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Bischdorf (Lübbenau/Spreewald)

Ortsteil von Lübbenau/Spreewald im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, Brandenburg, Deutschland

Bischdorf, niedersorbisch Wótšowc, ist ein Ortsteil der Stadt Lübbenau/Spreewald im nördlichen Teil des südbrandenburgischen Landkreises Oberspreewald-Lausitz.

Bischdorf
Wótšowc
Koordinaten: 51° 47′ 36″ N, 13° 58′ 18″ O
Höhe: 77 m ü. NN
Fläche: 16,94 km²
Einwohner: 197 (17. Jul. 2017)
Bevölkerungsdichte: 12 Einwohner/km²
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 03222
Vorwahl: 03541
Dorfkirche Bischdorf
Dorfkirche Bischdorf

LageBearbeiten

Bischdorf liegt in der Niederlausitz am Südufer des Bischdorfer Sees, der eine Fläche von 255 Hektar hat. Dieser See entsteht aus dem ehemaligen Tagebau Seese-Ost. Er ist der südlichste Ortsteil der Stadt Lübbenau/Spreewald. Bischdorf liegt östlich des Naturparks Niederlausitzer Landrücken und südlich des Spreewalds.

Nördlich von Bischdorf liegen die Ortsteile Groß Lübbenau und Groß Klessow, im Nordosten Raddusch. Im Osten befinden sich Ortsteile der Stadt Vetschau/Spreewald Göritz, Dubrau und Kalkwitz. Im Süden grenzt Bischdorf an Saßleben und Mlode mit Rochusthal, Mlode und Saßleben sind Ortsteile der Stadt Calau. Im Westen folgt die Bergbaufolgelandschaft Seese-West, weiter westlich liegt der Calauer Ortsteil Zinnitz. Im Nordwesten befinden sich die Lübbenauer Gemeindeteile Lichtenau, Schönfeld und der Ortsteil Kittlitz.

Historische Nachbarorte waren Seese im Westen und Kückebusch im Nordwesten. Beide Dörfer wurden in den 1960er-Jahren für den Tagebau Seese-West devastiert.

GeschichteBearbeiten

OrtsgeschichteBearbeiten

 
Die Bischdorfer Hauptstraße auf der nördlichen Seite des Dorfangers

Die älteste Besiedlung Bischdorfs kann durch mehrere Einzelfunde mittelsteinzeitlicher Feuersteingeräte innerhalb der Bischdorfer Gemarkung nachgewiesen werden.[1] Die erste urkundliche Erwähnung des Angerdorfs war im Jahr 1415 als Bischofdorff. Der deutsche Ortsname bezeichnet den Ort des Bischofs, der niedersorbische Name leitet sich von Wort Wotšowc ab, was eine kleine Insel bezeichnet. Der deutsche Name wurde später 1495 als Bißdorf und 1509 als Bischdorf genannt, der niedersorbische im Jahr 1761 als Wotschowze.

Bischdorf entstand in seiner heutigen Form als mittelalterliche Plansiedlung. Davon zeugen die ganzzahligen damals verwendeten Gewendelängen der Ortsflur, die Tatsache, das sich die Dorfkirche genau in der Mittel des Angers befindet und in Nord-Süd-Richtung denselben Abstand zu den Gemarkungsgrenzen von 6 Gewenden hat. Das Dorf war ursprünglich in zwei Anteile aufgeteilt, von denen ein Anteil zur Markgrafschaft Niederlausitz und ein Anteil zur Mark Brandenburg gehörte. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Bischdorf verwüstet, durch den Krieg und die Pest ging die Bevölkerung stark zurück. Nach Kriegsende waren von ursprünglich zehn Gehöften nur noch vier besetzt. Für 1705 ist im Ort erstmals eine Gastwirtschaft erwähnt. Ein noch unbesetztes Kossätengut wurde in ein Vorwerk umgewandelt. Im Jahr 1768 kam der niederlausitzer Teil Bischdorfs, in dem damals 7 Bauern und 3 Häusler lebten, an die Herrschaft Lübbenau. Der brandenburgische Teil mit 5 Bauern, 8 Kossäten und 2 Büdnern folgte 1779.[2]

