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MittelalterBearbeiten

 
Trovadores – Cancioneiro da Ajuda (13. Jh.)

Die mittelalterliche portugiesische Literatur stand unter dem Einfluss der altprovenzalischen Literatur, die die zu diesem Zeitpunkt am höchsten entwickelte Literaturtradition besaß. Im 13. Jahrhundert entstanden im Nordwesten der Iberischen Halbinsel literarische Werke auf Galizisch-Portugiesisch, der gemeinsamen Vorläuferin des modernen Portugiesischen und Galizischen.

PoesieBearbeiten

Nach dem Vorbild der südfranzösischen Trobadordichtung entstanden Gedichte, die in folgende Hauptgattungen eingeteilt werden können:

  • cantigas de amor: das lyrische Ich ist ein Mann, der eine unerreichbare Frau liebt und in den Gedichten den Schmerz darüber äußert
  • cantigas de amigo: das lyrische Ich ist eine Frau, die ihren Schmerz über die Abwesenheit ihres Geliebten und ihre Sehnsucht nach ihm besingt
  • cantigas de escárnio verspotten auf satirische Weise eine Person, ohne diese direkt zu nennen
  • cantigas de maldizer wie cantigas de escárnio, nur viel direkter, zum Teil mit Schimpfworten
  • cantigas de Santa Maria sind Lobgedichte auf Maria, in denen ihre Wundertaten gepriesen werden. Der berühmteste Verfasser solcher Gedichte war der König von Kastilien und León Alfons der Weise (1221–1284).
 
Cantigas de Amor des Martim Codax

Die Gedichte wurden ab dem Ende des 13. Jh. abgeschrieben und in sogenannten Cancioneiros gesammelt. Drei dieser Gedichtsammlungen sind bis heute erhalten: Cancioneiro da Biblioteca Vaticana (15. Jh., 1205 cantigas, heute im Vatikan), Cancioneiro Colloci-Brancutti (15. Jh., 1664 cantigas, in der portugiesischen Nationalbibliothek in Lissabon) und der Cancioneiro da Ajuda (13. Jh., 310 cantigas de amor, in der Biblioteca da Ajuda in Lissabon).

Daneben gilt auch König Dionysius von Portugal (1279–1325) als ein bedeutender Dichter der Epoche, von ihm sind noch viele Gedichte erhalten.

EpikBearbeiten

Die mittelalterliche portugiesische Literatur hatte Anteil an Stoffen, die in ganz Europa verbreitet waren. Dazu gehörte vor allem die Legende des Heiligen Grals als Teil der Artussage. O livro de José de Arimateia (13. Jh.) erzählt die Geschichte von Joseph von Arimathäa, der nach der Grablegung Christi den Gral von Palästina nach England bringt, wo er auf unbestimmte Zeit bleiben soll. In der Demanda do Santo Graal (ebenfalls 13. Jh.) machen sich die Ritter der Tafelrunde auf, um den Gral zu finden.

Religiöses SchrifttumBearbeiten

Das wichtigste erhaltene Dokument religiös-ethischer Prägung ist O Horto do Esposo (Der Garten des Bräutigams). Es handelt sich hierbei um eine Sammlung erbaulicher Erzählungen, in denen Christus als Bräutigam im Paradies dargestellt wird, mit dem sich die Seele des Gläubigen vermählt. Die Sammlung enthält Fabeln, Legenden und Berichte von Wundern zur Bekehrung der Ungläubigen. Die Geschichten vermitteln in erzählerischer Form Lehren für das eigene Handeln. Daneben sind einige Heiligenviten, sowie Wunder- und Märtyrergeschichten erhalten.

GeschichtsschreibungBearbeiten

Im 15. Jahrhundert entwickelte sich die portugiesische Historiographie. Vor allem der Historiker Fernão Lopes (~1380–1460) integrierte die bereits vorhandenen Crónica Geral de Espanha (1344) und sogenannte Livros de Linhagem (zw. 1270–1345, episch-mythische Geschichten über historische Personen) in seine Crónica Geral do Reino de Portugal (Allgemeine Chronik des Königtums Portugal), die er um die Regierungszeit Dom Pedros I., Dom Fernandos I. und Dom Joãos I. erweiterte.

