Alsberg (Bad Soden-Salmünster)

Stadtteil von Bad Soden-Salmünster im Main-Kinzig-Kreis in Hessen

Alsberg ist neben Ahl, Bad Soden, Hausen, Eckardroth, Katholisch-Willenroth, Kerbersdorf, Mernes, Romsthal, Salmünster und Wahlert ein Stadtteil von Bad Soden-Salmünster, im osthessischen Main-Kinzig-Kreis.

Alsberg
Koordinaten: 50° 16′ 6″ N, 9° 25′ 44″ O
Höhe: 415 m ü. NHN
Fläche: 2,89 km²[1]
Einwohner: 180 (2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 62 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Eingemeindet nach: Salmünster
Postleitzahl: 63628
Vorwahl: 06056
Blick auf Alsberg mit der Wallfahrtskirche Heilig Kreuz
Blick auf Alsberg mit der Wallfahrtskirche Heilig Kreuz

Geographische LageBearbeiten

Alsberg befindet sich auf einem Höhenrücken des Spessarts. Der überwiegende Teil des Ortes ist durch einen schmalen Streifen vollständig vom Gutsbezirk Spessart umgeben und bildet somit eine Exklave der Stadt Bad Soden-Salmünster, nur ein kleinerer, unbesiedelter Teil im Osten grenzt an den Steinauer Stadtteil Seidenroth.

GeschichteBearbeiten

MittelalterBearbeiten

Die in der Gemarkung gefundenen Reste alter Meilerplätze (auch Köhlerplatten genannt), deuten darauf hin, dass Siedlung aus der Köhlertätigkeit der Bevölkerung hervorgegangen ist. Der Ort wurde am 10. Januar 1313 erstmals erwähnt. Die Herrschaft übten in der Gegend damals die Herren von Hutten aus.

OrtsnameBearbeiten

Von einer ursprünglichen Form: „Meilersberg“ ausgehend, die Bezug nimmt auf die in der Gegend häufig betriebenen Kohlemeiler, wandelte sich der Ortsname zu Eilerszberg. Später wurde es zu: „Alersberg (1345), Elsberg (1430), Allensberg (1457 Spessarter Försterweistum), Allentzberg (1514), Aildorff (1568) und Altsberg (1716), aus dem das heutige Alsberg abgeleitet wurde“[2][3].

NeuzeitBearbeiten

Im Jahr 1540 wurde der Ort kurmainzisch und zunächst von Burgjoß aus verwaltet, später kam es zum Amt Hausen. Während der Napoleonischen Zeit wechselte die Herrschaft mehrfach, zwischen dem Fürstentum Aschaffenburg (1802), Fürstentum Fulda und Großherzogtum Frankfurt (1810), bis es schließlich, nach dem Pariser Frieden von 1814 zum Königreich Bayern kam[4]. Als Folge des für Bayern verlorenen, österreichisch-preußischen Bruderkrieges von 1866, fiel der Ort schließlich 1867 an Preußen und dort an den Landkreis Gelnhausen.

GebietsreformBearbeiten

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Alsberg am 1. Januar 1970 in die damalige Stadt Salmünster im Landkreis Schlüchtern eingemeindet[5]. Die Stadt Salmünster wurde am 1. Juli 1974 mit der Stadt Bad Soden bei Salmünster und der Gemeinde Mernes kraft Landesgesetzes zur neuen Stadt Bad Soden-Salmünster zusammengeschlossen[6][7].

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1632: 10 Haushaltungen
• 1668: 05 Herdstätten 25 Personen
• 1812: 18 Haushaltungen mit 131 Bewohnern
Alsberg: Einwohnerzahlen von 1812 bis 1970
Jahr  Einwohner
1812
  
131
1834
  
256
1840
  
255
1846
  
243
1852
  
232
1858
  
235
1864
  
230
1871
  
231
1875
  
218
1885
  
210
1895
  
197
1905
  
179
1910
  
185
1925
  
217
1939
  
223
1946
  
397
1950
  
379
1956
  
303
1961
  
294
1967
  
392
1970
  
416
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 18 evangelische (= 8,57 %), 192 katholische (= 91,43 %) Einwohner
• 1961: 22 evangelische (= 7,48 %), 270 katholische (= 91,84 %) Einwohner

PolitikBearbeiten

Für Alsberg wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet. Der Ortsvorsteher ist seit 2016 Roland Huth.

