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Realer Schlepper en miniature, von Bastelbegabten herstellbar durch Benutzung des Bausatzes Billing Boats durch Hobby-Modellbauer
Architekturmodellbau als Umsetzung von Bauplänen im Ministerium für Aufbau der DDR
Stadtplanerisches Modell eines Universitätscampus aus Holz und Polystyrol (FU Berlin)
Modell von Stöpselkopfameisen am Eingang ihres Nestes in einem stark vergrößernden Maßstab
Sammlung von Modell-Motoren in der Flugwerft Schleißheim

Als Modellbau bezeichnet man die Herstellung eines konkreten, dreidimensionalen, physischen Objektes. Dies kann sowohl die verkleinerte (selten auch vergrößerte) und vereinfachte Nachbildung eines realen oder Darstellung eines geplanten Vorbildes sein, als auch eine Vorlage (Urmodell bzw. Prototyp) für das Erstellen einer Negativform (Gussform, Technischer Modellbauer) zur Produktion von Gussteilen.

Eine scharfe Grenze zwischen der qualitativ hochwertigen Herstellung von Modellen durch dafür Ausgebildete und Basteleien, einschließlich denen von Kindern, kann nicht gezogen werden, da gelegentlich auch Hobbybastler detailgetreue Nachbildungen von Objekten herstellen können und Auftraggeber Professionellen gelegentlich erlauben, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen.

Inhaltsverzeichnis

Modellbau als Nachbildung und ProjektentwurfBearbeiten

AllgemeinesBearbeiten

Wichtig für die Qualität eines Modells, das dem Betrachter helfen soll, die modellierte Wirklichkeit zu verstehen, ist die Maßstabstreue. Als Maßstab bezeichnet man das Verhältnis der Größe des Modells zur Größe des Originals. Welcher Maßstab benutzt wird, hängt vom Anwendungsbereich und dem Zweck des Modells ab. Bei Modellbauanlagen spielt auch die Größe der zur Verfügung stehenden Ausstellungsflächen und (bei Indoor-Anlagen) die Raumhöhe eine Rolle. In der Regel sind größere Modelle detailreicher gestaltet als kleinere. Beim Modellbau können alle möglichen Materialien verwendet werden, abhängig vom Anwendungsbereich, dem Zweck des Modells und den für die Herstellung verfügbaren finanziellen Mitteln. Für die meisten Anwendungen werden relativ preiswerte Materialien verwendet, die einfach zu verarbeiten sind.

Herstellung von Einzelmodellen und von großflächigen ModellanlagenBearbeiten

Hersteller von Nachbildungen, Projektentwürfen und größeren Anlagen

  • kopieren und verkleinern reale noch existierende Gegenstände des täglichen Lebens bzw. solche Gegenstände, die früher existiert haben (gelegentlich werden Objekte auch vergrößert, s. o. das Ameisenmodell);
  • illustrieren mit Hilfe dreidimensionaler Modelle fiktive Werke oder
  • lassen ihrer Phantasie freien Lauf (z. B. beim Bau der Stadt Knuffingen im Miniatur Wunderland in Hamburg).

Die Modelle werden entweder aus Original-Materialien, aus Ersatzmaterialien (Plastikmodellbau, Kartonmodellbau) oder aus industriell vorgefertigten Bauteilen (z. B. aus Kunststoff, Pappe, Holz, CFK, GFK, Glasfaser, Balsaholz) hergestellt. Als Beispiele seien Modellmotoren, Modellfahrzeuge, Schiffs-, Flugzeugmodelle, Modellraketen, Modelleisenbahnen, Gebäudemodelle und Tiermodelle genannt.

Unterscheiden kann man zwischen (z. T. ferngesteuerten) Funktionsmodellen, aber auch dem Unterbringen verschiedener Sonderfunktionen, oder Standmodellen, bei denen in der Regel ein möglichst hoher Grad an Realismus angestrebt wird. Eine besondere Kategorie der Standmodelle ist der Figurenmodellbau. Oft werden Figuren und Modelle auch in Dioramen bis hin zu großflächigen Anlagen eingebettet.

Spezielle HerstellungsverfahrenBearbeiten

WettkämpfeBearbeiten

Bei den ferngesteuerten Modellen werden sportliche Wettkämpfe in einer Reihe von Disziplinen ausgetragen. Dazu gehören RC-Cars, das Modell Truck Trial, eine Untersparte des LKW-Modellbaus; Modellflugzeuge und -hubschrauber starten auf Modellflugtagen. Im Plastikmodellbau gibt es Wettbewerbe, bei denen die originalgetreue Wiedergabe bewertet wird. Bei Schiffsmodell-Veranstaltungen werden einerseits Rennen gefahren, andererseits die Menge an Sonderfunktionen eines Schiffes oder die Detailtreue bewertet. Es gibt auch Rennserien für Modellschiffe, wie z. B. die ECO-IDC. Die Veranstaltungen werden meist von Modellbauvereinen organisiert.

