Hauptmenü öffnen

Thule Air Base

Militärflugplatz in Thule, Grönland

Die Thule Air Base (grönländisch Pituffik [ˌpituˈvːik], deutsch ‚Wo man etwas festmacht‘) ist ein nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ab dem 12. Januar 1951[1] erbauter Militärflugplatz der USA im südlichen Teil der Hayes-Halbinsel in Avanersuaq, Grönland. Administrativ bildet die Air Base mit ihrer Umgebung eine 658 km² große[2] gemeindefreie Enklave umgeben vom Gebiet der Avannaata Kommunia.

Thule Air Base
Aerial Picture Of Thule Air Base.jpg
Kenndaten
ICAO-Code BGTL
IATA-Code THU
Koordinaten

76° 31′ 52″ N, 68° 42′ 11″ WKoordinaten: 76° 31′ 52″ N, 68° 42′ 11″ W

77 m (253 ft) über MSL
Basisdaten
Betreiber US Air Force
Start- und Landebahn
08T/26T 3047 m × 43 m Asphalt

GeschichteBearbeiten

1951 begann das United States Army Corps of Engineers im Auftrag der United States Air Force unter dem Codenamen ROBIN (später BLUE JAY) mit dem Bau einer 10.000 Fuß (rund 3 km) langen Landebahn und einer zugehörigen Basis.[3] Diese wurde am 1. März 1951[1] auf Grundlage des Thulesag 2-Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark in Betrieb genommen.[4] Im Kalten Krieg diente die Basis dem Strategic Air Command zunächst als Stützpunkt für B-36- und B-47-Langstreckenbomber, bevor diese in den 1950er- und 1960er-Jahren durch B-52-Bomberverbände abgelöst wurden.[3] Ab 1961 war die Basis Teil des Ballistic Missile Early Warning System (BMEWS), das nach dem Kalten Krieg durch das PAVE PAWS-System ersetzt wurde.[3] Betrieben wird das System vom 12th Space Warning Squadron.[5]

Absturz einer B-52Bearbeiten

Am 21. Januar 1968 stürzte elf Kilometer südlich der Thule Air Base eine B-52 mit den Piloten John Haug und Joe D’Amario aufs Eis. Drei der vier an Bord befindlichen Wasserstoffbomben stürzten ins Eismeer und konnten eingefroren geborgen werden. Nach massiven Protesten der dänischen Regierung unternahmen die USA auch eine aufwändige Suche nach der vermissten vierten Bombe, zunächst ohne Erfolg. Ob die US-Spezialeinheit Navy SEALs und Soldaten des Bauregiments (Seabees) der US Navy 1979 die vierte Bombe in der Baffin Bay bergen konnten, wird in jüngster Zeit nach Recherchen der BBC angezweifelt.[6][7] Als Konsequenz der Medienberichte beauftragte der dänische Außenminister im Jahr 2009 das Danish Institute for International Studies (DIIS) mit der Anfertigung eines neuen Berichtes zum Absturz.[8] Dieser Bericht konnte widerlegen, dass eine Waffe verloren ging. Der Unfall führte Jahre später zu Entschädigungsprozessen, siehe Qaanaaq.

ZwangsumsiedlungBearbeiten

Der zur Militärbasis nächstgelegene größere Ort ist das 108 km Luftlinie entfernte Qaanaaq im Norden, wohin die ehemaligen Bewohner 1953, zwei Jahre nach dem Bau der Basis, zwangsumgesiedelt wurden. Sie konnten erst 1999 eine bescheidene Entschädigung vom dänischen Staat erstreiten. Jean-Noël Malaurie, ein französischer Ethnologe und Geograph, berichtet in dem Buch über seine Grönland-Expedition von 1950 bis 1951 auch ausführlich vom Aufbau der Air Base und den Auswirkungen auf die dort ansässigen Polar-Inuit.[9]

Explosion eines Meteoriten nahe der Thule Air BaseBearbeiten

Am 25. Juli 2018 explodierte ungefähr 21 Kilometer westlich der Halbinsel Avanersuaq in 43 Kilometern Höhe ein Meteorit mit einer Sprengkraft von 2,1 Kilotonnen – etwas weniger als die einer kleinen Atombombe.[10]

EinrichtungenBearbeiten

Das von Präsident George W. Bush initiierte Raketenabwehrprogramm National Missile Defense (NMD) sollte zum Teil dort installiert werden. Seit 1961 beherbergt die Basis mit Detachment 3 des 22nd Space Operations Squadron die inzwischen größte und nördlichste von acht weltweiten Satellitenbodenstation der Air Force. Sie besitzt als Besonderheit ein Schleppschiff, das dazu dient, Eisberge abzuschleppen, die in die Einflugschneise geraten.

Zur Thule Air Base gehörte auch ein 378,25 Meter hoher, gegen Erde isolierter Sendemast für militärischen Langwellenfunk, dessen Fundament wegen des gefrorenen Bodens besondere Maßnahmen erforderte. Er war der höchste Mast nördlich des Polarkreises in der westlichen Hemisphäre. Nachdem er längere Zeit ungenutzt war, wurde der Turm im Jahr 1992 gesprengt.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Harry R. Fletcher: Air Force Bases. Air Bases Outside the United States of America (= Reference series. Band 2). Center for Air Force History, Washington, D. C. 1993, LCCN 88-600231, S. 183 (englisch, media.defense.gov [PDF; 8,8 MB; abgerufen am 17. Juli 2018]).
  2. U.S. Air Force Fact Sheet, 821st Security Forces Squadron (Memento des Originals vom 27. Februar 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.peterson.af.mil 254 square miles
  3. a b c Harry R. Fletcher: Air Force Bases. Air Bases Outside the United States of America (= Reference series. Band 2). Center for Air Force History, Washington, D. C. 1993, LCCN 88-600231, S. 184 (englisch, media.defense.gov [PDF; 8,8 MB; abgerufen am 17. Juli 2018]).
  4. Defense of Greenland: Agreement Between the United States and the Kingdom of Denmark (englisch)
  5. 12th Space Warning Squadron. United States Air Force, Peterson Air Force Base, 16. August 2012, abgerufen am 17. Juli 2018 (englisch).
  6. vgl. www.taz.de – Die verschwundene Atombombe
  7. www.bazonline.ch - USA verloren Atombombe in Grönland
  8. The Marshal’s Baton - There is no bomb, there was no bomb, they were not looking for a bomb - DIIS Report on the 1968 crash of a B-52 bomber near Thule Air Base in Greenland (Memento des Originals vom 31. Oktober 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/subweb.diis.dk
  9. Jean Malaurie: Die letzten Könige von Thule, VEB F.A.Brockhaus Verlag, Leipzig 1957
  10. Manuel Escher: Meteor explodierte direkt über Basis des US-Atomwarnsystems. Der Standard am 2. August 2018, abgerufen am 2. Dezember 2018.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Thule Air Base – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien