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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Reichartshausen
Reichartshausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Reichartshausen hervorgehoben
Koordinaten: 49° 21′ N, 8° 57′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rhein-Neckar-Kreis
Höhe: 228 m ü. NHN
Fläche: 10 km2
Einwohner: 2079 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 208 Einwohner je km2
Postleitzahl: 74934
Vorwahl: 06262
Kfz-Kennzeichen: HD
Gemeindeschlüssel: 08 2 26 066
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 3
74934 Reichartshausen
Website: www.reichartshausen.de
Bürgermeister: Gunter Jungmann (parteilos)
Lage der Gemeinde Reichartshausen im Rhein-Neckar-Kreis
BayernHessenRheinland-PfalzHeidelbergHeilbronnLandkreis HeilbronnLandkreis KarlsruheMannheimNeckar-Odenwald-KreisEberbachAltlußheimAngelbachtalBammentalBrühl (Baden)DielheimDossenheimEberbachEberbachEberbachEdingen-NeckarhausenEdingen-NeckarhausenEpfenbachEppelheimEschelbronnGaibergHeddesbachHeddesheimHeiligkreuzsteinachHelmstadt-BargenHemsbachHirschberg an der BergstraßeHockenheimIlvesheimKetschLadenburgLaudenbach (Bergstraße)Leimen (Baden)Leimen (Baden)LobbachMalsch (bei Wiesloch)Mauer (Baden)MeckesheimMühlhausen (Kraichgau)NeckarbischofsheimNeckargemündNeidensteinNeulußheimNußlochOftersheimPlankstadtRauenbergReichartshausenReilingenSandhausenSt. Leon-RotSchönau (Odenwald)Schönbrunn (Baden)SchriesheimSchwetzingenSchwetzingenSinsheimSpechbachWaibstadtWalldorf (Baden)WeinheimWeinheimWiesenbach (Baden)WieslochWilhelmsfeldZuzenhausenKarte
Über dieses Bild
Ortsmitte mit Dorfbrunnen

Reichartshausen ist eine Gemeinde mit etwa 2000 Einwohnern im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört dem Gemeindeverwaltungsverband Waibstadt und der Tourismusregion Brunnenregion an.

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Lage und NaturraumBearbeiten

Reichartshausen liegt im Übergangsgebiet von Kraichgau und Odenwald, im sogenannten Kleinen Odenwald, im Norden von Baden-Württemberg, etwa 15 km von Sinsheim entfernt. Nachbarorte sind Schönbrunn im Norden, Aglasterhausen im Osten, Helmstadt-Bargen im Südosten, Epfenbach im Südwesten und Lobbach im Westen.

Die Gemarkung erstreckt sich zwischen 196 und 380 Metern Höhe und umfasst 1000 Hektar. Davon sind 12,6 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 47,0 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 39,7 Prozent sind bewaldet.[2]

Reichartshausen hat Anteil am Landschaftsschutzgebiet Neckartal I – Kleiner Odenwald. Die reliefreiche Mittelgebirgslandschaft wurde 2002 aufgrund ihrer Schönheit, Vielfalt und Eigenart unter Schutz gestellt und gehört zum Naturpark Neckartal-Odenwald.[3]

GemeindegliederungBearbeiten

Zu Reichartshausen gehören die Häuser Reichartshauser Jagdhaus und Reichartshauser Mühle (Hacksmühle).[4]

GeschichteBearbeiten

Frühe GeschichteBearbeiten

Reichartshausen wurde im Jahre 1100 in Sinsheimern Jahrbüchern als Richardshusen erstmals urkundlich erwähnt, die Gründung des Ortes datiert vermutlich jedoch in alemannische Zeit zurück. Das Dorf war Sitz des Zentgerichts der sogenannten Reichartshauser oder Stüber Zent und kam mit dieser, nach kriegerischen Auseinandersetzungen, 1367 zur Kurpfalz und wurde dem Unteramt Dilsberg unterstellt, das später zum Oberamt Heidelberg gehörte. Die Ortsherrschaft wechselte vielfach. Ab 1522 hält die Reformation Einzug in Reichartshausen. 1688 wurde der Ort während des Pfälzischen Erbfolgekrieges zerstört. 1780 fand im Cent die letzte Hinrichtung statt.

19. Jahrhundert bis heuteBearbeiten

1803 gelangte Reichartshausen zu Baden, wo es 1810 dem Bezirksamt Neckarbischofsheim und 1864 dem Bezirksamt Sinsheim eingegliedert wurde. Während des Zweiten Weltkrieges übergab Wilhelm Stumpf die Gemeinde an die Amerikaner, weswegen der Ort vor größerer Zerstörung bewahrt wurde und die Besatzer ihn schließlich als Bürgermeister einsetzten. 1939 wurden 829 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 989.[5]

Im Zuge der baden-württembergischen Kreisreform wurden 1973 der Landkreis Sinsheim aufgelöst und die Gemeinde dem neugebildeten Rhein-Neckar-Kreis angegliedert. Reichartshausen schloss sich dem Gemeindeverwaltungsverband Waibstadt an. Das Wachstum der Gemeinde war begleitet von Infrastrukturmaßnahmen wie dem Bau eines Freibades, einer Festhalle und eines Jugendzeltplatzes.

1999 begann man mit dem Bau des Wohngebietes Hiehl III. Im Jahr 2000 wurde das 900-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung gefeiert. 2004 hatte Reichartshausen erstmals mehr als 2000 Einwohner. Zwischen 2006 und 2007 entstand das Wohngebiet Im Trieb-Krummenacker. 2012 wurde der Ortskern saniert[6]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 1871 1890 1910 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015
Einwohner[7] 803 861 888 829 1221 1226 1457 1611 1719 1811 1853 2029 2035 2085

ReligionenBearbeiten

1522 wurde in Reichartshausen die Reformation eingeführt. Erst durch den Zuzug von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg stieg der katholische Anteil der Bevölkerung, so dass 1966 die Kirche auf dem Hornberg gebaut werden konnte. Die evangelische Gemeinde gehört zum Kirchenbezirk Kraichgau der Evangelischen Landeskirche in Baden und die katholische Gemeinde zum Dekanat Kraichgau des Erzbistums Freiburg.

