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Niederwalgern

Ortsteil der Gemeinde Weimar (Lahn)

Niederwalgern ist ein Ortsteil der Gemeinde Weimar (Lahn) im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf mit zurzeit etwa 1400 Einwohnern. Der Ort liegt 215 m über NN am Walgerbach.

Niederwalgern
Gemeinde Weimar (Lahn)
Koordinaten: 50° 44′ 6″ N, 8° 42′ 0″ O
Höhe: 179 m ü. NHN
Fläche: 5,4 km²[1]
Einwohner: 1402 (30. Jun. 2010)[2]
Bevölkerungsdichte: 260 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35096
Vorwahl: 06426
Ansicht von Westen
Ansicht von Westen
Ortseingang von der Landesstraße 3061

GeschichteBearbeiten

Niederwalgern wurde erstmals 1235 unter dem Namen inferior Walgeren urkundlich erwähnt.[1]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Niederwalgern am 1. Juli 1974 kraft Landesgesetz der Großgemeinde Weimar (Lahn) angeschlossen.[3][4] Für Niederwalgern wurde wie für die übrigen Ortsteile ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.[5]

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Niederwalgern lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][6]

Gerichte seit 1821Bearbeiten

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Fronhausen war als Gericht in erster Instanz für Niederwalgern zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[10]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt Fronhausen 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Fronhausen. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[11] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Fronhausen. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[12]

Das Amtsgericht Fronhausen wurde 1943 geschlossen. Es wurde zunächst als Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg geführt und 1948 endgültig aufgelöst. Der Gerichtsbezirk wurde dem Amtsgericht Marburg zugeschlagen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

• 1494: 3 landgräfliche Pflüge mit 11 Bauern, 2 Einläuftige.
• 1585: 24 Hausgesesse
• 1630: 24 Hausgesesse (davon 2 Witwen). 1 vierspänniger, 1 dreispännige, 10 zweispännige, 2 einspännige Ackerleute, 10 Einläuftige.
• 1681: 24 hausgesessene Mannschaften
• 1838: 264 Einwohner, davon 34 nutzungsberechtigte, 4 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 8 Beisassen.
Niederwalgern: Einwohnerzahlen von 1746 bis 2010
Jahr  Einwohner
1746
  
213
1834
  
275
1840
  
291
1846
  
316
1852
  
337
1858
  
369
1864
  
377
1871
  
395
1875
  
408
1885
  
422
1895
  
449
1905
  
482
1910
  
526
1925
  
587
1939
  
682
1946
  
957
1950
  
982
1956
  
965
1961
  
1.054
1967
  
1.095
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
1.450
2005
  
1.465
2010
  
1.402
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; nach 1970: Gemeinde Weimar:[13][2]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1861: 381 evangelisch-lutherische, 5 evangelisch-reformierte Einwohner
• 1885: 422 evangelische (= 100,00 %) Einwohner
• 1961: 928 evangelische (= 88,05 %), 112 römisch-katholische (= 10,63 %) Einwohner.

ErwerbstätigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1746: Erwerbspersonen: 5 Schmiede (nur Eigenbedarf), 5 Leineweber, 1 Wagner, 1 Bender, 1 Maurer, 1 Weißbinder, 1 Korbmacher, 1 Wirt, 2 Schlachter, 1 Strick- und Näherin, 9 Tagelöhner(-innen).
• 1838: Familien: 27 Ackerbau, 5 Gewerbe, 21 Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 139 Land- und Forstwirtschaft, 177 Produzierendes Gewerbe, 106 Handel und Verkehr, 75 Dienstleistungen und Sonstiges.

PolitikBearbeiten

Ortsvorsteher von Niederwalgern ist Hans Heinrich Heuser (CDU).

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

Wichtigste Sehenswürdigkeit Niederwalgerns ist die historische Wehrkirche im Ortskern.

VereineBearbeiten

Niederwalgern und Wenkbach haben zusammen eine Sportgemeinde (SG), die am 27. Oktober 1972 nach dem Zusammenschluss des TSV Niederwalgern 1907 und des Tuspo 05 Wenkbach entstand. Neben einer Fußballabteilung, die inzwischen zusammen mit dem SC Roth/Argenstein in einer Fußballspielgemeinschaft als FSG Südkreis am Spielbetrieb teilnimmt und einen Teil seiner Heimspiele auf dem Hartplatz in Niederwalgern austrägt, bestehen auch eine Tennis-, eine Basketball- und eine Turnabteilung.

Die Burschenschaft „Fidelia 1922“ kümmert sich um die Dorfjugend und deren Zusammenhalt. Außerdem richtet sie die Kirmes in Niederwalgern aus, die jedes dritte Septemberwochenende stattfindet.

Aus kultureller Sicht tragen mehrere Chöre zur musikalischen Gestaltung des Dorflebens bei. Dazu zählen der Gemischte Chor „Liedertafel“ Niederwalgern, der Kirchen- sowie der Posaunenchor der Pfarrgemeinde Niederwalgern und der „Junge Chor N-Joy“.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

In Niederwalgern findet unter anderem jedes Jahr im September eine Zeltkirmes statt. Außerdem wird in der Großsporthalle in Niederwalgern mit dem Bitburger-Intersport-Begro-Cup jedes Jahr eines der größten Hallenfußball-Turniere Mittelhessens veranstaltet. Jedes Jahr wird ein Flohmarkt zusammen mit der Gesamtschule und dem Verein zur Förderung Niederwalgern e.V. veranstaltet. 2007 fand er am 30. Juni am Krummbogen statt. In der fünften Jahreszeit wird der Karnevalsclub Niederwalgern aktiv und richtet eine Karnevalssitzung aus. Die Veranstaltung findet am Wochenende vor der eigentlichen Fastnachtswoche statt (genau neun Tage vor Rosenmontag).

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Die Gesamtschule Niederwalgern (GSN) ist eine der wichtigsten Schulen im Süden des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Zusammen mit vier anderen Gesamtschulen im Landkreis bildet die GSN einen Schulverbund mit dem Gymnasium Philippinum in Marburg. Außerdem gibt es in Niederwalgern einen Kindergarten.

VerkehrBearbeiten

Hauptverkehrsstraße durch Niederwalgern ist die Landesstraße 3093, die den Ort mit der Bundesstraße 255 und der Gemeinde Fronhausen verbindet. Niederwalgern liegt an der Main-Weser-Bahn. Am Bahnhof, der auf der Grenze zum Nachbarort Wenkbach liegt, halten sowohl Regionalbahnen wie auch Regionalexpresszüge.

Am Bahnhof Niederwalgern zweigte einst die Aar-Salzböde-Bahn ab, die durchs südliche hessische Hinterland nach Herborn führte.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Niederwalgern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g Niederwalgern, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerzahlen (HW). In: Webauftritt. Gemeinde Weimar, archiviert vom Original; abgerufen im März 2019.
  3. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 11 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 404.
  5. Hauptsatzung. (PDF; 18 kB) §; 7. In: Webauftritt. Gemeinde Weimar, abgerufen im Februar 2019.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Georg Landau: Beschreibung des kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 385 (online bei HathiTrust’s digital library).
  8. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 112 (online bei Google Books).
  9. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223-224
  10. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  11. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  12. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  13. Einwohnerzahlen. In: Webauftritt. Gemeinde Weimar, archiviert vom Original; abgerufen im März 2019.