Rachiw

Stadt in der Ukraine
Rachiw
Рахів
Wappen von Rachiw
Rachiw (Ukraine)
Rachiw
Rachiw
Basisdaten
Oblast: Oblast Transkarpatien
Rajon: Rajon Rachiw
Höhe: 430 m
Fläche: 52,42 km²
Einwohner: 15.621 (2019)
Bevölkerungsdichte: 298 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 90600
Vorwahl: +380 3132
Geographische Lage: 48° 3′ N, 24° 12′ OKoordinaten: 48° 3′ 20″ N, 24° 12′ 19″ O
KOATUU: 2123682501
Verwaltungsgliederung: 1 Stadt
Bürgermeister: Jaroslaw Dumyn
Adresse: вул. Миру 34
90600 м. Рахів
Website: http://www.rakhiv.com/
Statistische Informationen
Rachiw (Oblast Transkarpatien)
Rachiw
Rachiw
i1

Rachiw (ukrainisch Рахів ; russinisch Рахово Rachowo; russisch Рахов Rachow; deutsch selten Rauhau; ungarisch Rahó; rumänisch Rahău; slowakisch Rachov; jiddisch Rachew, Rachyw; polnisch Rachów) ist eine im Osten der ukrainischen Oblast Transkarpatien nahe der Grenze zu Rumänien gelegene Stadt mit etwa 15.500 Einwohnern (Stand 2019[1]). In vielen Veröffentlichungen und Karten findet sich neben der Transliteration Rachiv gelegentlich auch die englische Transkription Rakhiv.

Blick auf die Stadt Rachiw

Rachiw ist das administrative Zentrum des gleichnamigen Rajons. Die Stadt am Ufer der Theiß ist eingebettet in die Bergrücken der Waldkarpaten. In der Nähe steigt der höchste Berg dieses Gebirgszuges und der Ukraine, die Howerla, auf bis zu 2061 m an. Rachiw selbst liegt auf 430 m Höhe und ist Sitz der Verwaltung des Biosphärenreservates Karpaten, das die weltweit größten Rotbuchen-Urwaldareale umschließt. Die Buchenurwälder in den Karpaten sind seit Juli 2007 als Weltnaturerbe bei der UNESCO eingetragen.

GeschichteBearbeiten

Zur Herkunft des Ortsnamens Rachiw gibt es mehrere Thesen, bei denen entweder das Verb „rechnen“ (ukrainisch rachuwaty) in Betracht gezogen wird – so sollen Händler hier ihre Abrechnungen durchgeführt haben – oder der Name Rach als Besitzer eines frühen Bauernhofes vermutet wird.

Erste Erwähnung fand Rachiw, das ursprünglich von Huzulen aus Galizien besiedelt war, im Jahr 1447 als Dorf innerhalb des Königreichs Ungarn. Ab etwa 1800 bis 1820 siedelten sich auf Einladung der ungarischen Regierung staatliche Holzarbeiter aus deutschsprachigen Siedlungsgebieten in der heutigen Slowakei nördlich der eigentlichen Stadt an. Da die meisten der Kolonisten aus der Zips stammten, nannten sie ihre Siedlung Zipserei.

Seit 1867 gehörte es zu Österreich-Ungarn. In den Nachkriegswirren des Ersten Weltkriegs schloss sich Rachiw zunächst der ungarischen Räterepublik an, wurde dann kurzzeitig von Rumänien besetzt und schließlich, wie das restliche Transkarpatien, an die neugebildete Tschechoslowakei angegliedert. In dieser Zeit erlebte die bergige Region um Rachiw eine touristische Blütezeit, und der Ort wurde gelegentlich als „Huzulisches Paris“ bezeichnet. Diese Phase endete, als Ungarn infolge des ersten Wiener Schiedsspruchs 1938 zunächst die südwestlichen Teile Transkarpatiens und im Slowakisch-Ungarischen Krieg 1939 den übrigen Teil der Region annektierte. Im Rahmen ihres Vormarsches nach Westen nahm 1944 die Rote Armee die Region ein, und 1945 wurde ganz Transkarpatien Teil der Ukrainischen Sowjetrepublik innerhalb der Sowjetunion. Am 30. Mai 1947 wurde der Ortschaft der Status einer Siedlung städtischen Typs verliehen, 1958 erfolgte die Verleihung der Stadtrechte. Seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 ist Rachiw ein Teil der unabhängigen Ukraine.

 
Hauptgeschäftsstraße in Rachiw

Wirtschaft und VerkehrBearbeiten

In der Nähe von Rachiw befindet sich an der Bahnstrecke Sighetu Marmației–Iwano-Frankiwsk ein Grenzübergang für den Bahnverkehr nach Sighetu Marmației in Rumänien. In der Stadt ist u. a. ein Werk der Möbelindustrie tätig. Außerdem wird in der Stadt Mineralwasser produziert. Rachiw ist als „Tor in die Karpaten“ bekannt und zieht in wachsendem Maße Einnahmen aus dem Tourismus. Es gibt Restaurants und mehrere Hotels verschiedener Kategorien. In der Nähe befindet sich das Wintersportgebiet Drahobrat.

 
Denkmal für den geographischen Mittelpunkt Europas. Links das Ursprüngliche, recht das Neue

BesonderheitenBearbeiten

Mit der Errichtung der Bahnstrecke Sighetu Marmației–Iwano-Frankiwsk von 1885 bis 1887 wurde die Region an das Österreichisch-Ungarische Eisenbahnnetz angeschlossen. Bei Vermessungsarbeiten während des Baus stellten die Ingenieure fest, den geographischen Mittelpunkt Europas eingemessen zu haben. Nach gründlicher Überprüfung bestätigten Wiener Wissenschaftler diese These und daher wurde 1887 in Dilowe ein 2 m hohes geodätisches Denkmal aus Beton errichtet, das im Original bis heute erhalten ist. Die Stele ist mit einer Gedenktafel mit lateinischer Inschrift versehen:

Locus Perennis Dilicentissime cum libella librationis quae est in Austria et Hungaria confectacum mensura gradum meridionalium et paralleloumierum Europeum. MD CCC LXXXVII.

Das Denkmal überlebte die zwei Weltkriege und das Sowjetsystem in seiner ursprünglichen Form bis in die Gegenwart. Da die geodätische Marke jedoch sehr bescheiden wirkte, steht seit dem 27. Mai 1977 eine moderne, 7,20 Meter hohe Stele daneben, deren parallele Linien die vier Seiten der Welt symbolisieren. Eine Kugel, die den Planeten Erde symbolisiert, befindet sich in 6,60 Metern Höhe. Neben dem symbolischen Wert hat die Kugel noch eine stabilisierende Wirkung auf die geteilte Stele.[2]

LiteraturBearbeiten

  • Judith Schneiderman, Jennifer Schneiderman: Ich sang um mein Leben. Erinnerungen an Rachov, Auschwitz und den Neubeginn in Amerika. 2013, ISBN 978-3-942240-08-6. (Autobiographie)

WeblinksBearbeiten

Commons: Rachiw – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Städte und Siedlungen der Ukraine auf pop-stat.mashke.org; abgerufen am 28. Februar 2020
  2. Geographisches Zentrum Europas in Transkarpatien (ukrainisch Географічний центр Європи на Закарпатті)