Roger Scruton

britischer Schriftsteller und Philosoph (1944-2020)

Sir Roger Vernon Scruton FBA FRSL (* 27. Februar 1944 in Buslingthorpe, Lincolnshire; † 12. Januar 2020) war ein britischer Schriftsteller und Philosoph.

Roger Scruton

Leben und WerkBearbeiten

Scruton studierte Philosophie am Jesus College der University of Cambridge (B.A., 1965 und M.A., 1967) und wurde dort 1972 mit einer Arbeit über Ästhetik promoviert. Er lehrte von 1971 bis 1992 am Birkbeck College. Von 1992 bis 1995 war er Professor an der Boston University, von 2005 bis 2009 am Institute for the Psychological Sciences in Arlington, Virginia.

Scruton hat mehr als 60 Bücher verfasst; viele davon wurden in die deutsche Sprache übertragen.

Roger Scruton starb im Januar 2020 im Alter von 75 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens.[1]

WirkenBearbeiten

Roger Scruton galt als einflussreicher konservativer Intellektueller in der Tradition Edmund Burkes; aufgrund seiner Ablehnung interventionistischer Außenpolitik und gewisser Vorbehalte gegen den freien Markt wurde er gelegentlich als Paläokonservativer bezeichnet.[2][3]

In den 1970er und 1980er Jahren reiste er viel in den Ostblock, besonders in die Tschechoslowakei und nach Polen, und hielt dort Vorlesungen vor Dissidenten. Die von ihm herausgegebene Zeitschrift The Salisbury Review wurde in Tschechien von Bürgerrechtlern wie Vaclav Havel gelesen. Havel schrieb später auch für die Zeitschrift. Nach Scrutons Tod würdigte Polens Präsident Andrzej Duda Scruton als „großen Freund des polnischen Volkes“.[4]

Im April 2019 wurde er von der britischen Regierung aus seiner Funktion als Berater für Fragen der Baukultur entlassen, nachdem er in einem Interview mit der Wochenzeitung New Statesman Äußerungen tätigte, die in einigen Ausschnitten von einem Journalisten vorab per Twitter kommuniziert und als antisemitisch und islamfeindlich kritisiert worden waren.[5] Im Juli 2019 wurde er wieder in seine Beraterfunktion berufen, nachdem sich der New Statesman öffentlich bei Scruton dafür entschuldigt hatte, dass seine Aussagen verzerrt wiedergegeben und falsch dargestellt worden waren.[6] Auch die britische Regierung äußerte offiziell ihr Bedauern über die vorangegangene Entlassung.[7][8] Die London-Korrespondentin der FAZ, Gina Thomas, verwies auf Scrutons Unterstützung von „Dissidenten im totalitären Ostblock“ in den 1980er Jahren und kommentierte, dass jetzt er selbst „in der freien Welt zum Opfer von Denkpolizisten, die den zivilisierten Diskurs unterbinden, weil sie abweichende Meinungen nicht tolerieren können“ werde.[9]

Anlässlich seines Todes würdigte ihn der Historiker Timothy Garton Ash als „einen Mann mit außerordentlichem Intellekt, Wissen und Humor“, der ein großer Unterstützer osteuropäischer Dissidenten gewesen sei und genau die Art „provokanter konservativer Denker“, für den eine wirklich offene Gesellschaft dankbar sein müsse. Der EU-Abgeordnete und Publizist Daniel Hannan bezeichnete Scruton als „größten Konservativen unserer Zeit“.[10] Die Times schrieb in einem zweiseitigen Nachruf, Scruton war „einer der bekennendsten und provokantesten konservativen Denker seiner Generation und, aus diesem Grunde, einer der am wenigsten einflussreichen innerhalb der Konservativen Partei“.[11]

Ehrungen und AuszeichnungenBearbeiten

SchriftenBearbeiten

  • The Classical Vernacular: architectural principles in an age of nihilism (1995)
  • Animal Rights and Wrongs (1996, third edn. 2000)
  • An Intelligent Person’s Guide to Philosophy (1996)
  • The Aesthetics of Music (1997)
  • On Hunting (1998)
  • An Intelligent Person’s Guide to Modern Culture (1998, new edn. 2000)
  • Spinoza (1998)
  • Perictione in Colophon (2000)
  • England: an Elegy (2001)
  • The West and the Rest (2002)
  • Death-Devoted Heart: Sex and the Sacred in Wagner’s Tristan und Isolde (2004)
  • News from Somewhere: On Settling (2004)
  • Gentle Regrets (2005)
  • A Political Philosophy (2006)
  • Culture Counts: Faith and Feeling in a World Besieged (2007)
  • Beauty (2009)
  • How to be a conservative (2014)
  • Fools, Frauds and Firebrands: Thinkers of the New Left (2015)
  • The Ring of Truth: The Wisdom of Wagner's Ring of the Nibelung (2016)
  • Conservatism: An Invitation to the Great Tradition (2018)
  • On Human Nature (2019)

LiteraturBearbeiten

  • Dorschel, Andreas. Ein Versprechen von Glück. Neuere philosophische Studien über das Schöne. Philosophische Rundschau LVIII, 3, 2011, S. 226–247 [= Besprechung von Beauty (2009)]
  • Special Issue: Roger Scruton’s Aesthetics. British Journal of Aesthetics 49 (2009), Heft 4 (mit Beiträgen von Kathleen Stock, Dawn Phillips u. a.)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Sir Roger Scruton dead: Former Tory adviser dies at 75 after cancer battle
  2. Uwe Justus Wenzel: Roger Scruton predigt die Liebe zu Heim, Herd und Heimat | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 5. September 2012, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 25. August 2018]).
  3. Jonathan Rée: Green Philosophy by Roger Scruton – review. 28. Dezember 2011, abgerufen am 25. August 2018 (englisch).
  4. British conservative philosopher, friend of Poland dies - president. Abgerufen am 13. Januar 2020.
  5. Matthew Weaver, Peter Walker: Government sacks Roger Scruton after remarks about Soros and Islamophobia. In: The Guardian. 10. April 2019, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 17. September 2019]).
  6. The New Statesman apologises to Roger Scruton The Spectator, 8. Juli 2019
  7. Ben Quinn: Roger Scruton gets government job back after 'regrettable' sacking. In: The Guardian. 23. Juli 2019, abgerufen am 17. September 2019 (englisch).
  8. Sir Roger Scruton: Govt 'sorry' for sacking adviser over New Statesman interview Skynews.com, 16. Juli 2019
  9. Gina Thomas: Champagner aus der Flasche. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Abgerufen am 14. Januar 2020.
  10. Roger Scruton: Conservative thinker dies at 75 BBC.co.uk, 12. Januar 2020, abgerufen am 13. Jänner 2020
  11. The Times: Sir Roger Scruton (Obituary), 13. Januar 2020, S. 48–49
  12. Professor Roger Scruton awarded knighthood, Jesus College, 13. Juni 2016