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Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Ein Sozialticket ist ein im Preis ermäßigter Einzel- oder Zeitfahrausweis zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch sozial bedürftige Menschen (z. B. Empfänger von Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder Sozialhilfe). Der Fahrschein ist meist nicht übertragbar.

Überwiegend erhalten die regionalen oder überregionalen Verkehrsunternehmen hierfür einen Zuschuss von den betreffenden Städten, Landkreisen und/oder Bundesländern.

Inhaltsverzeichnis

Sozialtickets nach BundesländernBearbeiten

Die alphabetisch nach Bundesländern sortierte Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Baden-WürttembergBearbeiten

  • Ein Sozialticket gibt es in allen großen Städten und einigen Landkreisen (außer Freiburg im Breisgau, wo für 2016 darüber diskutiert wird). Sozialtickets gibt es unter verschiedenen Bezeichnungen, bzw. in Verbindung mit speziellen Karten in:

BayernBearbeiten

  • Mit dem München Pass erhält man in die Möglichkeit zum Erwerb vergünstigter Monatskarten für den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund. Die IsarCard S entspricht im Umfang der IsarCard9Uhr, kostet aber nur knapp zwei Drittel des regulären Preises. Die Fahrkarten sind nicht im Abo erhältlich.[1] Zudem gibt es die Möglichkeit, in den Sozialbürgerhäusern monatlich bis zu 15 Tageskarten zu kaufen, die keine Befristung bei der Uhrzeit haben.

Berlin und BrandenburgBearbeiten

  • Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg bietet das Berlin-Ticket S und das Mobilitätsticket an, welche einer Monatskarte entsprechen, aber im Preis ermäßigt sind, in Berlin um zwei Drittel. Sie bestehen aus einer Kundenkarte mit Lichtbild, auf der die Berechtigung bescheinigt wird, und einem Wertabschnitt für den jeweiligen Gültigkeitszeitraum.[2][3] Seit dem Februar 2018 haben auch Berliner Wohngeldempfänger einen Anspruch auf den Berlinpass, der zum Kauf eines Berlin-Ticket S berechtigt.[4]

HamburgBearbeiten

  • Im Hamburger Verkehrsverbund berechtigt die Ausstellung einer Sozialkarte zum Erwerb von (fast allen) Monatskarten mit einer Ermäßigung von 20,80 €. Dies entspricht bei den günstigsten Zeitkarten einer Ersparnis von 40 %. Der Rabatt wird von der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz getragen.[5]

HessenBearbeiten

  • In Darmstadt wird ab Juni 2019 ein Sozialticket eingeführt, welches jeweils ab 9 Uhr gelten soll.[6]

NiedersachsenBearbeiten

  • In Salzgitter gibt es seit Januar 2019 ein Sozialticket zum Preis von 25 Euro (Kinder 15 Euro). Es gilt ab 8.30 Uhr, für Kinder ganztags. Im Ausnahmefall, etwa bei in Arbeit stehenden Personen, kann zur Vermeidung von Härten die zeitliche Gültigkeitsbeschränkung aufgehoben werden.[8]
  • Im Verbund des Großraum-Verkehr Hannover (GVH) wird der GVH-Sozialtarif angeboten. Die Berechtigung hierzu nennt sich im gesamten Gebiet der Region Hannover die Region-S-Karte. Das Erwerben der Monats-Wertmarke S zu 4 €, die zum Bezug von knapp 50 % vergünstigten Fahrkarten vom Typ "TagesTicket S" berechtigte, ist nicht mehr notwendig (seit dem 1. Januar 2016[9]). Seit dem 15. Dezember 2013 wird auch eine gegenüber der regulären Monatskarte um 40 % verbilligte "Monatscard S" angeboten. Zu beachten bleibt nach wie vor, dass zu der Region-S-Karte ein amtlicher Lichtbildausweis mitzuführen ist.

