Amönau

Ortsteil der Stadt Wetter (Hessen)

Amönau ist ein Stadtteil von Wetter (Hessen) im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf und liegt 13 Kilometer nordwestlich von Marburg in der Wetschaft-Senke an der Mündung der Asphe in den Treisbach.

Amönau
Wappen von Amönau
Koordinaten: 50° 54′ 33″ N, 8° 41′ 14″ O
Höhe: 226 m ü. NHN
Fläche: 7,99 km²[1]
Einwohner: 744 (30. Jun. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 93 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35083
Vorwahl: 06423
Der Bach Treisbach prägt das Dorfbild
Der Bach Treisbach prägt das Dorfbild

GeschichteBearbeiten

Der früheste erhalten gebliebene urkundliche Nachweis belegt den Ort Amenowa erstmals um das Jahr 1130 als Zubehör der Villikation Ebsdorf des Mainzer St. Stephanstifts.

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen genehmigte die Landesregierung mit Wirkung vom 31. Dezember 1971 die Eingliederung der Gemeinde Amönau und anderer Gemeinden in die Stadt Wetter (Hessen-Nassau) im damaligen Landkreis Marburg.[2]

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Amönau lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[3][4]

Gerichte seit 1821Bearbeiten

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Wetter war als Gericht in erster Instanz für Amönau zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[8]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt Wetter 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Wetter. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[9] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Wetter. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[10]

Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) 1877 blieb das Amtsgericht bestehen. 1943 wurde dass Amtsgericht Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg und 1946 wurde auch die Zweigstelle geschlossen. Der Bezirk des Amtsgerichts Wetter ging im Bezirk des Amtsgerichts Marburg auf.

In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[3]

• 1502: 26 Hausgesesse
• 1577: 75 Hausgesesse
• 1580: 29 Ackerleute, 31 Einläuftige
• 1630: 43 Hausgesesse (6 zweispännige, 18 einspännige Ackerleute, 18 Einläuftige)
• 1681: 39 hausgesessene Mannschaften
• 1747: 68 Haushalte
• 1838: 565 Einwohner, davon 66 nutzungsberechtigte, 8 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 2 Beisassen.
Amönau: Einwohnerzahlen von 1776 bis 2018
Jahr  Einwohner
1776
  
369
1834
  
601
1840
  
559
1846
  
534
1852
  
549
1858
  
528
1864
  
512
1871
  
493
1875
  
494
1885
  
520
1895
  
513
1905
  
510
1910
  
556
1925
  
601
1939
  
639
1946
  
856
1950
  
881
1956
  
786
1961
  
795
1967
  
800
1976
  
827
1995
  
976
2018
  
744
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [3][11]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[3]

Quelle: Historisches Ortslexikon[3]
• 1861: 509 evangelisch-lutherische, 5 evangelisch-reformierte Einwohner
• 1885; 520 evangelische und keine katholischen Einwohner
• 1961: 733 evangelische (= 92,20 %), 34 römisch-katholische (= 4,28 %) Einwohner.

ErwerbstätigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[3]

• 1776: Erwerbspersonen: 2 Müller, 4 Schmiede, 6 Wagner, 6 Zimmerleute, 1 Kalkbrenner, 5 Schneider, 5 Leineweber, 1 Wirt, 2 Branntweinschenker und -brenner, 6 Tagelöhner, 9 Tagelöhnerinnen, 4 Schäfer.
• 1838: Familien: 58 Ackerbau, 4 Gewerbe, 12 Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 216 Land- und Forstwirtschaft, 131 Produzierendes Gewerbe, 42 Handel und Verkehr, 25 Dienstleistungen und Sonstiges.

PolitikBearbeiten

Dem Ortsbeirat steht als Ortsvorsteherin Sigrid Diehl vor.

WappenBearbeiten

Am 23. September 1971 wurde der Gemeinde Amönau ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Rot über goldenem Schildfuß mit blauem Wellenbalken ein silberner Kirchturm mit blauem Tor und blauem Dach mit 2 Ecktürmchen; beseitet von silbernem Stern und silbernem zunehmenden Halbmond.[12]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Gerichtslinde
 
Ev. Kirche

BauwerkeBearbeiten

Einen für Amönau markanten und malerischen Bereich bildet die über dem Zusammenfluss von Asphe und Treisbach gelegene Evangelische Kirche Amönau aus dem 16. Jahrhundert. Teile der Kirche sind jedoch wesentlich älter. Der hochmittelalterliche Kirchturm wurde wahrscheinlich nach 1200 erbaut, der frühgotische Chor um 1300.

