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Sibylle Boden-Gerstner

deutsche Kostümbildnerin, Malerin und Modejournalistin

Sibylle Boden-Gerstner, geb. Sibylle Boden (* 17. August 1920 in Breslau; † 25. Dezember 2016 in Berlin[1]) war eine deutsche Kostümbildnerin, Malerin und Modejournalistin. Sie war Gründerin und Namensgeberin der DDR-Modezeitschrift Sibylle.

LebenBearbeiten

Boden-Gerstner stammte aus einer deutsch-jüdischen Familie. Ihr Vater war Pelzwarenfabrikant und Versandhändler, der später in einem Zuchthaus der Nationalsozialisten starb,[2] ihre Mutter Geschäftsfrau. 1936, mit 16 Jahren, begann Boden-Gerstner ein Studium an der damaligen Textil- und Modeschule Berlin. Darauf folgte ein Studium der Malerei und Illustration an der Berliner Kunstakademie. Aufgrund der Nürnberger Rasse-Gesetze von 1935 war es Boden-Gerstner bald nicht mehr möglich, ihr Studium fortzuführen, da sie wegen ihres Vaters als Halbjüdin galt.

1939/40 lernte Boden-Gerstner ihren späteren Mann Karl-Heinz Gerstner kennen. Im Herbst 1940 gelang ihr dank seiner Vermittlung die Flucht nach Paris. Dort nahm Boden-Gerstner an der Ecole nationale supérieure des beaux-arts ihr Malerei-Studium wieder auf. Im Sommer 1944 kehrte sie nach Berlin zurück und beteiligte sich dort an politischen Aktionen gegen das NS-Regime. Nach Kriegsende heiratete sie Karl-Heinz Gerstner.

 
Grabstein für Sibylle Gerstner und ihre Tochter Sonja Gerstner auf dem Waldfriedhof Kleinmachnow

Boden-Gerstner bekam zwei Töchter: die Schriftstellerin Daniela Dahn und die Malerin und Schriftstellerin Sonja Gerstner; letztere beging im Alter von 19 Jahren, als Folge einer psychotischen Erkrankung, Suizid. Zehn Jahre danach, 1981, veröffentlichte Boden-Gerstner unter dem Pseudonym Sibylle Muthesius Gedichte und Malereien ihrer Tochter und fügte eigene Anmerkungen hinzu. Das Buch Flucht in die Wolken wurde als psychiatriekritisch rezipiert.

An Weihnachten 2016 starb Sibylle Boden-Gerstner 96-jährig in Berlin im Haus ihrer Tochter, bei der sie schon lange lebte. An der Eröffnung der Ausstellung Sibylle in Rostock konnte sie nicht mehr teilnehmen.

WirkenBearbeiten

Von 1945 bis 1949 arbeitete Boden-Gerstner als Lehrerin an einer privaten Berliner Modeschule, ab 1949 war sie vor allem als Kostümbildnerin tätig, u. a. für die DEFA-Filme Abschied vom Frieden und Wolf unter Wölfen.

1956 gründete sie die Modezeitschrift Sibylle. Die Nullnummer erhielt als Titel ihren Vornamen, der dann auch beibehalten und später zu einem Markenzeichen wurde. Von 1958 bis 1961 bestimmte Gerstner als stellvertretende Chefredakteurin Stil und Erscheinungsbild der Zeitschrift wesentlich mit. Nachdem ihre Modekonzeption als „zu französisch“[3] kritisiert worden war, verließ sie 1961 die Redaktion.

In den folgenden Jahrzehnten arbeitete sie wieder als freischaffende Kostümbildnerin für die DEFA und den Deutschen Fernsehfunk. Daneben war sie auch freischaffende Dolmetscherin für Französisch und Englisch.

Flucht in die WolkenBearbeiten

  • Sibylle Muthesius (Sibylle Boden-Gerstner): Flucht in die Wolken. Buchverlag Der Morgen, Berlin/DDR 1981.
    • Flucht in die Wolken. S. Fischer, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-10-050703-7 (Nachwort Margarete Mitscherlich)
    • Felhőgyerek. Magvető Kiadó, Budapest 1984, ISBN 963-14-0281-9
    • Pony ou la fuite dans les nuages. Robert Laffont, Paris 1984
    • Bijeg u oblake. Globus, Zagreb 1987
    • Flucht in die Wolken. Morgenbuchverlag, Berlin 1992, ISBN 3-371-00361-2. (Textlich gekürzte Nach-Wende-Ausgabe ohne farbige Gemäldereproduktionen)

AusstellungBearbeiten

18.12.2016 - 17.4.2017 Sibylle, Kunsthalle Rostock[4].

LiteraturBearbeiten

FilmBearbeiten

  • Enkel der Geschichte, Deutschland 2011/2012, Kurz-Dokumentarfilm: Laura Laabs filmt ein Interview mit ihrer Großmutter Sibylle Gerstner[5]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gründerin der DDR-Modezeitschrift «Sibylle» gestorben (Memento des Originals vom 27. Dezember 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.svz.de
  2. Gerhard Leo: Unser Mann in Paris in antifa 2006-09
  3. Die Namensgeberin@1@2Vorlage:Toter Link/www.maerkischeallgemeine.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. In: Märkische Allgemeine, 7. August 2010. Abgerufen am 23. August 2012.
  4. http://www.kunsthallerostock.de/start/sibylle/
  5. Enkel der Geschichte. In: filmportal.de. Deutsches Filminstitut, abgerufen am 5. September 2017.