)
Bevölkerungsdichte 397 Einwohner je km²
Sprachen Asamiya; Bengali, Bodo (assoziierte Amtssprachen auf regionaler Ebene)[1]
Gouverneur Janaki Ballabh Patnaik
Chief Minister Sarbananda Sonowal (BJP) (seit 2016)
Website

assam.gov.in

ISO-Code

IN-AS

Nordteil von Arunachal Pradesh: de-facto Indien - von China beanspruchtTeilgebiete von Uttarakhand: de-facto Indien - von China beanspruchtde-facto China - von Indien beanspruchtde-facto China - von Indien beanspruchtde-facto Pakistan - von Indien beanspruchtde-facto Pakistan - von Indien beanspruchtSiachen-Gletscher (umkämpft zwischen Pakistan und Indien)Jammu und Kashmir: de-facto Indien - von Pakistan beanspruchtMaledivenSri LankaIndonesienAfghanistanNepalBhutanBangladeschPakistanChinaMyanmarThailandTadschikistanDelhiGoaDadra und Nagar HaveliTamil NaduKeralaAndhra PradeshArunachal PradeshAssamBiharChhattisgarhGujaratHaryanaHimachal PradeshJammu und KashmirJharkhandKarnatakaMadhya PradeshMaharashtraManipurMeghalayaMizoramNagalandOrissaPunjabRajasthanSikkimTelanganaTripuraUttarakhandUttar PradeshWestbengalenAndamanen und NikobarenLakshadweepKarte
Über dieses Bild

Assam (Assamesisch: অসম [ɔxɔm], Asam) ist ein indischer Bundesstaat mit einer Fläche von 78.438 km² und 31,2 Millionen Einwohnern (Volkszählung 2011). Hauptstadt und Regierungssitz ist Dispur, ein Vorort von Guwahati, der größten Stadt des Bundesstaats. Die hauptsächlich gesprochenen Sprachen sind Assamesisch (Asamiya) und Bengalisch (Bengali) neben zahlreichen Kleinsprachen der tibetobirmanischen Sprachfamilie.

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Lage und AusdehnungBearbeiten

 
Der Brahmaputra in Guwahati

Assam liegt im Nordosten Indiens und gehört zu den sogenannten sieben Schwesterstaaten, die nur durch einen schmalen Korridor mit dem Rest des Landes verbunden sind. Nachbarbundesstaaten sind Arunachal Pradesh im Nordosten, Nagaland und Manipur im Osten, Mizoram, Tripura und Meghalaya im Süden und Westbengalen im Westen. Im Nordwesten liegt die Staatsgrenze zu Bhutan, im Südwesten und Süden besitzt Assam zwei Grenzabschnitte zu Bangladesch. Die Fläche des Bundesstaates beträgt 78.512 Quadratkilometer. Damit nimmt er eine mittlere Stellung unter den Bundesstaaten Indiens ein und ist genauso groß wie Tschechien.

Der Großteil Assams gehört zum Flusstal des Brahmaputra, das zwischen dem Himalaya im Norden und den Bergen von Meghalaya, North Cachar und Nagaland im Süden liegt. Der Brahmaputra entspringt in Tibet und tritt, nachdem er den Himalaya in einer tiefen Schlucht durchquert hat, in die Flussebene Assams ein. Hier erreicht er stellenweise eine Breite von zehn Kilometern. Das Brahmaputra-Tal ist etwa 1000 Kilometer lang und 80 bis 100 Kilometer weit. Im Süden Assams liegen die Bareil-Berge und jenseits davon das Barak-Tal. Das 40 bis 50 Kilometer breite Flusstal des Barak ist durch die Berge vom restlichen Assam isoliert und stellt sich geografisch als Fortsetzung der Flussebenen Ostbengalens dar.

StädteBearbeiten

 
Blick auf Guwahati

Die mit Abstand größte Stadt Assams ist Guwahati (ehemals Gauhati) mit gut 800.000 Einwohnern (Volkszählung 2001). Die Hauptstadt Assams ist Dispur, ein Vorort Guwahatis.