Neben der Kirche befindet sich ein Schloss mit „Lusthäuschen“ (Foto s. u.) auf der alten Sandsteinmauer. Das Schloss soll im Wesentlichen im 15. Jahrhundert von der Familie von Hohenfels erbaut worden sein. Die Familie war bereits vor 1226 in Amönau begütert. Um 1615/16 ließ Hedwig von Bodenhausen ein Teehaus, das sogenannte „Lusthäuschen“, im Fachwerkstil mit oktogonalem Erker erbauen.[13] Der Hessenmaler Otto Ubbelohde wählte es als Motiv für den „Rapunzelturm“ aus, eine seiner schönen Illustrationen der Grimmschen Märchen. Nennenswerte Umbauten am Schloss erfolgten um 1800/05[14], das „Lusthäuschen“ wurde 1997 renoviert.[13]

AuszeichnungenBearbeiten

1963 wurde das Dorf Landessieger im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“.

Im Jahre 2004/2005 nahm Amönau am europäischen Wettbewerb der Dorferneuerungsorte teil. Amönau wurde als einzige hessische Ortschaft ausgewählt. Bei diesem Wettbewerb für besondere Leistungen in einzelnen oder mehreren Bereichen der Dorfentwicklung wurde über Amönau während der Preisvergabe folgendes gesagt:

Amönau zeichnet sich in besonderer Weise dadurch aus, dass Dorferneuerung in erster Linie als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden wird und dass die Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen im Zentrum des Entwicklungsgeschehens, das von einer intakten Gemeinschaft und kulturellen Institutionen getragen wird, stehen, wie eine Reihe von herausragenden Projekten – Übergangswohnheim, Betreutes Wohnen, Jugendclub – aus dem Sozialbereich beweist. Vorbildlich ist Amönau aber auch hinsichtlich der Revitalisierung von wertvoller Bausubstanz, der Arbeitsplatzschaffung und der erreichten sozialen und funktionalen Vielfalt.

KulturvereinBearbeiten

   
Neben dem "Rapunzelturm" wird alljährlich die Bühne aufgebaut. Der Turm ist vermutlich Westdeutschlands ältestes Lusthäuschen und diente Otto Ubbelohde als Vorlage zur Illustration von Grimms Märchen.

Seit dem Jahr 2000 gibt es in Amönau einen Theater- und Kulturverein, mit dem Namen „Turmwerkstatt – Kultur im Dorf“. Dank diesem Verein und vielen talentierten Menschen entstehen im Rhythmus von ungefähr zwei Jahren Musicals im Dorf, die sehr viele Besucher anlocken.

Bisherige Musicals:

  • 2000: Rapunzel
  • 2002: Suaine – die Wasserfrau
  • 2004: Los Banditos
  • 2006: Ciella aus den Wolken
  • 2008: Märchennacht (Zusammenfassung der bisherigen vier Musicals, das anlässlich der 1000-Jahr-Feier von Amönau im Jahre 2008 gezeigt wurde).
  • 2010: Mondenland
  • 2013: Mad Night
  • 2016: Rapunzel
  • 2019: Der Froschkönig

WeblinksBearbeiten

Commons: Amönau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Haushaltsplan 2019 (Statistische Angaben) der Stadt Wetter (PDF 5,4 MB)
  2. Gemeindegebietsreform in Hessen; Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 22. Dezember 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 2, S. 47, Punkt 50 Abs. 1 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,8 MB]).
  3. a b c d e f Amönau, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 389 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 123 (online bei Google Books).
  7. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223-224
  8. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  9. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  10. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  11. Ursula Braasch-Schwersmann (Hrsg.): Wetter, Textheft. Marburg 2005, ISBN 3-87707-642-4, S. 16 (Online bei Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen [PDF; 334 kB]).
  12. Genehmigung eines Wappens und einer Flagge der Gemeinde Amönau, Landkreis Marburg vom 23. September 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 41, S. 1950, Punkt 1362 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,1 MB]).
  13. a b Kulturelle Entdeckungen Mittelhessen, S. 221, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Schnell + Steiner Verlag, 2007, ISBN 978-3-7954-1854-0
  14. Michael Losse: Die Lahn Burgen und Schlösser, S. 42