Nordrhein-WestfalenBearbeiten

  • Im gesamten Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) wird seit dem 1. Januar 2013 ein Sozialticket angeboten. Es gilt für das jeweilige Kreisgebiet bzw. in größeren Städten für das Stadtgebiet und kostete bei der Einführung 29,90 €; nach mehreren Erhöhungen stieg der Preis für 2019 auf 38,65 €. Für darüber hinaus führende Fahrten innerhalb des VRR muss ein Zusatzticket zu je 3,60 € gelöst werden. Von rund 1,35 Millionen Berechtigten nutzten 2017 ca. 166.000 (12,3 %) das Sozialticket.[10][11][12][13]
  • Im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (Köln, Bonn, Leverkusen) sind seit März 2012 vergünstigte Monatstickets und 4er-Fahrkarten unter dem Namen MobilPass erhältlich. Diese werden direkt am Fahrscheinautomaten verkauft und sind deutlich günstiger als reguläre Fahrkarten, z. B. Monatsticket Preisstufe 1b Köln 31,80 € statt 81,10 €.[14] Der Vorgänger des VRS-MobilPass war der KölnPass der Kölner Verkehrsbetriebe. Die Fahrkarten sind auf andere MobilPass-Berechtigte übertragbar. Darüber hinaus ist werktags ab 19 Uhr und am Wochenende ganztags die kostenlose Mitnahme einer weiteren berechtigten Person möglich.
  • Ostwestfalen: In Bielefeld können Inhaber des Bielefeld-Passes seit dem 1. Dezember 2011 ein Monatsticket für Busse und Bahnen im Stadtgebiet in zwei Varianten erwerben.[15] Weitere ostwestfälische Gemeinden mit einem Sozialticket sind Detmold, Bünde, Löhne, Enger, Spenge und Gütersloh.[16]
  • Im Bereich der Verkehrsgemeinschaft Westfalen-Süd (VGWS) gibt es seit 2013 ein MobilitätsCard genanntes Sozialticket zum Preis von 29,90 € monatlich. Werktags ab 19 Uhr und ganztags an Wochenenden und Feiertagen können bis zu zwei Erwachsene und drei Kinder mitgenommen werden.[17]

Rheinland-PfalzBearbeiten

SachsenBearbeiten

  • Bei den Dresdner Verkehrsbetrieben kann man bei Vorlage eines Dresden-Passes vergünstigte Fahrscheine erwerben. Die Vergünstigung richtet sich nach dem Fahrschein und beträgt bis zu 50 %.[19]

Sachsen-AnhaltBearbeiten

ThüringenBearbeiten

  • In Erfurt erhalten Alg-2-Empfänger einen Zuschuss von 20 Euro zu den etwa 50 bis 60 Euro kostenden Monatskarten der Erfurter Verkehrsbetriebe.[22]
  • In Weimar ist ein Sozialticket zum halben Preis einer regulären Monatskarte erhältlich.[23]

Ehemalige SozialticketsBearbeiten

  • Die Dortmunder Stadtwerke boten ein Sozialticket an. Es war nur im Jahresabonnement erhältlich.[24] Das Angebot war seit 2008 erhältlich, jedoch wurden auf Grund der Folgekosten für die Stadt Dortmund die Konditionen zum 1. Februar 2010 drastisch verschlechtert.[25] Kostete das Sozialticket bis dahin 15 €, lag der Preis in der Folge mit mehr als 30 € nur unwesentlich unter dem eines regulären Abos. Außerdem war das neue Ticket erst nach 9 Uhr nutzbar. Die Nutzerzahlen sanken daraufhin von 28.500 auf 8.050.[26] Zum Jahresende 2012 wurde das Dortmunder Sozialticket zugunsten des neu eingeführten VRR-Sozialtickets eingestellt.
  • Seit dem 1. Dezember 2008 ist auch bei der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna ein personengebundenes Sozialticket im Jahresabonnement erhältlich.[27] Auch hier sanken die Nutzerzahlen nach einer Preiserhöhung um fast 50 % von 6.114 auf 2.312.[28]
  • Der Koalitionsvertrag der grün-roten Landesregierung Baden-Württembergs aus dem Jahr 2011 sprach sich für ein Sozialticket aus: "Wir unterstützen Modelle, die dafür sorgen, dass auch Menschen mit einem geringeren Einkommen öffentliche Mobilitätsangebote wahrnehmen können."[29] Es wurde aber keine Regelung dazu getroffen.

Abgelehnte SozialticketsBearbeiten

  • In Chemnitz wurde 2008 ein Sozialticket wegen der finanziellen Mehrbelastungen durch den Stadtrat abgelehnt.[30] 2018 wurde ein solcher Vorschlag erneut abgelehnt.[31]
  • Bei der Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG) sollte 2009 zeitgleich mit Leipzig auf Stadtratsbeschluß ein Sozialticket eingeführt werden. Auf Grund der finanziellen Situation der Stadt Halle (Saale) wurde das Vorhaben jedoch gekippt.[32]
  • Die Einführung eines Sozialtickets in Darmstadt wurde im Juni 2017 abgelehnt, wobei dies nur für Empfänger von Arbeitslosengeld II gilt; Empfänger von Leistungen nach dem SGB XII erhalten eine Ermäßigung von 33,3 % auf Monatskarten.

