Hauptmenü öffnen

Rottleberode

Ortsteil der Gemeinde Südharz

Rottleberode ist ein Ortsteil der Gemeinde Südharz im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt.

Rottleberode
Gemeinde Südharz
Koordinaten: 51° 31′ 6″ N, 10° 56′ 50″ O
Höhe: 202 m ü. NHN
Fläche: 6,99 km²
Einwohner: 1502 (31. Dez. 2008)
Bevölkerungsdichte: 215 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 06536
Vorwahl: 034653
BennungenBreitensteinBreitungenDietersdorfDrebsdorfHainrodeKleinleinungenQuestenbergRoßlaRottleberodeSchwendaStolberg (Harz)UftrungenWickerodeHayn (Harz)Landkreis Mansfeld-SüdharzKarte
Über dieses Bild
Lage von Rottleberode in Südharz

Inhaltsverzeichnis

Geografische LageBearbeiten

Rottleberode liegt im Südharz an der Landstraße zwischen Stolberg (Harz) und Berga. Durch den Ort fließt die Thyra, in welche der von Thüringen kommende Krebsbach mündet.

GeschichteBearbeiten

 
Kirche St. Martini in Rottleberode

Rottleberode entstand bereits im 10. Jahrhundert. Wilhelm, der Erzbischof zu Mainz besaß hier einen Hof, er starb im Jahre 968 in Rottleberode[1], was zur ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes führte. Rottleberode verfügte bereits 994 über das Markt-, Münz- und Zollrecht. Später gelangte der Ort in den Besitz der Grafen zu Stolberg, die den Ort in das Amt Stolberg der Grafschaft Stolberg-Stolberg integrierten. Bis 1815 stand Rottleberode unter der Oberhoheit des Königreichs Sachsen und gelangte dann an den Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen. 1819 lebten in Rottleberode 662 Einwohner in 119 Häusern.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde ab März 1944 das Außenlager Rottleberode des KZ Buchenwald (das ab Oktober 1944 dem KZ Mittelbau-Dora unterstellt war) eingerichtet sowie ein diesem unterstelltes Unterkommando in Stempeda, in denen etwa 1.300 KZ-Häftlinge unter anderem bei der Teilmontage für die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke Zwangsarbeit verrichten mussten. Bei der Rüstungsfirma Stock & Co. wurden polnische und ukrainische Zwangsarbeiter bei der Munitionsherstellung eingesetzt. Durch die solidarische Hilfe einer Widerstandsgruppe unter Beteiligung der Krankenschwester Elsa Neumann und des Kommunisten Paul Rößler wurde Sabotage verübt.[2] Nach Räumungstransporten per Bahn und Todesmärschen zu Fuß wurden viele Häftlinge aus den beiden KZ-Außenlagern in Rottleberode und Stempeda am 13. April 1945 beim Massaker in der Isenschnibber Feldscheune in Gardelegen ermordet.

Bei dem britischen Bombenangriff auf Nordhausen am 3. April 1945 wurden auch vier Einwohner von Rottleberode getötet.

Von 1952 bis 1990 gehörte Rottleberode zum DDR-Bezirk Halle.

Geprägt wurden der Ort und seine Umgebung durch einen jahrhundertealten Bergbau auf Eisen, Buntmetalle (Kupferschiefer), Flussspat und Gips. Zahlreiche kleinere und größere Halden in der näheren Umgebung sowie Pingen und überlieferte Namen, wie Kupferhütte und Hüttenhof sind Zeugen der Gewinnung und Verhüttung dieser Bodenschätze. Erwähnenswert ist der „Flussschacht“ bei Rottleberode im Krummschlachttal. Anfang des 20. Jh. war hier die damals größte Flussspatlagerstätte Mitteleuropas aufgeschlossen. Der Produktionsbetrieb wurde 1989 wegen Erschöpfung der Vorräte eingestellt.

Am 1. Januar 2010 schlossen sich die Gemeinden Rottleberode, Bennungen, Breitenstein, Breitungen, Dietersdorf, Drebsdorf, Hainrode, Hayn (Harz), Kleinleinungen, Questenberg, Roßla, Schwenda und Uftrungen zur neuen Gemeinde Südharz zusammen.[3] Gleichzeitig wurde die Verwaltungsgemeinschaft Roßla-Südharz, zu der Rottleberode gehörte, aufgelöst.

