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Drittes Fernsehprogramm

Regionale Vollprogramme der ARD

Als die Dritten Fernsehprogramme (umgangssprachlich die Dritten) bezeichnet man in Deutschland die regionalen Vollprogramme der ARD. Der Begriff rührt daher, dass es in den 1960er Jahren mit dem Ersten und dem Zweiten Deutschen Fernsehen zunächst nur zwei nationale Fernsehprogramme gab. Die regional orientierten und daher auch nur regional ausgestrahlten Fernsehprogramme waren somit in ihrem Verbreitungsgebiet jeweils die dritten Programme. Verantwortlich für die Dritten Programme sind die einzelnen ARD-Rundfunkanstalten.

InhalteBearbeiten

Die Dritten Fernsehprogramme sind heute durchweg Vollprogramme mit hohem regionalen Informationsanteil (Landesschauen, Regionalmagazine). Neben Serien und Fernsehfilmen (hauptsächlich Wiederholungen aus dem Ersten) laufen Show- und Unterhaltungsformate, zum Teil mit regionalem Bezug, Spielfilme und Magazine zu den verschiedensten Themengebieten (Gesundheit, Hobby, Ratgeber, Wirtschaft und Verbraucher, Wissenschaft/Forschung etc.) Im Vergleich zu anderen Fernsehprogrammen ist der Informations- und Kulturanteil sehr hoch. So sind neben Länder- und Naturreportagen, Dokumentationen und Politmagazinen auch Bildungsprogramme, Kleinkunst- und Konzertmitschnitte zu sehen.

Neben der regionalen Ausrichtung wiesen die Drittenprogramme ursprünglich einige weitere Merkmale auf:

Heutige ProgrammeBearbeiten

Dritte Fernsehprogramme mit ihren zugehörigen Landesrundfunkanstalten
Fernsehprogramm Logo Landesrundfunkanstalt Anmerkung
BR Fernsehen Bayerischer Rundfunk Auseinanderschaltungen zwischen Franken und Schwaben/Altbayern
hr-fernsehen Hessischer Rundfunk keine regionalen Auseinanderschaltungen
MDR Fernsehen Mitteldeutscher Rundfunk Auseinanderschaltungen für die drei Landesfunkhäuser des MDR
NDR Fernsehen Norddeutscher Rundfunk Auseinanderschaltungen für die vier Landesfunkhäuser des NDR
Radio Bremen TV Radio Bremen bis auf die Regionalprogramme inhaltlich identisch mit dem NDR Fernsehen
rbb Fernsehen Rundfunk Berlin-Brandenburg Auseinanderschaltungen zwischen Berlin und Brandenburg
SR Fernsehen Saarländischer Rundfunk eigenproduzierter Anteil ca. 30 %, dazu in Kooperation mit dem SWR Fernsehen gestaltetes Mantelprogramm
SWR Fernsehen Südwestrundfunk zwei Regionalversionen SWR Fernsehen Baden-Württemberg und SWR Fernsehen Rheinland-Pfalz mit einheitlichem Mantelprogramm, das in Kooperation mit dem SR Fernsehen gestaltet wird
WDR Fernsehen Westdeutscher Rundfunk Köln regionale Auseinanderschaltungen in elf Regionen

GeschichteBearbeiten

Einrichtung der „Dritten Programme“Bearbeiten

Als erstes der heute insgesamt neun Programme startete der Bayerische Rundfunk (BR) mit seinem Studienprogramm (ab 1973 Bayerisches Fernsehen) am 22. September 1964, gefolgt vom Hessischen Rundfunk (hr) mit dem Hessischen Fernsehprogramm am 5. Oktober 1964. Am 4. Januar 1965 folgte das III. Fernsehprogramm der Nordkette (ein Gemeinschaftsprogramm vom Norddeutschen Rundfunk (NDR), Radio Bremen und dem Sender Freies Berlin (SFB)) und am 17. Dezember 1965 der Westdeutsche Rundfunk Köln (WDR) mit seinem Programm WDF/Westdeutsches Fernsehen. Das vorläufige Schlusslicht bildeten der Süddeutsche Rundfunk (SDR), der Südwestfunk (SWF) und der Saarländische Rundfunk (SR) mit ihrem Gemeinschaftsprogramm Südwest 3, das am 5. April 1969 auf Sendung ging.

In den 1980er-Jahren benannten einige Landesrundfunkanstalten ihre Programme um, die 3 wurde stärker in den Sendernamen verankert. Der HR nannte sein Programm ab 1983 hessen 3, der WDR ab 1988 West 3 und NDR/Radio Bremen/SFB ab 1989 N3. Der BR nannte sein Drittes Fernsehprogramm jedoch nie offiziell Bayern 3 (dieser Name ist für ein Hörfunkprogramm reserviert), obwohl der Name auch heute noch dafür umgangssprachlich verwendet wird.