Adlige LiteraturBearbeiten

Im Umkreis des Königshofen entstanden Werke, die der Weitergabe von praktischen Informationen dienten: Das Livro de Falcoaria (Buch der Falknerei) und das Livro da Montaria (Buch der Treibjagd) thematisieren die Jagd, die Ensinança de Bem Cavalgar Toda Sela (Unterweisung, jeden Sattel wohl zu reiten) die Reitkunst. Der Leal Conselheiro (Loyaler Ratgeber) ist eine Art Handbuch für Adlige. O Livro da Virtuosa Benfeitoria (Buch der tugendhaften Wohltat) ist eine politische Theorie über die Frage, welche Aufgaben der König hat. Alle diese Werke entstanden in der Regierungszeit Dom Joãos I. (1383–1433) und Dom Duartes (1433–1438), die möglicherweise Auftraggeber der Werke waren.

Humanismus und RenaissanceBearbeiten

 
Luís de Camões

Der Nationaldichter Luís de Camões (1524/25–1579/80) verfasste 1572 das Epos Os Lusíadas, in dem er in lyrischer Form die Entdeckungsfahrten der Portugiesen verherrlichte.[1] Nach ihm wurde das Instituto Camões benannt, das – vergleichbar mit dem Goethe-Institut – weltweit die portugiesische Sprache und Kultur fördert.

Der Dichter Francisco de Sá de Miranda (1485–1558) war durch Aufenthalte in Italien stark von italienischen Einflüssen geprägt. Sein Werk hinterließ nachhaltige Spuren in der portugiesischen Dichtung. Er verfasste daneben auch Theaterstücke.

Eine Reihe weiterer Autoren machte die Renaissance in Portugal zum sogenannten „Goldenen Zeitalter“ portugiesischer Literatur und Kultur:

Religiöse Prosa und LyrikBearbeiten

Die religiöse Literatur im katholischen Portugal erreichte vor allem ihre Blütezeit in der Renaissance und dem Barock, Epochen, in denen der Einfluss der Kirche immens war und in denen die Krone ihre Hand schützend über den Klerus hielt. Zahlreiche Geistliche – Kleriker, Priester, Nonnen, Mönche – waren literarisch tätig. Es gab eine geistliche Prosa, die sich vor allem mit biblischen Themen beschäftigte, bedeutende Intendenten waren Amador Arrais und Tome de Jesus. Auch die geistliche Lyrik erfreute sich großer Beliebtheit. Ordensleute wie die Mönche Agostinho da Cruz und Frei Jerónimo Baía sowie die Nonnen Violante do Céu, Maria do Ceu und Maria Magdalena da Gloria sind die wichtigsten Vertreter der geistlichen Lyrik der Renaissance. Diese Tradition reichte bis Ende des zwanzigsten Jahrhunderts, als Daniel Faria noch ein glühender Vertreter dieser Gattung war.

Barock und AufklärungBearbeiten

Der Barock ist vertreten vor allem durch einen Mann – den Pater António Vieira, dessen Predigten (Sermões) zum Wertvollsten der portugiesischen Prosa gehören und er ist gleichzeitig der bedeutendste Vertreter des portugiesischen Barock. Daneben sind noch bedeutend die Dichter Manuel Maria Barbosa du Bocage, António Barbosa Bacelar[2] und Francisco Rodrigues Lobo.

In diese Zeit fallen auch die Liebesbriefe der portugiesischen Nonne Mariana Alcoforado, die – das weiß man heute – nicht von ihr stammen, die an einen französischen Offizier gerichtet waren und bis heute zu den schönsten Liebesbriefen der Weltliteratur zählen.

Der dritte bedeutende Autor war Francisco Manuel de Melo (1608–1666), der hauptsächlich in spanischer Sprache schrieb und zu den bedeutenden Schriftstellern des 17. Jahrhunderts in Portugal gehörte.

