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Ragow (Lübbenau/Spreewald)

Ortsteil von Lübbenau/Spreewald

Ragow, niedersorbisch Rogow, ist ein Ortsteil der Stadt Lübbenau/Spreewald im nördlichen Teil des südbrandenburgischen Landkreises Oberspreewald-Lausitz.

Koordinaten: 51° 53′ 14″ N, 13° 54′ 14″ O
Höhe: 54 m ü. NN
Fläche: 7,88 km²
Einwohner: 519 (17. Jul. 2017)
Bevölkerungsdichte: 66 Einwohner/km²
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 03222
Vorwahl: 03542
Dorfplatz in Ragow mit geschützter Eiche
Ragower Ortseingang

LageBearbeiten

Ragow liegt in der Niederlausitz nördlich des Naturparks Niederlausitzer Landrücken und am westlichen Rand des Spreewalds. Durch den Ort fließt die Wudritz die über die Ragower Kahnfahrt mit der Hauptspree verbunden ist.

Im Norden von Ragow liegt die Stadt Lübben. Im Süden liegen Lübbenau, Zerkwitz, Krimnitz. Im Westen befinden sich Klein Radden und Groß Radden. Etwas weiter westlich befinden sich Orte des Nachbarkreises Dahme-Spreewald Duben und Terpt.

GeschichteBearbeiten

OrtsgeschichteBearbeiten

Gefundene Kleingeräten in Ragow und in den Nachbargemeinden weisen auf Anwesenheit von Menschen bereits in der mittleren Steinzeit (15.000–3000 v. Chr.) hin. Aus der Jungsteinzeit (3000–2000 v. Chr.) stammen zwei acht Zentimeter lange, geschliffene, nicht durchbohrte Steinbeile. In der Bronzezeit (Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr.) wurde die Gegend um Ragow durch Menschen besiedelt, deren Ursprung in den mitteldonauländischen Bauernkulturen vermutet wird. Sie werden der Lausitzer Kultur zugeordnet. Die gefundenen Urnenfelder lassen den Schluss auf geschlossene Siedlungen zu. Nach dem Ende der Lausitzer Kultur um 500 v. Chr. war die Gegend um Ragow relativ dünn besiedelt, bis die Sorben ab dem 7. Jahrhundert einwanderten.

Bodenfunde lassen eine Siedlungsverlegung des Ortes von Ost nach West zur Zeit des Übergangs von der altslawischen zur jungslawischen (10. Jahrhundert) und zur frühdeutschen Zeit erkennen. Ein Übergang der sorbischen Siedlung in das Dorf Ragow kann nicht bewiesen werden. Da an verschiedenen Stellen in Ragow blaugraue Scherben gefunden wurden, kann man auf eine Besiedlung in der frühdeutscher Zeit (12. bis 14. Jahrhundert) schließen. Die Anlage als Zeilendorf mit einem Anger westlich der Dorfstraße und einer rechtwinklig nach Osten verlaufenden Straßenzeile deuten auf eine Neugründung hin.

Erstmals erwähnt wurde der Ort jedoch erst im Jahr 1421 als Ragow im Lübbenauer Stadtbuch. In einer Verkaufsurkunde aus dem Jahr 1315 werden Dörfer um Lübbenau genannt, Ragow jedoch nicht. In dieser Urkunde verkauft Bodo der Ältere von Ilenburg Ritter Christian, genannt Lange, die Herrschaft Lübbenau. Das Territorium des Dorfes Ragow hat zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich zur Herrschaft Lübbenau gehört, denn als Grenze wird in der Urkunde die Lusitz angegeben. Dabei handelt es sich um die Wudritz, die durch den Ort fließt. Der Ortsname Ragow leitet sich vom niedersorbischen Wort Rog ab, was Horn, Spitze, Winkel oder Ecke bedeutet. Dies kann auf die Flur des Ortes bezogen werden. Jedoch ist es nach Eichler auch möglich, dass sich davon ein Personenname ableitet. Der Regionalhistoriker Paul Fahlisch leitet den Ortsnamen vom wendischen Gott Ragowitz, da er eine Erhöhung neben der heutigen Bahnhofstraße für dessen Opferstätte hielt. Dies ist jedoch nicht schlüssig, da die dort gefundene Keramik aus der Bronzezeit (800 v. Chr.) stammt. Weitere Ortsnamensnennungen waren 1489 Ragaw und 1524 als Rago. Die niedersorbischen Namensvarianten wurden 1761 als Ragow und 1843 Rogow genannt. Seit dem Jahr 1503 wird Ragow als Teil der Herrschaft Lübbenau genannt.

Im Ergebnis des Wiener Kongresses kam Ragow mit der gesamten Niederlausitz an das Königreich Preußen und gehörte zum Landkreis Calau. Im Jahr 1886 wurde beim Pflügen durch den Knecht Ernst Jank auf dem Ragower Weinberg ein Silberhort gefunden. Der Hort stammt aus der Zeit um 1010. Er besteht aus 200 Münzen, 200 kleinen viereckigen Silberbarren und Schmuck.

Im Jahr 1952 kamen die Orte an den neu gegründeten Kreis Calau. Am 26. Oktober 2003 wurden Ragow und die Orte Boblitz, Kittzlitz, Bischdorf, Groß Beuchow, Hindenberg, Groß Lübbenau, Groß Klessow, Leipe sowie Klein Radden in Lübbenau/Spreewald als Ortsteile eingegliedert.[1]

Ragow gehört zum Kirchenkreis Niederlausitz. Gepfarrt ist es seit 1723 nach Zerkwitz.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Einwohnerentwicklung in Ragow von 1875 bis 2002[2]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1875 420 1933 443 1964 567 1989 539 1993 508 1997 595 2001 656
1890 436 1939 442 1971 550 1990 531 1994 522 1998 601 2002 650
1910 480 1946 660 1981 536 1991 521 1995 524 1999 615
1925 467 1950 628 1985 560 1992 512 1996 561 2000 631

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Denkmalgeschütztes Wohnhaus Berliner Chaussee 10

Ein Wohnhaus an der Berliner Straße 10 gehört zu den Baudenkmalen der Stadt Lübbenau. Durch den Ort verläuft der Radwanderweg Niederlausitzer Kreisel.

Bei dem Ragower Burgwall handelt es sich um eine ehemalige slawische Wehrburg. Diese wurde in den Auseinandersetzungen mit den deutschen Kolonisten zerstört und nicht wieder aufgebaut. Erbaut wurde sie im 7. Jahrhundert und blieb bis zum 10. Jahrhundert bewohnt.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Ragow liegt nordwestlich des Autobahndreiecks Spreewald, an dem die Bundesautobahn 15 in die südlich des Ortes verlaufende Bundesautobahn 13 übergeht. Die Landesstraße 49 verläuft direkt durch den Ort. Bis zum Jahr 1994 gab es in Ragow einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Berlin–Görlitz.

Seit 1996 gibt es im Ort einen Fährhafen, über den Kahnfahrten im Spreewald möglich sind.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Ernst Eichler: Die Ortsnamen der Niederlausitz. VEB Domowina-Verlag, Bautzen 1975.
  • Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7. erschienen im Auftrag des Statistischen Bundesamtes

WeblinksBearbeiten

  Commons: Ragow (Lübbenau/Spreewald) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  2. Statistik Brandenburg (PDF)