(Stand: Volkszählung 2001)

Stadt Einwohner Stadt Einwohner
1 Guwahati 808.021 8 Bongaigaon 60.550
2 Silchar 142.393 9 Tezpur 58.240
3 Dibrugarh 122.523 10 Sivasagar 54.482
4 Nagaon 107.471 11 North Lakhimpur 54.262
5 Tinsukia 85.519 12 Karimganj 52.316
6 Jorhat 66.450 13 Diphu 52.062
7 Dhubri 63.965 14 Goalpara 48.911

BevölkerungBearbeiten

DemografieBearbeiten

 
Reisbauern im Distrikt Nagaon

Nach der indischen Volkszählung 2011 hat Assam 31.169.272 Einwohner. Zwischen 2001 und 2011 nahm die Einwohnerzahl um 16,9 Prozent zu. Die Wachstumsrate entspricht damit dem Durchschnitt Indiens von 17,6 Prozent im Vergleichszeitraum. Die Bevölkerungsdichte Assams beträgt 397 Einwohner pro Quadratkilometer und liegt damit nahe am gesamtindischen Durchschnitt von 382 Einwohnern pro Quadratkilometer. Dabei konzentriert sich ein großer Teil der Bevölkerung auf die ländlichen Gebiete: Nur 14,1 Prozent der Einwohner Assams leben in Städten. Der Urbanisierungsgrad ist damit deutlich niedriger als der Landesdurchschnitt von 31,2 Prozent. Mit einer Alphabetisierungsquote von 73,2 Prozent rangiert Assam im Mittelfeld der indischen Bundesstaaten und liegt nahe am Mittelwert Indiens (74,0 Prozent).[2]

Eine nicht unbeträchtliche Minderheit der Einwohner Assams gehört einer Reihe von indigenen Völkern an. Obwohl sie sich hauptsächlich in sprachlich-kultureller, weniger in wirtschaftlich-sozialer Hinsicht von der Mehrheitsbevölkerung unterscheiden, werden diese Ethnien häufig als „Stammesvölker“ (tribals) bezeichnet. Die indische Volkszählung 2001 klassifiziert 12,4 Prozent der Bevölkerung als Angehörige der Stammesbevölkerung (Scheduled Tribes). Die größte Gruppe bilden dabei die Bodo, die in den Ebenen des unteren Brahmaputra-Tals im Westen Assams siedeln und rund 40 Prozent der Stammesbevölkerung Assams ausmachen. Die übrigen Stammesvölker leben in den Berggegenden im Osten und Süden Assams. Die größten von diesen sind die Miri, Mikir, Rabha, Kachari, Lalung, Dimasa und Deori.[3] Die beiden Distrikte Dima Hasao und Karbi Anglong, in denen die Stammesvölker die Bevölkerungsmehrheit stellen, und die Bodo-Gebiete (Bodoland) besitzen einen Autonomiestatus.[4]

In Assam lebt eine größere Zahl von Einwanderern aus anderen Teilen Indiens und aus Bangladesch. Vor allem die illegale Einwanderung von muslimischen Bengalen aus Bangladesh hat zu einem zunehmenden Maß an Fremdenfeindlichkeit unter der alteingesessenen Bevölkerung Assams geführt, die eine Überfremdung und schleichende Islamisierung Assams fürchten. Dieser Konflikt hat sich wiederholt in schweren Pogromen gegen muslimische Bengalen geäußert.

SprachenBearbeiten

Sprachen in Assam
Sprache  Prozent
Assamesisch
  
49,4 %
Bengalisch
  
27,9 %
Hindi
  
6,0 %
Bodo
  
4,9 %
Nepali
  
2,1 %
Miri
  
2,0 %
Karbi (Mikir)
  
1,5 %
Andere
  
6,2 %
Verteilung der Sprachen (Volkszählung 2001)[5]

Die Amtssprache Assams ist das Assamesische. Das Assamesische gehört zu den indoarischen Sprachen und ist somit mit den Sprachen Nordindiens und auch entfernt mit den meisten in Europa gesprochenen Sprachen verwandt. Von den indoarischen Sprachen ist das Assamesische am weitesten nach Osten vorgedrungen. Es wird von der Hälfte der Einwohner Assams als Muttersprache gesprochen.

