Tatort: Transit ins Jenseits

Episode der Fernsehserie Tatort

Transit ins Jenseits ist eine Folge der ARD-Krimireihe Tatort. Die vom Sender Freies Berlin (SFB) produzierte Episode wurde erstmals am 5. Dezember 1976 in der ARD ausgestrahlt. Es handelt sich um den zweiten Tatort mit Kommissar Schmidt, der einen Todesfall auf der Transitstrecke von West-Berlin in die Bundesrepublik Deutschland aufklären muss.

Episode der Reihe Tatort
OriginaltitelTransit ins Jenseits
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Produktions-
unternehmen
SFB
Länge98 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
EinordnungEpisode 69 (Liste)
Erstausstrahlung5. Dezember 1976 auf Deutsches Fernsehen
Stab
RegieGünter Gräwert
DrehbuchGünter Gräwert, Jens-Peter Behrend
ProduktionHeinz Janell
MusikKlaus Doldinger
KameraHorst Schier,
Holger Eichhorn
SchnittFriederike Badekow
Besetzung

HandlungBearbeiten

Horst Bremer steht in einem Hinterhof in Berlin-Kreuzberg und beobachtet eine Bewohnerin des dortigen Mietshauses, die Kellnerin Erika Marquart. Er folgt ihr sogar bis zum Supermarkt und zurück nach Hause, notiert sich die Namen ihrer Nachbarn und ruft sie aus der Telefonzelle heraus an, ohne sich zu melden. Zusammen mit seinem Komplizen Martin Poll sucht er auch die Gaststätte auf, in der sie arbeitet, allerdings sitzen die beiden getrennt und kommunizieren heimlich. Poll macht am nächsten Tag heimlich Fotoaufnahmen von Erika Marquart. Horst Bremer sucht am Abend erneut die Gaststätte auf und sucht diesmal das Gespräch mit ihr. Während Poll die Fotoaufnahmen von Erika entwickelt, bekommt er Besuch von Kommissar Schmidt und seinem Assistenten Hassert, die ihn zu einem Mordfall Hagemann befragt, in den Poll wohl verwickelt war. Er gibt vor, damit abgeschlossen zu haben und nicht mehr allzu viel zu wissen, um die Beamten schnell loszuwerden. Kurz darauf sieht man Horst Bremer und Erika Marquart, die sich offensichtlich sehr schnell näher gekommen sind. Bremer kann Poll berichten, dass Erika Schulden bei ihrem Chef in Höhe von DM 5.000,- hat. Bremer gibt Poll zudem die Maße von Erika bekannt.

Mittlerweile ist Erika verliebt in Bremer, der eine Liebesbeziehung mit ihr eingegangen ist. Erika findet bei Bremer ein Foto von einer Frau, er behauptet, es handele sich um Gisela, die Verlobte seines Bruders und behauptet, dass die Geschichte dahinter „nicht so lustig“ sei. Sie würde in der DDR leben und keine Ausreisegenehmigung bekommen. Sein Bruder würde sehr unter der Situation leiden, deshalb würde er einen Weg finden, sie rüberzuholen. Bremer erläutert Erika den Plan. Er würde, da sein Bruder selbst erst seit zwei Jahren im Westen sei und nicht in die DDR dürfe, mit einer Frau, die Gisela ähnlich sehe, in die DDR fahren. Ein zweiter Wagen mit einem Freund fahre hinterher. Auf einem Rastplatz würde dann Gisela die Stelle der westdeutschen Frau einnehmen und Bremer fährt mit ihr und den Ausweispapieren der westdeutschen Frau über die Grenze nach Bayern. Die westdeutsche Frau sollte dann im Kofferraum des Komplizen ebenfalls über die Grenze fahren. Es sei sicherer, zwei Autos zu nehmen, falls man erwischt werde, wären Bremer und Gisela schon im Westen, und die Frau im Kofferraum könnte dann erzählen, sie sei auf dem Rastplatz von der Toilette gekommen und ihr Fahrer sei mit ihren Papieren einfach weggefahren. Bremers Komplize hätte sie dann im Kofferraum mitgenommen, um ihr aus der misslichen Lage auf der DDR-Transitstrecke herauszuhelfen. Da eine Überprüfung durch die DDR-Grenzer in so einem Fall ergeben hätte, dass die Frau im Kofferraum wirklich aus West-Berlin oder der Bundesrepublik stammt, hätte diese keine Strafe zu befürchten. Er deutet an, ein Mädchen zu haben, doch diese fordere jetzt schon 7.000,- DM statt der vereinbarten 5.000,- DM, zudem hätte sie so etwas schon einige Male gemacht und Bremer befürchte, dass sie dann auffliegen könnten. Mit diesem Trick bekommt Bremer Erika dazu, für 5.000,- DM mitzumachen, wie es von Bremer und Poll auch geplant war.

