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Zimmern (Immendingen)

Ortsteil von Immendingen, Baden-Württemberg, Deutschland

Zimmern ist Ortsteil der Gemeinde Immendingen im baden-württembergischen Landkreis Tuttlingen.

Zimmern
Gemeinde Immendingen
Ehemaliges Gemeindewappen von Zimmern
Koordinaten: 47° 56′ N, 8° 43′ O
Höhe: 666 m ü. NN
Einwohner: 1409 (31. Dez. 2017)
Eingemeindung: 1. Januar 1971
Postleitzahl: 78194
Vorwahl: 07462

Inhaltsverzeichnis

EtymologieBearbeiten

Der Ortsname Zimmern (in seiner Ersterwähnung auch Timbirn) leitet sich vermutlich vom urgermanischen Begriff ‚*timrą‘ bzw. dem althochdeutschen Wort ‚zimbar‘ ab, was soviel wie Bauholz, Gezimmertes, Gebäude oder Zimmer bedeutet. Es ist demnach als ‚bei den Holzhäusern‘ zu verstehen. Auch das altenglische timber und das spätlateinische timbrium stehen dazu in Verwandtschaft.[1][2][3]

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Das kleine Dorf mit rund 1400 Einwohnern[4] liegt in einem Tal der oberen Donau unterhalb von Hornenberg und Amtenhauser Berg auf der Baaralb nur wenige hundert Meter westlich von Immendingen an der Bundesstraße 311 unmittelbar östlich der Autobahn 81.

OrtsgliederungBearbeiten

Zimmern lässt sich entsprechend der Kreuzung von Bundesstraße 311 (West-Ost) und Amtenhauser Bach (Talbach) (Nord-Süd) in vier Gebiete unterteilen. Im Südwesten zur Donau und Bahnstrecke hin liegt das alte Kerngebiet der ehemals selbstständigen Gemeinde, welches heute als Unterdorf bezeichnet wird. Im Nordwesten, am Hang des Hornenberges, liegt das Oberdorf. Am Amtenhauser Berg, im Nordosten, ist das Wohngebiet Iltishalde und im Südosten befindet sich das Neubaugebiet Am Freizeitzentrum.

Abseits des Dorfes – im Amtenhauser Tal – liegen zudem die Zinken Amtenhausen (Klosterhof) und Talhof sowie das Haus Säge.

GeschichteBearbeiten

AltertumBearbeiten

Frühgeschichtlich lag das Donautal um Zimmern im Siedlungsgebiet verschiedener keltischer Stämme wie der Latobiker, Tulinger und Helvetier, welche ab dem Jahre 15 v. Chr. vom Römischen Reich unterworfen und romanisiert wurden. Als Teil der späteren römischen Provinz Obergermanien lag das Tal bis ungefähr 95 n. Chr. am Obergermanisch-Raetischen Limes. Von Brigobannis (Kastell Hüfingen) aus führte die Donausüdstraße (via iuxta Danuvium) entlang der Donau durch die heutige Gemarkung Zimmern zum Kastell Tuttlingen bis weiter bis nach Konstantinopel. 1917 wurden in Zimmern die Reste eines römischen Gutshofes aus dieser Zeit untersucht.

MittelalterBearbeiten

 
Die Benediktinerinnen­abtei Amtenhausen.

Nach dem Rückzug der römischen Legionen besiedelten die Alamannen das Gebiet des heutigen Zimmern, welches durch Eroberungen und Neuordnungen ab 502 zum Frankenreich, ab 843 Teil zum Ostfrankenreich und ab 962 zum Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gehörte. Während der Zeit der Stammesherzogtümer ab 911 lag die Siedlung im Herzogtum Schwaben. Aus dem 8. und 9. Jahrhunderts gibt es Grabfunde.

Im Jahre 973 wurde Zimmern schließlich erstmals als „Timbirn an der Tonow under Amptenhusen“ im Schenkungsverzeichnis des Klosters Reichenau erwähnt.[5] Von mindestens 1101 bis 1268 wird zudem eine örtliche Adelsfamilie genannt, die im Gefolge der Freiherren von Wartenberg stand. 1102 kam es dann im Amtenhauser Tal unweit des Dorfes zur Grundsteinlegung des Benediktinerinnenklosters Amtenhausen das 1113 vom Konstanzer Bischof geweiht wurde und bis 1808 bestand. Im Besitz der Wartenberger gelangte Zimmern nach 1318 an die Fürstenberger.[6]

