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simpliTV ist der Markenname der am 15. April 2013 gestarteten österreichischen DVB-T2-Plattform, die sich anfangs als Ergänzung und langfristig als Ablösung des bisherigen DVB-T-Standard versteht.

Anbieter ist die ORS-Tochter simpli services GmbH & Co KG, wodurch indirekt ein Einfluss durch den ORF auf die Entscheidungsprozesse des Unternehmens gegeben ist. Es ist eine vergleichbare Plattform wie Boxer in Schweden und Dänemark sowie Digitenne in den Niederlanden. In diesen Ländern sind derartige Plattformen seit vielen Jahren erfolgreich in Betrieb. SimpliTV basiert aber im Vergleich dazu auf dem DVB-T-Nachfolgestandard DVB-T2. Zum Empfang werden DVB-T2-kompatible Geräte vorausgesetzt, für den Empfang der verschlüsselten Programme ein DVB-T2-kompatibles Gerät mit Unterstützung für ein Common-Interface-Modul, für einige HD-Programme jedoch aber CI+.[1]

Es handelt sich um Irdeto Cardless-Verschlüsselung, das heißt, die Entschlüsselung geschieht ohne Smartcard.[2]

Die ORS-Tochter beabsichtigt, den Marktanteil des Antennenfernsehens, der in Europa bereits bei 50 Prozent liege,[3][2] in Österreich auf über 10 Prozent zu steigern. Die technische Reichweite der Sendersignale liegt bei 90 Prozent.[4]

Inhaltsverzeichnis

Marktsituation und GeschäftsmodellBearbeiten

Die ORS beabsichtigt, die Attraktivität des terrestrischen Fernsehempfangs durch den Einsatz von DVB-T2 langfristig zu steigern. Seit der Einführung des digitalen Satellitenfernsehens (vor allem der österreichischen Sender um das Jahr 2000) sank der Marktanteil des terrestrischen Fernsehens von 40 Prozent auf nur noch rund 5 Prozent im Jahr 2010. Als Ursachen gelten neben stagnierender Marktanteile des „Primär-TV“ insbesondere die begrenzte Programmanzahl, Frequenzverknappung durch die Digitale Dividende, Kostendruck bei den Programmveranstaltern und die Forderung nach Grundverschlüsselung. Mit der Umstellung des Multiplex B konnte sich der Marktanteil österreichweit bis 2012 auf 6 Prozent konsolidieren, als Ziel gibt die ORS 10 bis 12 Prozent bis etwa 2018 an.[5]

Das Geschäftsmodell der SimpliTV basiert darauf, Sendern wie der RTL Group, der ProSiebenSat.1-Gruppe u. a. verschiedene Möglichkeiten der vom Nutzer kofinanzierten Ausstrahlung zu bieten, deren Kosten bei der Terrestrik bezogen auf die erreichbaren Zuschauer höher sind als bei anderen Empfangswegen. Das Fehlen dieser Möglichkeit hat z. B. in Deutschland zum vorübergehenden Ausstieg der RTL Group aus diesem Verbreitungsweg geführt. SimpliTV bietet den Programmveranstaltern die Möglichkeit eines Transportmodells, wie bisher aber auch die Möglichkeit eines Plattformmodells. Mit dem neuen Standard beabsichtigt die ORS erstmals den Einstieg in terrestrisches HDTV und eine Programmvielfalt, mit der man neben den Terrestrik-Nutzern zusätzlich auch Kabelfernsehkunden einen alternativen Verbreitungsweg anbieten will.[6]

ProgrammangebotBearbeiten

Zusammen mit der herkömmlichen DVB-T-Verbreitung (die mit SimpliTV genau genommen nichts zu tun haben) stehen je nach Region 30 bis 40 österreichische und internationale Programme zur Verfügung. Gestartet ist das Produkt mit nur drei UHF-Kanälen (Muxe D, E und F) im DVB-T2-Standard im April 2013.

In den umgestellten Regionen wurde der Multiplex „Mux B“ von SimpliTV übernommen und auf das DVB-T2-Verfahren umgestellt. In diesen Gebieten stehen bis zu 15 Programme in HD-Qualität bereit (je nach Lage). In den noch nicht umgestellten Regionen standen fast ebensoviele Programme zur Verfügung, jedoch weniger hochauflösende Programme. Nahezu alle DVB-T2-Fernsehprogramme (in Standard- und HD-Auflösung) sind verschlüsselt, die Teletexte aller Programme sind aber unkodiert. Die bisherigen DVB-T-Programme in Standardauflösung (SD) sowie das einzige Radioprogramm (Mux F) sind weiterhin unverschlüsselt empfangbar. „Mux A“ wird künftig ebenfalls durch SimpliTV auf DVB-T2 umgestellt. Die regionalisierten „Mux C“-Sendeketten stehen Anfang 2015 noch nicht zur Neuausschreibung bereit.[5]

Weiters werden alle Tonspuren mit Ausnahme des Radioprogramms in Dolby Digital Plus übertragen. Auch die HbbTV-Angebote von Das Erste, ZDF, ProSieben, Sat.1, arte sowie des ORF (in allen Programmen) stehen zur Verfügung.