Der eigentlich einzige echte Aufklärer Portugals war Luís António Verney, der mit seinen philosophischen, wissenschaftlichen und didaktischen Abhandlungen als Theologe vor allem in Portugal für Aufsehen sorgte. Ein weiterer Autor, der der portugiesischen Aufklärung zugerechnet wird, war der in England lebende Reiseschriftsteller Francisco Xavier de Oliveira.

RomantikBearbeiten

Alexandre Herculano gilt gemeinhin als Begründer der literarischen Romantik Portugals. Sein Werk ist von immenser Bedeutung zum Verständnis Portugals früherer Epochen. Almeida Garrett war der zweite große Romantiker des Landes. Für das Theater der Romantik war das Werk von Almeida Garrett von eminenter, sogar europäischer Bedeutung. Niemals davor seit der Renaissance oder danach hatte das portugiesische Theater soviel an Bedeutung außerhalb des Landes erfahren. Ein weiterer Dichter der Romantik war Antonio Augusto Soares de Passos.

Realismus, Positivismus, Nationalismus: die Generation von 1870Bearbeiten

Zwischen Romantik und Realismus angesiedelt ist das Werk von Camilo Castelo Branco (1825–1890). Dieser war mit 58 Romanen der bis zum Erscheinen von Eca de Queiros der bedeutendste Romancier, den Portugal hervorgebracht hatte. Sein Leben war so exzentrisch wie sein Werk. Seine Gothic Tales Mistérios de Lisboa (1854) wurden 2010 verfilmt („Die Geheimnisse von Lissabon“).

In den 1860er und 1870er Jahren bildete sich in Opposition zur Romantik in Coimbra eine studentische Vereinigung, die eine kulturelle Erneuerung Portugals anstrebte. In Lissabon bildete sich später eine ähnliche Gruppe, die „Cenáculo“. Unter der Herrschaft Dom Luis I. erstarkte erstmals eine starke republikanische Strömung, die auch eine politische Erneuerung verlangte. Zu dieser Geração de 70 zählten Antero de Quental (1842–1891) und der später ermordete Schriftsteller und Gelehrte Manuel Joaquim Pinheiro Chagas (1842–1895), der den portugiesischen Realismus begründete und dessen monumentales Werk gleichzeitig bedeutend für den portugiesischen Positivismus dieser Zeit wurde.

 
Eça de Queiroz

Der bedeutendste Vertreter des portugiesischen Realismus und der Generation von 1970 ist José Maria Eça de Queiroz (1845–1900). Der stark von der französischen Literatur beeinflusste Autor kritisierte die sozialen Umstände seiner Zeit und erlangte mit seinem Roman O primo Basílio Weltruhm. Abílio de Guerra Junqueiro (1850–1923) wurde als Verfasser nationalistisch-antibritischer Lyrik bekannt. Zu sozialen Fragen äußerte sich Joaquim Pedro de Oliveira Martins (1845–1894). Ramalho Ortigão (1836–1915) verfasste den ersten portugiesischen Kriminalroman.

Der Offizier und Diplomat Abel Botelho war zugleich ein bekannter Schriftsteller. Sein naturalistisches Werk schildert die Lage der Elenden und aus der Gesellschaft Ausgestoßenen. Sein Roman „O Barao de Lavos“ (1891) war das erste Werk der modernen europäischen Literatur, dass sich offen mit Homosexualität auseinandersetzte; die Vorlage war wohl ein Gesellschaftsskandal aus dem Jahr 1881.

Symbolisten und ParnassiensBearbeiten

Begründer des Symbolismus (Literatur) in Portugal war der Lyriker und Gelehrte Eugénio de Castro e Almeida, ein weiterer Vertreter der Lyriker und „portugiesische BaudelaireGomes Leal (1848–1921). Die teils dekadenten, teils aristokratischen Parnassiens (João Penha, António Feijó, Cesário Verde) gelten als Vorläufer des portugiesischen Modernismo.

