Wolfshausen

Ortsteil der Gemeinde Weimar (Lahn)

Wolfshausen ist einer der zwölf Ortsteile der Gemeinde Weimar (Lahn) im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Wolfshausen
Gemeinde Weimar (Lahn)
Koordinaten: 50° 43′ 57″ N, 8° 44′ 17″ O
Höhe: 183 (171–202) m ü. NHN
Fläche: 3,67 km²[1]
Einwohner: 357 (30. Jun. 2010)[2]
Bevölkerungsdichte: 97 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35096
Vorwahl: 06421
Wolfshausen, Hauptstraße
Wolfshausen, Hauptstraße
Links Argenstein, rechts Wolfshausen
Wolfshausen hinter der Bundesstraße 3a, hinter den Bäumen der Lahnaue Argenstein und Niederweimar

GeschichteBearbeiten

Erstmals wurde Wolfshausen 1274 unter dem Namen Woluishusen urkundlich erwähnt.[1] 1774 wurde im Ort eine Schule erbaut, die heute das Bürgerhaus ist.

Am 1. Juli 1974 wurde die Gemeinde Wolfshausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz der Gemeinde Weimar angeschlossen.[3][4] Für Wolfshausen wurde wie für die übrigen Ortsteile von Weimar ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.[5]

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Wolfshausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][6]

Gerichte seit 1821Bearbeiten

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Wolfshausen zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[11]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Landgericht Marburg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Marburg. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[12] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[13]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. 1932 wurde das Amtsgericht Fronhausen zuständig und mit dessen Auflösung 1948 das Amtsgericht Marburg. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1577: 8 Hausgesesse
• 1681: 8 hausgesessene Mannschaften
• 1734: 79 Einwohner
• 1838: Familien: 11  nutzungsberechtigte Ortsbürger, 3  Beisassen
Wolfshausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2011
Jahr  Einwohner
1834
  
141
1840
  
124
1846
  
149
1852
  
156
1858
  
145
1864
  
144
1871
  
152
1875
  
133
1885
  
133
1895
  
144
1905
  
143
1910
  
135
1925
  
129
1939
  
143
1946
  
222
1950
  
216
1956
  
239
1961
  
215
1967
  
245
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
455
2005
  
423
2010
  
357
2011
  
360
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; nach 1970: Gemeinde Weimar:[14][2]; Zensus 2011[15]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1861: 140 evangelisch-lutherische Einwohner, 6  Mitglieder abweichender Sekten.
• 1885: 129 evangelische und 4 andere Christen. (Keine Katholiken)
• 1961: 195 evangelische, 19  römisch-katholische Einwohner

ErwerbstätigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1746: Erwerbspersonen: 32 Ackerleute, 2 Schmiede, 2 Wagner, 3 Schneider, 8 Leineweber, 2 Gastwirte, 2 Maurer, 5 Zimmerleute, 2 Fischer, 2 Müller, 18 Tagelöhner.
• 1743: Erwerbspersonen: 10  Ackerleute, 2  Leineweber, 2  Schmiede, 2  Wagner, 1  Schneider, 3  Wirte.
• 1838: Familien: 14  Ackerbau, eine Gewerbe, eine Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 38  Land- und Forstwirtschaft, 33  Produzierendes Gewerbe, 18  Handel und Verkehr, 18  Dienstleistungen und Sonstiges.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

VereineBearbeiten

Unter anderem ist in Wolfshausen der Tennisverein (TV) Weimar ansässig. Außerdem gibt es im Ort einen Gymnastikverein, einen Kirchenchor sowie die Freiwillige Feuerwehr und die ebenfalls dort beheimatete Motorradsportvereinigung (MSV) Lahnberge, die auch die Motocross-Strecke in Wolfshausen betreibt. Zudem gibt es noch einen Vogel- und Naturschutzverein. Am 19. Mai 2011 wurde der Verein „Förderverein Bürgerhilfe Weimar“ mit Sitz in Wolfshausen gegründet.

BauwerkeBearbeiten

 
Kirche

Die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Wolfshausens sind die aus dem 11. Jahrhundert stammende Evangelische Kirche Wolfshausen, die das mittelalterliche Bild des Ortskerns prägt, sowie die ehemalige Schule, die ab 1978 in das Bürgerhaus des Dorfes umgebaut wurde.

TourismusBearbeiten

Neben einem Hotel ist Wolfshausen insbesondere durch das ehemalige Kreisjugendheim, heutige bsj, Bildungs-, Freizeit und Tagungsstätte Wolfshausen bekannt. Wolfshausen liegt an der Lahn und am Lahntalradweg.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Wolfshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g Wolfshausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 9. Dezember 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerzahlen (HW). In: Webauftritt. Gemeinde Weimar, archiviert vom Original; abgerufen im März 2019.
  3. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 11 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 404.
  5. Hauptsatzung. (PDF; 18 kB) §; 7. In: Webauftritt. Gemeinde Weimar, abgerufen im Februar 2019.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 370 (online bei HathiTrust’s digital library).
  8. Die Zugehörigkeit des Amtes Marburg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  9. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 107 (online bei Google Books).
  10. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August, (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  11. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  12. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  13. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  14. Einwohnerzahlen. In: Webauftritt. Gemeinde Weimar, archiviert vom Original; abgerufen im März 2019.
  15. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,0 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;