WiedervereinigungBearbeiten

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden auch in den östlichen Ländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eigene Regionalfernsehprogramme eingeführt: 1992 kamen mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) und dem Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) zwei weitere Landesrundfunkanstalten zur ARD hinzu, zusammengesetzt aus dem vormaligen Deutschen Fernsehfunk (DFF). Am 1. Januar 1992 gingen die ostdeutschen Regionalprogramme als MDR Fernsehen (für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) und als ORB-Fernsehen (für Brandenburg) an den Start. Das Land Mecklenburg-Vorpommern schloss sich seinerzeit dem NDR an, der SFB trennte sich vom Gemeinschaftsprogramm N3 ab und ging mit seinem eigenen Dritten Fernsehprogramm B1 (später SFB1) am 1. Oktober 1992 auf Sendung.

Die Bezeichnung „Dritte Programme“ wurde für die neu geschaffenen Programme nicht mehr verwendet, weil es inzwischen eine Vielzahl von Programmen gab. Auch die Programme der weiteren Landesrundfunkanstalten erhielten nach und nach ihre heute verwendeten Namen.

Veränderungen seit Ende der 1990erBearbeiten

Im Jahre 1998 fusionierten SDR und SWF zum heutigen Südwestrundfunk (SWR), eine erste Konsequenz aus (politischen) Forderungen, die Fernseh- und Rundfunksender zu optimieren. Gleichzeitig stieg der eigenständig gebliebene SR aus Südwest 3 aus und begründete ein eigenes SR Fernsehen, das allerdings weiterhin viele Sendungen gemeinsam mit dem neuen Südwest Fernsehen hatte.

Mit der Fusion von SFB und ORB zum neuen Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) im Jahr 2003 wurden auch die beiden Fernsehprogramme umbenannt; diese hießen zwischenzeitlich RBB Brandenburg (zuvor ORB-Fernsehen) beziehungsweise RBB Berlin (zuvor SFB1). Seit dem 29. Februar 2004 gibt es für das Sendegebiet des rbb mit dem rbb Fernsehen ein einheitliches Programm, das täglich für eine halbe Stunde zwischen Berlin und Brandenburg auseinandergeschaltet wird.

Mit der Zusammenführung der rbb-Programme reduzierte sich die Anzahl der „Dritten“ von neun auf acht.

Seit Januar 2005 sind es aber wieder neun Programme, weil Radio Bremen nun seine zuvor im Ersten ausgestrahlten regionalen Inhalte im „Dritten“ ausstrahlt, das sogenannte Radio Bremen TV. Außerhalb der Regionalstrecken, die sich mittlerweile täglich auf die Zeit von 18:00 bis 18:15 Uhr und von 19:30 bis 20:00 Uhr beschränken, übernimmt Radio Bremen TV das Programm des NDR Fernsehen.

Mit der Umbenennung des Südwest Fernsehens in SWR Fernsehen am 11. September 2006 trugen seitdem, mit Ausnahme des Bayerischen Fernsehens, alle Programme den Namen der jeweiligen Landesrundfunkanstalt im Sendernamen.

Am 11. April 2016 wurde auch das Bayerische Fernsehen nach seiner Rundfunkanstalt, dem Bayerischen Rundfunk, in BR Fernsehen umbenannt. Damit sind jetzt alle Dritten Fernsehprogramme nach dem Kürzel ihrer jeweiligen Landesrundfunkanstalt benannt.[1]

Aktuelle Situation und MarktanteileBearbeiten

Mit dem Aufkommen digitaler Übertragungstechniken wie Kabel- und Satellitenfernsehen entfiel die technische Restriktion knapper Bandbreiten, die zuvor das Programmangebot eingeschränkt hatte. Seitdem sind nahezu alle Dritten Programme deutschlandweit empfangbar. Außerdem werden über DVB-T2 auch regionsfremde Dritte Programme terrestrisch ausgestrahlt. So strahlt zum Beispiel der NDR in Niedersachsen über alle genutzten Senderstandorte neben dem eigenen Dritten Programm NDR Fernsehen auch das WDR Fernsehen (Regionalversion Köln), MDR Fernsehen (Regionalversion Sachsen-Anhalt) und hr-fernsehen aus. Im Tagesdurchschnitt entfallen auf die regionalen Fernsehprogramme der ARD-Anstalten innerhalb ihrer eigenen Sendegebiete folgende Marktanteile:[2]

  1. MDR Fernsehen 9,1 %
  2. NDR Fernsehen und Radio Bremen TV 7,4 %
  3. BR Fernsehen 7,4 %
  4. WDR Fernsehen 6,4 %
  5. SWR Fernsehen und SR Fernsehen 6,0 %
  6. rbb Fernsehen mit 5,9 %
  7. hr-fernsehen 5,7 %

Radio Bremen TV und SR Fernsehen werden nicht gesondert ausgewiesen, sondern offenbar mit dem NDR bzw. SWR zusammengefasst. In bundesweiten Quotenmessungen werden die Dritten selten einzeln ausgewiesen, sondern meist ihre bundesweiten Gesamtreichweiten zusammengerechnet. So kommen alle Dritten Programme im Jahr 2018 zusammen auf einen Marktanteil von 12,7 Prozent und stehen damit zwischen dem ZDF (13,9 Prozent) und dem Ersten (11,5 Prozent).[3] Dagegen liegen sie einzeln im bundesweiten Schnitt wesentlich niedriger als im jeweils eigenen Versorgungsgebiet.