Literatur der Vormoderne (Spätes neunzehntes Jahrhundert bis 1930er Jahre)Bearbeiten

Heimat- und ReiseliteraturBearbeiten

Raul Brandão (1867–1930) war der Chronist des alten Portugal, der vornehmlich Fischer und Landarbeiter der Azoren in seinen Büchern porträtierte und ihnen damit ein Gedächtnis schuf. Aquilino Ribeiro (1885–1963), vielgereister Weltbürger, schuf ein Werk mit heimatlichen Bezügen, dass sich mit der Natur und Landschaft seines Landes auseinandersetzte. José Maria Ferreira de Castro (1898–1974) war in erster Linie Reiseschriftsteller. Seine teils niederschmetternden Erlebnisse und Erfahrungen in Brasilien verarbeitete er zu Romanen und Erzählungen. Seine Werke markieren bereits die Nähe zum späteren Neorealismus (A selva, 1930, dt. Die Kautschukzapfer, 1933), das Lokalkolorit ist jedoch ausgeprägter. Florbela Espanca (1894–1930) war eine melancholische Dichterin; ihr Werk ist vergleichbar mit dem von Sa-Carneiro. Ihre latente Trauer lässt auch an die Saudade denken.

SaudosismoBearbeiten

 
Titelseite der Nr. 4 (1912) von A Águia, dem Organ der Renascença Portuguesa

Der Saudosismo bezeichnet in der portugiesischen Literaturgeschichte eine Bewegung der Erneuerung der portugiesischen Dichtung wie auch der portugiesischen Nation (Renascença Portuguesa). Die 1912 in Porto gegründete Vereinigung entstand als Reaktion auf die Gründung der Republik 1910 und das damit verbundene Gefühl der Demoralisierung; ihr Schaffen erreichte einen Höhepunkt in der zweiten Dekade des 20. Jahrhunderts. Ihre Zeitschrift A Águia („Der Adler“) existierte von 1912 bis 1932.

Die Werke der Bewegung waren durch einen für Portugal typischen melancholischen Stil charakterisiert, der mystisch-pantheistische Züge trägt. Der Begriff leitet sich von portugiesisch saudade her, was nur ungefähr mit Sehnsucht, Schwermut übersetzt werden kann.

Ihr bedeutendster Vertreter war Teixeira de Pascoaes (1877–1952), eine weiterer der Philosoph Leonardo Coimbra (1883–1936). Auch der nach Luís de Camões als bedeutendster Lyriker Portugals geltende Fernando Pessoa (1888–1935) war eine Zeit lang Anhänger dieser Richtung.

Integralismus und FaschismusBearbeiten

Vor allem drei Dichter waren es, die zunächst vom katholischen, an Monarchie und Ständestaat orientierten Integralismus und später auch vom Faschismus als bedeutende Dichter gefeiert wurden: António Sardinha, jung verstorben, Verbreiter rassistischer Theorien und auch Politiker, Afonso Lopes Vieira, ein Vertreter der konservativen Revolution und Autor völkischer Gedichte, und der Lyriker António Correia de Oliveira, der zu einer Art offiziellem Dichter des Estado Novo avancierte.

ModerneBearbeiten

Erster Modernismo

In der portugiesischen Literatur unterscheidet man die Zeiten des ersten und zweiten Modernismo. Der erste Modernismus war der vom Symbolismo geprägte Versuch, sich von überlieferten und veralteten Traditionen der portugiesischen Literatur und Kultur abzugrenzen, und führte vor allem in der Lyrik zum Anschluss an die europäische Avantgarde. Bedeutende Vertreter waren Fernando Pessoa, der bei seinem Tod 30.000 fliegende Blätter hinterließ, die er als Buch publizieren wollte, die aber erst 1982 erschienen, ferner Mário de Sá-Carneiro und José Sobral de Almada Negreiros, hier in seiner Eigenschaft als Schriftsteller. Die von den Autoren des Modernismo herausgegebene Zeitschrift Orpheu, von der nur zwei Ausgaben erschienen, erregte aufgrund ihres avantgardistischen Charakters einen Skandal. Zeitlich ist der erste Modernismo 1914 bis ca. 1930 anzusetzen.[3]