Frühe NeuzeitBearbeiten

In der frühen Neuzeit wurde die Region von zahlreichen Kriegen geprägt. Beginnend mit dem Schwabenkrieg und dem Deutschen Bauernkrieg. Während des Dreißigjährigen Krieges kam es 1632 zu Verwüstungen durch die Schweden, wovon vor allem das Kloster betroffen war. Hunger und Pest waren Schrecken und Unglück der Bevölkerung. Auch während der Eroberungskriege Ludwigs XIV. von 1654 bis 1697, des spanischen Erbfolgekrieges (ab 1704) sowie des Ersten (ab 1792) und Zweiten Koalitionskrieges (ab 1798) unter Napoleon litten Ort und Kloster unter Plünderungen, Einquartierungen und Requisitionen französischer Truppen. 1806 wurden die Ländereien der Fürstenberger dem Großherzogtum Baden zugeschlagen.[6]

ModerneBearbeiten

 
Überdachte Donaubrücke und Unterdorf in den 1950er Jahren

Seit 1807 gehörte Zimmern zum Amt Möhringen, seit 1844 zum Amt Engen und ab 1936 zum Bezirksamt bzw. Landkreis Donaueschingen. Auch unter den beiden Weltkriegen hatte der Ort zu leiden. In den letzten Kriegstagen wurden mehrere Häuser und die Kirche von Fliegerbomben getroffen und brachten die Front mit all ihren Schrecken in die Gemeinde. Beim Rückzug der deutschen Truppen wurde zudem die gedeckte Holzbrücke über die Donau gesprengt.

Am 1. Januar 1971 wurde Zimmern nach Immendingen eingemeindet[7] und gehört seit 1973 zum Landkreis Tuttlingen.

Seit der Errichtung mehrerer Neubaugebiete in den 1970er Jahren wuchs der Ortsteil von durchschnittlich 300 auf über 1400 Einwohner.[6]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohnerzahlen
1820[8] 324
1825 358
1836[9] 365
1852 349
1871 333
1880 295
1890 296
1900 292
1910 277
1925 306
Jahr Einwohnerzahlen
1933 267
1939 278
1950 313
1956 328
1961 326
1970 379
1973 445
31. Dezember 2013 1277
31. Dezember 2015 1356
31. Dezember 2017 1409

PolitikBearbeiten

Bürgermeister von 1829 bis 1970[10]
  • 1829–1830: Sylvester Häusle, Vogt
  • 1831–1832: Johann Rosenstihl, Vogt/Bürgermeister
  • 1832–1833: Sternbacher, Bürgermeister
  • 1833–1834: Deusch, Amtsverweser
  • 1834–1838: Sternbacher, Bürgermeister
  • 1838–1844: Schacherer, Vogt/Bürgermeister
  • 1848–1854: Nikolaus Weiler, Bürgermeister
  • 1854–1862: Joh. Bapt. Hall, Bürgermeister
  • 1863–1869: Vinanz Deusch, Bürgermeister
  • 1870–1881: Franz Heizmann, Bürgermeister
  • 1881–1883: Konstantin Vögele, Bürgermeister
  • 1883–1893: Cölestin Gut, Bürgermeister
  • 1894–1909: Max Gabriel, Bürgermeister
  • 1909–1937: Franz Schwörer, Bürgermeister
  • 1938–1945: Hubert Hienerwadel, Bürgermeister
  • 1945: Robert Gut, Bürgermeister-Stellvertreter (3 Monate)
  • 1945: Franz Dreyer, Bürgermeister-Stellvertreter (6 Monate)
  • 1946–1967 Ernst Heizmann, Bürgermeister
  • 1967–1970 Robert Gut, Bürgermeister

OrtsvorsteherBearbeiten

Ortsvorsteher ist derzeit Günter Heizmann (Stand 2014).

WappenBearbeiten

Das Wappen der ehemals selbständigen Gemeinde Zimmern zeigt in Gold mit silber-blauem Wolkenbord ein rot bezungter schwarzer Bärenrumpf. Es wurde 1900 vom Staatsarchiv entworfen, da keine historischen Wappen oder Siegel bekannt waren. Die wolkige Bordüre stammt aus dem Wappen der Fürsten von Fürstenberg, zu denen das Gebiet historisch gehörte. Der Bär ist das Symbol des hiesigen Schutzpatrons St. Gallus.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

MusikBearbeiten

  • Musikverein Zimmern an der Donau e.V. (seit 1931)

BauwerkeBearbeiten

Gedeckte Holzbrücke über die DonauBearbeiten

 
überdachte Donaubrücke

Zu den Sehenswürdigkeiten gehört die hölzerne, überdachte Donaubrücke. Die unter Denkmalschutz stehende Holzschindelbrücke aus dem 17.[11] oder 18. Jahrhundert[12] wurde 1945 beim Rückzug der Deutschen gesprengt und 1947 wieder aufgebaut. Sie ist Teil des Donauradwegs. Am 6. September 2015 wurde sie in Folge eines Feuers zerstört,[11][12] am 17. Juli 2016 wurde ein Neubau in alter Form fertiggestellt.[13]

Kloster AmtenhausenBearbeiten

 
Kloster Amtenhausen im 18. Jahrhundert.

Etwa drei Kilometer nordwestlich von Zimmern befindet sich das historische Benediktinerinnenkloster Amtenhausen sowie die Überreste der Burg Amtenhausen (auch Burg Zimmern genannt).

Pfarrkirche St. GallusBearbeiten

 
Kirche St. Gallus

Die dem Hl. Sankt Gallus geweihte Pfarrkirche wurde 1275 erstmals urkundlich erwähnt. Ab 1497 waren Kirche und Pfarrei Teil des Klosters Amtenhausen bis 1732 die selbständige Pfarrei durch den Bischof von Konstanz wiedererrichtet wurde.[6] In den Jahren 1621 bis 1623 wurde der einschiffige Bau mit seinen spätgotischen Fenstern von Grund auf erneuert und 1905 noch einmal vergrößert. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der sechseckige Kirchturm am 28. April 1945 durch einen Bombentreffer zerstört, nach Kriegsende aber wieder in ursprünglicher Form, aber kleinerem Maßstab, neu erbaut[14]. In Inneren befindet sich ein Seitenaltar aus dem Kloster Amtenhausen.

NaturdenkmaleBearbeiten

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

An der Bundesstraße 311 in Richtung Immendingen liegt das Gewerbegebiet Am Freizeitzentrum mit mehreren Einzelhandels- und Dienstleistungsbetrieben. Zudem befindet sich an der Bahnstrecke ein Bahnbetriebswerk der Hohenzollerischen Landesbahn AG sowie die Betriebsleitung des Ringzugs. Neben einer Tankstelle, einer Spielhalle und einigen kleineren Handwerksbetrieben gibt es noch zwei Bauernhöfe und zwei Gaststätten.

VerkehrBearbeiten

Zimmern liegt an der Bundesstraße 311 nahe der Anschlussstelle Geisingen an der A 81. Durch den Ort verläuft die Schwarzwaldbahn, deren Züge dort allerdings nicht anhalten. Die örtliche Haltestelle wird vom Ringzug angefahren und verbindet Zimmern mit Immendingen, Tuttlingen und Rottweil.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt habenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ernst Förstemann: Altdeutsches Namenbuch, Bd. 2: Orts- und sonstige geographische Namen, 2. Hälfte, hrsg. von H. Jellinghaus, Bonn 1916, Sp. 994f.
  2. H.-G. Schmitz: Deutsches Ortsnamenbuch, hrsg. von M. Niemeyer, Berlin-Boston 2012, S. 228.
  3. Zimmern / Bad Langensalza Namensursprung des gleichnamigen Ortes Zimmern bei Bad Langensalza. Abgerufen am 6. Februar 2018.
  4. www.immendingen.de
  5. Ortsteil Zimmern
  6. a b c d Landeskunde entdecken online: Zimmern - Altgemeinde~Teilort
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 494.
  8. Geographie und Statistik des grossherzogthums Baden 1820 S. 177/178 (Zimmern + Amtenhausen)
  9. Hof- und Staats-Handbuch des Grossherzogthums Baden: 1836 S. 149
  10. Paul Willimski: Das Heimatbuch von Zimmern, hrsg. von der Gemeinde Immendingen, S. 165
  11. a b Stephanie Jakober: Donau-Holzschindelbrücke in Zimmern brennt komplett nieder. In: suedkurier.de. SÜDKURIER GmbH Medienhaus, 6. September 2015, abgerufen am 7. September 2015.
  12. a b Brand zerstört Donau-Holzschindelbrücke. In: schwarzwaelder-bote.de. Schwarzwälder Bote Mediengesellschaft mbH, 6. September 2015, abgerufen am 7. September 2015.
  13. Jutta Freudig: Neue Zimmerer Holzbrücke erhält kirchlichen Segen. In: suedkurier.de. SÜDKURIER GmbH Medienhaus, 12. Juli 2016, abgerufen am 13. Juli 2016.
  14. St. Gallus Zimmern (kath-immendingen-moehringen.de)
  15. Baden online, 31. Mai 2013
  16. Schriften der Baar, Band 36 von 1986, S. 181
  17. Landeskunde online: Schwörer, Franz (Fransepp) Joseph
  18. Landeskunde online: Vögele, Fritz