Widuchowa

Dorf in Polen

Widuchowa (deutsch Fiddichow) ist ein Dorf (von 1347 bis 1945 eine Stadt) in der Woiwodschaft Westpommern in Polen.

Widuchowa
POL gmina Widuchowa COA.svg
Widuchowa (Polen)
Widuchowa
Widuchowa
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Gryfino
Gmina: Widuchowa
Geographische Lage: 53° 8′ N, 14° 23′ OKoordinaten: 53° 7′ 40″ N, 14° 23′ 20″ O
Einwohner: 1551 (2010[1])
Postleitzahl: 74-120
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZGR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Landesstraße 31: Stettin-Słubice
Schienenweg: Staatsbahnlinie 273: Stettin–Breslau
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 21 Ortschaften
14 Schulzenämter
Fläche: 209,63 km²
Einwohner: 5428
(30. Jun. 2019)[2]
Bevölkerungsdichte: 26 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3206092
Verwaltung (Stand: 2014)
Gemeindevorsteher: Michał Lidwin
Adresse: ul. Grunwaldzka 8
74-120 Widuchowa
Webpräsenz: www.widuchowa.com.pl



Das Dorf bildet mit weiteren Dörfern die Gmina Widuchowa, eine Landgemeinde im Powiat Gryfiński (Greifenhagener Kreis).

Geographische LageBearbeiten

Die Ortschaft liegt in Hinterpommern etwa 25 Kilometer südlich von Stettin, unmittelbar am östlichen Oderufer. Von dort erstrecken sich die Häuser terrassenförmig den erhöhten Uferhang hinauf. Es gibt keinen direkten Eisenbahnanschluss, denn die Bahnstrecke Stettin–Breslau verläuft vier Kilometer weiter östlich. Gegenüber am westlichen Oderufer liegt in der Bundesrepublik Deutschland die Stadt Schwedt/Oder, zu der es 15 Kilometer südlich einen Grenzübergang gibt.

 
Fiddichow südsüdwestlich von Stettin auf einer Landkarte von 1905

GeschichteBearbeiten

 
Kirche, bis 1946 evangelische Stadtkirche von Fiddichow

Dort wo später Fiddichow entstand, muss schon sehr früh gesiedelt worden sein. Als man 1867 und 1984 Münzfunde machte, befanden sich darunter auch Münzen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Da auch arabische Geldstücke darunter waren, vermutet man an dieser Stelle den Verlauf eines alten Handelsweges. Dass auch Slawen dort gesiedelt haben, wird wegen des Vorhandenseins einer wendischen Burgwallanlage vermutet.

 
Historische Zeichnung des Stadtwappens

Von einer an der Oder gelegenen Burg Uiduchoua (nach Brüggemann vielmehr castrum Viduchous[3]) ist in einer Urkunde von 1159 die Rede, mit der Bischof Adalbert von Pommern dem Kloster Grobe auf Usedom ein Drittel der Einnahmen der Burg zusichert.[4] Hundert Jahre später wird als Burgherr der Ritter Burchard von Vehlefanz genannt. Zu dieser Zeit muss es schon eine Siedlung mit Marktgerechtigkeit gegeben haben, denn für 1283 wird vermerkt, dass der Flecken Fiddichow auf Veranlassung des pommerschen Herzogs Bogislaw IV. seine Marktrechte an die Stadt Greifenhagen abtreten musste. Durch diese Maßnahme wurde die Entwicklung des Ortes offensichtlich gehemmt, denn erst am 17. April 1347, fast ein Jahrhundert nach der ersten Welle der pommerschen Stadtgründungen verlieh Herzog Barnim III. Fiddichow das Magdeburger Stadtrecht. Doch auch danach spielte die Stadt eine untergeordnete Rolle und befand sich in den folgenden Jahrhunderten als sogenannte Mediatstadt im wechselnden Besitz adliger Familien. Das führte unter anderem auch dazu, dass Fiddichow 1478 durch teilweisen Verkauf zur einen Hälfte unter pommerschem und zur anderen Hälfte unter brandenburgischem Lehen stand.

Als Folge des Dreißigjährigen Krieges kam Fiddichow zu Schwedisch-Pommern. Der Krieg hat die Stadt schwer getroffen, denn von vormals 936 Einwohnern lebten nur noch wenig mehr als dreißig Menschen dort. Fiddichow gehörte zu dem Gebietsstreifen Pommerns, der im Frieden von Saint-Germain (1679) nach dem brandenburgisch-schwedischen Krieg von Schweden an Brandenburg abgetreten wurde. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtete der damalige Stadtherr Hildebrand Magnus von Wulffen auf dem Amtsberg ein aufwändiges Schloss, das ihn in den finanziellen Ruin steuerte. Als 1725 der Markgraf Friedrich Wilhelm von Schwedt Fiddichow erwarb, ließ er das Wulffensche Schloss wieder abreißen, angeblich weil es seinem Schwedter Schloss zu ähnlich war.

