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Vechelde (Vechelde)

Ortsteil der Gemeinde Vechelde im Landkreis Peine in Niedersachsen

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Vechelde liegt im Flachland der Braunschweig-Hildesheimer Lößbörde an der historischen Fernstraße Köln-Königsberg, der Bundesstraße 1. Ihr früherer Verlauf überquert am Ostrand des Orts die Aue und verzweigt in der Ortsmitte in die Richtung Hannover führende B 65. Ursprünglich war der Ort ein Straßendorf. Die zentrale Funktion der Hildesheimer Straße spiegelt sich noch heute im Ortsbild wider. Im Verlauf seiner Entwicklungsgeschichte wuchs der Ort zum heutigen Zentralort der Gemeinde mit kleinstädtischer Prägung heran.

 
Lage von Vechelde in der Gemeinde Vechelde

NachbarorteBearbeiten

Sierße Wahle Vechelade
Bettmar   Denstorf
Liedingen Köchingen Wierthe

GeschichteBearbeiten

Vechelde wurde 973 als Fehtlon, 1145 als Vechtla und um 1250 als Vechtelde urkundlich erwähnt. Ende des 14. Jahrhunderts erbauten die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg dort eine Burg, die bereits im Jahr 1392 an die Stadt Braunschweig verpfändet wurde.[2] Unter der Verwaltung der Stadt Braunschweig blieb Vechelde bis 1671, als die Epoche der unabhängigen Stadt Braunschweig durch Rückeroberung der Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel beendet wurde.

 
Herzog Rudolf August
 
Herzogin Elisabeth Sophie Marie
 
Prinz Ferdinand von Braunschweig
 
Das ehemalige Lustschloss Vechelde im 18. Jahrhundert

Die Burg ließ Herzog Rudolf August 1695 für seine morganatisch angetraute Ehefrau Rosine Elisabeth Menthe („Madame Rudolfine“) durch den Baumeister Hermann Korb zu einem fürstlichen Landsitz, dem Schloss Vechelde umbauen.

Ab 1712 diente das Schloss der Fürstin Elisabeth Sophie Marie als Wohnsitz, der dritten Ehefrau des Herzogs August Wilhelm. Dazu ließ die Fürstin das Schloss erweitern, einen weiteren Gebäudeflügel[3] und eine Schlosskapelle[4] errichten. Für die Landarbeiter des Schlossgutes ließ sie, etwa einen Kilometer nördlich der Schlossanlage, eine Tagelöhnersiedlung errichten, aus der sich der heutige Vechelder Ortsteil Vechelade entwickelte.

Am 8. November 1727 heirateten auf Schloss Vechelde Fürst Christian August von Anhalt-Zerbst und Johanna Elisabeth von Schleswig-Holstein-Gottorf. Aus dieser Ehe ging am 2. Mai 1729 Sophie Auguste Frederike von Anhalt-Zerbst-Dornburg hervor, die spätere Zarin Katharina II.

Prinz Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, ein Schwager Friedrichs des Großen, erwarb Schloss Vechelde im Jahr 1767. Ferdinand starb nach längerer Krankheit 1792 in seiner Residenz Vechelde. Auf seinen Sarg ließ er, statt seiner fürstlichen Titulatur, lediglich den Titel „Gutsherr von Vechelde“ gravieren.

In dem barocken Schloss richtete Johann Peter Hundeiker im Jahr 1804, unterstützt durch den braunschweigischen Herzog Karl Wilhelm Ferdinand, eine international renommierte Erziehungsanstalt ein. Die Erziehungsanstalt, das Philanthropin, bestand bis 1819.

Mit dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel wurde der Ort 1807 in das von Napoleon geschaffene Königreich Westphalen eingegliedert. Vechelde wurde Verwaltungssitz des Kantons Braunschweig-Land-West. Der Kanton bildete einen Teil des Distrikts Braunschweig im Departement der Oker. Nach der Auflösung des Königreichs Westphalen im Jahr 1813 und der Konstituierung des Herzogtums Braunschweig wurde die Landesverwaltung neugeordnet. 1814 schloss man die ehemaligen Kantone Braunschweig-Land-West, Bettmar und Peine-Land zusammen. Der Amtssitz befand sich zunächst in Bettmar. Am 1. Oktober 1825 wurden Verwaltung und Gericht als Amt Vechelde in das Landschloss Vechelde verlegt.