Unter der eingewanderten Bevölkerung sind vor allem Bengalisch (28 Prozent), Hindi (6 Prozent) und Nepali (2 Prozent) verbreitet. Das Bengalische ist außerdem im Barak-Tal, das historisch und kulturell starke Affinitäten nach Ostbengalen aufweist, die angestammte Mehrheitssprache. In den dortigen drei Distrikten Cachar, Karimganj und Hailakandi besitzt es neben dem Assamesischen einen Status als assoziierte Amtssprache.

Die Stammesbevölkerung Assams spricht verschiedene Sprachen, die größtenteils zur tibetobirmanischen Sprachfamilie gehören. Die größte dieser Sprachen ist das Bodo, die Sprache der gleichnamigen Volksgruppe. Es wird von 5 Prozent der Bevölkerung Assams als Muttersprache gesprochen und ist in den Bodo-Gebieten assoziierte Amtssprache neben dem Assamesischen. Die Stammesvölker im Osten Assams sprechen eine Vielzahl kleinerer tibetobirmanischer Sprachen. Die wichtigsten sind Miri, Karbi, Garo, Rabha und Dimasa. Die historisch bedeutsame Ahom-Sprache, die im Ahom-Reich als Hof- und Literatursprache diente, ist seit dem 19. Jahrhundert ausgestorben, in Teilen Assams werden aber noch kleine Tai-Sprachen gesprochen.[6]

ReligionenBearbeiten

Religionen in Assam
Religion  Prozent
Hinduismus
  
61,5 %
Islam
  
34,2 %
Christentum
  
3,7 %
Andere
  
0,6 %
Verteilung der Religionen (Volkszählung 2011)[7]

Die Mehrheit der Einwohner Assams sind Hindus. Nach der Volkszählung 2011 machen sie 62 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates aus. Ihr Anteil ist damit niedriger als im Durchschnitt Indiens. Hingegen gibt es eine große Minderheit von Muslimen. Mit 34 Prozent hat Assam nach dem mehrheitlich muslimischen Jammu und Kashmir den zweithöchsten muslimischen Bevölkerungsanteil aller indischen Bundesstaaten. In mehreren Distrikten Assams stellen Muslime die Bevölkerungsmehrheit. Ferner gibt es eine christliche Minderheit von knapp 4 Prozent. Besonders hoch ist der christliche Bevölkerungsanteil unter den Stammesvölkern. So bekennt sich im mehrheitlich von indigenen Völkern bewohnten Distrikt Dima Hasao über ein Viertel der Einwohner zum Christentum.

GeschichteBearbeiten

Anfänge und KolonialgeschichteBearbeiten

 
Palastanlage Kareng Ghar, ein Beispiel für die Ahom-Architektur aus dem 18. Jahrhundert

Assam stand seit 1228 unter der Herrschaft der Ahom-Dynastie. Die Ahom waren ein aus dem Gebiet des heutigen Thailand stammendes Eroberervolk, das anfänglich dem buddhistischen Glauben anhing, sich jedoch später im Laufe der Jahrhunderte mit der unterworfenen assamesischen Mehrheitsbevölkerung assimilierte, in ihr aufging und den Hinduismus annahm. Bedingt durch die relativ abgeschiedene Lage machte Assam eine von restlichen Indien unterschiedliche Entwicklung durch. Das Land war beispielsweise nie unter der Herrschaft muslimischer Herrscher und gehörte nie zum Mogulreich.

1826 übernahm die Britische Ostindien-Kompanie Assam nach dem Ersten Anglo-Birmanischen Krieg von den Birmanen. Verwaltungsmäßig wurde das neue Gebiet an die Präsidentschaft Bengalen angegliedert, was unter anderem auch zur Folge hatte, dass viele britisch-bengalische Beamte und Arbeiter aus ganz Indien für die sich neu etablierenden Teeplantagen ins Land kamen. Schon vor der britischen Machtübernahme hatte es immer wiederkehrende Konflikte zwischen den Bewohnern der Brahmaputra-Ebene (‚plains people‘) und den Bewohnern des Berglandes (‚hills people‘) gegeben. Erstere waren Hindus und sprachen meist Assamesisch, letztere gehörten tibeto-birmanischen Stammesvölkern an, die ihren lokalen Religionen anhingen. Unter der britischen Kolonialherrschaft kam noch eine weitere ethnisch-religiöse Konfliktebene hinzu – jene zwischen den autochthonen Bewohnern Assams (den Assamesen und Stammesvölkern) und den Einwanderern aus anderen Teilen Indiens. Die Einwanderer waren anfänglich überwiegend bengalische Hindus, aber später wanderten zunehmend auch bengalische Muslime nach Assam ein. Im Jahr 1874 wurde das Gebiet von der Präsidentschaft Bengalen verwaltungsmäßig abgetrennt und zur North-East-Frontier-Provinz erhoben. Nach der Teilung Bengalens 1905 wurde es wieder der neu geschaffenen Provinz Ostbengalen (East Bengal) zugeschlagen. Nachdem die Teilung aufgrund der anhaltenden Proteste wieder rückgängig gemacht werden musste, wurde die Provinz Assam 1911 neu geschaffen.

