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Niederwetter

Ortsteil der Stadt Wetter (Hessen)

Geographische LageBearbeiten

Niederwetter liegt an der Wetschaft etwa zwei Kilometer südöstlich von Wetter. Durch den Ort verlaufen die Bundesstraße 252 und die Burgwaldbahn, der südliche Abschnitt der Bahnstrecke Warburg–Sarnau. Die zwischen Marburg und Frankenberg verkehrenden Züge halten jedoch nicht in Niederwetter, der nächstgelegene Haltepunkt befindet sich in Wetter.

GeschichteBearbeiten

Der Ort wurde um 1200 als inferior Wetthere erstmals erwähnt.[2]

Am 31. Dezember 1971 wurde Niederwetter im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Wetter (Hessen-Nassau) eingegliedert (damaliger Name der Stadt).[3]

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Niederwetter lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[2][4]

Gerichte seit 1821Bearbeiten

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Wetter war als Gericht in erster Instanz für Niederwetter zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[8]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt Wetter 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Wetter. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[9] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Wetter. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[10]

Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) 1877 blieb das Amtsgericht bestehen. 1943 wurde dass Amtsgericht Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg und 1946 wurde auch die Zweigstelle geschlossen. Der Bezirk des Amtsgerichts Wetter ging im Bezirk des Amtsgerichts Marburg auf. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1502: 5 Männer
• 1577: 230 Hausgesesse
• 1630: 15 Hausgesesse (2 dreispännige, 3 zweispännige, 4 einspännige Ackerleute ,6 Einläuftige)
• 1681: 9 hausgesessene Mannschaften
• 1838: 176 Einwohner, davon 17 nutzungsberechtigte, 10 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, ein Beisasse.
Niederwetter: Einwohnerzahlen von 1744 bis 2018
Jahr  Einwohner
1744
  
107
1834
  
200
1840
  
199
1846
  
204
1852
  
223
1858
  
189
1864
  
203
1871
  
186
1875
  
190
1885
  
212
1895
  
225
1905
  
236
1910
  
251
1925
  
262
1939
  
266
1946
  
397
1950
  
372
1956
  
318
1961
  
312
1967
  
313
1976
  
335
1995
  
345
2018
  
289
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2][11]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1830: 545 evangelische Einwohner
• 1861: 189 evangelisch-lutherische und 11 evangelisch-reformierte Einwohner
• 1885: 211 evangelische (= 99,53 %), keine katholischen und ein anderer Christ.
• 1961: 282 evangelische (= 90,38 %), 25 römisch-katholische (= 8,01 %) Einwohner

ErwerbstätigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1744: Erwerbspersonen: ein Schneider, ein Schmied, zwei Müller, ein Wirt.
• 1838: Familien: 23 Ackerbau, 4 Gewerbe, ein Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 104 Land- und Forstwirtschaft, 46 Produzierendes Gewerbe, 17 Handel und Verkehr, 18 Dienstleistungen und Sonstiges.

ReligionBearbeiten

Niederwetter gehört zum evangelischen Kirchspiel Wetter.

PolitikBearbeiten

Dem Ortsbeirat steht als Ortsvorsteher Daniel Falk vor.

InfrastrukturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Niederwetter – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Haushaltsplan 2019 (Statistische Angaben) der Stadt Wetter (PDF 5,4 MB)
  2. a b c d e f Niederwetter, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 402.
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 389 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 123 (online bei Google Books).
  7. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223-224
  8. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  9. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  10. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  11. Ursula Braasch-Schwersmann (Hrsg.): Wetter, Textheft. Marburg 2005, ISBN 3-87707-642-4, S. 16 (Online bei Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen. [PDF; 334 kB]).