Sommerinterview

ZDF-Sommerinterview 2007 mit Peter Hahne und Edmund Stoiber (CSU)

Das Sommerinterview geht auf eine Sendereihe des ZDF in der Sendung Bonn direkt in den 1980er Jahren zurück. Während der Sommerferien wurden darin die Spitzenpolitiker der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien zu den wichtigsten Fragen der aktuellen Politik befragt. Das Format wird auch in der Nachfolge-Sendung Berlin direkt fortgeführt. Bisweilen wird auch der jeweils amtierende Bundespräsident befragt.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Nachdem es bereits erste Fernsehinterviews mit bekannten Politikern während der Ferienzeit gegeben hatte, wurden die ersten regelmäßigen Gespräche dieser Art mit Helmut Kohl an seinem traditionellen Urlaubsort Sankt Gilgen am Wolfgangsee geführt,[1] zuerst im Jahr 1988.[2] Während sich Gerhard Schröder mit seinen Interviewpartnern an seinem Wohnort Hannover traf, führt seine Nachfolgerin Angela Merkel die Gespräche meist am Regierungssitz Berlin.[2] Der Grünen-Politiker Joschka Fischer wurde in der italienischen Toskana besucht – als Angehöriger der damals so genannten Toskana-Fraktion.[2]

KonzeptBearbeiten

Die meist längeren Interviews werden von den Journalisten des ZDF-Hauptstadtstudios moderiert, die auch sonst durch die Sendung führen. Typisch ist, dass die Gespräche im Wahlkreis oder am Urlaubsort der Politiker sowie im Freien geführt werden und dass die Beteiligten dabei regelmäßig in legerer Sommerkleidung auftreten. Letzteres hat sich erst in neuerer Zeit geändert, indem die Politiker und die Journalisten wieder zunehmend formeller gekleidet zum Gespräch erscheinen.

Weitere VerbreitungBearbeiten

Zwischenzeitlich haben weitere Fernseh- und Hörfunkprogramme „Sommerinterviews“ eingeführt. Bedeutsam ist dabei insbesondere die Gesprächsreihe, die in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin geführt wird. Wenn es das Wetter erlaubt, werden die Gespräche auf der Terrasse des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses aufgezeichnet. Auch in den dritten Fernsehprogrammen und in den Hörfunkprogrammen der ARD werden mittlerweile Vertreter der Parteien mit Sitz im jeweiligen Landtag zu landespolitischen Themen befragt. Private Sender und Zeitungen haben sich dieser Praxis teilweise angeschlossen.

Im österreichischen Fernsehen gibt es eine vergleichbare Reihe. Sie wird dort als Sommergespräche bezeichnet.

KritikBearbeiten

Angesichts der nachrichtenarmen Lage während der Urlaubszeit (sog. „Sommerloch“), treffen die Gespräche regelmäßig auf das Interesse der übrigen Medien, wenn auch kritisiert worden ist, die dabei gemachten Äußerungen seien meist belanglos und ohne weiterreichende Bedeutung gewesen.[1][3]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Thomas E. Schmidt: Das kleine Fernsehspiel. In: Die Zeit. 24. August 2000, abgerufen am 13. August 2011.
  2. a b c Sebastian Fischer: Politiker-Sommerinterviews: Hier bin ich Mensch. In: taz. 12. August 2011, abgerufen am 13. August 2011.
  3. Corinna Emundts: Kampf ums Sommerloch. E-Mail aus Berlin. In: Die Zeit. 11. Juli 2006, abgerufen am 13. August 2011: „brav und inhaltsleer“, „Thesendreschen.“