Nach der UnabhängigkeitBearbeiten

 
Der Bundesstaat Assam im Jahr 1950:
reguläre Distrikte Assams
Stammesgebiete:
1. „A-Stammesgebiete“
autonome Distrikte
2. „B-Stammesgebiete“ (direkt dem Gouverneur unterstellt):
North-East Frontier Agency (NEFA)
„unorganisiertes“ Naga-Stammesgebiet

Nach der Teilung Indiens im Zuge der Unabhängigkeit von den Briten 1947 wurde nach einem Referendum am 6. Juli 1947 das zuvor zur Provinz Assam gehörende Gebiet Sylhet Teil des neuen Ostpakistans. Das übrige Assam trat der Indischen Union bei und bildete seit 1950 den Bundesstaat Assam. Assam war ein ausgesprochen multiethnischer Bundesstaat. Der Assamesisch sprechende Bevölkerungsanteil lag nur bei etwa 60 %. Die 1950 in Kraft getretene Verfassung der Republik Indien sah eine besondere Verwaltung für die Stammesgebiete in Assam vor. Im Anhang 6 (6th Schedule) der Verfassung wurde diese geregelt. Es wurde zwischen „A-“ und „B-Stammesgebieten“ (Part A, Part B) unterschieden. Die A-Stammesgebiete wurden als „autonome Distrikte“ bezeichnet, hatten aber insgesamt etwa denselben Status wie die anderen Distrikte Assams und wählten bei Wahlen beispielsweise auch Abgeordnete in das Parlament von Assam und in das gesamtindische Parlament. Die B-Stammesgebiete, zu denen das Gebiet der North-East Frontier Agency (NEFA) und das Naga-Stammesgebiet (Naga Tribal Area) zählten, unterstanden dagegen direkt dem Gouverneur von Assam als dem Vertreter des indischen Staatspräsidenten und hatten auch keine parlamentarische Vertretung in einem indischen Parlament. In der Verfassung war ausdrücklich festgelegt, dass die indische Zentralregierung das Recht haben sollte, nach eigenem Ermessen die Grenzen der Stammesgebiete zu ändern, oder beispielsweise einzelne Stammesgebiete aus Assam auszugliedern.

In den 1960er und 1970er Jahren betrieb die assamesische Regierung eine Politik der „Assamisierung“. Die assamesische Sprache sollte zur alleinigen Staatssprache werden und als alleinige Sprache an Schulen und Hochschulen gelehrt werden. Dagegen regte sich Widerstand der anderen Völker Assams. Nach und nach wurden große Teile der Stammesgebiete Assams abtrennt und zu Unionsterritorien und später zu eigenen Bundesstaaten erhoben. Auf diese Weise entstanden 1962 Nagaland (aus Naga Tribal Area und Naga Hills district), 1972/87 Arunachal Pradesh (aus dem Gebiet der NEFA), 1972 Meghalaya (aus Garo Hills und United Khasi & Jaintia Hills district) und 1972/86 Mizoram (aus Lushai Hills district). Als weiteres Problem kam hinzu dass seit den 1950er Jahren kontinuierlich Bengalen aus Ostpakistan (ab 1971 Bangladesch) illegal über die grüne Grenze nach Assam einwanderten. In der Zeit zwischen 1950 und 1980 wanderten nach Schätzungen etwa 2 Millionen Bangladescher ein. Als bekannt wurde, dass sich viele dieser Einwanderer auch illegal in die Wahlregister hatten eintragen lassen, entstand bei den alteingesessenen Assamesen und Stammesvölkern das Gefühl, bald zu einer Minderheit im eigenen Land zu werden. Von 1979 bis 1985 spielte sich im Bundesstaat die sogenannte Assam-Bewegung ab, eine ethnisch-nationalistische Massenbewegung, die von assamesischen Studentenorganisationen angeführt wurde. Die Assam-Bewegung boykottierte Wahlen, blockierte die Infrastruktur, behinderte die staatlichen Organe und ging zum Teil gewaltsam gegen die muslimische Minderheit vor. Es gab Tausende Tote aufgrund von ethnisch-religiös motivierter Gewalt. Die Unruhen fanden erst ihr weitgehendes Ende, als 1985 das Assam-Abkommen (Assam accord) zwischen den Führern der Assam-Bewegung und der indischen Zentralregierung unter Rajiv Gandhi geschlossen wurde. Die Assam-Bewegung wandelte sich in eine politische Partei um (Asom Gana Parishad) und ihren Führern wurde die Deportation des Großteils der illegal eingewanderten Bengalen zugesagt.