 
Marktplatz in Fiddichow um 1905

Mit dem Erwerb durch das preußische Königshaus 1788 endete die Privatherrschaft über Fiddichow, und endlich erlebte die Stadt einen Aufschwung. Mit Brauereien und einer Zuckerfabrik begann eine zunächst bescheidene Industrialisierung, die mit der Etablierung von zuletzt drei Rohrmattenfabriken dafür sorgte, dass sich die Einwohnerzahl von 853 im Jahre 1794 auf 3.010 im Jahre 1864 steigerte. Der fehlende Eisenbahnanschluss wurde durch den regen Frachtverkehr auf der Oder ausgeglichen. Bis in das 20. Jahrhundert hinein blieb Fiddichow jedoch auch eine Ackerbürgerstadt mit mehr als 60 Landwirten. Ein wichtiger Wirtschaftszweig war neben Ackerbau und Viehzucht die Fischerei mit ergiebigem Neunaugen-Fang.[5] Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Fiddichow eine evangelische Kirche und war Sitz eines Amtsgerichts; es gab u. a. eine Zuckerfabrik, Rohrgewebefabriken und Sägewerke.[5] Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte die Stadt 2.496 Einwohner und war damit im Landkreis Greifenhagen hinter der Kreisstadt Greifenhagen, Gartz (Oder) und Bahn die viertgrößte Gemeinde.

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Fiddichow von der Roten Armee erobert und anschließend zusammen mit ganz Hinterpommern gemäß dem Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann die Zuwanderung von Polen, Fiddichow wurde das Stadtrecht entzogen, und die deutsche Ortschaft wurde in Widuchowa umbenannt. Die einheimische Bevölkerung, die deutsch war, wurde, soweit sie nicht geflohen war, von polnischen Milizionären vertrieben. 1947 lebten nur noch rund 600 Menschen in dem Ort.

DemographieBearbeiten

Anzahl Einwohner
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1740 514 [6]
1782 948 [6]
1817 1466 [6]
1822 1619 [6]
1867 3004 am 3. Dezember[7]
1871 2813 am 1. Dezember, davon 2771 Evangelische, zwölf Katholiken, 30 Juden[7]
1875 2872 [8]
1880 2931 [8]
1900 2780 [5]
1925 2357 [8]
1933 2547 [8]
1939 2496 [8]
2010 1551 [1]

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

  • Martin Klamroth (1855–1890), deutscher Gymnasiallehrer, Arabist und Mathematikhistoriker
  • Friedrich Salis (1880–1914), deutscher Historiker und Hochschullehrer
  • Karl Kleikamp (1894–1952), deutscher Jurist und Politiker (SPD)
  • Gustav Kleikamp (1896–1952), deutscher Marineoffizier, zuletzt Vizeadmiral
  • Otto Graff (1915–1997), deutscher Maler

Gmina WiduchowaBearbeiten

AllgemeinesBearbeiten

Die Landgemeinde Widuchowa umfasst ein Gebiet von etwas mehr als 200 km² und zählt 5.500 Einwohner. Sie liegt an der Oder im Nationalpark Unteres Odertal am Westrand der Pommerschen Seenplatte. Nachbargemeinden sind:

EinwohnerzahlenBearbeiten

Jahr Einwohnerzahl
1995 5.688
1997 5.710
1999 5.733
2001 5.642
2003 5.648
2005 5.571

VerkehrBearbeiten

Die Gmina Widuchowa liegt verkehrsgünstig an der Landesstraße 31, die Stettin mit Słubice (Frankfurt (Oder)) verbindet, außerdem besteht über die Woiwodschaftsstraße 122 eine schnelle Verbindung sowohl in die deutsche Stadt Schwedt/Oder als auch in die Nachbarkreisstadt Pyrzyce (Pyritz).

Widuchowa ist Bahnstation an der bedeutenden Nord-Süd-Bahnstrecke, die von Stettin nach Breslau führt.

GemeindegliederungBearbeiten

Zur Gmina Widuchowa gehören 21 Ortschaften, die 14 Ortsteilen („Schulzenämter“)[9] zugeordnet sind.

SchulzenämterBearbeiten

Übrige OrtschaftenBearbeiten

Kiełbice (Kolbitz), Krzywinek (Oberförstereigehöft Kehrberg), Lubiczyn (Obervorwerk), Pąkowo (Pankows Hof), Radoszki (Schenksruh), Tarnogórki (Stephanshöhe), Widuchówko (Försterei Fiddichow) und Wilcze (Vorwerk Wilhelmswalde).

GemeindepartnerschaftenBearbeiten

  • Penkun, Deutschland (Mecklenburg-Vorpommern), seit 2005
  • Gehrde, Deutschland (Niedersachsen)

LiteraturBearbeiten

  • Ludwig Wilhelm Brüggemann; Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinterpommern, Band 2, Teil I: Beschreibung der zum Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien zu Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise, Stettin 1784, S. 68–72 (online)
  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 133–136 (Volltext)
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil II, Band 3, Anklam 1868, S. 305–313 (Volltext)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Zusammen mit den Ortschaften Lubiczyn und Widuchowa-Stacja. Quelle: Główny Urząd Statystyczny, Portret miejscowości statystycznych w gminie Widuchowa (powiat gryfiński, województwo zachodniopomorskie) w 2010 r. Online-Abfrage
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  3. Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinterpommern, Band 2, Teil I: Beschreibung der zum Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien zu Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise, Stettin 1784, S. 68–72, insbesondere S. 71 (online)
  4. Klaus Conrad (Bearb.): Pommersches Urkundenbuch. Band 1. 2. Auflage. Böhlau Verlag, Köln und Wien 1970, Nr. 48.
  5. a b c Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 6, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1907, S. 549 (Zeno.org) .
  6. a b c d Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht. Berlin und Stettin 1827, S. 192–193 (online).
  7. a b Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staats und ihre Bevölkerung. Teil III: Provinz Pommern, Berlin 1874, S. 32, Nr. 2 (online).
  8. a b c d e Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Kreis Greifenhagen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. Sołectwa bei widuchowa.pl.