Mit der Einführung von DVB-T2 HD ab dem 29. März 2017 in den Ballungsräumen ergibt sich folgende Programmbelegung der Dritten Programme:[4]

Nr. Verbreitungsgebiet BR hr mdr NDR Radio Bremen TV rbb SR SWR WDR
1 Bayern XX X X X x X
2a Hessen (Norden) X X X X X
2b Hessen (Süden) X X X X X
3 Mitteldeutschland X X XXX x X x X
4a Hamburg x X XXXX x x
4b Mecklenburg-Vorpommern x x XXXX X x
4c Niedersachsen x x x XXXX X
4d Schleswig-Holstein x X XXXX x x
5 Bremen x x x XXXX X X
6 Berlin-Brandenburg X X X X XX x X
7 Saarland X X X XX X
8 SWR-Gebiet X X XX X
9 Nordrhein-Westfalen X X X XX(X)
10 Österreich (SimpliTV) X x
11 Südtirol (RAS, DVB-T) x
12 SES Astra (HD/SD-Simulcast) XX X XXX XXXX X XX X XX Xxxxxx
xxxxx
13 ARD Mediathek XX X XXX XXXX X XX X XX X

Fett mit X markiert, kennzeichnet das Fernsehprogramm der jeweiligen, lokalen Landesrundfunkanstalt; mehrfache X stehen für die Auswahlmöglichkeit der Regionalnachrichten; und kleine x stehen für kapazitätsbedingte Unterbrechungen (über DVB-T(2) in Deutschland während der Auseinanderschaltungen des zuständigen Dritten) oder Qualitätsverschlechterungen von HD auf SD (über DVB-T(2) im Ausland ganztägig; über Astra jedoch nur während der Auseinanderschaltungen).

Radio Bremen TV ist am 7. Januar 2019 als letztes Drittes Fernsehprogramm mit seinem HD-Ableger auf SES Astra auf Sendung gegangen.

Regionale BerichterstattungBearbeiten

Aachen
Bielefeld
Bonn
Dortmund
Duisburg
Düsseldorf
Essen
Köln
Münster
Siegen
Wuppertal
Der WDR hat das mit Abstand am meisten regionalisierte dritte Fernsehprogramm. Der Sender verfügt über 11 Regionalstudios in Nordrhein-Westfalen.

Von den genannten Charakteristika ist mittlerweile fast nur noch der Aspekt der regionalen Berichterstattung übriggeblieben. Tendenziell werden jedoch über die Dritten Programme etwas mehr kulturelle und minderheitenspezifische Sendungen ausgestrahlt als über Das Erste, sowie Sendungen, die geringere Produktionskosten verursachen, wie etwa Talksendungen. Solche Unterscheidungsmerkmale der Regionalsender zum Ersten sind jedoch in den Hintergrund getreten.

Der WDR hat das am meisten regionalisierte dritte Fernsehprogramm. Der Sender verfügt über elf Regionalstudios in Nordrhein-Westfalen.

Eine regionale Auseinanderschaltung erfolgt außerdem beim BR Fernsehen (Franken und Schwaben/Altbayern), dem MDR Fernsehen (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen), dem NDR Fernsehen (Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein), dem rbb Fernsehen (Berlin, Brandenburg) und dem SWR Fernsehen (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz). Die Dritten Programme werden zusammengerechnet derzeit in insgesamt 27 regionalen Versionen ausgestrahlt.

AuftrittBearbeiten

Einige der regionalen öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme der ARD stellten sich seit Sendebeginn oder zumindest in den 1980er und 1990er Jahren auch durch ihr Erscheinungsbild als „Drittes“ Programm dar. So trugen sie eine Drei im Namen und im Logo.

Heute haben alle Dritten Fernsehprogramme die „3“ im Erscheinungsbild aufgegeben, meistens um ihr Erscheinungsbild an die Dachmarken der Rundfunkanstalten anzupassen und um sich in den Auftritt der Rundfunkanstalten zu integrieren. Eine Erwähnung der Zugehörigkeit zu den Dritten Programmen gibt es heute nur noch in den Senderslogans oder meistens gesprochen in der Programmpromotion. So lautete der Slogan des SWR Fernsehens „Unser Drittes“.

LiteraturBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.dwdl.de/nachrichten/55109/br_fernsehen_wird_zum_11_april_komplett_renoviert/
  2. Marktanteile der dritten Programme in ihrem jeweiligen Sendegebiet (2018). mdr, abgerufen am 12. August 2019.
  3. Das Erste (Hrsg.): 2018 Qualität und Quote. (Online: Marktanteile ausgewählter Fernsehprogramme im Jahr 2018 – Sendetag gesamt.) Februar 2019
  4. Pressemitteilung ARD DIGITAL: Programmbelegung „Dritte Programme“ ab dem 29. März 2017. ARD Digital. 1. März 2017. Abgerufen am 30. März 2017.