Jammu und Kashmir (Unionsterritorium)

Unionsterritorium in Indien
Jammu und Kashmir
Status Unionsterritorium
Hauptstadt Srinagar und Jammu
Fläche 42.241 km²
Einwohner 12.258.433 (2011)
Bevölkerungsdichte 290,2 Einwohner je km²
Sprachen Urdu, Hindi, Englisch
Gouverneur G. C. Murmu
ISO-Code IN-JK
IN-JK (2019).svg

Jammu und Kashmir ist seit dem 31. Oktober 2019 ein Unionsterritorium Indiens[1]. Zuvor war es ein Teil des gleichnamigen indischen Bundesstaates Jammu und Kashmir und nahm knapp die Hälfte von dessen Fläche und einen großen Teil von seiner Bevölkerung ein. Das Gebiet ist Teil der völkerrechtlich umstrittenen Region Kaschmir und entstand im Rahmen einer territorialen Neuorganisation des Gebiets, bei der der bestehende Bundesstaat Jammu und Kashmir aufgeteilt wurde.

Die Regierung hat ihren Sitz im Sommer in Srinagar und im Winter in Jammu, was bereits beim Bundesstaat Jammu und Kashmir der Fall war. Nach der Volkszählung von 2011 liegt die Einwohnerzahl bei 12,3 Millionen Personen. Das Gebiet zählt zu den Regionen Indiens mit einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit.

Nach offizieller indischer Sicht gehört das unter pakistanischer Kontrolle stehende Asad Kaschmir („Freies Kaschmir“) zum Unionsterritorium.[2]

GeographieBearbeiten

 
Tal bei Pahalgam

Jammu und Kashmir grenzt (im Uhrzeigersinn, beginnend im Süden) an die indischen Bundesstaaten Himachal Pradesh und den Punjab, die gleichnamige pakistanische Provinz Punjab, an das teilautonome pakistanische Asad Kaschmir, an das pakistanische Gilgit-Baltistan sowie an das Unionsterritorium Ladakh. Das Gebiet gliedert sich in zwei Regionen. Im westlichen Teil liegt die Region Kashmir mit überwiegend muslimischer Bevölkerung und Srinagar als Zentrum. Die südliche Region ist Jammu, die eine überwiegend hinduistische Bevölkerung aufweist.

Städte über 30.000 EinwohnerBearbeiten

Srinagar
Jammu
Anantnag
Sopore
Baramulla
Kathua
Bandipore
Udhampur
Ladakh
Himachal
Pradesh
Asad
Kasch-
mir
Gilgit-Baltistan
PAKISTAN
Größte Orte in Jammu und Kashmir

(Stand: Zensus 2011)

Stadt Einwohner
Srinagar 1.180.570
Jammu 502.197
Anantnag 109.433
Sopore 61.098
Baramulla 58.053
Kathua 51.991
Bandipore 37.081
Udhampur 35.507

VerwaltungsgliederungBearbeiten

DistrikteBearbeiten

Das Unionsterritorium Jammu und Kashmir ist in folgende 20 Distrikte untergliedert (Daten nach der Volkszählung 2011):[3]

Region Distrikt Verw.-
sitz
Fläche
(km²)
Bevölkerung
(2011)
Bev.-
dichte
Ew./km²
Jammu Kathua Kathua 2.651 615.711 246
Jammu Jammu 2.342 1.526.406 653
Samba Samba 904 318.611 353
Udhampur Udhampur 2.637 555.357 210
Reasi Reasi 1.719 314.714 183
Rajouri Rajouri 2.630 619.266 244
Punch Punch 1.674 476.820 285
Doda Doda 2.306 409.576 178
Ramban Ramban 1.329 283.313 213
Kishtwar Kishtwar 7.737 231.037 30
Jammu gesamt Jammu 25.929 5.350.811 206
Kaschmir Anantnag Anantnag 3.574 1.069.749 302
Kulgam Kulgam 410 423.181 1035
Pulwama Pulwama 1.086 570.060 516
Shopian Shopian 312 265.960 853
Badgam Badgam 1.361 755.331 554
Srinagar Srinagar 1.979 1.250.173 625
Ganderbal Ganderbal 1.045 297.003 285
Bandipore Bandipore 345 385.099 1137
Baramulla Baramulla 4.243 1.015.503 238
Kupwara Kupwara 2.379 875.564 366
Kashmir gesamt Srinagar 16.351 6.907.622 433
Gesamt 42.241 12.258.433 290

GeschichteBearbeiten

Zur Geschichte des Fürstenstaates Kashmir und Jammu bis 1947 siehe Kaschmir. Zur Geschichte des Bundesstaates Kashmir und Jammu bis 2019 siehe Jammu und Kashmir (Bundesstaat).

Die Bildung des neuen Unionsterritoriums Jammu und Kashmir wurde im Jammu and Kashmir Reorganisation Act 2019 vollzogen, der am 9. August 2019 in Kraft trat.[4] Hiermit wurde der Bundesstaat Jammu und Kaschmir mit Wirkung zum 31. Oktober 2019 in die beiden Unionsterritorien Jammu und Kaschmir sowie Ladakh aufgeteilt. Die Maßnahme wurde mit den anhaltenden Unruhen in der Region im Rahmen des Kaschmir-Konflikts begründet. Die Autonomie- und Sonderrechte der Region wurden dadurch abgeschafft und das Gebiet der indischen Regierung direkt unterstellt, nachdem die diese zuvor bereits den Chief Minister der Landesregierung abgesetzt hatte und den Außnahmezustand ausgerufen hatte.[5] Die Aufhebung der regionalen Autonomie führte zu Protesten im Ausland, unter anderem in Pakistan und der Volksrepublik China, die Ansprüche auf das Gebiet erheben. Im August 2019 stellte Pakistan aus Protest alle formellen Handelsbeziehungen zu Indien ein.[6] Auch unter der Bevölkerung von Kaschmir kam es zu Protesten.[7]

Am 31. Oktober 2019 trat der erste Lieutenant Governor G. C. Murmu sein Amt an.

