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Die Schwedischen Nationalparks

Der Status Nationalpark bietet in Schweden den höchsten Grad an Landschaftsschutz. Bis auf wenige Ausnahmen im Süden des Landes erfüllen alle Nationalparks die Kategorie II der IUCN.

Schweden erklärte 1909 als erstes Land in Europa neun Gebiete zu Nationalparks. Ziel war es, die unberührte Natur für die damalige Generation sowie für alle nachfolgenden zu bewahren.[1] Heute gibt es 30 schwedische Nationalparks, sowie in und um Stockholm den ersten Nationalstadtpark der Welt.

Im Jahre 2018 waren ca. 1,56 Prozent der Landesfläche (7.023,58 km²) als Nationalpark ausgewiesen[Anmerkung 1]. Darüber hinaus gibt es über 3500 streng geschützte Naturschutzgebiete, die eine Fläche von 36.816 km² einnehmen. In Schweden bestehen insgesamt 19.940 Naturschutzgebiete, die etwa 15 Prozent der Landfläche sowie weitere 15 Prozent der Meeresgebiete umfassen.[2]

Inhaltsverzeichnis

NaturschutzBearbeiten

Auch heute noch ist das Hauptziel von Nationalparks (schwedisch Nationalpark) und Naturschutzgebieten (schwedisch Naturreservat) die Erhaltung der potenziellen Naturgegebenheiten. Beide Formen sind im Umweltgesetz eingetragen; der Schutzstatus ist jedoch je nach Gebiet sehr unterschiedlich und reicht von strengstem Schutz bis zu schwachem Schutz ähnlich den deutschen Naturparks oder Landschaftsschutzgebieten.

Die Nationalparks sollen alle sechs Großlebensräume Schwedens abdecken:

FjällgebirgeBearbeiten

Etwa 90 Prozent der gesamten Nationalparkfläche – vor allem die drei aneinander angrenzenden Nationalparks Sarek, Padjelanta und Stora Sjöfallet im UNESCO-Welterbe Laponia – befindet sich in den Skanden. Für dieses Gebirge typisch sind die baumlosen Bergtundren (die in Skandinavien Fjäll genannt werden) sowie die Fjällbirkenwälder der Waldtundra am Übergang zur Nadelwaldzone. Die größten Flächen gehören zu den niedrigen Fjällregionen (Lågfjäll) mit weitläufigen subarktischen Wiesen und Strauchheiden. Ein geringer Teil reicht hinauf bis in die Zone der Kältewüste und Gletscher (Högfjäll).

Insgesamt gehören rund 10 Prozent Schwedens zur waldfreien Gebirgsregion. Je nach dem Blickwinkel des Betrachters ist das Fjäll entweder eine fast zur Gänze unberührte Wildnis oder eine alte Kulturlandschaft der indigenen sámischen Rentierhirten. Etwas mehr als ein Drittel dieser Region ist ausreichend (IUCN-Kategorie Ia/b oder II) geschützt.[3]

NadelwälderBearbeiten

Der boreale Nadelwald ist der am weitesten verbreitete Landschaftstyp Schwedens und dominiert die Nationalparks (und anderen Großschutzgebiete) außerhalb der Fjällregion. Je weiter nördlich, desto schmaler sind die Silhouetten der Bäume aufgrund der Anpassung an die härteren Winter. Zudem erhöht sich der Anteil der Birken nach Norden und mit zunehmender Meereshöhe.

Mit ca. 6 % der rund 226.000 km² großen Gesamtwaldfläche verfügt Schweden neben Finnland für westeuropäische Verhältnisse noch über einen vergleichsweise großen Bestand an Urwäldern (gemäß IFL-Standard)[4] (Zum Vergleich: Die knapp 14.000 km² Urwaldfläche Schwedens ist gegen die über 270.000 km² in Nordwest-Russland sehr gering.[5] Demgegenüber weisen die Länder Mitteleuropas und die Laubwaldgebiete Schwedens gar keine IFL-Wälder mehr auf). Während nur knapp 12 % der russischen Flächen (~ 32.000 km²) unter strengem Schutz stehen, sind es in Schweden immerhin über 65 %.[4]

EdellaubwälderBearbeiten

Der Laubwald – in Schweden Edellaubwald genannt – wird wie im nördlichen Mitteleuropa maßgeblich durch Rotbuchen, Eschen, Stiel- und Traubeneichen sowie Ulmen gebildet. Er ist oft sehr artenreich und bietet Schutz und Lebensraum für viele gefährdete Arten. Heute gibt es diese Wälder ausschließlich südlich des Dalälven, wie im Söderåsen-, Dalby Söderskog-, Stenshuvud- und Ängsö-Nationalpark.

FeuchtgebieteBearbeiten

Rund ein Fünftel der Fläche Schwedens ist von Feuchtgebieten wie Mooren, Sümpfen und Feuchtwiesen bedeckt. Viele Pflanzen und Tiere haben sich deshalb besonders an diese Zonen angepasst. Besonders schöne und eindrucksvolle Feuchtgebiete finden sich im Muddus- und Store Mosse Nationalpark.

Seen und FlüsseBearbeiten

Schweden ist eines der seenreichsten Länder der Welt. Der Nationalpark Djurö im Vänern besteht überwiegend aus Wasserfläche, während der Nationalpark Åsnen eine große Zahl an Inseln einschließt. Es gibt – vor allem im hohen Norden – noch einige Flüsse, die gänzlich oder beinahe völlig vom Menschen unbeeinflusst sind. Der Vindelälven, der Torne älv, der Kalixälven und der Piteälven sind deshalb als Nationalflüsse geschützt. Auch der Nationalpark Färnebofjärden am Ufer des Dalälven stellt ein wertvolles Süßwasserareal dar.

Küste, Meer und SchärenBearbeiten

Sehr vielfältig gestalten sich die Nationalparks entlang der Küste. So weist der Nationalpark Skuleskogen teilweise eine außergewöhnlich hohe Steilküste; der Stenshuvud Nationalpark große Sandstrände auf. Bekannt für seine Sandbänke und Schären ist der Haparanda Skärgård Nationalpark. Weitere Alleinstellungsmerkmale einiger Nationalparks sind die Granitfelsen von Blå Jungfrun, die Sanddünen von Gotska Sandön und das offene Meer des Kosterhavet Nationalparks.

Geschichte und Verwaltung von NationalparksBearbeiten

Die ersten Nationalparks in Schweden wurden laut dem Naturvårdsverket nach ästhetischen oder touristischen Kriterien denn nach Naturschutzüberlegungen eingerichtet. Sie lagen hauptsächlich in den nördlichen Teilen Schwedens und viele naturräumliche Besonderheiten wie etwa die Schären waren zu Anfang überhaupt nicht vertreten.

In jüngerer Zeit haben sich die Verfahren zur Einrichtung von Nationalparks verändert, besonders bezüglich der Auswahl und späteren Ausweisung neuer Parks. 2008 wurde ein neuer Nationalpark-Plan verabschiedet, der eindeutige Kriterien für die Auswahl vorgibt und sich an den Regeln der Weltnaturschutzunion (IUCN) orientiert.[6]

Die zentrale Verantwortung für den Gebietsschutz in Schweden trägt das schwedische Umweltschutzamt Naturvårdsverket. Es bereitet auch die Beschlüsse der Regierung zur Einrichtung neuer Nationalparks vor. Träger der Nationalparks und Naturschutzgebiete ist in der Regel die jeweilige Provinzregierung, gelegentlich werden diese jedoch auch von Stiftungen verwaltet. Für alle Nationalparks ist zudem gesetzlich der freie Zugang gesichert.[1]

Für jeden Nationalpark existiert ein individueller Pflegeplan zur nachhaltigen Erhaltung der intakten ökologischen Bedingungen. In diesen sind die Verwaltungsaufgaben, Methoden und Inhalte des fortlaufenden Monitorings von Fauna und Flora, Maßnahmen gegen Erosion, die Beschilderung, das Wegenetz und die Besucherlenkung geregelt.