PolitikBearbeiten

 
Rathaus

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat in Reichartshausen hat 12 Mitglieder. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Vorsitzender.

Die Kommunalwahl 2019 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2014):[8]

FWV 51,4 % (+2,3) 6 Sitze (±0)
CDU 25,3 % (+0,9) 3 Sitze (±0)
SPD 13,0 % (−3,5) 2 Sitze (±0)
FDP 10,3 % (+0,2) 1 Sitz (±0)

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister ist seit Dezember 2018 Gunter Jungmann.[9] Der Parteilose war bei der Wahl am 30. September 2018 als einziger Kandidat angetreten und hatte 96,5 Prozent der Stimmen erhalten. Vorgänger Otto Eckert, der seit 1994 amtiert hatte, hatte auf eine erneute Kandidatur verzichtet.[10]

WappenBearbeiten

Die Blasonierung des Wappens lautet: In Silber auf grünem Schildfuß ein rotes Haus, der Mittelteil turmartig erhöht und mit schwarzem Kreuz auf dem spitzen Dach.

Das Wappen, das 1901 vom Generallandesarchiv vergeben wurde, geht zurück auf ein Gerichtssiegel, das seit 1752 nachweisbar ist. Die Bedeutung ist nicht geklärt. Es könnte als redendes Wappen auf den Ortsnamen hinweisen. Eine andere Deutung wäre eine Symbolisierung für das Rathaus, in dem das Zentgericht tagte.

Die Flagge ist Grün-Weiß und wurde 1956 vom Innenministerium verliehen.[11]

PartnerschaftenBearbeiten

Reichartshausen pflegt seit 3. Oktober 1990 partnerschaftliche Beziehungen zum Ortsteil Neudorf/Spree der Gemeinde Malschwitz in Sachsen.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Evangelische Kirche (2014)

Die evangelische Kirche stammt von 1772 und wurde 2000 renoviert. Sehenswert ist die barocke Kanzel der Kirche, der Innenraum ist mit schlichten Gemälden weiterer Kirchen der Umgebung geschmückt.

Die Ortsmitte von Reichartshausen wird geprägt von mehreren, teils historischen Brunnen, die vom barocken Pfarrhaus und weiteren ebenso barocken Gebäuden umgeben sind.

Das Rathaus ist ein außerhalb des historischen Siedlungskerns errichteter moderner Zweckbau, das Schulhaus wurde 1891 errichtet und 1950 erweitert.

 
Kanzel in der Kirche

Die Karl-Ludwigs-Eiche soll der Überlieferung nach auf Kurfürst Karl Ludwig zurückgehen. Er steckte um 1650 bei einem Jagdausflug eine Eichel in den Boden, nachdem sie ihm auf das Essen gefallen sein soll. In Reichartshausen gibt es neben mehreren Wanderwegen auch einen Waldzeltplatz und ein beheiztes Freibad. Bis vor einigen Jahren gab es in Reichartshausen auch einen schönen Park in welchem die historische Galgensäule stand. Dieser wurde aber im Zuge der "Dorfgerechten Ortskernsanierung" verkauft.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Südöstlich von Reichartshausen verläuft die Bundesstraße 292, die über Sinsheim Anschluss an die A 6 herstellt. In die umliegenden Ortschaften führen Buslinien. Reichartshausen gehört zum Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.

MedienBearbeiten

Über das lokale Geschehen berichtet die Rhein-Neckar-Zeitung. Das Nachrichtenblatt des Gemeindeverwaltungsverbandes Waibstadt erscheint wöchentlich.

BildungBearbeiten

In Reichartshausen gibt es eine Grundschule, eine evangelische öffentliche Bücherei und eine Außenstelle der Volkshochschule Sinsheim. Für die jüngsten Einwohner bestehen zwei Kindergärten. Weiterführende Schulen können in Epfenbach, Waibstadt und Neckarbischofsheim besucht werden.

LiteraturBearbeiten

  • Helmut Mayer (Hrsg.): Chronik des Dorfes Reichartshausen. Reichartshausen 1948
  • Gemeinde Reichartshausen (Hrsg.): Heimatbuch Reichartshausen. Reichartshausen 2000, ISBN 3-929295-65-2
  • Adolf M. Hirn, Gabriele Süskind (Red.), Jürgen Schütz (Hrsg.): Der Rhein-Neckar-Kreis. Stuttgart 1991, ISBN 3-8062-0597-3

WeblinksBearbeiten

  Commons: Reichartshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stand: 31. Dezember 2004@1@2Vorlage:Toter Link/www.statistik.baden-wuerttemberg.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg
  4. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 422–423
  5. Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 2: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordbaden
  6. http://www.reichartshausen.de/pb/,Lde/273289.html Geschichte Reichartshausens
  7. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  8. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2019, Reichartshausen; Gemeinde Reichartshausen: Gemeinderatswahl 2019; abgerufen 30. Mai 2019.
  9. Bürgermeister Jungmann zog mit Herzklopfen ein Zimmer weiter.} RNZ, 20. Dezember 2018, abgerufen am 27. Januar 2019.
  10. Pressemitteilung zur Bürgermeisterwahl Reichartshausen im Staatsanzeiger von Baden-Württemberg, abgerufen am 27. Januar 2019.
  11. Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 98