InfrastrukturBearbeiten

SchulenBearbeiten

In Bad Soden befindet sich eine Grundschule. Der benachbarte Ortsteil Salmünster verfügt mit der Henry-Harnischfeger-Schule sowohl über eine Grundschule als auch eine integrierte Gesamtschule, die für das gesamte Umland zuständig ist.

An weiterführenden Schulen sind die Friedrich-August-Genth-Schule, eine (Kooperative Gesamtschule) in Wächtersbach und das Grimmelshausen-Gymnasium in Gelnhausen zu nennen.

Freiwillige FeuerwehrBearbeiten

Eine erste Löscheinheit in Alsberg ist für das Jahr 1877 belegt. Durch die Gebietsreform schloss sich die Wehr Alsberg der Freiwilligen Feuerwehr Salmünster am 1. Januar 1970 als Löschgruppe an. 1985 wurde dann die Freiwillige Feuerwehr Alsberg gegründet[8]. Es folgte am 10. Juni 2011 die Gründung einer Kinderfeuerwehr.

Heute verfügt die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Alsberg über 17 Personen, die Jugendfeuerwehr über 8 Personen[9].

Die Einsatzschwerpunkte der Freiwilligen Feuerwehr Alsberg sind:

  • Brandbekämpfung,
  • kleinere technische Hilfeleistungen,
  • Feuerwehr-Sanitäter (Voraushelfer).

GemeinschaftshausBearbeiten

Die ehemalige, im Jahr 1929 erbaute Dorfschule von Alsberg dient heute als Gemeinschaftshaus[10].

VerkehrBearbeiten

VerkehrsanbindungBearbeiten

StraßeBearbeiten

Die Landesstraße L 3179, dort Teil der Spessart-Höhenstraße, durchquert den Ort und bindet ihn an Seidenroth und den Spessart an. Aus Richtung Salmünster ist der Ort über die Kreisstraße 888 erreichbar. Im Ortsteil Salmünster liegt der Autobahnanschluss Bad Soden-Salmünster (AS 46) zur A 66, die mit Frankfurt und Fulda verbindet.

BahnBearbeiten

Der nächste Bahnhof befindet sich in Salmünster an der Bahnstrecke Fulda–Frankfurt. Der nächste behindertengerechte Bahnhof liegt in Wächtersbach. Anschluss an Intercity (IC), Intercity-Express (ICE) gibt es in Fulda, Hanau und Frankfurt.

NahverkehrBearbeiten

Ganzjährig verkehren in Alsberg mehrere Buslinien des KVG. Sie schaffen mit den Linien MKK-94[11] und MKK-99[12] öffentliche Verkehrsanschlüsse zu allen Ortsteilen der Gemeinde Bad Soden-Salmünster aber auch zu den Nachbargemeinden Steinau an der Straße, Altengronau und Jossa. Es gilt der Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Heilig-Kreuz-KircheBearbeiten

Die heutige Wallfahrtskirche Heilig Kreuz (Kapellenweg), stammt aus dem Jahr 1893. Der Erbauer der Orgel Fritz Clewing (1851–1906)[13] „war unter den Fuldaer Orgelbauern des 19. und 20. Jahrhunderts einer der bedeutendsten“[14].

Ein erster Vorgänger der Kirche, eine 1443 erwähnte Kapelle, war auch Begräbnisstätte der Herren von Hutten. 1513 wurde von Weihbischof Johannes Münster am gleichen Ort, zu Ehren des Hl. Kreuzes und der Vierzehn Nothelfer eine Nachfolgekirche eingeweiht. Damit begann die Wallfahrt nach Alsberg. „Im Zentrum der Verehrung steht eine Kreuzreliquie“[15]. Damals zierte die neue Kirche ein spätgotisches Altarretabel, aus der mittelrheinischen Schule, von etwa 1470[16][17]. Heute ist dieses Retabel in der Kirche Zur Schmerzhaften Mutter Gottes in Aufenau zu bewundern.

Die Wallfahrt führte 1707 zu einer wesentlichen Erweiterung durch einen Saalbau, dessen Kopf die ehemalige Kirche bildet. Die Kirche hat eine barocke Ausstattung.