Aufgrund der komplizierten ethnischen Verhältnisse ist Assam seit Jahrzehnten ein Sammelbecken für diverse separatistische Organisationen (siehe Separatistische Organisationen im Nordosten Indiens). Seit längerem zu den Hauptunruheherden gehört die Region Bodoland.

Die Volksrepublik China beansprucht das Gebiet nördlich der sogenannten McMahon-Linie, das bis 1972 zu Assam gehörte (heute Teil von Arunachal Pradesh). 1962 war Assam unmittelbar vom Indisch-Chinesischen Grenzkrieg betroffen. Chinesische Streitkräfte drangen bis zum Ufer des Brahmaputra vor, zogen sich aber nach kurzer Zeit wieder hinter die Grenze zurück.

PolitikBearbeiten

Politisches SystemBearbeiten

 
Der Gauhati High Court ist das Höchste Gericht Assams

Die Legislative des Bundesstaates Assam besteht aus einem Einkammernparlament, der Assam Legislative Assembly. Die 126 Abgeordneten des Parlaments werden alle fünf Jahre durch Direktwahl bestimmt. 16 Sitze sind dabei für Angehörige der indigenen Stammesbevölkerung (Scheduled Tribes) und acht für Angehörige benachteiligter Kasten (Scheduled Castes) reserviert. Das Parlament hat seinen Sitz in Dispur, einem Vorort von Guwahati. Der Chief Minister (Regierungschef) Assams wird vom Parlament gewählt. An der Spitze des Bundesstaats steht jedoch der vom indischen Präsidenten ernannte Gouverneur (Governor). Seine Hauptaufgaben sind die Ernennung des Chief Ministers und dessen Beauftragung mit der Regierungsbildung. Das Höchste Gericht Assams ist der Gauhati High Court mit Sitz in Guwahati. Zu seinem Zuständigkeitsbereich gehören neben Assam auch die Bundesstaaten Arunachal Pradesh, Mizoram und Nagaland.

Assam stellt 14 Abgeordnete in der Lok Sabha, dem Unterhaus des indischen Parlaments, und sieben in der Rajya Sabha, dem indischen Oberhaus.

ParteienBearbeiten

Sitzverteilung nach der
Parlamentswahl 2016[8]
BJP 60
INC 26
AGP 14
AIUDF 13
BPF 12
Unabhängige 1
Gesamt 126

Die Politik Assams wurde lange Zeit von der überregionalen Kongresspartei (INC) auf der einen und einer Reihe von Regionalparteien auf der anderen Seite geprägt. Die Kongresspartei hat seit der Unabhängigkeit die meisten Regierungen Assams gestellt. Die wichtigste Regionalpartei ist die Asom Gana Parishad (AGP). Die Partei ist der Assam-Bewegung entwachsen, die sich zwischen 1979 und 1985 teils gewaltsam gegen die Einwanderung meist muslimischer Bengalen nach Assam richtete. Nachdem die Unterzeichnung eines Abkommens mit der indischen Zentralregierung die Agitation beendet hatte, wurde 1985 die AGP gegründet, die im selben Jahr die Parlamentswahlen gewinnen konnte und bis 1989 sowie erneut von 1996 bis 2001 den Bundesstaat regierte. Seitdem hat die AGP aber deutlich an Rückhalt verloren und spielt mittlerweile nur noch eine marginale Rolle. Während die AGP fremdenfeindliche und assamesisch-nationalistische Positionen vertritt, versteht sich die 2005 gegründete All India United Democratic Front (AIUDF) als Interessenvertretung der Muslime und der anderen Minderheiten Assams. Ihr ist es erfolgreich gelungen viele muslimische Stimmen auf sich zu vereinen. Die dritte Regionalpartei, die Bodoland People’s Front (BPF) ist dagegen aus der Bodoland-Bewegung entstanden, die für einen Autonomiestatus für das Volk der Bodo eintritt.