Das Angebot von SimpliTV beinhaltet nach einer kostenlosen Registrierung oder kostenlosen Aktivierung mit nur wenigen persönlichen Daten alle wichtigen österreichischen Programme (ORF eins, ORF 2 und ServusTV von Beginn an und in HD und seit der Umstellung von Mux B auch noch ORF III, ATV, 3sat und ORF Sport+ (alle in HD) sowie Puls4 und ATV2). In den lokalen Multiplexen werden auch noch weitere Programme dadurch freigeschaltet. Importgeräte können die DVB-T2-Programme jedoch nur entschlüsseln, wenn das zugehörige Modul unterstützt wird, und zeigen sonst nur ORF eins, ORF 2 und ATV sowie regionale unverschlüsselte Sender wie Ländle TV in Vorarlberg. Für die restlichen ausländischen Programme von simpliTV sowie Puls 4 in HD ist ein kostenpflichtiges Abo (monatliche oder jährliche Zahlweise) erforderlich. Pro Abonnement lassen sich bis zu drei Geräte betreiben.[7]

Seit Herbst 2014 werden in Halbjahresabständen die versorgten Gebiete ausgebaut sowie das Programmangebot vergrößert, indem man den Mux B von DVB-T auf DVB-T2 umstellte. Den Anfang machten Kärnten und Osttirol am 21. Oktober 2014[8]. Die Bundesländer Vorarlberg und Tirol wurden am 5. Mai 2015 umgestellt[9], die Steiermark und das südliche Burgenland am 20. Oktober 2015. Am 19. April 2016 wurden zudem die Regionen Oberösterreich und Salzburg umgestellt.[10] Wien, Niederösterreich und Burgenland Nord folgten am 27. Oktober 2016[11]. Umgestellte Regionen verlieren zudem auch noch den Privatsender ATV im Mux A als DVB-T, solange der Mux A noch nicht auf DVB-T2 umgestellt ist. Damit reduziert sich das unverschlüsselte Programmangebot vorübergehend auf die Programme ORF eins und ORF 2 (und ggf. Lokalsender oder Sender aus dem Ausland). In Kärnten und Osttirol wurde am 5. Mai 2015 auf Mux A jedoch auch das Lokalfenster für Tirol in HD und unverschlüsselt hinzugefügt, nicht jedoch das komplette ORF 2-Programm. Ähnlich in der Steiermark und im Südburgenland, dort gibt es auf Mux A zeitweise ORF 2B HD. Gleichzeitig kam in den umgestellten Regionen Sat.1 Gold dazu sowie Puls 4 in HD (zusätzlich zu SD).

Die HD-Programme von Puls 4 HD, RTL, VOX, ProSieben und Sat.1 senden allerdings mit CI+-Restriktionen (je nach Hardware verschiedenste Einschränkungen, mit CI-Receivern gar nicht nutzbar), alle anderen Programme werden nur mit CI entschlüsselt und sind ohne Einschränkungen aufzunehmen und können am PC problemlos nachbearbeitet werden.

Kopfstationen können die Programme mit einem SimpliTV-Professional-Modul zentral entschlüsseln und die österreichischen Programme (mit Ausnahme von Puls 4 HD) unverschlüsselt wahlweise als DVB-T (unter Ausnutzung von für die Terrestrik nicht sinnvoller Parameter) oder DVB-C ins Netz einspeisen. Die entsprechenden Endgeräte müssen aber Dolby Digital Plus beherrschen, da am Datenstrom keine Änderungen vorgenommen werden.[12]

Zuschauer in grenznahen Regionen von Deutschland (vor allem Bayern, aber auch Baden-Württemberg), Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn oder in der Schweiz können (Stand Oktober 2015) etappenweise ab 2016/17 keine österreichischen Programme mehr über die Terrestrik und teilweise auch nicht mehr über ihr Kabelnetz sehen, da eine Registrierung oder Aktivierung nur auf eine österreichische Adresse bei SimpliTV möglich ist. Eine Ausnahme ist z. B. Ländle TV in Vorarlberg.