 
Fernando Pessoa (um 1915)
Zweiter Modernismo

Die Nachfolger Pessoas gründeten 1929 ein starkes Instrument, die Literaturzeitschrift „Presença“, die das Sprachrohr dieser Bewegung des Presencismo war. Wichtige Autoren waren João Gaspar Simões, José Régio, Miguel Torga und Branquinho da Fonseca. Kennzeichnend waren die Betonung der Individualität und die ausgeprägte L’art pour l’art-Haltung des Dichters. Dessen Empfindsamkeit und Intelligenz sollten sich im Kunstwerk ausdrücken. Diese zweite Etappe des Modernismo fiel in die Jahre zwischen 1930 und ca. 1945.

Neorrealismo

Bereits in den 1930er Jahren entwickelte sich unter der Diktatur eine starke Gegenströmung zum ästhetischen Presencismo. Sie stand von Anfang an unter dem Einfluss des brasilianischen Romans des Nordostens, einer Literatur, die die Determination der Menschen durch ihre Lebensverhältnisse in den Mittelpunkt stellte. Als eines der ersten Werke dieser Richtung gilt der Roman Gaibéus (1939) von Alves Redol, der gegenüber ästhetischen Fragen indifferent war. Die Neorealisten veröffentlichten Romane über das Leben der Arbeiter, Landarbeiter und Fischer, in denen auch Dialekt verarbeitet wurde. Sie diskutierten ihre Auffassungen in mehreren, teils von der Zensur verbotenen Zeitungen. Zu ihnen gehörten Manuel da Fonseca, Carlos de Oliveira und Fernando Namora.[4]

Surrealismus

Auch im Surrealismus versuchten sich diverse Dichter. So waren hier Alexandre O’Neill, Mário Cesariny. Jorge de Sena (1919–1978), der nach Brasilien und in die USA emigrierte, sowie Ruben Alfredo Andresen Leitão (1920–1975) die wichtigsten Vertreter.

Erzähler und Romanciers

Die 1950er und 1960er Jahre brachten große Erzähler hervor: Carlos de Oliveira setzte sein neorealistisches Werk mit Uma Abelha na Chuva („Eine Biene im Regen“, 1953) fort. Auch Miguel Torga, ein Arzt aus dem Norden Portugals, der in den 1940er Jahren verstummt war, verfasste mit A criacao do mundo („Die Erschaffung der Welt“) eine der großen Erzählungen über die Zeitspanne (s)eines Lebens von den 1920er bis in die 1980er Jahre. Agustina Bessa-Luís, neben Lidia Jorge bedeutendste weibliche Stimme ihres Landes im 20. Jahrhundert, konnte auf sehr viele Veröffentlichungen zurückblicken, vor allem von Romanen, Erzählungen, Theaterstücken und verfilmten Drehbüchern.

Lyrik

Die wichtigste Gattung der portugiesischen Literatur und Kunst ist die Lyrik. Unzählige Lyriker hat Portugal hervorgebracht. Einige moderne wurden auch über die Grenzen des Landes bekannt. So etwa António Botto (1897–1959), der durch sein offenes Bekenntnis zu seiner Homosexualität einer der wenigen Autoren und Prominenten Portugals war, der sich öffentlich dazu bekannte und dadurch in Schwierigkeiten kam. Eugénio de Andrade (1923–2005), ausgezeichnet mit dem Prémio Camões, 2001, wurde auch in Deutschland gelesen und gilt als einer der bedeutenden Lyriker Portugals im 20. Jahrhundert.