AlternativmodelleBearbeiten

Andere praktizierte Modelle zur Mobilitätsteilhabe sind ein generelles Bürgerticket (mit Sozialermäßigung) oder das diskriminierungsfreie und bedingungslose Mobilitätskonzept des kostenfreien Nahverkehrs.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. IsarCard S – zum München-Pass. Mobil zum kleinen Preis. 1. Januar 2009, abgerufen am 12. April 2011.
  2. VBBonline.de. Fahrkarten. Abgerufen am 12. April 2011.
  3. Mobilitätsticket Brandenburg. VBB, PDF, ca. 233 kB
  4. https://www.berlin.de/sen/soziales/themen/soziale-sicherung/berlinpass
  5. Sozialkarte Hamburg. Informationen zu vergünstigten HVV-Zeitkarten für Empfänger von Sozialleistungen. 1. Januar 2009, abgerufen am 8. August 2013.
  6. https://www.fr.de/rhein-main/darmstadt/darmstadt-ort28564/idee-linken-mottenkiste-11878214.html
  7. Frankfurt-Pass. Abgerufen am 12. April 2011.
  8. https://www.salzgitter.de/rathaus/presse_news/2018/126010100000097248.php
  9. Sozialtarif: einfacher und kostengünstiger | Sozialtarif | Fahrpreise & Tarife | Bus & Bahn | Mobilität | Leben in der Region Hannover | Hannover.de | Home - hannover.de. In: www.hannover.de. Abgerufen am 10. Januar 2017.
  10. Sozialticket, VRR
  11. VRR gibt grünes Licht für Sozialticket 2013 WAZ, 27. September 2012
  12. Der VRR erhöht 2019 Ticketpreise für Busse und Bahnen, WAZ, 28. Juni 2018
  13. Vorlage M/IX/2018/0445, VRR
  14. Kölner Verkehrsbetriebe – MobilPass. MobilPass. 22. Januar 2012, abgerufen am 22. Januar 2012.
  15. Sozialticket für das Stadtgebiet Bielefeld Merkblatt, PDF, ca. 2,4 MB
  16. Sozialticket. Verkehrsclub Deutschland, Kreisverband Ostwestfalen-Lippe
  17. Informationen beim Zweckverband Westfalen-Süd, letzter Zugriff: 25. April 2015.
  18. https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/modellprojekt-mainz-pass-ab-januar-monatskarte-fur-35-euro_19171128#
  19. https://www.dvb.de/de-de/tickets/dresden-pass-inhaber/
  20. https://www.l.de/verkehrsbetriebe/produkte/vielfahrer
  21. Sozial- und Familienpasseinrichtungen Stand: 28.12.2011. Landkreis Harz, PDF, ca. 19 kB
  22. https://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/erfurt/startseite/detail/-/specific/Sozialticket-wird-wohl-im-Juli-erhoeht-1274249022
  23. https://weimar.thueringer-allgemeine.de/web/weimar/startseite/detail/-/specific/Die-Stadt-Weimar-verkauft-seit-gestern-Sozialtickets-1375780944
  24. dortmund.de. Sozialticket. 26. November 2009, abgerufen am 13. April 2011.
  25. Gregor Beushausen: Sozialticket in Dortmund wird teurer und schlechter. WAZ NewMedia GmbH & Co. KG, 7. Dezember 2009, abgerufen am 14. April 2011.
  26. Gregor Beushausen: Bus und Bahn in Dortmund. DSW meldet weniger Fahrgäste. WAZ NewMedia GmbH & Co. KG, 6. Januar 2011, abgerufen am 14. April 2011: „DSW-Sprecher Bernd Winkelmann führt die Verluste zurück auf den Preissprung beim Sozialticket.“
  27. Kreis Unna. Was ist ein Sozialticket und was kostet es. 1. April 2010, abgerufen am 13. April 2011.
  28. Preis gestiegen. Weniger Lüner wollen das Sozialticket. WAZ NewMedia GmbH & Co. KG, 6. April 2010, abgerufen am 14. April 2011.
  29. Koalitionsvertrag S. 25–26
  30. Kein Sozialticket für Chemnitz. 8. Oktober 2008, abgerufen am 12. April 2011.
  31. https://www.freiepresse.de/chemnitz/stadtrat-stimmt-gegen-sozialticket-artikel10399777
  32. Sozialticket: Halle hat kein Geld. Ermäßigtes ÖPNV-Ticket für sozial Bedürftige wird nicht eingeführt. 26. November 2009, abgerufen am 12. April 2011.