PolitikBearbeiten

Dem früheren Bundesstaat Jammu und Kaschmir wurde durch Artikel 370 der Verfassung Indiens ein Sonderstatus zuerkannt. Im Gegensatz zu anderen Bundesstaaten Indiens verfügte Jammu und Kaschmir über eine eigene Verfassung, Flagge und Verwaltungsautonomie. Inder aus anderen Bundesstaaten durften in Jammu und Kaschmir kein Land oder Eigentum erwerben. Mit der Bildung des Unionsterritorium wurden diese Gesetze außer Kraft gesetzt. Das Gebiet der Union von Jammu und Kashmir wird jetzt gemäß Artikel 239 der Verfassung Indiens verwaltet.[8]

Vertreter der Zentralregierung ist ein Lieutenant Governor, der vom Präsidenten Indiens ernannt wird. Die Legislative ist eine Einkammerversammlung, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt. Die gesetzgebende Versammlung kann Gesetze für alle in der Staatsliste der Verfassung Indiens aufgeführten Angelegenheiten erlassen mit Ausnahme der Bereiche Öffentliche Ordnung und Polizei, die der Zentralregierung Indiens vorbehalten bleiben. Der frühere Bundesstaat Jammu und Kashmir war in 87 Wahlkreise für das Regionalparlament aufgeteilt. 24 weitere Wahlkreise lagen im pakistanischen Teil Jammu und Kashmirs, so dass der Bundesstaat nach indischer offizieller Lesart 111 Wahlkreise hatte. Davon entfielen 83 auf das Gebiet des späteren indischen Unionsterritoriums und 4 auf Region Ladakh. Ein am 5. August 2019 in die Lok Sabha eingebrachtes Gesetz sah vor, das das indische Unionsterritorium Jammu und Kashmir nach einer Neueinteilung der Wahlkreise künftig 90 Wahlkreise aufweisen soll. Hinzu kommen nach offizieller Zählung 24 Wahlkreise im pakistanischen Teil, die jedoch immer vakant bleiben.[9]

Ein Ministerrat unter der Leitung eines Ministerpräsidenten wird vom Lieutenant Governor aus der Mitte der gesetzgebenden Versammlung ernannt. Seine Aufgabe ist es, den Lieutenant Governor bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben in Angelegenheiten zu beraten, die der Zuständigkeit der gesetzgebenden Versammlung unterliegen. In anderen Angelegenheiten ist der Lieutenant Governor befugt, in eigener Verantwortung zu handeln. Der Lieutenant Governor wird auch befugt sein, Verordnungen zu erlassen, die die gleiche Kraft haben wie die Gesetze der gesetzgebenden Versammlung.[10]

Das Unionsterritorium unterliegt weiterhin der Gerichtsbarkeit des Obersten Gerichts von Jammu und Kaschmir, das auch als Oberstes Gericht für Ladakh fungieren wird. Polizeidienste werden weiterhin von der bestehenden Polizei in Jammu und Kaschmir erbracht.[10]

Wahlen für die gesetzgebende Versammlung von Jammu und Kaschmir finden nach der Festlegung neuer Wahlkreisgrenzen statt, deren Abschluss für 2021 erwartet wird.

WeblinksBearbeiten

 Commons: Jammu und Kashmir (Unionsterritorium) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Article 370 revoked Updates: Jammu & Kashmir is now a Union Territory, Lok Sabha passes bifurcation bill.
  2. Bharti Jain: Govt releases new political map of India showing UTs of J&K, Ladakh auf timesofindia.indiatimes.com vom 2. November 2019, abgerufen am 24. November 2019
  3. Census of India 2011: Primary Census Abstract – Jammu & Kashmir. (PDF; 774 kB)
  4. THE JAMMU AND KASHMIR REORGANISATION ACT, 2019. In: The Gazette of India. Nr. 34. Neu-Delhi 9. August 2019, S. 1–55 (englisch, PDF).
  5. Indien hat zwei neue Bundesstaaten. Abgerufen am 22. November 2019.
  6. Mubarak Zeb Khan: Pakistan formally suspends trade with India. 10. August 2019, abgerufen am 22. November 2019 (englisch).
  7. Britta Petersen, Delhi: Kaschmir: Indien provoziert mit der Aufhebung des Sonderstatus. In: Neue Zürcher Zeitung. (nzz.ch [abgerufen am 22. November 2019]).
  8. Article 370 and 35(A) revoked: How it would change the face of Kashmir. The Economic Times, 5. August 2019, abgerufen am 22. November 2019 (englisch).
  9. New J&K Union Territory to have 7 more assembly seats after delimitation. The Economic Times, 21. Dezember 2019, abgerufen am 21. Dezember 2019 (englisch).
  10. a b Jammu & Kashmir Reorganisation Bill passed by Rajya Sabha: Key takeaways. In: The Indian Express. 5. August 2019, abgerufen am 22. November 2019 (en-IN).

Koordinaten: 33° 30′ N, 75° 0′ O