In den folgenden Tagen übt Erika mit Bremer das Fahren im Kofferraum, um sich an die Umstände am Fluchttag zu gewöhnen. Erika färbt sich sogar die Haare blond, da Gisela blonde Haare hat. Zudem aktualisiert sie entsprechend ihr Foto in ihrem Personalausweis, damit Gisela dem Foto ähnlich sieht. Erika verabschiedet sich von ihrem Chef, sie hat sich zwei Tage Urlaub genommen unter dem Vorwand, zu einer Beerdigung nach Westdeutschland zu fahren. Am Grenzübergang Dreilinden treffen Bremer und Erika Poll, der mit einem anderen Wagen die Transitstrecke durchfahren wird und Erika auf dem Rastplatz mit in den Kofferraum nehmen soll. Sie passieren den Grenzübergang zur DDR ohne Probleme und machen sich auf den Weg über die Transitstrecke nach Hof. Die Fahrt verläuft so weit ohne Zwischenfälle und sie liegen gut im Zeitplan. Doch dann werden sie von der Volkspolizei angehalten, ein westdeutsches Auto ist liegengeblieben und die Volkspolizisten weisen Bremer an, Pannenhilfe zu leisten. Er hat keine andere Wahl, als dieser Aufforderung Folge zu leisten, was den Zeitplan der Fluchthilfe entscheidend durcheinanderbringt. Während er Pannenhilfe leisten muss, sieht er, wie Poll, der zeitversetzt gefahren ist, ihn passiert. Währenddessen wartet Gisela auf dem vereinbarten Rastplatz auf ihre Fluchthelfer. Endlich hat Bremer die Pannenhilfe beendet und Bremer und Erika setzen gehetzt die Reise fort. Endlich kann Bremer den nur wenige Meter hinter der Pannenstelle liegenden Rastplatz anfahren, um dort Gisela aufzunehmen. Poll jedoch musste aufgrund der Verzögerung und der Präsenz der Volkspolizei unmittelbar vor dem Rastplatz weiterfahren. Bremer entscheidet sich deshalb, Erika in seinem eigenen Kofferraum zu verstecken, allerdings kommt just in diesem Moment ein Trabant am Rastplatz an, so dass Erika wieder in die Fahrgastzelle einsteigen muss. Bremer möchte Erika an einem späteren Rastplatz im Kofferraum verstecken. Durch diese Panne ergibt sich die Gelegenheit, dass sich Erika und Gisela unterhalten. Bremer versucht, die Unterhaltung zu unterbinden, kann aber nicht verhindern, dass Erika erfährt, dass Gisela nicht die Verlobte von Bremers angeblichem Bruder ist, sondern weder Bremer noch einen Bruder von Bremer privat kennt. Erika muss erkennen, dass es sich um eine kommerzielle Fluchthilfe handelt und fühlt sich benutzt.

