Hauptmenü öffnen

Wikipedia β

Agnès Varda

Französische Filmregisseurin
Agnès Varda beim Prix Lumières 2018

Agnès Varda (* 30. Mai 1928 in Ixelles, Region Brüssel-Hauptstadt, Belgien als Arlette Varda) ist eine Filmemacherin, Fotografin und Installationskünstlerin. Sie gilt als eine der Schlüsselfiguren des modernen Films und eine der führenden Filmemacherinnen. Von einigen Kritikern wird sie als Grand-mère de la Nouvelle Vague (Großmutter der Nouvelle Vague) bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Leben und LeistungenBearbeiten

Agnès Varda wurde am 1928 als Tochter eines Griechen und einer Französin in Ixelles bei Brüssel geboren, wuchs aber, nachdem die Familie im Jahre 1940 vor dem Krieg aus Belgien geflüchtet war, zusammen mit ihren vier Geschwistern an der französischen Mittelmeerküste in Sète auf. In Sète absolvierte Varda das Collège und ging danach nach Paris, wo sie das Lycée Victor-Duruy besuchte. Mit dem Ziel, Kunstrestauratorin zu werden, studierte sie an der Sorbonne und an der École du Louvre Literatur, Kunstgeschichte und Philosophie. Anschließend machte sie eine Fotografenlehre. 1949 traf sie den Theaterschauspieler und -regisseur Jean Vilar, der 1951 das Pariser Théâtre National Populaire (TNP) übernahm und Varda zur offiziellen Fotografin der Institution machte. Darüber hinaus war Varda für verschiedene Zeitschriften als Fotoreporterin tätig und bereiste China, Afrika, die USA und die UdSSR.

Mitte der 1950er Jahre bildeten Varda, Chris Marker und Alain Resnais in Paris einen losen Zusammenschluss von Filminteressierten, der nachträglich als ‚Groupe Rive Gauche’ bezeichnet wurde, um ihn von der Gruppe der Filmkritiker der Zeitschrift Cahiers du cinéma abzuheben, die schließlich den Kern der Nouvelle Vague bildeten.[1] Die mit dem Medium Film wenig vertraute Varda entwickelte ein Interesse daran, ihre Ideen zur Fotografie auch in bewegte Bilder umzusetzen. 1954 gründete sie eine eigene Filmproduktionsgesellschaft, Tamaris Films[2], und mit geringem Budget drehte sie in und um Sète den Spielfilm La Pointe-Courte, dessen Form durch einen Roman von William Faulkner angeregt wurde. Bei der Arbeit an dem Film wurde sie von Resnais unterstützt, der die Montage ausführte und sich um den Vertrieb kümmerte. Die einzigen beiden professionellen Schauspieler des Films, Silvia Montfort und Philippe Noiret, kamen vom TNP.

Aus Vardas Beziehung mit dem Schauspieler und Regisseur Antoine Bourseiller ging 1958 eine Tochter hervor, bei deren Geburt die Eltern sich bereits getrennt hatten. Noch im selben Jahr lernte Varda den jungen Regisseur Jacques Demy kennen, den sie 1962 heiratete und der ihre Tochter Rosalie adoptierte. Mit Demy blieb Varda bis zu seinem Tod im Oktober 1990 zusammen. Im Oktober 1972 kam ihr gemeinsamer Sohn Mathieu Demy auf die Welt, der später selbst Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor wurde.

1967 war sie neben Claude Lelouch, Jean-Luc Godard und Chris Marker an der Dokumentation Fern von Vietnam beteiligt. Dies war einer der ersten Filme, die sich kritisch mit dem Vietnamkrieg beschäftigt haben. 1969 entstand Lions Love, in dem unter anderem Andy Warhol und Jim Morrison zu sehen sind.

1987 drehte sie ein ungewöhnliches Filmporträt über Jane Birkin Jane B. par Agnes V. 1991 verfilmte sie als Hommage an Jacques Demy dessen Drehbuch Jacquot de Nantes.

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

 
Varda in Guadalajara (2010)
  • 1954: La Pointe Courte
  • 1958: O saisons, ô châteaux
  • 1958: Die Opera-Mouffe (L’opéra Mouffe)
  • 1958: Du côté de la côte
  • 1961: Cleo – Mittwoch zwischen 5 und 7 (Cléo de 5 à 7)
  • 1963: Salut les cubains
  • 1965: Elsa la Rose
  • 1965: Das Glück aus dem Blickwinkel des Mannes (Le bonheur)
  • 1966: Die Geschöpfe (Les créatures)
  • 1967: Oncle Yanco
  • 1968: Black Panthers
  • 1969: Lions Love
  • 1975: Daguerreotypen – Leute aus meiner Straße (Daguerréotypes)
  • 1975: Réponses des femmes
  • 1976: Plaisirs d’amour en Iran
  • 1977: Die eine singt, die andere nicht (L’une chante, l’autre pas)
  • 1980: Mauerbilder (Mur murs)
  • 1985: Vogelfrei (Sans toit ni loi)
  • 1987: Die Zeit mit Julien (auch Kung-Fu master! Originaltitel: Le petit amour)
  • 1991: Jacquot de Nantes
  • 1995: Hundert und eine Nacht (Les cent et une nuits de Simon Cinéma)
  • 1995: Die Welt ist ein Chanson – Das Universum des Jacques Demy (L’univers de Jacques Demy)
  • 2000: Die Sammler und die Sammlerin (Les glaneurs et la glaneuse)
  • 2002: Die Sammler und die Sammlerin… zwei Jahre später (Les glaneurs et la glaneuse… deux ans après)
  • 2008: Die Strände von Agnès (Les plages d’Agnès)
  • 2017: Augenblicke: Gesichter einer Reise (Visages Villages) (gemeinsam mit JR)

AusstellungenBearbeiten

EhrungenBearbeiten

FilmpreiseBearbeiten

1961 erschien der Film Mittwoch zwischen 5 und 7, der 1963 einen französischen Kritikerpreis gewann. 1965 entstand das Werk Glück aus dem Blickwinkel des Mannes, ein Film mit einer stark feministischen Sichtweise. Auf der Berlinale 1965 erhielt Varda dafür den Spezialpreis der Jury.

Neben experimentellen Spielfilmen legte sie ihr Augenmerk in den 1970er Jahren auf Dokumentationen wie Black Panthers (1968 entstanden bei einer Reise in Amerika), Daguerrotypen (1975), Réponses des femmes (1975) und Ulysse (1981). Für die letzten beiden Filme bekam sie jeweils einen César in der Kategorie Bester Dokumentar-Kurzfilm. Die Sammler und die Sammlerin wurde 2001 von der Los Angeles Film Critics Association als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

DVD-VeröffentlichungBearbeiten

  • Agnès Varda: Tout(e) Varda. Arte France Développement, Issy les Moulineaux 2012. (Die Box umfasst 22 DVDs mit den Filmen von Agnès Varda sowie das 114-seitige Begleitbuch Album d'Agnès V. – Images et notes latérales. Für die Filme sind optionale englische Untertitel vorhanden.)

LiteraturBearbeiten

  • Christa Maerker: Die Wahrheit des Lügen-Kinos: Agnès Varda. In: Jörg-Dieter Kogel: Europäische Filmkunst. Regisseure im Porträt. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-596-24490-0, S. 169–179.
  • Agnès Varda: Varda par Agnès. Editions Cahiers du cinéma, Paris 1994, ISBN 2-86642-145-0.
  • Alison Smith: Agnès Varda (French Film Directors). Manchester University Press, Manchester 1998, ISBN 0-7190-5060-X.
  • Astrid Ofner (Hrsg.): Demy/Varda. Eine Retrospektive der Viennale und des Österreichischen Filmmuseums. Schüren, Marburg 2006, ISBN 978-3-89472-433-7.
  • Emma Jackson: The Eyes of Agnès Varda: Portraiture, cinécriture and the filmic ethnographic eye. In: Feminist Review, Nr. 96 (2010), S. 122–126.
  • Maïthé Vallès-Bled (Hrsg.): Agnès Varda, y'a pas que la mer. Editions Au Fil du Temps, Salles-La-Source 2011, ISBN 978-2-918298-13-7. (Ausstellungskatalog, Musée Paul Valéry Sète)
  • T. Jefferson Kline (Hrsg.): Agnès Varda: Interviews (Conversations With Filmmakers). University Press of Mississippi, Jackson 2013, ISBN 978-1-61703-920-1.
  • Delphine Bénézet: The Cinema of Agnès Varda: Resistance and Eclecticism. Wallflower Press, New York 2014, ISBN 978-0-231-16975-2.
  • Kelley Conway: Agnès Varda (Contemporary Film Directors). University of Illinois Press, Urbana 2015, ISBN 978-0-252-08120-0.
  • Rebecca J. Deroo: Agnès Varda between Film, Photography, and Art. University of California Press, Berkeley 2017, ISBN 978-0-520-27940-7.
  • Marli Feldvoß: Nouvelle imagination. Die französische Regisseurin Agnès Varda. In: epd Film, 35. Jg. (2018), Heft 6, S. 12–17.[6]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Agnès Varda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Robert Farmer: Marker, Resnais, Varda: Remembering the Left Bank Group. In: Senses of Cinema, Nr. 52 (2009) bei sensesofcinema.com., abgerufen am 24. Januar 2018.
  2. Seit 1975 unter dem Namen Cine-Tamaris (Homepage Cine-Tamaris), abgerufen am 24. Januar 2018.
  3. Mitteilung zur Ausstellung, abgerufen am 7. August 2014.
  4. Olivier Delcroix: Cannes 2015: Le festival décerne une Palme d'honneur à Agnès Varda. In: Le Figaro, 9. Mai 2015 bei lefigaro.fr, abgerufen am 24. Januar 2018.
  5. The Academy to Honor Charles Burnett, Owen Roizman, Donald Sutherland and Agnès Varda with Oscars at 2017 Governors Awards bei Oscars.org | Academy of Motion Picture Arts and Sciences, abgerufen am 7. September 2017.
  6. Auch online: http://www.epd-film.de/themen/agnes-varda-nouvelle-imagination, abgerufen am 4. Juni 2018.