Bei der lokalen Parlamentswahl 2011 wurde die bereits seit 2001 regierende Kongresspartei zum zweiten Mal wiedergewählt. Mit 78 von 126 Sitzen im Parlament gewann sie die absolute Mehrheit. Zweitstärkste Kraft wurde die AIUDF mit 18 Abgeordneten, gefolgt von der BPF mit 12 Sitzen und der AGP mit zehn Sitzen. Die überregionale hindunationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) spielte im Parlament Assams mit fünf Abgeordneten nur eine untergeordnete Rolle. Ebenfalls im Parlament vertreten war der All India Trinamool Congress (AITC), eine Kongress-Abspaltung, die ihre Basis im benachbarten Westbengalen hat. Dazu kamen zwei unabhängige Abgeordnete.

Bei der gesamtindischen Parlamentswahl 2014 gelang der BJP, die in dem Bundesstaat bislang keine größere Rolle spielte, bedingt durch den landesweit günstigen Stimmungstrend in Assam ein Überraschungserfolg: Sie gewann sieben von 14 Wahlkreisen Assams. Von den restlichen Wahlkreisen gingen je drei an die Kongresspartei und die AIUDF und einer an einen unabhängigen Kandidaten.

Bei der Wahl zum Bundesstaatsparlament 2016 konnte die BJP ihren Aufwärtstrend weiter fortsetzen und gewann mit 29,5 % Stimmenanteil nahezu die Hälfte der Parlamentssitze. Hinsichtlich des Stimmenanteils blieb die Kongresspartei weiterhin stärkste Partei (31,0 %), gewann aber nur 26 von 125 Wahlkreismandaten.[8] Am 24. Mai 2016 wurde Sarbananda Sonowal als erster der BJP angehörender Chief Minister des Bundesstaates vereidigt.[9]

VerwaltungsgliederungBearbeiten

 
Karte der Distrikte Assams (2014)

Der Bundesstaat Assam ist in folgende 27 Distrikte untergliedert (Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte nach der Volkszählung 2011):[10]