Das Schlossgebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen und durch ein neoklassizistisches Gebäude ersetzt. Bis zum 1. Januar 1972 diente es als Sitz des Amtsgerichts Vechelde. Heute wird es als Bürgerzentrum genutzt. Der Park blieb erhalten.

EingemeindungenBearbeiten

Der Ort war bis zur Gebietsreform Niedersachsens eine selbstständige Gemeinde im Landkreis Braunschweig. Im Zuge der Gebietsreform wurde er am 1. März 1974 mit 16 weiteren Ortschaften zur Gemeinde Vechelde zusammengefasst. Die Gemeinde gehört zum Landkreis Peine.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner Quelle
1802 0238 [5]
1847 0340 [6]
1863 0459 [7]
1885 1301 [8]
1910 1607 [9]
1925 1231 [8]
Jahr Einwohner Quelle
1933 1186 [8]
1939 1266 [8]
1950 2475 [10]
31. Jan. 2014 5743 [1]
31. Okt. 2017 6011 [1]
31. Dez. 2018 6318 [1]
 

ReligionBearbeiten

 
St.-Gereon-Kirche

Vechelde ist Amtssitz des Propstes der Propstei Vechelde, ein Unterbezirk der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig.

Die katholische St.-Gereon-Kirche wurde 1955–1956 erbaut. Heute gehört die Kirche zur Gemeinde der Heilig-Geist-Kirche in Braunschweig-Lehndorf und zum Dekanat Braunschweig.

Die Kirche der neuapostolischen Gemeinde gehört zum Kirchenbezirk Braunschweig der Neuapostolischen Kirche Mitteldeutschland.

PolitikBearbeiten

OrtsratBearbeiten

Die 13 Sitze des Ortsrates Vechelde/Vechelade verteilen sich wie folgt:

Kommunalwahl SPD CDU Grüne FDP Gesamt
11. September 2016 8 4 1 13 Sitze
11. September 2011 8 4 1 13 Sitze
10. September 2006 7 4 1 1 13 Sitze

OrtsbürgermeisterBearbeiten

Ortsbürgermeister ist Olaf Marotz (SPD).[11]

WappenBearbeiten

Der Entwurf des Kommunalwappens der Gemeinde Vechelde stammt von dem Braunschweiger Heraldiker und Autor Wilhelm Krieg.[12][13]

  • Das Wappen wurde am 13. Juli 1965 durch den Gemeinderat beschlossen und am 12. Januar 1966 vom braunschweigischen Regierungspräsidenten genehmigt.[13]
  • Die Entscheidung der zum 1. Januar 1974 neugeschaffenen Gemeinde Vechelde, das Wappen fortzuführen, wurde am 6. Mai 1975 durch den Gemeinderat beschlossen und am 31. Oktober 1975 durch den Kreis Peine genehmigt.[13]
Blasonierung: „In Blau ein goldener Schrägbalken, belegt mit drei roten Rosen mit goldenen Butzen.“[13][14]
Wappenbegründung: Das Gemeindewappen stellt eine farbliche Abwandlung des ehemaligen Wappens der Familie von Vechelde dar. Schon bei diesem Wappen waren auf silbernem Schildgrund drei silberne Rosen auf einem schwarzen Schrägbalken zu sehen. Die Farbgebung Blau-Gold drückt die Zugehörigkeit der Gemeinde zum Landkreis Braunschweig aus, zu dem Vechelde zu jener Zeit gehörte.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Das Jutetor, Eingangstor der ehemaligen Jutespinnerei. Heute Gedenkstätte für die Opfer des KZ Vechelde.

BauwerkeBearbeiten

Jutetor

In Vechelde stand ab 1861 Europas erste Jutespinnerei auf dem Festland, gegründet von Julius Spiegelberg, stillgelegt 1926 wegen Arbeitsmangels. Während des Zweiten Weltkrieges war dort das Unterkommando Vechelde des Konzentrationslagers Neuengamme untergebracht.[15] Polnische Juden mussten dort im Rahmen der Rüstungsproduktion Achsen für die Braunschweiger Firma Büssing herstellen. Heute steht nur noch das Jutetor. Die ehemaligen Arbeiterwohnungen dienten als AWO-Altenpflegeheim, bevor daraus Eigentumswohnungen entstanden sind.