GedenkstättenBearbeiten

  • Grabstätten auf dem Ortsfriedhof für 36 KZ-Häftlinge, die während des Zweiten Weltkrieges Opfer von Zwangsarbeit wurden
  • Gedenkstein für die KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter vor der Heimkehle, in der die Häftlinge aus dem KZ Rottleberode Zwangsarbeit leisten mussten

VerkehrBearbeiten

 
Güterbahnhof Rottleberode Süd

Rottleberode liegt an der Eisenbahnstrecke zwischen Berga-Kelbra und Stolberg (Thyraliesel). Der Fahrbetrieb im Personenverkehr zwischen Berga-Kelbra und Stolberg über Rottleberode wurde jedoch zum Fahrplanwechsel im Dezember 2011 eingestellt und die Strecke stillgelegt. Es findet jedoch weiterhin Güterverkehr nach Rottleberode Süd - dem Güter- und Umschlagbahnhof von Rottleberode - statt.

Mit dem Landesbus 450 zwischen Berga und Stolberg wird der Personenverkehr aufrecht gehalten. Darüber hinaus bestehen weitere Busverbindungen durch die Verkehrsgesellschaft Südharz und der Verkehrsbetriebe Nordhausen in die umliegenden Orte.

Etwa 10 Kilometer südlich befindet sich die Bundesautobahn 38 und die Thyratalbrücke. Die Anfahrt über die BAB 38 ist möglich über die Anschlussstellen Heringen, Nordhausen oder Berga.

Arbeit und SozialesBearbeiten

Der größte Arbeitgeber vor Ort ist das örtliche Gipswerk, welches nach 1989 von der Firma Knauf übernommen und umfassend modernisiert wurde. Knauf erwarb 1993 auch, die zu Urbach gehörende, verfallene alte Kalkhütte von 1851, ließ das Gebäude originalgetreu erneuern und betreibt seit 1997 darin ein Hotel mit Restaurant.[4]

Im Ort befindet sich außerdem eine Grundschule.

Die Ante-Holz-Gruppe hat am 10. Mai 2007 für ihren vierten Produktionsstandort in Rottleberode Richtfest gefeiert. Insgesamt 50 Millionen Euro fließen nach Firmenangaben in das sachsen-anhaltische Sägewerk mit Produktionsstätte am Fuße des Südharzes. Es entstanden nach Angaben der Firma 100 neue Arbeitsplätze.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Herrenhaus der Domäne
  • Westlich des Ortes im Waldgebiet des Alten Stolbergs steht die Ruine der Grasburg.
  • Unterhalb der Grasburg markiert ein antikes Steinkreuz am Eingang des Totenweges jene Stelle, an der einer Legende zufolge 1437 der Bischof von Halberstadt erschlagen wurde, nachdem er in der Region "Goldene Aue" gemordet und geplündert haben soll.
  • Die evangelische St. Martinikirche wurde von 1758 bis 1761 als barocke Saalkirche erbaut. In ihr befindet sich unter dem Altarstein die Grabstätte des Bischofs von Halberstadt.
  • Es existiert ein nicht öffentliches, ehemals fürstlich-stolbergisches Jagdschloss nebst Park.
  • Im Ort gibt es einen großen Schlossteich, auch Dorfteich genannt (der ehemalige Hüttenteich der Josefshütte).
  • Restauriertes Herrenhaus und Wirtschaftsgebäude der ehemals Fürstlich Stolberg-Stolbergschen Domäne.
  • Es existiert ein touristischer Naturlehrpfad entlang des Dorfteiches und des sogenannten "faule Teich", welcher sich als artenreiches Feuchtbiotop präsentiert.
  • Entlang des "faulen Teichs" führt ein befahrbarer Weg zum "Zunfthof", dem ehemaligen Streichelzoo.
  • In etwa zwei Kilometern Entfernung in südlicher Richtung liegt die Schauhöhle und Gedenkstätte Heimkehle.

PartnerschaftenBearbeiten

Holle in Niedersachsen ist seit 1990 Partnergemeinde von Rottleberode.[5]

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

Personen, die mit Rottleberode in Verbindung stehenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Rottleberode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karl Uhlirz: Wilhelm. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 43, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 115–117.
  2. Gisela Reller: Das doppelte Gesicht. In: Ursula Höntsch (Hrsg.): Die Stunde Null. Verlag der Nation, Berlin 1966, DNB 458278165, S. 161.
  3. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
  4. Werner Rödiger u. a.: Wachsen und Werden. Biografie der Unternehmerfamilie Knauf. Iphofen 2003, ISBN 3-927374-36-9, S. 306–307.
  5. Eintrag über die Partnergemeinden auf der Homepage der Gemeinde Holle Abgerufen am 26. April 2019, 03:34