AusstellungenBearbeiten

 
Der Tempel der Artemis in Ephesos als Miniaturmodell in einer kommerziell betriebenen Outdoor-Modellbauanlage (Miniatürk)
 
Modell des frei erfundenen „Flughafens Knuffingen“ in der kommerziell betriebenen Indoor-Modellbauanlage Miniatur Wunderland Hamburg
  • Die größte Modellbau-Messe Österreichs findet jährlich Ende Oktober in der Messe Wien statt.[1]
  • Der größte Miniaturmodellpark ist in der türkischen Stadt Istanbul auf der europäischen Seite im Stadtteil Beyoğlu. Mit einer Fläche von sechs Hektar gehört der Miniatürk-Park zu den größten der Welt.

Wissenschaftlicher ModellbauBearbeiten

An Universitäten oder großen Museen werden unterschiedlichste Modellbautechniken eingesetzt, um dem Betrachter das Verständnis sonst schwer verständlicher Zusammenhänge oder Funktionsmechanismen zu erleichtern. Das dreidimensionale Objekt ist für den Betrachter zudem immer einfacher zu begreifen als eine zweidimensionale Abbildung oder ein digitales Modell. Die Bandbreite der angewandten Maßstäbe reicht von Verkleinerungen über Modelle in Originalgröße (Maßstab 1 : 1) bis hin zu Vergrößerungen. An die getreue Wiedergabe des Originals im Modell werden hierbei außerordentliche Anforderungen gestellt. Der Rezeptionsvorgang wird dabei ähnlich erleichtert wie beim Unterschied zwischen einer „exakten“ Fotografie und einer wissenschaftlichen Zeichnung in der Anatomie.

In vielen Bereichen ermöglicht erst ein Modell eine realistische „lebendige“ Darstellung, da z. B. Weichtiere wie Quallen oder Tintenfische an Land ihre ursprüngliche Form verlieren und dem Betrachter nicht mehr dasselbe Aussehen bieten, das man vom lebenden Objekt her kennt.

Grundlagen für die Arbeit eines wissenschaftlichen Modellbauers sind Fotos, Rastermikroskopaufnahmen, Präparate und das Studium lebender Tiere. Der Einsatz unterschiedlichster Materialien, wie Glas bei den im 19. Jahrhundert tätigen Blaschkas, oder moderner Kunststoffe z. B. Modelliermassen, PU-Schäumen und Kunstharzlaminaten, ermöglicht es sehr hochwertige Modelle (in der Regel Einzelstücke) anzufertigen. Die Spezialisten in diesem Bereich besitzen umfangreiches Wissen aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen der Wissenschaft sowie bildhauerische Fähigkeiten und fertigen in monatelanger Arbeit originalgetreue Modelle an.

Experimentaler ModellbauBearbeiten

 
Modell eines Flugzeugs im Windkanal

Modelle können helfen, Eigenschaften des modellierten Objektes experimentell zu erfassen. Das Modell ist meist einfacher (günstiger) herzustellen als ein Original und enthält die notwendige Genauigkeit für das Experiment. Häufige Anwendung sind Modelle für die Strömungsuntersuchung im Windkanal oder Schlepptank.

Modellbau für GießereienBearbeiten

 
Holzmodell als Vorlage des zu fertigenden Gussstückes

In der Gießerei und der metallverarbeitenden Industrie werden Modelle für die Erstellung von Gussformen benötigt, deren Herstellung Modellbau (Formenbau) genannt wird. Als Vorlage für das spätere Gussprodukt haben sie immer, abhängig vom Werkstoff des Fertigproduktes (Metalllegierung), ein Aufmaß, d. h. einen Zuschlag zum Fertigmaß auf das zu erzielende Gussprodukt, um dem Schwinden beim Erkalten Rechnung zu tragen. Maßgebend sind dabei die Parameter Materialschwund beim Erkalten, Materialverbrauch und leichte Entnehmbarkeit aus der Form (Formschräge). Das Schwindmaß in Prozent ist abhängig vom jeweiligen Gießwerkstoff (z. B. Stahlguss, Gusseisen, Aluminium, Bronze, Messing).
Diese Arbeit wird:

  • vom Metallmodellbauer (Modellschlosser, alte Bezeichnung) werden Dauermodelle aus Aluminium, seltener aus Bronze oder Grauguss angefertigt, wenn Abgüsse in großen Stückzahlen erforderlich sind und die Gießformen auf Formmaschinen hergestellt werden.
  • vom Modelltischler ausgeführt[2] und als Modellwerkstoff wird Holz verwendet, wenn eine geringe Anzahl oder große Einzelstücke an Abgüssen gefordert ist.
  • vom Modelleur ausgeführt und als Werkstoff wird Modellgips verwendet, wenn Ausgangswerkstücke (Urmodelle) für Metallmodelle bzw. künstlerische Einzelabgüsse benötigt werden.

Bis 2009 wurden in Deutschland die Kenntnisse im Ausbildungsberuf Modellbaumechaniker der Metallindustrie oder im Ausbildungsberuf Modellbauer Fachrichtung Produktionstechnik im Handwerk vermittelt. Der Ausbildungsberuf ist seit dem 1. August 2009 neu geordnet und heißt Technischer Modellbauer. Es gibt die Fachrichtungen Anschauung, Gießerei sowie Karosserie und Produktion.

LiteraturBearbeiten

PublikationenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Models by subject – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Messe Wien: Modellbau-Messe Abgerufen am 2. August 2011.
  2. Günther Heine: Das Werkzeug des Schreiners und Drechslers. Th. Schäfer, Hannover 1990, ISBN 3-88746-228-9