Sven Simon (Jurist)

deutscher Politiker (CDU)

Sven Simon (* 9. Oktober 1978 in Lahn-Wetzlar) ist ein deutscher Rechtswissenschaftler, Hochschullehrer und Politiker (CDU). Er ist seit dem 1. Dezember 2016 Inhaber des Lehrstuhls für Völkerrecht und Europarecht mit öffentlichem Recht an der Philipps-Universität Marburg.[1] Seit 2019 ist er Mitglied des Europäischen Parlaments.[2]

Ausbildung und BerufBearbeiten

Studium und ReferendariatBearbeiten

Simon studierte Rechtswissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen und an der University of Warwick (England). 2003 erwarb er das ‘Certificate in English Law’. 2005 beendete er sein Studium mit dem ersten juristischen Staatsexamen.

Von 2008 bis 2010 absolvierte Simon sein Rechtsreferendariat am Landgericht Gießen mit Stationen beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Berlin, in den Anwaltskanzleien Weber-Yacobovitch-Feder in Tel Aviv (Israel) sowie Freshfields Bruckhaus Deringer in Frankfurt am Main und als Assistant Attaché in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen in New York.[3][4] 2010 legte er das zweite juristische Staatsexamen ab.

Wissenschaftliche KarriereBearbeiten

Während der Promotionszeit verbrachte Simon Forschungsaufenthalte am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg, bei der Europäischen Kommission in Brüssel und bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf. Dabei wurde er von der Hanns-Seidel-Stiftung mit einem Promotionsstipendium gefördert. 2009 wurde Simon vom Fachbereich Rechtswissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen promoviert. Seine Dissertation veröffentlichte er im gleichen Jahr unter dem Titel „Liberalisierung von Dienstleistungen der Daseinsvorsorge im WTO- und EU-Recht“.[4]

Von 2010 bis 2015 war Simon als Akademischer Rat am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht von Thilo Marauhn an der Universität Gießen beschäftigt.[5] In den Jahren 2011 und 2014 war er Gastprofessor an der Law School der University of Wisconsin in Madison (USA).[6]

Habilitationszeit und erster LehrstuhlBearbeiten

2015 wurde er mit einer Arbeit über die „Grenzen des Bundesverfassungsgerichts im europäischen Integrationsprozess“[7] habilitiert.[8] Ihm wurde die Lehrbefähigung und Lehrbefugnis (Venia Legendi) für die Fächer Öffentliches Recht, Europarecht, Völkerrecht und Internationales Wirtschaftsrecht verliehen.[4] Von Oktober 2015 bis September 2016 war er als Lehrstuhlvertreter für Philip Kunig Gastprofessor für Öffentliches Recht an der Freien Universität Berlin. Im Juli 2016 erhielt Simon einen Ruf an die Philipps-Universität Marburg. Er ist seit 1. Dezember 2016 Inhaber des Lehrstuhls für Völkerrecht und Europarecht mit öffentlichem Recht.[9]

Simon berät internationale Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen auf verschiedenen Ebenen und fungiert als Prozessbeobachter und Berater in zahlreichen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit.[10]

PolitikBearbeiten

Simon trat im März 2000 in die Junge Union und die CDU ein. Seitdem ist er in verschiedenen Funktionen ehrenamtlich tätig. Er ist stellvertretender Kreisvorsitzender im Kreisverband Gießen[11] und im Landesfachausschuss Europa,[12] war 10 Jahre Gemeindevertreter in Buseck und seit 2006 Kreistagsabgeordneter im Landkreis Gießen (seit 2011 als stellvertretender Kreistagsvorsitzender und stellvertretender Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion). 2018 wurde er für seine über zwölfjährige Mitgliedschaft im Kreistag mit der Bronzenen Ehrennadel geehrt.[13]

Simon trat bei der Europawahl 2014 für die CDU an, verfehlte jedoch den Einzug ins Europaparlament. Bei der Landtagswahl in Hessen 2018 trat er als Ersatzbewerber von Ministerpräsident Volker Bouffier im Wahlkreis Gießen II an. Bei der Europawahl 2019 trat er erneut an und zog über die Landesliste Hessen ins Europaparlament ein. Er gehört der Fraktion der Europäischen Volkspartei an.[14]

Ehrenamtliches EngagementBearbeiten

Simon ist seit vielen Jahren stellvertretender Landesvorsitzender der Europa-Union Hessen. Seit 2011 ist er Mitglied im Bundesvorstand und seit Oktober 2017 stellvertretender Bundesvorsitzender des Vereins Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen.[15]

2017 wurde er zum Leiter der Europäischen Akademie Hessen gewählt.[16]

Preise und AuszeichnungenBearbeiten

2018: Bronzene Ehrennadel des Landkreises Gießen[17]

2015: Dr.-Herbert-Stolzenberg-Preis für Habilitationsschrift sowie das sonstige wissenschaftliche Œuvre[18]

2011: Würdigung Hessischer Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre[19]

2011: Wolfgang-Mittermeier-Preis für hervorragende Leistungen in der akademischen Lehre[20]

2011: Außerordentlicher Lehrpreis der Fachschaft Jura

2009: Dissertationspreis der Justus-Liebig-Universität Gießen für die beste Dissertation des akademischen Jahres 2008/2009 innerhalb der Sektion Rechts- und Wirtschaftswissenschaften[21]

2009: Dissertationspreis der Juristischen Studiengesellschaft[22]

2001: Studienpreis des Fachbereichs Rechtswissenschaft für die beste Leistung im Fach „Öffentliches Recht“

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Liberalisierung von Dienstleistungen der Daseinsvorsorge im WTO- und EU-Recht, Mohr Siebeck, Tübingen 2009, ISBN 978-3-16-150000-8 (Dissertation)
  • Grenzen des Bundesverfassungsgerichts im europäischen Integrationsprozess, Mohr Siebeck, Tübingen 2016, ISBN 978-3-16-154159-9 (Habilitationsschrift)

Sonstige PublikationenBearbeiten

Puttrich/Simon, Der deutsche Föderalismus – Ein Modell für das europäische Rechtsetzungsverfahren?, ZRP 2021, 33.