ISO 3166–2-
Kürzel[11]
Distrikt Verwaltungssitz Fläche
(km²)
Einwohner
(2011)
Bev.-
dichte
(Ew./km²)
BK Baksa Mushalpur 000000000002008.00000000002.008 000000000953773.0000000000953.773 000000000000475.0000000000475
BA Barpeta Barpeta 000000000002679.00000000002.679 000000001693190.00000000001.693.190 000000000000632.0000000000632
BO Bongaigaon Bongaigaon 000000000001724.00000000001.724 000000000732639.0000000000732.639 000000000000425.0000000000425
CA Cachar Silchar 000000000003783.00000000003.783 000000001736319.00000000001.736.319 000000000000459.0000000000459
CH Chirang Kajalgaon 000000000001975.00000000001.975 000000000481818.0000000000481.818 000000000000244.0000000000244
DA Darrang Mangaldai 000000000001849.00000000001.849 000000000908090.0000000000908.090 000000000000491.0000000000491
DM Dhemaji Dhemaji 000000000003230.00000000003.230 000000000688077.0000000000688.077 000000000000213.0000000000213
DB Dhubri Dhubri 000000000001664.00000000001.664 000000001948632.00000000001.948.632 000000000001171.00000000001.171
DI Dibrugarh Dibrugarh 000000000003378.00000000003.378 000000001327748.00000000001.327.748 000000000000393.0000000000393
NC Dima Hasao Haflong 000000000004853.00000000004.853 000000000213529.0000000000213.529 000000000000044.000000000044
GP Goalpara Goalpara 000000000001825.00000000001.825 000000001008959.00000000001.008.959 000000000000553.0000000000553
GG Golaghat Golaghat 000000000003506.00000000003.506 000000001058674.00000000001.058.674 000000000000302.0000000000302
HA Hailakandi Hailakandi 000000000001326.00000000001.326 000000000659260.0000000000659.260 000000000000497.0000000000497
JO Jorhat Jorhat 000000000002849.00000000002.849 000000001091295.00000000001.091.295 000000000000383.0000000000383
KR Kamrup Guwahati 000000000003480.00000000003.480 000000001517202.00000000001.517.202 000000000000436.0000000000436
KM Kamrup Metropolitan Guwahati 000000000000627.0000000000627 000000001260419.00000000001.260.419 000000000002010.00000000002.010
KA Karbi Anglong Diphu 000000000010379.000000000010.379 000000000965280.0000000000965.280 000000000000093.000000000093
KR Karimganj Karimganj 000000000001808.00000000001.808 000000001217002.00000000001.217.002 000000000000673.0000000000673
KK Kokrajhar Kokrajhar 000000000003668.00000000003.668 000000001040644.00000000001.040.644 000000000000280.0000000000280
LA Lakhimpur North Lakhimpur 000000000002277.00000000002.277 000000000889010.0000000000889.010 000000000000457.0000000000457
MA Marigaon Marigaon 000000000001550.00000000001.550 000000000957853.0000000000957.853 000000000000618.0000000000618
NG Nagaon Nagaon 000000000003975.00000000003.975 000000002826006.00000000002.826.006 000000000000711.0000000000711
NL Nalbari Nalbari 000000000001009.00000000001.009 000000000769919.0000000000769.919 000000000000763.0000000000763
SI Sivasagar Sivasagar 000000000002669.00000000002.669 000000001150253.00000000001.150.253 000000000000431.0000000000431
SO Sonitpur Tezpur 000000000005277.00000000005.277 000000001925975.00000000001.925.975 000000000000365.0000000000365
TI Tinsukia Tinsukia 000000000003795.00000000003.795 000000001316948.00000000001.316.948 000000000000347.0000000000347
UD Udalguri Udalguri 000000000001676.00000000001.676 000000000832769.0000000000832.769 000000000000497.0000000000497

Assam-TeeBearbeiten

Assam ist bekannt für den kräftigen, herben Assam-Tee. In der Region befinden sich die größten zusammenhängenden Teeanbaufelder der Welt. Im deutschsprachigen Raum ist Assamtee als Hauptbestandteil des Ostfriesentees bekannt.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

In Assam liegt der Kaziranga-Nationalpark, der 1985 zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt wurde.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Assam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Government of India, National Commissioner Linguistic Minorities: 42nd Report, July 2003 to June 2004 (Memento vom 20. Februar 2009 im Internet Archive)
  2. Census of India 2001: Provisional Population Tables and Annexures (Memento vom 10. Januar 2012 im Internet Archive) und Provisional Population Totals – India – Rural-Urban Distribution. (PDF; 8,1 MB)
  3. Census of India 2001: Assam. Data Highlights: The Scheduled Tribes. (PDF; 39 kB)
  4. Thomas Benedikter: Nordostindien: Experimentierfeld für Regionalautonomie. Nordostindiens autonome Distrikte zwischen Minderheitenschutz und Sezession, suedasien.info, 2. August 2009.
  5. Census of India 2001: Statement - 3 Distribution of 10,000 Persons by Language - India, States and Union Territories - 2001 und Distribution of the 100 Non-Scheduled Languages-India/States/Union Territories.
  6. Stephen Morey: The Tai Languages of Assam, Canberra 2005.
  7. Census of India 2011: Population by religious community.
  8. a b Assam Results Status. Indische Wahlkommission; abgerufen am 19. Mai 2016 (englisch).
  9. Sandeep Phukan: For Sarbananda Sonowal's Oath, PM Modi And 14 Chief Ministers In Assam: 10 Facts. NDTV, 24. Mai 2016; abgerufen am 25. Mai 2016 (englisch).
  10. Census of India 2011: Provisional Population Totals. Paper 1 of 2011: Assam. (PDF; 16,7 MB)
  11. NIC Policy on format of e-mail Address. 13. Mai 2013; abgerufen am 16. Januar 2015 (pdf, englisch).

Koordinaten: 27° N, 92° O