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Allna ist ein Ortsteil der Gemeinde Weimar (Lahn) im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Allna
Gemeinde Weimar (Lahn)
Koordinaten: 50° 46′ 17″ N, 8° 40′ 14″ O
Höhe: 217 m ü. NHN
Fläche: 5,94 km²[1]
Einwohner: 196 (30. Jun. 2010)[2]
Bevölkerungsdichte: 33 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Februar 1971
Postleitzahl: 35096
Vorwahl: 06421
Nördlicher Ortseingang mit Allna-Brücke (Kreisstraße 65 von Hermershausen)
Nördlicher Ortseingang mit Allna-Brücke
(Kreisstraße 65 von Hermershausen)

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Allna wurde 807 als erster Ort der heutigen Gemeinde Weimar (Lahn) mit Allanaher marca (in der Gemarkung Allna) im Lorscher Codex erwähnt.[3] Seinen Namen verdankt das Dorf dem gleichnamigen Fluss.

Am 1. Februar 1971 schloss sich im Zuge der Gebietsreform in Hessen Allna mit Niederweimar und Oberweimar zur Großgemeinde Weimar (Lahn) zusammen,[4] an die sich bis 1974 neun weitere Dörfer anschlossen.[5] Für Allna wurde wie für die übrigen Ortsteile ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.[6] Als Verwaltungssitz wurde der Ortsteil Niederweimar bestimmt.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Allna lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][7]

Gerichte seit 1821Bearbeiten

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Allna zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[11]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Landgericht Marburg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Marburg. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[12] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[13]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1577: 26 Hausgesesse
• 1630: 17 Hausgesesse einschließlich 5 Witwen. (5 dreispänniges, 5 zweispänniges, 2 einspänniges Ackerland, 5 Einläuftige)
• 1681: 19 hausgesessene Mannschaften
• 1780: 21 Gemeindemänner, 4 Beisassen
• 1838: 210 Einwohner davon 24 nutzungsberechtigte, 80 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 2 Beisassen.
Allna: Einwohnerzahlen von 1746 bis 2010
Jahr  Einwohner
1746
  
193
1834
  
199
1840
  
218
1846
  
220
1852
  
214
1858
  
212
1864
  
223
1871
  
200
1875
  
206
1885
  
227
1895
  
232
1905
  
200
1910
  
201
1925
  
242
1939
  
211
1946
  
352
1950
  
301
1956
  
240
1961
  
220
1967
  
211
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
214
2005
  
214
2010
  
196
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; nach 1970: Gemeinde Weimar:[14][2]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1861: 229 evangelisch-lutherische Einwohner
• 1885: 227 evangelische (= 100,00 %) Einwohner
• 1961: 201 evangelische (= 91,36 %), 19 katholische (= 8,64 %) Einwohner

ErwerbstätigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1746: Erwerbspersonen: 1 Wagner, 1 Branntweinbrenner, 4 Leineweber, 3 Schmiede, 4 Schneider, 1 Zimmermann, 7 Tagelöhner und Tagelöhnerinnen.
• 1838: Familien: 23 Ackerbau, 4 Gewerbe, 7 Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 80 Land- und Forstwirtschaft, 22 Produzierendes Gewerbe, 6 Handel und Verkehr, 11 Dienstleistungen und Sonstiges.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

 
Evangelische Kirche Allna
  • Am heutigen Bürgerhaus steht ein mittelalterliches Steinkreuz – das sogenannte Sühnekreuz oder Kreppelstein. Es stand ehemals ca. 800 m nördlich von Allna an der Straße Richtung Hermershausen (Abzweig Weiershausen).[16]

VereineBearbeiten

In Allna existiert eine Freiwillige Feuerwehr mit 22 aktiven Mitgliedern unter der Leitung des Wehrführers Marco Wagner und dessen Stellvertreter Michael Nagy, sowie eine Jugendfeuerwehr welche zusammen mit Jugendlichen aus Weiershausen arbeitet und zehn Mitglieder zählt, ein Reitverein sowie ein Gemischter Chor.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Allna, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerzahlen (HW). In: Webauftritt. Gemeinde Weimar, archiviert vom Original; abgerufen im März 2019.
  3. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 5), Urkunde 3171, 18. Juli 807 – Reg. 2966. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 107, abgerufen am 8. Mai 2019.
  4. Der Hessische Minister des Inneren: Gemeindegebietsreform: Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 20. Januar 1971. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 6, S. 248, Abs. 34 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,2 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 402.
  6. Hauptsatzung. (PDF; 18 kB) §; 7. In: Webauftritt. Gemeinde Weimar, abgerufen im Februar 2019.
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 370 (online bei HathiTrust’s digital library).
  9. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 107 (online bei Google Books).
  10. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  11. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  12. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  13. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  14. Einwohnerzahlen. In: Webauftritt. Gemeinde Weimar, archiviert vom Original; abgerufen im März 2019.
  15. Tafel an der Kirche
  16. H. Riebeling: Steinkreuze und Kreuzsteine in Hessen, 1977, S. 114–115