Das Universum des António Gedeão

Der Dichter António Gedeão ist eine Ausnahme in der modernen portugiesischen Literatur. Als Militärtechniker und Wissenschaftshistoriker schrieb er über sein Sujet unzählige Sachbücher und populärwissenschaftliche sowie naturwissenschaftlich-didaktische Schriften, die in ihrem Umfang und in ihrer Bekanntheit in Portugal einzigartig sind. Als Dichter begann er bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Verfassen von Versen und schrieb mit elf Jahren ein Drama über Vasco da Gama, das nur fragmentarisch erhalten ist. Später kamen Gedichte über naturwissenschaftliche Themen hinzu. Oftmals wird er mit Fernando Pessoa verglichen. Gedeão ist eine außergewöhnliche Gestalt der portugiesischen Literatur, wie es sie vor und nach ihm nicht mehr gegeben hat. Seine naturwissenschaftlichen Reflexionen sind am besten in dem Gedicht „Aurea Borealis“ (Nordlicht) zu fassen.

Postmoderne und GegenwartBearbeiten

 
Sophia de Mello Breyner Andersen

José SaramagoBearbeiten

Einer der bedeutendsten Schriftsteller Portugals in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war José Saramago (1922–2010). Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende gelernte Automechaniker erwarb sich durch seine autodidaktischen Fähigkeiten umfangreiche Literaturkenntnisse, die ihn dazu brachten, sich ab 1976 ganz der Schriftstellerei zu widmen. Saramago gelang 1980 mit dem sozialkritischen Roman Levantando do chão (Hoffnung im Alentejo) der nationale Durchbruch. Seitdem verfasste der bekennende Atheist und Kommunist zahlreiche Gedichte, Novellen, Romane und Dramen, in denen er in einer kraftvollen, teilweise surrealistischen Erzählweise die Geschichte und Gesellschaft Portugals aus der Sicht der kleinen Leute porträtiert. Sein Roman O Evangelio Segundo Jesus Cristo (Das Evangelium nach Jesus Christus) von 1991 erregte aufgrund angeblicher Blasphemie den Unmut der katholischen Kirche, was dazu führte, dass Saramagos Nominierung für den Europäischen Kulturpreis durch die portugiesische Regierung zurückgenommen wurde. Aus Protest wanderte Saramago daraufhin nach Spanien aus. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt 1995 den höchsten Preis für portugiesischsprachige Literatur (Prémio Camões) und 1998 den Literaturnobelpreis.

 
António Lobo Antunes

António Lobo AntunesBearbeiten

António Lobo Antunes (* 1942) ist ein zeitgenössischer portugiesischer Romancier. Der studierte Mediziner arbeitete zeitweise während der Endphase des Unabhängigkeitskriegs als Militärarzt in Angola. Nach seiner Rückkehr nach Portugal arbeitete er als Psychiater. Seine Erfahrungen während des Kriegs verarbeitete er in dem Roman Os Cus de Judas (Der Judaskuss), mit dem ihm 1979 in Portugal der Durchbruch als Schriftsteller gelang. Heute lebt und arbeitet Antunes als Autor in Lissabon. Er thematisiert in seinen Romanen die Geschichte Portugals, wobei im Zentrum immer das Schicksal normaler Menschen steht. Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem 2007 mit dem Prémio Camões, dem bedeutendsten literarischen Preis Portugals. Antunes gilt als Anwärter auf den Literaturnobelpreis.

Goncalo M. TavaresBearbeiten

Seit dem Jahr 2012 ist Gonçalo M. Tavares auch in Deutschland einem breiten Publikum bekannt. Er machte eine Lesereise und ein weiteres Buch von ihm wurde ins Deutsche übertragen. Er gilt somit als legitimer Nachfolger von Saramago und Antunes und ist mit Sicherheit einer der großen zeitgenössischen Erzähler aus Portugal. Tavares ist der bedeutendste portugiesische Schriftsteller seiner Generation.

