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AustragungsorteBearbeiten

Für 1969 hatte sich die Tschechoslowakei um die Austragung der Weltmeisterschaften beworben, wollte aber nur die Amateur-Wettbewerbe ausrichten. Schon im Vorjahr waren die Wettbewerbe getrennt gewesen, nach olympischen und nicht-olympischen Disziplinen. In diesem Jahr fanden lediglich die Wettbewerbe für die Profis in Antwerpen statt, die übrigen Rennen, auch die der Frauen, in Brünn.

Die Rennen in Brünn fanden auf einer halb-überdachten 400-Meter-Zementbahn des Brno Velodrome statt, wodurch es nicht zu Verzögerungen durch Regen wie in vielen Jahren zuvor kam. Die Profi-Rennen wurden im Antwerpener Sportpaleis ausgetragen; damit fanden Bahn-Weltmeisterschaften erstmals auf einer Hallenbahn statt.

FrauenrennenBearbeiten

Die Bahnrennen der Frauen waren eine rein sowjetische Domäne, lediglich die Niederländerin Keetie van Oosten-Hage konnte mit einem dritten Platz in der Einerverfolgung diese Phalanx durchbrechen.

Politisches UmfeldBearbeiten

Der Termin der Weltmeisterschaften in Brünn kollidierte mit dem ersten Jahrestag des Einmarschs der Ostblock-Staaten in die Tschechoslowakei zur Niederschlagung des Prager Frühlings: In den Straßen standen sowjetische Panzer, bewaffnete Soldaten patrouillierten, und die Zuschauer am Straßenrand bejubelten die US-amerikanischen Sportler euphorisch.[1] Dementgegen herrschte „[…] eisiges Schweigen beim Einzug der Fahne mit Hammer und Sichel aus Ostdeutschland, wütende Pfiffe und hektische Ablehnung für die rote Fahne der Sowjetunion“. Der Präsident des tschechoslowakischen Radsportverbandes, Dr. Rudolf Böhm, bat die Zuschauer, Pfeifen und Buhen gegen russische Fahrer einzustellen, da ansonsten die Rad-WM gefährdet sein könne, aber diese hielten sich nicht daran.[2] Bei Siegehrungen mit sowjetischen Sportlern verließen die Zuschauer die Halle.

In sportlicher Sicht stieß vonseiten westlicher Staaten die „hauptsächlich mit Ostblockvertretern gespickten technischen Kommission“ auf viel Kritik, da deren Entscheidungen oft als einseitig empfunden wurde. Es gebe zu viele „böse Zufälle“ argwöhnte der Radsport. Der ostdeutsche Vertreter habe angesichts eines sehenswerten Stehversuches zwischen einem Westdeutschen und einem Italiener, bei dem die Zuschauer „still und aufmerksam wie in der Oper“ gewesen seien, „ohne die Hand vor den Mund zu halten, müde und gelangweilt“ gegähnt.[2]

ResultateBearbeiten

FrauenBearbeiten

Disziplin Platz Land Athlet
Sprint 1 Sowjetunion 1955  Sowjetunion Galina Zarjowa
2 Sowjetunion 1955  Sowjetunion Galina Ermolaeva
3 Sowjetunion 1955  Sowjetunion Irina Kiritschenko
Einerverfolgung (3000 m) 1 Sowjetunion 1955  Sowjetunion Raissa Obodowskaja
2 Sowjetunion 1955  Sowjetunion Tamara Garkuchina
3 Niederlande  Niederlande Keetie van Oosten-Hage

Männer (Profis)Bearbeiten

Disziplin Platz Land Athlet
Sprint 1 Belgien  Belgien Patrick Sercu
2 Belgien  Belgien Robert Van Lancker
3 Italien  Italien Sante Gaiardoni
Einerverfolgung (5000 m) 1 Belgien  Belgien Ferdi Bracke
2 Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich Hugh Porter
3 Niederlande  Niederlande Peter Post
Steherrennen (100 km) 1 Niederlande  Niederlande Jacob Oudkerk/Albertus de Graaf
2 Belgien  Belgien Theo Verschueren/Joop Stakenburg
3 Italien  Italien Domenico De Lillo/August Meuleman

Männer (Amateure)Bearbeiten

Disziplin Platz Land Athlet
Sprint 1 Frankreich  Frankreich Daniel Morelon
2 Sowjetunion 1955  Sowjetunion Omar Pchakadse
3 Danemark  Dänemark Peder Pedersen
Tandem 1 Deutschland Demokratische Republik 1949  Deutsche Demokratische Republik Jürgen Geschke, Werner Otto
2 Deutschland  Deutschland Jürgen Barth, Rainer Müller
3 Frankreich  Frankreich Pierre Trentin, Daniel Morelon
Zeitfahren 1 Italien  Italien Gianni Sartori
2 Polen 1944  Polen Janusz Kierzkowski
3 Niederlande  Niederlande Klaas Balk
Einerverfolgung 1 Schweiz  Schweiz Xaver Kurmann
(4000 m) 2 Frankreich  Frankreich Bernard Darmet
3 Frankreich  Frankreich Daniel Rebillard
Mannschaftsverfolgung
(4000 m)
1 Sowjetunion 1955  Sowjetunion Stanislav Moskwin/Wladimir Kusnezow/
Wiktor Bykov/Sergei Kuskow
2 Italien  Italien Pietro Algeri/Giacomo Bazzan/
Giorgio Morbiato/Antonio Castello
3 Frankreich  Frankreich Claude Buchon/Bernard Darmet/
René Grignon/Daniel Rebillard
Steherrennen 1 Niederlande  Niederlande Albertus Boom/Bruno Walrave
(1 Stunde) 2 Niederlande  Niederlande Cees Stam
3 Schweiz  Schweiz Jörg Peter

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Radsport, August/September 1969

AnmerkungenBearbeiten

  1. Peter Nye: Hearts of Lions, Markham 1988, S. 228–230.
  2. a b Radsport, 26. August 1969

WeblinksBearbeiten