VariaBearbeiten

Simon äußerte sich in einer Hr-info-Sendung vom 6. Mai 2020 zum Kompetenzkonkurrenzstreit zwischen EUGH und BVerfG nach dem sog. EZB-Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 5. Mai 2020.[23] Er erklärt das Selbstverständnis beider Gerichte und führt aus, dass der Streit beider Gerichte sich an eine lange Kette von Entscheidungen anschließt. Im Grunde genommen sei es nichts "Unmögliches", was das Bundesverfassungsgericht von der Europäischen Zentralbank verlange, sondern „etwas Selbstverständliches“: als unabhängiges Organ müsse die EZB (in Verbindung mit dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz) ihr Handeln erklären. Simon befürwortet am Ende ein institutionalisiertes Dialogverfahren zwischen BVerfG und EuGH, sodass für alle Unionsbürger dokumentiert ist, dass die beiden Gerichte vor der Urteilsverkündung miteinander gesprochen haben.[24]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Norbert Wiedemer: Auf internationalem Parkett. Abgerufen am 7. Januar 2019.
  2. Nach der Europawahl: Diese 7 Hessen sitzen im neuen EU-Parlament. In: Hessenschau. 27. Mai 2019, abgerufen am 5. Dezember 2019.
  3. Neue Professorinnen und Professoren an der Philipps-Universität (S. 14 f.). Abgerufen am 8. Januar 2019.
  4. a b c Sven Simon: Liberalisierung von Dienstleistungen der Daseinsvorsorge im WTO- und EU-Recht (= Jus Internationale et Europaeum. Nr. 31). 1. Auflage. Mohr Siebeck, Tübingen 2009, ISBN 978-3-16-150000-8 (mohrsiebeck.com [abgerufen am 22. Oktober 2020]).
  5. Lebenslauf von Sven Simon. In: Universität Marburg. Abgerufen am 22. Oktober 2020.
  6. 942 European Union Law - §001, Fall 2014 | University of Wisconsin Law School. Abgerufen am 23. November 2017 (englisch).
  7. Mohr Siebeck GmbH & Co. KG: Grenzen des Bundesverfassungsgerichts im europäischen Integrationsprozess. Abgerufen am 23. November 2017.
  8. Habilitationen und Berufungen Februar 2017. 4. Juni 2020, abgerufen am 8. Juni 2020.
  9. Carsten Beckmann: Im Savigny-Haus ist der Löwe los. Oberhessische Presse, abgerufen am 31. März 2018.
  10. Norbert Schmidt: Erstmals Prozessbeobachter. Gießener Allgemeine, abgerufen am 13. Dezember 2018.
  11. Vorstand des CDU-Kreisverbandes Gießen. Abgerufen am 13. Dezember 2018.
  12. Landesfachausschuss Europa. Abgerufen am 13. Dezember 2018.
  13. Busecker Sven Simon gehört Kreistag seit über zwölf Jahren an. Gießener Allgemeine, abgerufen am 13. Dezember 2018.
  14. Unsere Mitglieder. EPPgroup.eu, EPP Group in the European Parliament, abgerufen am 5. Dezember 2019.
  15. Vorstand der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen. Abgerufen am 13. Dezember 2018.
  16. Darmstadt: Die Europäische Akademie Hessen verlässt Darmstadt. Metropol News, abgerufen am 13. Dezember 2018.
  17. Busecker Sven Simon gehört Kreistag seit über zwölf Jahren an. Gießener Allgemeine, abgerufen am 13. Dezember 2018.
  18. Mit Forschung und Lehre Beiträge zum gesellschaftlichen Fortschritt und Zusammenhalt leisten. Justus-Liebig-Universität Gießen, abgerufen am 13. Dezember 2018.
  19. Bericht des Präsidiums der Justus-Liebig-Universität Gießen. Justus-Liebig-Universität Gießen, abgerufen am 13. Dezember 2018.
  20. Preise für Forschung und Lehre vergeben. Gießener Allgemeine, abgerufen am 13. Dezember 2018.
  21. Bericht des Präsidiums der Justus-Liebig-Universität Gießen. Justus-Liebig-Universität Gießen, abgerufen am 13. Dezember 2018.
  22. Promotionspreis der Juristischen Studiengesellschaft Gießen. Justus-Liebig-Universität Gießen, abgerufen am 13. Dezember 2018.
  23. 2 Senat Bundesverfassungsgericht: Bundesverfassungsgericht - Entscheidungen - Beschlüsse der EZB zum Staatsanleihekaufprogramm kompetenzwidrig. 5. Mai 2020, abgerufen am 8. Juni 2020.
  24. Oliver Glaab: Interview zum Konkurrenzstreit des BVerfG und des EuGH zum EZB Urteil 2020. In: Uni Marburg. 8. Juni 2020, abgerufen am 8. Juni 2020.