Bremer kann an einem anderen Rastplatz halten, um Erika im Kofferraum zu verstecken. Da sie nicht mehr bei dem Fluchtplan mitmachen will, bietet er ihr mehr Geld an. Doch weil sie zu verletzt ist, will sie aussteigen und läuft vor Bremer davon. Bremer versucht, sie einzufangen, dabei stürzt Erika unglücklich, schlägt sich den Kopf auf und ist auf der Stelle tot. Bremer versteckt die Leiche notdürftig in einer Betonröhre auf einer Baustelle direkt neben dem Rastplatz und setzt mit Gisela die Reise alleine fort. Gisela ist geschockt über den Vorfall, den sie vom Auto aus beobachtet hat, hat aber keine andere Wahl, als die Flucht trotz der Umstände mit Bremer fortzusetzen. Bremer nimmt Erikas Leiche vor der Weiterfahrt noch die Handtasche weg, da sich in ihr der Personalausweis befindet, den Gisela zu ihrer Flucht benötigt. Eine direkt nach Bremers Weiterfahrt auf dem Rastplatz angekommene West-Berliner Familie findet die Leiche von Erika, verständigt aber, offensichtlich aus Angst vor Repressalien oder Verdächtigungen, nicht die Volkspolizei. Bremer instruiert ungerührt Gisela, sich die Daten aus Erikas Personalausweis genau einzuprägen, damit an der Grenze der weitere Verlauf ohne Störungen erfolgt. Gisela ist schockiert über die Kaltblütigkeit von Bremer und möchte den Fluchtversuch abbrechen. Doch Bremer blockt ab und meint, der Plan müsse nun durchgeführt werden. Um sicherzugehen, dass Gisela mitkommt, nimmt er Gisela die Handtasche ab. Sie kommen daraufhin ohne Probleme über die Grenze nach Westdeutschland. An der Raststätte direkt hinter der Grenze treffen sich Poll und Bremer wieder. Bremer berichtet Poll, was passiert ist. Gisela fährt nun bei Poll mit, er will sie in einem Münchener Hotel unterbringen, bis die Angelegenheit geklärt ist, soll sie die Identität von Erika Marquart annehmen. Diese weigert sich, aber Poll erklärt ihr, dass sie keine andere Wahl habe.

Bremer sucht den Drahtzieher der kommerziellen Fluchthilfe auf, dieser sagt ebenfalls, dass es keine Probleme gäbe, solange sie eine „Erika Marquart“ hätten. Die West-Berliner Polizei bekommt unterdessen ein Fernschreiben der DDR-Behörden, dass an der Transit-Strecke eine Leiche gefunden wurde, die wahrscheinlich der Kleidung nach aus der Bundesrepublik oder West-Berlin stammt und den Spuren nach möglicherweise einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Gisela spielt unterdessen das Spiel der Gangster mit und gibt sich als Erika Marquart aus. Schmidt und Hassert ermitteln unterdessen, Schmidt erinnert sich, das Gesicht von Erika Marquart schon einmal gesehen zu haben. Doch es gibt keine Vermisstenanzeige, die auf die für die Beamten unbekannte Tote passt. Im Fotolabor des Polizeipräsidiums erinnert sich Schmidt plötzlich an die Fotos, die er bei Poll gesehen hat, er und Hassert eilen daraufhin zu seiner Wohnung, die gleichzeitig sein Atelier ist, dort treffen sie allerdings niemanden an, da Poll ja mit Gisela in München ist. Ein benachbarter Geschäftsinhaber sagt Schmidt gegenüber aus, dass Poll mit einem Mietwagen in Urlaub gefahren ist. Er wollte schon längst wieder da sein, ist aber offensichtlich noch unterwegs. Sein eigener Wagen ist angeblich kaputt, eine Überprüfung durch Hassert ergibt aber, dass Polls Wagen funktioniert. Hassert überprüft die Leihwagenfirmen und findet heraus, dass Poll einen Leihwagen genommen, diesen aber noch nicht zurückgebracht hat, obwohl die vereinbarte Leihfrist um Tage überschritten ist. Der Wagen wurde schließlich in München wieder abgegeben. Schmidt und Hassert können eine Verbindung zwischen Poll und Horst Bremer ermitteln, dieser hat sich am gleichen Tag ebenfalls einen Leihwagen genommen, diesen aber zwei Tage später planmäßig wieder abgegeben.

