Wahl zur Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin 1925

1921Wahl zur Stadtverordnetenversammlung 19251929
in Prozent
 %
40
30
20
10
0
32,6
20,8
18,7
9,3
6,0
4,0
3,4
1,5
1,4
0,9
0,8
0,6
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 1921
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-16
-18
-20
+12,1
+3,5
+9,2
+1,9
−9,3
−1,0
−0,3
+1,5
+0,7
+0,9
−18,3
−0,9

Die Wahl zur Stadt­verord­neten­ver­sammlung von Berlin 1925 fand am 25. Oktober 1925 statt.

           
Insgesamt 225 Sitze

Die SPD konnte ihre Position als stimmenstärkste Partei ausbauen und erhielt mehr als 30 Prozent der Wählerstimmen. Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD), welche in der Vergangenheit von großer Relevanz war, stürzte mit nur noch 0,8 Prozent und einem Mandat in die Bedeutungslosigkeit ab. Die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) konnte leicht zulegen, dicht gefolgt von der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Bei den liberalen Parteien erfolgte für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) ein geringer Zuwachs, bei der Deutschen Volkspartei (DVP) setzte sich der Abwärtstrend seit der letzten Wahl mit deutlichen Verlusten von beinahe 10 Prozentpunkten fort.

Unter den kleinen Parteien erlitten sowohl die Reichspartei des deutschen Mittelstandes (WP) als auch die Deutsche Zentrumspartei kleine Verluste. Zusätzlich zum erneuten Einzug der antisemitischen Deutschsozialistischen Partei (DSP) mit drei Mandaten, erfolgte der Einzug der ebenfalls antisemitischen Deutschvölkische Freiheitspartei (DVFP) mit drei Mandaten.

WahlvorschlägeBearbeiten

Bei der Wahl reichten insgesamt 20 Parteien bzw. Vereinigungen Wahlvorschläge ein. Sowohl alle Parteien, die seit der letzten Wahl in der Stadtverordnetenversammlung vertreten waren, als auch der Evangelische Gemeinschaftsbund, der zum ersten Mal an einer Berliner Stadtverordnetenwahl teilnahm, waren in allen 15 Wahlkreisen mit je einem Kreiswahlvorschlag vertreten. Die Deutschvölkische Freiheitspartei trat in 14 der 15 Wahlkreise, die Nationalliberale Reichspartei in 12 und der Sparerbund in 11 der 15 Wahlkreise an. Weitere fünf Parteien waren in 10 oder weniger Wahlkreisen mit einem Kreiswahlvorschlag vertreten.

18 der 20 Parteien reichten zusätzlich noch einen Stadtwahlvorschlag ein, auf den die Reststimmen der Kreiswahlvorschläge entfallen, die bei der Sitzzuteilung in den Wahlkreisen nicht berücksichtigt werden. Bei nahezu allen Parteien waren die Kreiswahlvorschläge mit dem Stadtwahlvorschlag derselben Partei verbunden, Ausnahmen bildeten hier nur der Wahlvorschlag Entschiedene Demokraten, der an den Stadtwahlvorschlag der SPD angeschlossen war, und der Wahlvorschlag Mieterschutz und Bodenreform, der keinen eigenen Stadtwahlvorschlag eingereicht hatte und auch an keinen angeschlossen war. Eine Besonderheit lag bei der Nationalen Wirtschaftlichen Vereinigung vor, bei dem vier der fünf Kreiswahlvorschläge mit dem eigenen Stadtwahlvorschlag verbunden waren, der Kreiswahlvorschlag im Wahlkreis VI. jedoch an den der Deutschvölkischen Freiheitspartei angeschlossen war.

Unter den Stadtwahlvorschlägen gab es dieses Mal insgesamt fünf Listenverbindungen. Zum einen waren, wie schon bei der letzten Wahl, die DDP, die Zentrumspartei und die Wirtschaftspartei miteinander verbunden, zum anderen gingen auch die DVP, die DNVP und die Nationalliberale Reichspartei eine Listenverbindung miteinander ein. Darüber hinaus waren auch die KPD und die USPD, die Deutschvölkische Freiheitspartei und die Nationale Wirtschaftliche Vereinigung, sowie der Sparerbund und die Deutsche Mittelstandspartei eine Listenverbindunge aus jeweils zwei Parteien eingegangen.[1]