Im Normalfall wird die Natur in Nationalparks unverändert belassen (Prozessschutz). Nur in den Parks, die zur Erhaltung von Kulturlandschaften eingerichtet wurden, sind dauerhafte Pflegemaßnahmen, die der historischen Nutzung entsprechen, notwendig.

Gründung und Verwaltung von NaturschutzgebietenBearbeiten

Über die Gründung eines geschützten Gebietes (Naturreservat) beschließen, nach Verhandlungen mit den Grundbesitzern und allen weiteren betroffenen Personen, die Provinzregierungen und die jeweiligen Kommunen.

Anders als bei einem Nationalpark kann ein Naturschutzgebiet sich auch in Privatbesitz befinden. Viele Naturschutzgebiete werden geschaffen, um die Pflanzen- und Tierwelt zu schützen; andere um als eine Art Naherholungsgebiet mit Freizeit- und Sportmöglichkeiten zu dienen. Die Grenzen sind jedoch fließend.[1] Dies ist die Ursache für die eingangs genannten Unterschiede bei der Strenge des jeweiligen Schutzstatus.[1]

Liste der NationalparksBearbeiten

Nr. Name Fläche[7] Provinz (län) Schwedische Landschaft Landschaftstypen Gründung Lage Bild
2. Abisko 77 km² Norrbottens län Lappland Fjällbirkenwald und Fjäll 1909
 
16. Ängsö 1,9 km² Stockholms län Uppland Schärenküste 1909
 
24. Blå Jungfrun 0,65 km² Kalmar län Öland Granitinsel 1926
 
9. Björnlandet + 11 km² Västerbottens län Lappland Nadel-Urwald 1991
 
26. Dalby Söderskog 0,36 km² Skåne län Schonen Laubwald 1918
 
20. Djurö Västra Götalands län 24 km² Västergötland See-Schären 1991
 
13. Fulufjället 385 km² Dalarnas län Dalarna Fjällplateau und Schlucht 2002
 
15. Färnebofjärden 101,1 km² Dalarnas län Västmanlands län Gävleborgs län Uppland Flusslandschaft im Mischwald 1998
 
17. Garphyttan 1,11 km² Örebro län Närke Wiesen-Kulturlandschaft 1909
 
28. Gotska Sandön + 44,9 km² Gotlands län Gotland Düneninsel 1909
 
14. Hamra + 13,83 km² Gävleborgs län Gästrikland Nadel-Altwald und Moore 1909
 
8. Haparanda Skärgård 60 km² Norrbottens län Norrbotten Sand-Schären 1995
 
29. Kosterhavet 365 km² Västra Götalands län Bohuslän Schärenküste und Meer 2009
 
22. Norra Kvill 1,14 km² Kalmar län Småland Nadel-Altwald und Felsen 1927
 
6. Muddus 493,4 km² Norrbottens län Lappland Nadel-Urwald und Moor 1942
 
4. Padjelanta + 1984 km² Norrbottens län Lappland Fjäll, Hochebene und Seen 1962
 
7. Pieljekaise 153,4 km² Norrbottens län Lappland Fjällbirkenwald und Fjäll 1909
 
5. Sarek + 1970 km² Norrbottens län Lappland Hochfjäll 1909
 
10. Skuleskogen + 23,6 km² Västernorrlands län Ångermanland Nadelwald und Felsküste 1984
 
27. Stenshuvud 3,9 km² Skåne län Schonen Laubwald, Kulturlandschaft und Strand 1986
 
3. Stora Sjöfallet 1278 km² Norrbottens län Lappland Hochfjäll und Seen 1909
 
23. Store Mosse 78,5 km² Jönköpings län Småland Moorgebiet 1982
 
11. Sonfjället 103 km² Jämtlands län Härjedalen Isolierter Fjällberg 1909
 
25. Söderåsen 16,25 km² Skåne län Schonen Buchenwald und Schlucht 2001
 
21. Tiveden + 13,5 km² Örebro län Västra Götalands län Västergötland Nadel-Altwald und Felsen 1983
 
19. Tresticklan 28,97 km² Västra Götalands län Dalsland Nadel-Altwald und Glaziale Rinnen 1996
 
18. Tyresta 20 km² Stockholms län Södermanland Urwaldartige Nadelwälder 1993
 
12. Töfsingdalen 16,15 km² Dalarnas län Dalarna Nadel-Urwald und Fjällheide 1930
 
1. Vadvetjåkka 26,3 km² Norrbottens län Lappland Fjäll und Moor 1920
 
30. Åsnen 18,68 km² Kronobergs län Småland Seen- und Insellandschaft 2018
 

Hinweis: Geplante Erweiterungen bestehender Nationalparks sind in der oben abgebildeten Tabelle jeweils mit einem + versehen.

NationalparkplanBearbeiten

2008 hat die schwedische Naturschutzbehörde nach eingehenden Untersuchungen und Befragungen der beteiligten Provinzen, Organisationen und Grundeigentümer einen neuen Nationalparkplan vorgestellt. Zukünftig sollen 13 neue Nationalparks ausgewiesen, sowie sieben bestehende erweitert werden (siehe Tabelle). Würde der Plan komplett umgesetzt, würde die Anzahl der Nationalparks auf 42 steigen.[8] Bislang (2018) wurde mit dem Nationalpark Åsnen ein weiterer geplanter Park verwirklicht.

LiteraturBearbeiten

  • Reinhold Dey, Johannes Wendland: Nationalparks in Schweden. Wanderungen in Norwegen, Schweden und Finnland. Leopold Stocker, Graz/ Stuttgart 1991, ISBN 3-7020-0615-X.
  • Naturvårdsverket (Hrsg.): Herzlich willkommen in den Nationalparks Schwedens! Faltblatt. Stockholm 2009, ISBN 978-91-620-8408-0 (naturvardsverket.se [PDF; 641 kB]).
  • Georg Terwelp: Schweden hat Grund zu feiern! In: Nationalpark. Nr. 144, 2009, S. 38–42.

AnmerkungenBearbeiten

  1. 18,73 km² für den 2018 eingerichteten Nationalpark Åsnen wurden manuell hinzugerechnet

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Infobroschüre über die schwedischen Nationalparks, swedishepa.se, PDF, abgerufen am 20. September 2010, deutsch
  2. protectetplanet.net, abgerufen am 12. Januar 2019.
  3. Mark Fisher et al.: Review of Status and Conservation of Wild Land in Euope. Report im Auftrag der Regierung von Schottland, The Wildand Research Institute, Leeds (GB) November 2010., S. 45, 53–63, 70–72, Appendix A-3, A-4 u. a. (pdf) im Abgleich mit den kartografisch aufbereiteten Quellen der Commons-Landkarte Wilderness-and-protected-areas-of-europe,-beginning-21st-century.jpg,
  4. a b Filip Hájek: Mapping of Intact Forest Landscapes in Sweden according to Global Forest Watch methodology. Prag, Dezember 2002, abgerufen am 16. Januar 2019. S. 7, 31–39 (Umrechnung auf Waldfläche)
  5. Alexey Yu. Yaroshenko, Peter V. Potapov, Svetlana A. Turubanova: The Last Intact Forest Landscapes of Northern European Russia. Greenpeace Russia 2001. S. 61–75 (Umrechnung im Abgleich mit den Daten 2018 in protectplanet.net, Russia) sowie den kartografisch aufbereiteten Quellen der Commons-Landkarte Wilderness-and-protected-areas-of-europe,-beginning-21st-century.jpg, alles abgerufen am 17. Januar 2019.
  6. Über die Website | Schwedens Nationalparks. Abgerufen am 27. Juli 2017.
  7. sverigesnationalparker.se, abgerufen am 15. Januar 2019
  8. Naturvårdsverket: Nationalparksplan@1@2Vorlage:Toter Link/www.naturvardsverket.se (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. a b c Förslag till nya nationalparker. Archiviert vom Original am 25. Juli 2009; abgerufen am 21. September 2010 (schwedisch, Naturvårdsverket).
  10. Fördjupad förstudie nationalpark Bästeträsk. In: naturvardsverket.se, September 2018, abgerufen am 16. Januar 2019.