Wichtigste Gattungen und StileBearbeiten

Die wichtigste Literaturgattung in Portugal ist die Lyrik. Man sagt, in Portugal verfasse jeder Bürger einmal in seinem Leben mindestens ein Gedicht. Lyrik wird oft auch für Lieder und Liedtexte von Fados verwendet und hat auch in der einfachen portugiesischen Bevölkerung durch das Auswendiglernen einen recht hohen Stellenwert. Schon durch die „Cancioneiros“ (Liederbücher) des Spätmittelalters zeigt sich, wie wichtig teilweise für einfache Höflinge die Lyrik war, die in anthologiemäßigen Büchern gesammelt wurde. Das Drama bzw. die Dramatik hatte immer diverse Blütezeiten und ist mit den Namen großer Autoren verbunden. Ist die zweitwichtigste Gattung der portugiesischen Literatur. Die Prosa hatte früher die Hauptbedeutung in den Heiligenlegenden und Chroniken der Höfe und der Monarchie. Romane waren zumeist im Bereich ritterlicher Literatur angesiedelt. Portugiesischen Romanciers gelang es erst Ende des 19. Jahrhunderts erste internationale Erfolge zu haben. Danach gab es immer wieder einzelne Romanciers, die Weltgeltung erlangten (Saramago, Lobo Antunes).

Bedeutend für Portugal ist eine eigene Art des Sachbuches, die zwischen Essayistik und Philosophie steht und keiner klaren Gattung zugeordnet werden kann: viele Texte sind hoch wissenschaftlich, theologisch, philosophisch, anthropologisch, fallen aber nicht in die klassischen Gattungen oder werden dennoch nicht als diese anerkannt. Beispiele für diese Art der Literatur sind die Werke von Teixeira de Pascoaes oder die prosaischen Werke Fernando Pessoas. Bedeutung erlangte auch die Reiseliteratur (Fernao Mendes Pinto, António Tenreiro, Bernardo Gomes de Brito u. a.).

Portugiesische Autoren in Bezug auf DeutschlandBearbeiten

Viele portugiesische Autoren wurden in die verschiedensten Sprachen übersetzt, so auch ins Deutsche. Sie hatten mit ihrem Werk Einfluss auf deutsche Literaten:

  • Luís de Camões, dessen Epos Die Lusiaden war 1810 erstmals in deutscher Sprache erschienen und erfuhr im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart diverse Übersetzungen und Neuauflagen. Zahlreiche deutsche, vor allem romantische, Dichter lasen die Lusiaden oder schrieben sogar ein Gedicht über den Autor, so zum Beispiel Bürger, Schlegel, Fichte etc. Die Lusiaden gehörten seitdem zum Bildungsgut des Bildungsbürgers. August von Platen soll sogar portugiesisch gelernt haben, um die Lusiaden im Original lesen zu können.
  • Fernao Mendes Pinto: dessen Werk, die „Peregrinacao“, übersetzt so viel wie „Wunderliche Reise ins entfernte Asien“, wurde bereits im 17. Jahrhundert ins Deutsche und andere Sprachen übertragen und erlebte seitdem viele Auflagen. Bedeutend war das Werk als Schilderung über die Sitten, Gebräuche und geographischen Gegebenheiten der von ihm besuchten Länder und fand bei an Abenteuer interessierten Lesern reißenden Absatz.
  • José Maria Eça de Queiroz der als Romancier auch der „portugiesische Zola“ genannt wurde, war der erste Romancier, der fast komplett mit seinem Œuvre ins Deutsche übertragen wurde. Friedrich Nietzsche hat ihn gelesen und hoch geschätzt. Sein Werk „Vetter Basilio“ wurde als erste portugiesische Literatur überhaupt in Deutschland verfilmt, 1969 als Fernsehstück unter der Regie von W. Semmelroth.
  • Fernando Pessoa: Portugals bedeutendster Schriftsteller des 20. Jahrhunderts hat eine große Fangemeinde in Lateinamerika und Südeuropa. Weltbekannte Autoren wie Jorge Luis Borges, Octavio Paz und Antonio Tabucchi beschäftigten sich mit ihm. In Deutschland ist Pessoa durch die Dokumentation „Fernando Pessoa- Im Labyrinth des Ich“ von 1987, übrigens das erste Porträt eines Portugiesen als Dokumentation in Deutschland, bekannt geworden. Sein komplettes Werk ist ins Deutsche übertragen worden und findet auch in Deutschland eine große Fangemeinde.
  • Aquilino Ribeiro war ein an sich nur in Portugal bekannter Schriftsteller. Mit seinem Reisetagebuch, das er in den 1920er-Jahren über eine Reise durch Deutschland schrieb, prägte er das Bild von Deutschland in Portugal nachhaltig. Sein Werk ist ein Buch, das die Geschehnisse aus Sicht eines Portugiesen schildert in einer Zeit, wo beide Länder noch keine weitreichenden Kontakte miteinander pflegten.