Die Beamten suchen Horst Bremer auf, dieser gibt an, mit dem Leihwagen nach München gefahren zu sein, doch dazu fehlen, wie die Beamten ermittelt haben, 600 Kilometer auf dem Tacho. Bremer verwickelt sich in Widersprüche, als er behauptet, mit seiner Freundin, Erika Marquart, in den Urlaub nach München gefahren zu sein. Er hätte sich mit seiner Freundin verkracht, woraufhin diese mit Martin Poll weitergefahren sei, während er gleich hinter der Grenze umgedreht und zurück nach Berlin gefahren zu sein. Bremer ist bei diesen Angaben sichtlich nervös. Schmidt kontaktiert seinen Kollegen Veigl, der Poll überprüfen und festnehmen soll. Veigl und Lenz fahren zum Hotel, in dem Poll und die angebliche Erika Marquart abgestiegen waren, dort erfahren sie, dass die beiden bereits abgereist sind. Schmidt und Hassert spekulieren, dass eine Person, die Erika Marquart, wenn sie denn die Leiche sei, auf der Transitstrecke ums Leben gekommen sein muss und eine andere, ostdeutsche Frau an ihrer Stelle ausgereist sein muss. So können sie die Fährte des Falls richtig aufnehmen und vermuten eine professionelle Fluchthilfe. Sie überprüfen die Identität von Erika Marquart, da die unbekannte Leiche am nächsten Tag nach West-Berlin überführt werden soll. Horst Bremer wird unterdessen vom Drahtzieher der Fluchthilfe gemaßregelt. Zeugen könne dieser nicht gebrauchen. Schmidt und Hassert suchen unterdessen den Chef von Erika Marquart auf. Dieser berichtet auch von den Schulden, die Erika bei ihm hatte. Er berichtet, dass der Betrag von München aus an ihn überwiesen wurde und die Schulden somit beglichen seien. Er wunderte sich, dass sie nicht wiederkam, das Geld aber überwiesen hatte. Er berichtet, dass sie vor dem Urlaub von Horst Bremer abgeholt worden sei. Sie sei so verliebt in ihn gewesen, dass sie sich ihm zuliebe sogar die Haare hat färben lassen. Weiterhin hat er eine Nachricht auf Schreibmaschine bekommen, dass sie ihre große Liebe und ihr großes Glück gefunden habe und nicht wiederkomme. Die Beamten zeigen dem Chef das Foto der Leiche, die dieser auch sofort als Erika Marquart wiedererkennt.

Hassert informiert kurz darauf Schmidt in einer Besprechung, in der es um die Frage der Fluchthilfe geht, dass Bremer spurlos verschwunden sei. Hassert findet heraus, dass Bremer nach München geflogen ist. Er ahnt, dass die ostdeutsche Frau, die zurzeit als Erika Marquart lebt, ermordet werden soll, da sie eine unliebsame Zeugin ist. Er weist seinen Kollegen Veigl an, Bremer zu beschatten, aber nicht zu verhaften. Veigl und seine Leute beschatten Bremer vom Flughafen an, Schmidt kommt aus Berlin angereist, er berichtet Veigl, dass Gisela in großer Lebensgefahr ist. Poll fährt am nächsten Tag mit Gisela von München aus in ein Dorf, in dem er sie verstecken will. Er hat mit Bremer abgesprochen, dass er sie dort umbringen soll. Veigl, Lenz und Schmidt folgen Bremer. Poll sagt Gisela, dass sie sich in dem Dorf, das unmittelbar an der Grenze liegt, als DDR-Flüchtling bei den Behörden melden soll. Bremer zieht unterdessen seine Waffe, um Gisela umzubringen, Poll setzt sie am vereinbarten Punkt ab, wo sie Bremer zum Opfer fallen soll. Bremer sieht Gisela und setzt mit seiner Waffe auf sie an. Kommissar Schmidt kann im letzten Moment mit Veigls Dienstwagen dazwischen gehen und Bremer verhaften. Veigl stellt fest, dass die Waffe ein Ost-Modell ist, Bremer und seine Komplizen wollten also eine Erschießung durch DDR-Grenzbeamte vortäuschen, doch Schmidt, Veigl und Lenz kamen ihm dazwischen. Erst jetzt realisiert Gisela, dass sie in höchster Lebensgefahr war.[2]

EinschaltquotenBearbeiten

Bei ihrer Erstausstrahlung erreichte die Folge einen Marktanteil von 44,00 %.[3]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für Tatort: Transit ins Jenseits. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Ermittlungen auf der Transitstrecke auf Morgenpost.de
  3. Tatort: Transit ins Jenseits auf tatort-fundus.de, abgerufen am 23. August 2014.