Bischdorf war früher stark sorbischsprachig geprägt. Um 1850 hatte der Ort 245 sorbische Einwohner. Danach sank diese Zahl stark, Arnošt Muka zählte für seine Statistik über die Sorben in der Lausitz im Jahr 1884 nur noch drei sorbischsprachige Einwohner.[3] Im Jahr 1870 wurde mit dem Bau der Bahnstrecke Lübbenau–Senftenberg begonnen, am 1. Mai 1874 wurde in Bischdorf ein Güterbahnhof eröffnet. Seit dem 1. September 1907 wurde an dem Bahnhof auch mit der Personenbeförderung begonnen. Bis 1932 hatte Bischdorf einen Dorfschulzen, ab 1933 gab es erstmals einen Bürgermeister. Zu DDR-Zeiten waren die Bauern von Bischdorf in der Landwirtschaftlichen ProduktionsgenossenschaftClara Zetkin“ zusammengefasst.[1] Zwischen 1960 und 1996 wurde in dem nördlich von Bischdorf gelegenen Tagebau Seese-Ost Braunkohle abgebaut. Seit Juli 2000 wird das Restloch geflutet und zum Bischdorfer See.[2]

Im Ergebnis des Wiener Kongresses kam Bischdorf mit der gesamten Niederlausitz an das Königreich Preußen und gehörte zum Landkreis Calau. Mit der brandenburgischen Kreisreform 1950 schied Bischdorf mit weiteren Gemeinden aus dem Landkreis, der in den Landkreis Senftenberg umgewandelt wurde, aus und wurde dem Landkreis Lübben (Spreewald) angegliedert. Im Jahr 1952 kamen die Orte an den neu gegründeten Kreis Calau. Ab den 1960er-Jahren wurde in der Gegend um Bischdorf Braunkohle abgebaut. Am 1. Januar 1969 wurde der Ort Seese mit dem dessen Gemeindeteil Mlode nach Bischdorf eingemeindet.[4] Seese wurde durch den Tagebau Seese-West devastiert. Mlode wurde später mit seiner Ortslage Rochusthal am 1. Juni 1987 aus Bischdorf ausgegliedert und eine eigenständige Gemeinde.[4] Die Flur des devastierten Ortes Kahnsdorf wurde am 1. Januar 1987 eingegliedert.[4] Im Jahr 1984 war Bischdorf durch Tagebauaktivität selbst betroffen. Es kam zu einem Teilortsabbruch durch den Tagebau Seese-Ost, aufgrund dessen mussten 49 Personen umgesiedelt werden. Bischdorf gehört zum Kirchenkreis Niederlausitz. In den 1990er-Jahren wurde der Dorfanger und der Dorfteich neu gestaltet und die Straßen im Ort neu gepflastert sowie das Schulhaus als Vereinshaus ausgebaut. Am 26. Oktober 2003 wurden Bischdorf und die Orte Boblitz, Groß Beuchow, Groß Lübbenau, Groß Klessow, Hindenberg, Kittlitz, Klein Radden, Leipe sowie Ragow in Lübbenau/Spreewald als Ortsteile eingegliedert.[5]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Einwohnerentwicklung in Bischdorf von 1875 bis 2002[6]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1875 282 1933 331 1964 325 1989 235 1993 230 1997 219 2001 219
1890 307 1939 331 1971 425 1990 233 1994 217 1998 233 2002 217
1910 376 1946 488 1981 377 1991 235 1995 213 1999 229
1925 366 1950 471 1985 339 1992 232 1996 222 2000 226

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Die Dorfkirche Bischdorf gehört zu den Baudenkmalen der Stadt Lübbenau. Die Feldsteinkirche stammt aus dem 14. Jahrhundert. Der neogotische Backsteinturm wurde im Jahr 1895 erbaut. Neben der Kirche steht ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen und Opfer der Weltkriege.

Jedes Jahr findet in Bischdorf das Bischdorfer Teichrennen statt, bei dem unter anderem auf einem kleinen Steg ein Teil des Sees per Rad überquert werden muss.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Bischdorf liegt an der Bahnstrecke Lübbenau–Kamenz, Personenzüge halten jedoch nicht mehr. Nördlich des Ortes verläuft die Bundesautobahn 15 an die Bischdorf über die Anschlussstelle Boblitz angebunden ist, westlich die Bundesautobahn 13.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Heinz-Dieter Krausch: Burger und Lübbenauer Spreewald: Ergebnisse der heimatkundlichen Bestandsaufnahme in den Gebieten von Burg und Lübbenau. Akademie-Verlag, 1981, S. 126–128.
  2. a b Informationstafel auf dem Bischdorfer Dorfanger
  3. Arnošt Muka: Statistika łužiskich Serbow. Wobličenje a wopisanje., Budyšin 1884–1886, Online
  4. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  6. Statistik Brandenburg (PDF)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten