Peter Spuhler (Intendant)

deutscher Theaterintendant

Peter Spuhler (* 7. Juli 1965 in Berlin) ist ein deutscher Dramaturg und Theaterintendant.

Peter Spuhler beim Spielzeitcocktail 2011 am Badischen Staatstheater Karlsruhe

LebenBearbeiten

Peter Spuhler studierte Regie und Dramaturgie am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Von 1990 bis 1991 arbeitete er als Dramaturg am Schauspielhaus in Wien. Von 1993 bis 1996 leitete er die Kinder- und Jugendarbeit am Theater der Altmark in Stendal und war zudem als Regisseur und Dramaturg tätig. 1996 wurde er zum Leitenden Dramaturgen und Schauspieldirektor am Volkstheater Rostock ernannt. Danach ging Spuhler von 2002 bis 2005 als Intendant ans Landestheater Tübingen. Von 2005 bis 2011 war er Intendant des Theaters und Orchesters Heidelberg. Seit 2011 ist Spuhler Generalintendant des Badischen Staatstheaters Karlsruhe. Auf Beschluss des Verwaltungsrats des Theaters soll Spuhlers erst 2019 um sieben Jahre verlängerter Vertrag – offenbar aufgrund der hausinternen Auseinandersetzungen um seinen Führungsstil – vorzeitig zum 31. August 2021 aufgelöst werden.[1] Im Augenblick laufen die Verhandlungen über den Auflösungsvertrag. Als Nachfolger Spuhlers im Amt des Generalintendanten wurde Ulrich Peters ernannt, der das Haus ab August 2021 für drei Jahre innerhalb einer erweiterten Geschäftsführung leiten soll.[2] Ein gegen Spuhler eingeleitetes Verfahren wegen Untreue wurde von der Staatsanwaltschaft Karlsruhe zwischenzeitlich eingestellt.[3]

Von Februar 2007 bis 2011 war Peter Spuhler außerdem Vorsitzender der Dramaturgischen Gesellschaft.

KritikBearbeiten

Wiederholt wurde Kritik am Führungsstil von Peter Spuhler bekannt. Ihren bisherigen Höhepunkt erreichte diese Kritik im Sommer 2020. Die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) berichteten am 27. Juni 2020 über den kurzfristig angekündigten vorzeitigen Weggang des Operndramaturgen Boris Kehrmann. Dieser erklärte gegenüber der Zeitung, sinnvolles Arbeiten sei unter Spuhler nicht möglich gewesen. Auch weitere ehemalige Mitarbeiter hätten – teils anonym – von Kontrolldruck und einem „Klima der Angst“ berichtet. Vor Kehrmann hatten bereits der stellvertretende Operndirektor Patric Seibert, die Operndramaturgin Deborah Maier und der Erste Kapellmeister Daniele Squeo das Theater verlassen. Mit Verweis auf interne Kreise berichtete die Zeitung weiter, dass auch Operndirektorin Nicole Braunger im November 2019 einen Auflösungsvertrag angeboten habe, was aber abgelehnt worden sei. Neben übertriebenem Kontrollwahn wurde Spuhler auch vorgeworfen, das Potenzial des Ensembles nicht gut genug zu nutzen und durch seinen Führungsstil die Kreativität der Mitarbeiter zu behindern. Schon 2015 war erstmals über Differenzen zwischen ihm und Theaterbeschäftigten berichtet worden, als der Verwaltungsdirektor Michael Obermeier gerichtlich gegen seine geplante Versetzung nach Stuttgart vorging. Damals wurde aus der Politik eine Mediationsfirma zur Klärung der Probleme beauftragt.[4]

In den darauffolgenden Wochen wurde diese Kritik vom Personalrat, dem Förderverein des Theaters sowie den Vorständen von Orchester und Chor bekräftigt. Weitere Anschuldigungen betrafen eine zu hohe Arbeitsbelastung, die zu mehreren Burnout-Fällen geführt hätten sowie die Besetzung von Leitungsstellen mit Vertrauten Spuhlers, so etwa der Technische Direktor. Trotz der bekannten Kritik wurde der Vertrag von Peter Spuhler 2019 um weitere sechs Jahre verlängert, was Berichten zufolge auf den Einfluss der Vorsitzenden des Verwaltungsrats, Baden-Württembergs Kunstministerin Theresia Bauer, zurückzuführen sei. Diese kenne ihn aus seiner Zeit als Intendant an ihrem Wohnort Heidelberg.[5]

Am 17. Juli 2020 wurde nach einer Tagung das Verwaltungsrats bekanntgegeben, dass Peter Spuhler im Amt bleiben wird.[6] Zuvor hatten rund 270 Mitarbeiter vor dem Theatergebäude demonstriert.[7] Das unabhängige und überregionale Theaterfeuilleton nachtkritik.de meldet am 18. November 2020 auf seiner Website, dass Spuhler sein Amt zum Herbst 2021 aufgeben solle. Das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst teile in einer Pressemitteilung mit, dass Spuhler seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt habe, einer vorzeitigen Vertragsauflösung zuzustimmen. Gleichlautend berichte auch der SWR auf seiner Internetpräsenz.[8]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Staatstheater Karlsruhe: Trennung von Spuhler zieht sich hin. 21. Mai 2021, abgerufen am 18. Juni 2021.
  2. Stuttgarter Zeitung, Stuttgart Germany: Badisches Staatstheater: Ulrich Peters löst als Interimsintendant Peter Spuhler ab. Abgerufen am 18. Juni 2021.
  3. Untreue-Ermittlungen gegen Staatstheater-Intendanten Spuhler eingestellt. 30. April 2021, abgerufen am 18. Juni 2021.
  4. Andreas Jüttner: „Klima der Angst“ – Staatstheater Karlsruhe: Schwere Vorwürfe von scheidenden Mitarbeitern. In: Badische Neueste Nachrichten. 27. Juni 2020, abgerufen am 2. September 2020.
  5. Andreas Jüttner: Verwaltungsrat tagt in Karlsruhe – „Stichtag” in Staatstheater-Krise: großer Knall oder kleiner Kompromiss? In: Badische Neueste Nachrichten. 16. Juli 2020, abgerufen am 2. September 2020.
  6. Andreas Jüttner: Verwaltungsrat hat entschieden – Peter Spuhler bleibt Generalintendant des Badischen Staatstheaters. In: Badische Neueste Nachrichten. 17. Juli 2020, abgerufen am 2. September 2020.
  7. Andreas Jüttner: Politiker umgehen Demo in Karlsruhe durch vorzeitiges Eintreffen – Hunderte Mitarbeiter des Badischen Staatstheaters demonstrieren vor Verwaltungsratssitzung. In: Badische Neueste Nachrichten. 17. Juli 2020, abgerufen am 2. September 2020.
  8. Karlsruhe: Intendant Peter Spuhler soll gehen. In: nachtkritik.de. 18. November 2020, abgerufen am 25. Januar 2021.