Parks und GrünanlagenBearbeiten

Schlosspark

Der Park am ehemaligen Schloss Vechelde wurde um 1695 durch Herzog Rudolf August als barocker Schlossgarten angelegt. Nach 1766 ließ Herzog Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel den Garten erweitern und zu einem englischen Landschaftsgarten umgestalten. Er ließ Fischteiche anlegen und die Pflanzungen mit Bäumen und Sträuchern aus Italien und Nordamerika ergänzen.[16] Von der ursprünglichen Gestaltung des 18. Jahrhunderts ist nichts erhalten geblieben. Nachdem der Park im 19. Jahrhundert bis zur Aufgabe des Amtsgerichts Vechelde 1971 privat genutzt wurde, ist er in der Mitte der 1970er Jahre neu angelegt wurde. Dabei wurde die vermutete ursprüngliche barocke Gestaltung nachempfunden. Die 4,8 ha große Parkanlage gliedert sich heute in ein im barocken Stil angelegtes Parterre mit Rondel und Rosenpflanzungen, einen Rasenteil und einen waldartigen Parkteil.

Zu den Sehenswürdigkeiten des Schlossparks zählen eine Figurengruppe „Hades beim Raub der Persephone“ aus barocker Zeit und eine Sonnenuhr in klassizistischem Stil. Im Schlosspark befindet sich ein Monument zur Erinnerung an Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, Theologe und Mitbegründer des 1745 gegründeten Collegium Carolinum, Vorläufer der heutigen Technischen Universität Braunschweig. Das Denkmal wurde von Herzog Ferdinand gestiftet. Im Jahr 1979 wurden Bronzebüsten des Herzogs und des Pädagogen Johann Peter Hundeiker aufgestellt.

Der ehemalige Schlossgarten ist der Öffentlichkeit frei zugänglich.

SportBearbeiten

Vecheldes mitgliederstärkste Sportvereine sind der MTV Vechelde und der SV Arminia Vechelde. Während der MTV Vechelde 16 Sportarten und Sportaktivitäten anbietet, konzentriert sich der SV Arminia Vechelde vornehmlich auf die beiden Sparten Tischtennis und Fußball.

Die Volleyballmannschaft des MTV erreichte 2009 erneut den Aufstieg in die Regionalliga Niedersachsen/Bremen. Von 2012 bis 2014 spielte das Team in der dritten Volleyball-Bundesliga. Die Badmintonsparte des MTV leistet seit Jahren erfolgreiche Arbeit im Nachwuchsbereich. Im Erwachsenenbereich konnte mit der ersten Mannschaft 2001 die Niedersachsenmeisterschaft gefeiert werden.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Jährlich findet am 1. Adventssamstag der ‚Verkaufsoffene Samstag‘ statt, ein Straßenfest entlang der zentralen Geschäftsstraße, der Hildesheimer Straße. Die ‚Handels- und Gewerbeschau‘ im Bürgerzentrum und das ‚Schlossparkfest‘ im Schlosspark des ehemaligen Wasserschlosses in Vechelde finden im jährlichen Wechsel statt.

VerkehrBearbeiten

Vechelde liegt an der Bundesstraße 1 zwischen Braunschweig und Hildesheim sowie an der Bundesstraße 65, die über Peine nach Hannover führt. Durch einen Halt an der Bahnstrecke Hannover–Braunschweig besitzt der Ort Anschluss zum Schienenpersonennahverkehr.

Eine seit Jahren geforderte 4,1 km lange nördliche Umgehungsstraße der B 1 wurde am 13. August 2009 dem Verkehr übergeben. Sie wurde dringend erforderlich, um dem durch die 2005 eingeführte LKW-Maut gewachsenen, innerörtlichen starken Verkehrsaufkommen der kürzesten Verbindung zwischen Braunschweig und Hildesheim entgegenzuwirken.

BildungBearbeiten

In Vechelde befinden sich Schulen der allgemeinbildenden Schulformen der Sekundarstufe I (Hauptschule, Realschule und Gymnasium), eine Grundschule für die Jahrgangsklassen 1 bis 4 und eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen. Das Schulgebäude der Orientierungsstufe Vechelde wurde 2004 zum Gymnasium umgestaltet und erweitert.