Religion und BrauchtumBearbeiten

In Alsberg wird wieder der alte Brauch des Rasselns in der Karwoche praktiziert, der seit Beginn des 16. Jahrhunderts in katholischen Gegenden Deutschlands bekannt ist. Während ab dem Gloria am Gründonnerstag die Kirchenglocken, aus Gründen der Trauer um die Gefangennahme und die Todesruhe Jesu, schweigen (müssen), übernehmen Kinder die „Weckrufe“ der Kirche für die Gläubigen, vor Andachtsbeginn. Das geschieht, indem sie rasselnd durch die Straßen ziehen. „Bei der Drehung der Rassel schnarrt eine sehr dünne Holzplatte über die Zähne eines hölzernen Zahnrads“[18]. In anderen Dörfern der Region, wie etwa in Mernes oder im Freigericht tritt eine Holzklapper, bei der ein Hämmerchen auf ein Holzbrett klopft, an die Stelle der Rassel. Die kleinen Lärminstrumente wurden vielfach von den Kindern selbst gebastelt. Das Rasseln endet beim Gloria der Osternacht, dabei übernehmen wieder die Glocken und Glöckchen ihre liturgische Vorrangstellung.

Sport und FreizeitBearbeiten

GolfBearbeiten

In landschaftlich ausgezeichneter Lage, mit Blick auf Taunus, Vogelsberg und Rhön, betreibt der Golfclub Spessart seit 1974 in Alsberg einen 18-Loch Golfplatz. Hier werden regelmäßig auch überregionale Wettbewerbe ausgetragen. Im zugehörigen Clubhaus befindet sich ein Restaurationsbetrieb mit hohem Bekanntheitsgrad.

Europäischer KulturwegBearbeiten

 
Hinweisschild der Europäischen Kulturwege des Archäologischen Spessart-Projekts

Auch Ausgangspunkt für interessante und kulturell hochwertige Wanderungen ist Alsberg geworden[19]. Ab Sommer 2021 kann man hier auf einem Europäischen Kulturweg wandern, der vom Archäologischen Spessartprojekt geplant, realisiert und mit informativen Tafeln ausgestattet wurde[20].

LiteraturBearbeiten

  • Betz, Florian: Alsberg im Hinterspessart, 1814 - 1867: mikrohistorische Fallstudie eines bayerischen Bergdorfes, Büchner-Verlag, 2011
  • Paul, Josef: Die Salzschwärzer von Alsberg, Roman aus dem Spessartwinkel, Verlag Orbensien, Bad Orb, 2012
  • Literatur über Alsberg In: Hessische Bibliographie
  • Georg Wilhelm Hanna, „700 Jahre Alsberg“, Festschrift, 2013

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Alsberg, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Georg Wilhelm Hanna, „700 Jahre Alsberg“, 2013, S. 2
  3. Feuerwehr Alsberg
  4. 700 Jahre Alsberg, S. 2
  5. Eingliederung der Gemeinde Alsberg, Landkreis Gelnhausen in die Stadt Salmünster, Landkreis Schlüchtern vom 17. Dezember 1969. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1970 Nr. 1, S. 5, Punkt 6 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,0 MB]).
  6. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern und der Stadt Hanau sowie die Rückkreisung der Städte Fulda, Hanau und Marburg (Lahn) betreffende Fragen (GVBl. 330–26) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 149, § 12 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 376–377.
  8. Feuerwehr Alsberg
  9. Freiwillige Feuerwehr MKK-Bad Soden-Salmünster-Alsberg
  10. Gemeinschaftshaus
  11. MKK-94, abgerufen 24 Februar 2021
  12. MKK-99, abgerufen 24 Februar 2021
  13. Fritz Clewing, abgerufen 2. März 2021
  14. Die Orgel im St. Bonifatiuskloster Hünfeld, abgerufen 2. März 2021
  15. Wallfahrtskirche Alsberg
  16. Späte Eröffnung und mehr Kulturinfos, Gelnhäuser Neue Zeitung, 5. Oktober 2020
  17. „Kirchenführer der Katholischen Pfarrkirche Zur Schmerzhaften Mutter Gottes in Aufenau“, Hrsg. Franz Koska, 2005, S. 13 und 22
  18. „Auch der Bürgermeister hat schon gerasselt – In Alsberg ist ein alter katholischer Brauch wieder aufgelebt, der zwischenzeitlich zum Erliegen kam“, Gelnhäuser Neue Zeitung 3. April 2021, S. 35
  19. „Kulturweg im zweiten Anlauf realisiert“, Gelnhäuser Neue Zeitung, 5. Mai 2021
  20. Übersicht über die Kulturwege