Bis 2019 ist die unverschlüsselte Ausstrahlung von ORF eins und ORF 2 in jeweils niedriger Auflösung (SD) parallel zur verschlüsselten Ausstrahlung per DVB-T2 geplant. Die Grundverschlüsselung soll alle 2 Jahre von der österreichischen Regulierungsbehörde geprüft werden. Außerdem muss SimpliTV bis dahin mindestens 150.000 registrierte Zuschauer vorweisen können, damit die Verschlüsselung weiterhin genehmigt wird. [13]

In Südtirol und Teilen des Trentins strahlt die Rundfunk-Anstalt Südtirol ORF eins und ORF 2 (Stand Oktober 2015) jedoch weiterhin unverschlüsselt in HD und SD, sowie ORF III in SD aus. Dort wird jedoch DVB-T eingesetzt.

SenderlisteBearbeiten

Die ständig aktuelle, richtige und vollständige Liste kann unter den unten genannten Links eingesehen werden.

  • Kostenlos nach Registrierung in HD
    • ORF eins HD (MUX D, in Wien, Niederösterreich und Nordburgenland MUX A)
    • ORF 2 HD (MUX D, in Wien, Niederösterreich und Nordburgenland MUX A) nur in einer Landesversion, die zweite ist ausschließlich über DVB-T zu sehen, ORF 2B HD für Steiermark und Südburgenland und ORF 2T HD für Osttirol wird in Mux A ausgestrahlt. In Wien, Niederösterreich und Nordburgenland werden alle drei Landsfassungen in HD auf MUX A verbreitet.
    • ServusTV Österreich HD (MUX D, in Wien, Niederösterreich und Nordburgenland MUX B)
    • ORF III HD (MUX B, in Wien, Niederösterreich und Nordburgenland MUX A)
    • ORF SPORT + HD (MUX B, in Wien, Niederösterreich und Nordburgenland MUX A)
    • ATV HD (MUX B)
    • 3sat HD (MUX B)
  • Kostenlos nach Registrierung in SD
    • Puls 4 (MUX B) in SD; HD auf MUX F ist kostenpflichtig
  • Kostenlos in SD
    • ORF eins (MUX A in bereits umgestellten Regionen)
    • ORF 2 (MUX A in bereits umgestellten Regionen)
    • ATV (MUX F in bereits umgestellten Regionen)
    • ATV2 (MUX B)
    • weitere regionale Sender
  • Kostenpflichtiges Abo
  • Radioprogramme unverschlüsselt
  • Radioprogramme verschlüsselt
    • KroneHit (MUX F in bereits umgestellten Regionen)
  • DVB-T-Verbreitung unverschlüsselt (außerhalb von SimpliTV)
    • österreichweit (nicht in Wien, Niederösterreich und Nordburgenland)
      • ORF eins (MUX A)
      • ORF 2 (MUX A, in jeweils 2 Regionalfassungen ausgenommen die Funkstellen Filzmoos, Altenmarkt/Enns, Gusswerk, sowie Radmer, wo jeweils nur ein Regionalprogramm verbreitet wird)
  • Kostenlos über DVB-T bzw. DVB-T2 regional
    • Die jeweiligen Regionalfernsehprogramme auf MUX C (Hinweis: Auf der Webseite dvb-t.at und ors.at sind nur jene beworben, wo die ORS der Senderbetreiber ist)
    • Lokalfenster ORF 2 Tirol in HD (Mux A in Kärnten und Osttirol)
    • Lokalfenster ORF 2 Burgenland in HD (Mux A in der Steiermark und Südburgenland)
    • in Grenznähe auch DVB-T-Programme aus dem Ausland

Künftige Erweiterungen des Produktportfolios sind die Einführung von Hybriden Diensten (Hbb-TV), On-Demand-Angeboten, stärkere Berücksichtigung mobiler Endgeräte und eine weitere Programmausweitung durch die Umstellung von Mux A.[5]

Umstellungsplan für Mux BBearbeiten

In ganz Österreich wurden schrittweise an den unten genannten Daten der bisher unverschlüsselte Mux B von DVB-T auf DVB-T2 umgestellt und ist seither nur noch mit SimpliTV-Hardware zu sehen.

  • 21. Oktober 2014: Kärnten und Osttirol
  • 5. Mai 2015: Nordtirol und Vorarlberg
  • 20. Oktober 2015: Steiermark und Südburgenland
  • 19. April 2016: Oberösterreich und Salzburg
  • 27. Oktober 2016: Wien, Niederösterreich und Nordburgenland

Umstellungsplan für Mux ABearbeiten

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Die SD-Sender ORF eins und ORF 2 werden schrittweise in ganz Österreich von DVB-T auf den DVB-T2 Standard umgestellt[14]. Diese bleiben jedoch unverschlüsselt. Zudem wird das Senderangebot um weitere Sender erweitert.

  • 27. Oktober 2016: Wien, Niederösterreich und Nordburgenland
  • 19. April 2017[15]: Steiermark und Südburgenland
  • 20. April 2017: Oberösterreich und Salzburg
  • 23. Oktober 2017: Tirol und Vorarlberg
  • 24. Oktober 2017: Kärnten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten