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Tandem
Historisches „Orient Combination Tandem“ der Waltham Mfg. Company von 1899
Hochgeschwindigkeitstandem des französischen Rekordfahrers Jean-Claude Rude
Doppelsitzdreirad von 1890 im Technischen Museum Wien
Tandem mit drei Rädern
Tandem für drei Radfahrer
Die Gebrüder Opel auf einem „Quintuplet“ (ca. 1900)
Ein Familientandem für sechs Personen von 1925
Tandem bei den Paralympischen Spielen 2008 in Beijing
Öffentlich ausleihbare Tandem im polnischen Tychy
Tandem, bei dem sowohl Captain als auch Stoker lenken können

Als Tandem bezeichnet man ein Fahrrad, das Platz für zwei oder mehr Personen bietet. Der Lenkende wird als Pilot oder Kapitän, Nichtlenkende als Stoker oder Heizer bezeichnet. Die meisten Tandems sind für zwei hintereinander sitzende Personen ausgelegt.

Inhaltsverzeichnis

VerwendungBearbeiten

Aufgrund der Tatsache, dass zwei Fahrer pedalieren, das Fahrzeug aber in Rollwiderstand und Stirnfläche mit einem Einzelrad vergleichbar ist, kann man mit dem Tandem in der Ebene eine höhere Geschwindigkeit als mit einem gleichartigen „normalen“ Fahrrad erreichen, beziehungsweise das Fahren erfordert weniger Anstrengung. Von Vorteil ist es auch, dass sich einer der Fahrer zeitweilig erholen kann. Unterschiedlich leistungsfähige Fahrer können gemeinsam Strecken bewältigen. Unabhängig davon, wie viel Kraft jeder Fahrer einsetzt – beide kommen immer zugleich an. Ein Tandem ermöglicht auch behinderten, insbesondere blinden und sehbehinderten Menschen, ein aktives Radfahren, da sie als Stoker mitfahren können. Nicht zuletzt ist die Kommunikation auf einem Tandem leichter als auf zwei hintereinander fahrenden einzelnen Fahrrädern.

BauformenBearbeiten

Konventionelles TandemBearbeiten

Ein Tandemrad besteht aus einem speziellen Fahrradrahmen mit einem zweiten Sitzrohr und einem weiteren Tretlager. Meist verläuft zur Versteifung ein Rohr vom Steuerrohr zum hinteren Innenlager (Tretlager). Das Vorderrad wird gelenkt und das Hinterrad angetrieben. Oft wird der hintere Teil mit Durchstieg gestaltet. Durch die Baulänge eines Tandems verringert sich die Wendigkeit. Wenn einer der beiden Fahrer kleiner und leichter ist, als der andere, so wird es diesem oft schwerfallen, das Tandem zu steuern. Sitzt er hinten, so ist ihm jedoch der Blick nach vorne durch den Rücken des größeren Fahrers verstellt. Für einen deutlich kleineren Mitfahrer ist daher die Sitzposition eines Stufentandems oder Liegeradtandems oft angenehmer.

LiegeradtandemBearbeiten

Bei einem Liegeradtandem haben beide Fahrer eine Körperhaltung inne, die derjenigen in einem Liegestuhl ähnelt.

StufentandemBearbeiten

Das Stufentandem ist die kompakte Kombination von Liegerad vorn und einem aufrechten („normalen“) Diamantrahmen-Fahrrad hinten. Die Vorteile liegen in der bequemen Haltung und guten Rundumsicht des vorderen Fahrers, während der hintere Fahrer durch seine aufrechte Haltung die Übersicht im dichten Verkehr behält. Da sich der Kopf des hinteren Fahrers unmittelbar hinter bzw. über dem Kopf des vorderen Fahrers befindet, ist es leicht möglich, sich während der Fahrt zu unterhalten. Kompakt gebaute Stufentandem, bei denen sich das vordere Rad unter dem Sitz des vorderen Fahrers befindet sind zudem deutlich wendiger als ein normales, langes Tandem.

Faltbare TandemsBearbeiten

Aufgrund ihrer Länge benötigen Tandems beim Transport, etwa im Auto oder per Bahn, mehr Platz als „normale“ Fahrräder. Für Einzelfahrräder dimensionierte Stellplätze reichen oft nicht aus; Dachgepäckträger benötigen in der Regel besonders verlängerte Radträger. Deshalb bieten viele Tandemhersteller teilbare Versionen ihrer Modelle an, wobei oft sogenannte S&S-Kupplungen zum Einsatz kommen. Einige Hersteller haben sich auf den Bau kompakter Tandems mit 20"-Bereifung spezialisiert, z. B. baut Bike Friday in Oregon Falttandems, die in zwei handelsübliche große Schalenkoffer gepackt werden können. Das Spitzenmodell passt sogar in einen Fahrradkoffer. Ähnliche Technik ermöglicht auch den Umbau eines Tandems in ein dreisitziges Fahrrad und umgekehrt.

MountaintandemsBearbeiten

Wie auch bei den Mountainbikes werden bei Mountaintandems Hardtail und Fully angeboten. Viele Tandemhersteller verbauten gekürzte Gabeln aus dem Downhillbereich, die der Mehrbelastung gewachsen sind.

Weitere VariantenBearbeiten

Tandems gibt es auch für mehr als zwei Personen. Tandems für drei Fahrer nennt man auch „Tridem“, „Triplett“ oder „Dreischnell“. Mit der Länge des Tandems sinkt allerdings die Stabilität des Rahmens, und die Belastung der Laufräder steigt. Daher sind Tandems ab vier Personen nicht für sportliche Benutzung und längere Strecken geeignet.

Ein „Nebeneinandem“, „Compagnion“, „Sociable“[1] oder „Buddybike“ genanntes Tandem hat eine gemeinsame Lenkstange für normalerweise ein kleineres Kind vorne und einen Erwachsenen, der dahinter sitzt.[2] Oder zwei Lenker sind mit einem Gestänge verbunden. Das Kind, auch hier vorne, hat die kleinere Lenkstange.[3]

Der oder die Stoker müssen nicht in Fahrtrichtung sitzen. Unter dem Namen ConferenceBike wird ein Fahrrad vertrieben, bei dem sieben Sitze im Kreis angeordnet sind.[4] Bei den „Back2Back“ genannten Liegerad-Tandems fährt der Stoker mit Sicht nach hinten, also Rücken an Rücken mit dem Kapitän, was aerodynamische Vorteile bringt.[5][6][7]

Eine kompakte Bauform wird nicht nur durch Stufentandems erreicht, sondern auch durch die Verlegung des hinteren Sitzes auf oder hinter das Hinterrad, mit Tretkurbel auf der Hinterradnabe.[8]

FahrradtechnikBearbeiten

Aufgrund der höheren Belastung müssen die tragenden Teile eines Tandems besonders stabil sein. Besonders leicht und dennoch stabile Rahmen werden aus konifizierten Rohren gefertigt und sind in unterschiedlichen Größen erhältlich. Die Laufräder sind häufig mit 40 oder 48 Speichen ausgestattet. Bei den Bremsen sind hydraulisch betätigte Scheibenbremsen mit großen Scheiben verbreitet, die auch beim Downhill-Sport mit Mountainbikes eingesetzt werden.

Meist werden die beiden Tretkurbelgarnituren über eine Synchronkette verbunden, welche über gleich große Kettenblätter miteinander verbunden ist. Die Synchronkette verläuft üblicherweise auf der linken Seite des Rahmens. Sofern am hinteren Tretlager kein Umwerfer verwendet wird, kann die Synchronkette auch rechts verlaufen.

Die Pedale der beiden Fahrer befinden sich meistens in derselben Stellung, da es sonst beim Treten zu unangenehmen Schwingungsbewegungen kommen kann. Eine versetzte Stellung der Pedalen bietet jedoch den Vorteil, dass der Totpunkt der beiden Kurbeln nicht gleichzeitig auftritt, wodurch ein gleichmäßigerer Antrieb erreicht und Drehmomentspitzen vermieden werden können. Bei Tripletts sind die Pedale der drei Fahrer üblicherweise leicht versetzt angeordnet.

Da am Kettenblatt häufig leichte Abweichungen zum genauen Rundlauf bestehen ist es oft nicht möglich, die Synchronkette so einzustellen, dass sie weder zu stark durchhängt, noch sich beim Weiterdrehen der Kurbeln an anderer Stelle verspannt. Falls die Kettenblätter nicht fest vernietet sind, empfiehlt es sich, die 4 oder 5 Befestigungsbolzen eines oder beider Kettenblätter etwas zu lösen und durch Spannen der Kette und anschließendes Drehen der Kurbeln herauszufinden, an welcher Stelle der Antrieb verspannt. An diesem Punkt kann durch leichte Schläge auf die Kette mit einem Schraubenschlüssel erreicht werden, dass sich das Kettenblatt minimal verschiebt und die Kette freigibt. Nun dreht man die Kurbeln weiter, bis sich die Kette erneut spannt und fährt so fort, bis die Kettenblätter letztlich gut zentriert sind.[9]

RekordeBearbeiten

  • Das längste Tandem (28,4 m) wurde 2002 von zwei Niederländern gebaut.
  • Zwei Deutsche halten den Rekord für das kleinste fahrbare Tandem.

WettbewerbeBearbeiten

Bis 1994 war das Tandemrennen eine Disziplin bei UCI-Bahn-Weltmeisterschaften. Bei den Paralympics können sich blinde Radfahrer von einem sehenden Piloten auf dem Tandem lenken lassen.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Tandem (Fahrrad) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

QuellenBearbeiten

  1. Rund ums Rad - Nebeneinandem, abgerufen am 21. Mai 2016
  2. Buddybike, vom 19. Oktober 2007
  3. Hoenig Copilot (Memento vom 17. Oktober 2010 im Internet Archive), von 2010
  4. ConferenceBike (Memento vom 22. August 2010 im Internet Archive)
  5. Back2Back-Tandem. Abgerufen am 9. August 2019.
  6. admin: ZOX Back2Back. In: ZOXBikes. Abgerufen am 9. August 2019 (deutsch).
  7. Harding: Tandemania: The Perfect Back to Back Tandem. In: Tandemania. 7. Dezember 2009, abgerufen am 9. August 2019.
  8. Atala Due Smart (Memento vom 25. April 2013 im Internet Archive), Trekking Kategorie, italienisch, von 2010
  9. Sheldon Brown: Tandem Bicycle Synch Chains