Die zeitgenössischen Autoren António Lobo Antunes, José Saramago und Lídia Jorge unter anderem sind durch zahlreiche Autorenlesungen, Zeitungsartikel und Übersetzungen dem deutschen Publikum bestens bekannt.

Das portugiesische TheaterBearbeiten

Das portugiesische Theater (Teatro Portugues) umfasst das Theaterwesen in Portugal. Mindestens so bedeutend wie der portugiesische Film ist in der Öffentlichkeit des Landes das Theater, zumal seine Tradition sehr lang ist und einige Dramatiker und Stücke es zu Weltruhm gebracht haben. Als Begründer des portugiesischen Theaters gilt Gil Vicente.

Die Anfänge und Höhepunkte der „Goldenen Zeit“ des portugiesischen Theaters liegen in der Renaissance und fällt mit dem „Goldenen Zeitalter“ der Literatur dort zusammen. Von etwa 1500 bis 1600 entstanden bedeutende Werke des Renaissance-Theaters, viele wurden jedoch durch die Inquisition verboten und konnten erst in späteren Epochen aufgeführt werden. Die zweite große Epoche des portugiesischen Theaters war die Zeit der portugiesischen Romantik, in der weitere bedeutende Stücke entstanden.

Bedeutende Dramatiker

Renaissance (Goldenes Zeitalter portugiesischen Theaters):

Barock

Romantik

Weitere bedeutende Dramatiker

Dramatiker von Weltgeltung

  • Gil Vicente
  • Almeida Garrett

Bedeutende Stücke

Bedeutende Literaturzeitschriften aus PortugalBearbeiten

Literaturwissenschaftliche Theorie, Begriffe der rein portugiesischen LiteraturgeschichteBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Harri Meier, Ray-Güde Mertin: Die portugiesische Literatur. In: Kindlers neues Literatur-Lexikon. Bd. 20. München 1996, S. 66–77.
  • João Barrento: Nelken und Immortellen. Portugiesische Literatur der Gegenwart. Berlin: edition tranvía, 1999. ISBN 3-925867-42-2.
  • Ilse Losa, Egito Gonçalves: Erkundungen. 30 portugiesische Erzähler. Berlin 1973.
  • Ilídio Rocha: Chronologisches Lexikon der portugiesischen Literatur. Nach dem Pequeno Roteiro da Literatura Portuguesa. Lissabon, 1984, aktualisiert und überarbeitet von Ilídio Rocha, Frankfurt am Main: TFM (Verlag Teo Ferrer de Mesquita), 1999. ISBN 3-925203-62-1.
  • Giuseppe Carlo Rossi – Geschichte der portugiesischen Literatur. (Tubingen, 1964).
  • Helmut Siepmann: Kleine Geschichte der portugiesischen Literatur. (Beck'sche Reihe, 1547) München: C.H. Beck, 2003. ISBN 3-406-49476-5.
  • Helmut Siepmann: Portugiesische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts in Grundzügen. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, ²1995. ISBN 3-534-08794-1.
  • Portugiesische Literatur, hrsg. v. Henry Thorau. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1997. ISBN 3-518-40946-8.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. The Lusiads. 1800–1882. Abgerufen am 31. August 2013.
  2. Margarida Viera Mendes: The Baroque in Portugal. in: Miguel Tamen, Helena Buescu (Hrsg.): A revisionary history of Portuguese literature. Garland, London/New York 1999, ISBN 0-8153-3248-3, S. 58–78, hier S. 66
  3. Meier, Mertin 1996, S. 74.
  4. Meier, Mertin 1996, S. 75.