Kreiswahlvorschlag Wahlkreis Stadtwahlvorschlag
I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Entschiedene Demokraten (ED)
Deutschnationale Volkspartei (DNVP) Deutschnationale Volkspartei1 (DNVP)
Deutsche Volkspartei (DVP) Deutsche Volkspartei1 (DVP)
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) Kommunistische Partei Deutschlands2 (KPD)
Deutsche Demokratische Partei (DDP) Deutsche Demokratische Partei3 (DDP)
Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes (WP) Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes3 (WP)
Zentrumspartei (Z) Zentrumspartei3 (Z)
Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands2 (USPD)
Deutsch-Soziale Partei (DS) Deutsch-Soziale Partei (DS)
Evangelischer Gemeinschaftsbund (EGB) Evangelischer Gemeinschaftsbund (EGB)
Deutschvölkische Freiheitspartei (DVFP) Deutschvölkische Freiheitspartei4 (DVFP)
Nationale Wirtschaftliche Vereinigung (NWV)  
Nationale Wirtschaftliche Vereinigung4 (NWV)
Nationalliberale Reichspartei (NLRP) Nationalliberale Reichspartei1 (NLRP)
Sparerbund (SpB) Sparerbund5 (SpB)
Deutsche Mittelstands-Partei (DMSP) Deutsche Mittelstands-Partei5 (DMSP)
Deutsche Arbeitnehmerpartei Deutsche Arbeitnehmerpartei
Staegemanns Nationaler Bund der Hauswirte (SNBH) Staegemanns Nationaler Bund der Hauswirte (SNBH)
Arbeiterpartei (ArbP) Arbeiterpartei (ArbP)
Mieterschutz und Bodenreform (MuB) keiner
1 die Stadtwahlvorschläge der DVP, der DNVP und der Nationalliberalen Reichspartei waren miteinander verbunden, sodass sie bei der Sitzzuteilung als ein Wahlvorschlag galten[1]
2 die Stadtwahlvorschläge der KPD und der USPD waren miteinander verbunden, sodass sie bei der Sitzzuteilung als ein Wahlvorschlag galten[1]
3 die Stadtwahlvorschläge der DDP, der Zentrumspartei und der Wirtschaftspartei waren miteinander verbunden, sodass sie bei der Sitzzuteilung als ein Wahlvorschlag galten[1]
4 die Stadtwahlvorschläge der Deutschvölkischen Freiheitspartei und der Nationalen Wirtschaftlichen Vereinigung waren miteinander verbunden, sodass sie bei der Sitzzuteilung als ein Wahlvorschlag galten[1]
5 die Stadtwahlvorschläge des Sparerbundes und der Deutschen Mittelstandspartei waren miteinander verbunden, sodass sie bei der Sitzzuteilung als ein Wahlvorschlag galten[1]

ErgebnisBearbeiten

Ergebnis der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung von Berlin 1925[2]
Partei (Kürzel) Ergebnis Sitze
Stimmen % +/− Anzahl +/−
SPD 604.696 32,6 + 12,1 73 + 27
DNVP 385.324 20,8 + 2,2 47 + 7
KPD 347.381 18,7 + 9,2 43 + 22
DDP 171.954 9,3 + 1,9 21 + 4
DVP 111.446 6,0 – 9,5 14 – 21
WP 73.263 4,0 – 1,0 10 – 2
Z 63.265 3,4 – 0,3 8 ± 0
Deutschvölkische Freiheitspartei (DVFP) 27.536 1,5 3
DSP 25.210 1,4 – 0,7 3 + 2
Evangelischer Gemeinschaftsbund (EGB) 17.178 0,9 2
USPD 14.598 0,8 – 18,3 1 – 42
Sparerbund für das Deutsche Reich (SpB) 4.100 0,2
Deutsche Mittelstands-Partei (DMSP) 2.475 0,1
Nationalliberale Reichspartei (NLRP) 1.312 0,1
Mieterschutz und Bodenreform (MuB) 1.249 0,1
Nationale Wirtschaftliche Vereinigung (NWV) 645 0,0
Arbeiterpartei (ArbP) 627 0,0
Deutsche Arbeitnehmerpartei 559 0,0
Entschiedene Demokraten (ED) 164 0,0
Staegemanns Nationaler Bund der Hauswirte (SNBH) 147 0,0
Gültige Stimmen 1.853.129 100,0 225
Ungültige Stimmen 17.128 0,9 + 0,7
Wähler und Wahlbeteiligung 1.870.257 63,7 – 2,3
Wahlberechtigte 2.935.493 100,0

Amtliche QuellenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Bekanntmachung betr. die Wahl der Stadtverordneten in Berlin am 25. Oktober 1925. (= Gemeindeblatt der Stadt Berlin. Sechsundsechzigster Jahrgang. Sonderausgabe.) Berlin 20. Oktober 1925. S. 447
  2. https://www.wahlen-in-deutschland.de/wpBerlin.htm