Schulen

  • Albert-Schweitzer-Schule, Grund- und Hauptschule mit Schulkindergarten, Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen
  • Realschule Vechelde
  • Julius-Spiegelberg-Gymnasium

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Wilhelm Bornstedt (Hrsg.): Chronik von Vechelde 973 bis 1973. 2 Bände, Verlag Dr. W. Bornstedt, Stöckheim bei Braunschweig 1973.
  • Wilhelm Bornstedt: Von Braunschweig über die alte „Landwehr“ beim Raffturm zur ehemaligen Wasserburg Vechelde (später Barocklustschloß, heute Amtsgericht Vechelde) nach Sievershausen, dem alten Schlachtenorte vom 9. Juli 1553, Verlag Landkreis Braunschweig, Braunschweig 1965.
  • Vechelde. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 16, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 63.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Einwohnerzahlen. In: Internetseite der Gemeinde Vechelde. 31. Dezember 2018, abgerufen am 11. März 2019.
  2. C. Venturini: Das Herzogthum Braunschweig in seiner vormaligen und gegenwärtigen Beschaffenheit. Verlag C. G. Fleckeisen, Helmstedt 1847, S. 186.
  3. Friedrich Thöne: Wolfenbüttel. Geist und Glanz einer alten Residenz. Bruckmann, München 1963, S. 140.
  4. Karl Georg Wilhelm Schiller: Braunschweig's schöne Literatur in den Jahren 1745 bis 1800, die Epoche des Morgenrothes der deutschen schönen Literatur. Holle Verlag, Wolfenbüttel 1845, S. 249 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. G. Hassel und R. Bege: Geographisch-statistische Beschreibung der Fürstenthümer Wolfenbüttel und Blankenburg. Band 1. Friedrich Bernhard Culemann, Braunschweig 1802, S. 479 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 13. November 2017]).
  6. Karl Venturini: Das Herzogthum Braunschweig in seiner vormaligen und gegenwärtigen Beschaffenheit. C. G. Fleckeisen, Helmstedt 1847, S. 190 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 15. November 2017]).
  7. August Lambrecht: Das Herzogthum Braunschweig. Verlag A. Stichtenoth, Wolfenbüttel 1863.
  8. a b c d Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Braunschweig (→ Siehe unter: Nr. 64). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. Ulrich Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Kreis Braunschweig. Angaben vom 1. Dezember 1910. 3. Februar 2019, abgerufen am 24. Juli 2019.
  10. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Endgültige Ergebnisse nach der Volkszählung vom 13. September 1950. Band 33. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart/Köln August 1952, S. 60, Sp. 2 (Digitalisat [PDF; 26,4 MB; abgerufen am 28. April 2019] Landkreis Braunschweig, S. 69).
  11. Ratsinformationssystem der Gemeinde Vechelde, abgerufen am 9. November 2016.
  12. Wappenentwürfe von Wilhelm Krieg. In: Wikimedia Commons. Abgerufen am 24. Juli 2019.
  13. a b c d Arnold Rabbow: Braunschweigisches Wappenbuch. Die Wappen der Gemeinden und Ortsteile in den Stadt- und Landkreisen Braunschweig, Gandersheim, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Hrsg.: Braunschweiger Zeitung, Salzgitter Zeitung und Wolfsburger Nachrichten. Eckensberger & Co Verlag, Braunschweig 1977, DNB 780686667, S. 96.
  14. Hauptsatzung, § 2 Hoheitszeichen/Dienstsiegel, Absatz 1. (PDF; 39 kB) In: Internetseite der Gemeinde Vechelde. 19. Dezember 2011, S. 1, abgerufen am 24. Juli 2019 (Die unheraldische Beifügung, „Der Balken verläuft von links oben nach rechts unten,“ die zur exakten Blasonierung nicht notwendig ist, wird hier fortgelassen).
  15. Axel Richter: Das Unterkommando Vechelde des Konzentrationslagers Neuengamme. Zum Einsatz von KZ-Häftlingen in der Rüstungsproduktion. Hrsg.: Gemeinde Vechelde. Vechelde 1985.
  16. Christian Cay Lorenz Hirschfeld: Theorie der Gartenkunst. Bd. 5, Verlag M. G. Weidmanns Erben und Reich, Leipzig 1782, S. 316.