Der Musikexpress ist eine monatlich erscheinende deutsche Zeitschrift, die hauptsächlich Rock- und Popmusik behandelt. Neben ausführlichen Interviews und Artikeln über bedeutende Musiker aus dem Rock, Electro, HipHop, Pop und Independent-Bereich erscheinen Rezensionen von Tonträgern, Konzertberichte sowie Artikel über Popliteratur, Pop Art, Kinofilme und DVDs. Jedem Heft liegt außerdem eine die Themen der jeweiligen Ausgabe begleitende CD bei. In unregelmäßigen Abständen erscheint das Heft auch mit Extras wie 7-Inch-Vinylsingles, Büchern, Kalendern und DVDs.

Musikexpress
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Beschreibung Musikzeitschrift
Sprache Deutsch
Verlag Axel Springer Mediahouse Berlin GmbH (Deutschland)
Hauptsitz Berlin
Erstausgabe 1969
Erscheinungsweise monatlich
Verkaufte Auflage 51.836 Exemplare
(IVW Q4/2018)
Chefredakteur Albert Koch
Weblink musikexpress.de
ISSN (Print)
Ehemaliges Logo von 2004–2008

Die Zeitschrift erscheint seit dem Umzug der Redaktion von München nach Berlin im Jahr 2010 beim Axel Springer Mediahouse Berlin.

GeschichteBearbeiten

Im Januar 1956 wurde der Musikexpress als Muziek Expres in Den Haag gegründet, um Konzertveranstaltungen des holländischen Veranstalters Paul Acket zu bewerben. Anfang der 1960er Jahre wurde in der Zeitschrift das Programm des illegalen Senders Radio Veronica abgedruckt, was zu einer Auflagensteigerung führte. 1969 bezog eine deutsche Redaktion Büros in Köln und veröffentlichte seit Juli 1969 eine eigenständige deutschsprachige Version. Es begann mit der Heft-Nummer 163 zum Preis von 1,50 DM, die sich aus einem der holländischen Druckversion zuvor beigelegten deutschen Textblatt entwickelt hatte.[1] Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums im Jahre 2019 war der Ausgabe 09/19 ein Reprint der deutschen Erstausgabe beigefügt. Seit 1971 erscheint der Musikexpress monatlich in Deutschland.[2]

1973 zog die Redaktion nach Hamburg um, wo sie im M+P Verlag herausgegeben wurde – Tür an Tür mit dem Konkurrenztitel Sounds. 1982 wurden beide Marken an die Münchener Marquard Media Gruppe verkauft und im Januar 1983 unter dem Namen Musikexpress/Sounds zusammengeführt.[1] In Musikexpress/Sounds kam eher das traditionellere Musik- und Journalismusverständnis des Musikexpress zum Ausdruck als die in ihren letzten Jahren sehr progressive Gestaltung der Sounds.[3] 1984 erreichte Musikexpress/Sounds mit 181.327 die bislang höchste Auflage.[4] 1989 erschien die letzte Ausgabe des holländischen Muziek Expres.[1] 2000 übernahm der Axel-Springer-Verlag die Zeitschrift neben anderen Titeln der Marquard Medien[5] und gründete dafür die Axel Springer Mediahouse München GmbH.[6] Mit der September-Ausgabe des gleichen Jahres wurde der Beiname Sounds abgelegt.[7] Zum Jahreswechsel 2009/2010 zog der Musikexpress zusammen mit den anderen Musiktiteln des Axel Springer Verlages (Rolling Stone und Metal Hammer) nach Berlin um, wo er seitdem im Axel Springer Mediahouse Berlin verlegt wird.[8]

Musikexpress ist eine der ältesten deutschen Musikzeitschriften. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich Schwerpunkte und Erscheinungsbild gewandelt. Heute beschäftigt sich die Redaktion vor allem mit der popkulturellen Gegenwart, mit Musik aus den Bereichen Pop, Elektronik, HipHop und Indie-Rock, aber auch angrenzenden Themen wie Filme, Serien oder Lifestyle. Geprägt wurde das Magazin in den vergangenen Jahren vor allem von Albert Koch, der seit 1994 Redakteur und zuletzt Chefredakteur des Musikexpress war. Aber auch Autor*innen und Redakteur*innen wie Ingeborg Schober, Gabriele Meierding, Harald Inhülsen, Uwe Schleifenbaum, Oliver Götz, Stephan Rehm Rozanes, Jochen Overbeck, Annett Scheffel und Josef Winkler prägten die Zeitschrift.

AuflageBearbeiten

Der Musikexpress hat in den vergangenen Jahren erheblich an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage sank von 90.227 Exemplaren im ersten Quartal 1998 auf 51.836 Exemplare im vierten Quartal 2018. Ein Minus von 42,6 Prozent.[9] Seitdem werden die Auflagenzahlen nicht mehr an die IVW gemeldet.

Entwicklung der verkauften Auflage[10]
Entwicklung der Abonnentenzahlen[11]

Weitere AktivitätenBearbeiten

Im Februar 2004 erschien eine Sonderausgabe zu den Beatles,[12] im August 2004 eine zu Led Zeppelin.[13] Die 2001 veröffentlichte Liste der 50 besten deutschen Platten wurde unter dem Namen Made in Germany. Die 100 besten deutschen Platten auch als Buch publiziert.[14][15] Den Ausgaben 1/2012 und 2/2012 lagen Bücher mit allen Besprechungen der Platten des Monats von 1973 bis 2009 bei, den Ausgaben 10/2020 und 12/2020 jeweils Bücher mit Originalrezensionen aus den 70er- bzw. 90er-Jahren. Zudem sorgte Musikexpress mit dem Heft beigelegten Vinyl-Singles von u. a. The Strokes (3/2011), Depeche Mode (4/2017), Kraftwerk (8/2017), Prince (10/2019) und den Pet Shop Boys (1/2020). Zum 50-jährigen Jubiläum des Musikexpress veranstaltete das Magazin gemeinsam mit FKP Scorpio ein Indoor-Festival mit Tama Impala, Blood Orange und Yeasayer in Berlin.

musikexpress.deBearbeiten

Auf der Website des Musikexpress finden sich neben News und Features Videos der sogenannten ME-Sessions, exklusive Studioauftritten verschiedener Bands, sowie eine ME Community mit User-Rezensionen und ein Forum, in dem sich auch die Redaktionsmitglieder äußern. Zudem unterhält Musikexpress eigene Facebook-, Twitter- und Instagram-Accounts.

me.StyleBearbeiten

Von 2010 bis 2018 erschien halbjährlich me.Style, das Mode-Magazin des Musikexpress. Mit einer Druckauflage von 40.000 Exemplaren zeigte me.style jeweils die modischen Highlights der Frühjahr/Sommer- und Herbst/Winter-Saison. Seit 2005 verleiht der Musikexpress jährlich den Style Award, eine Auszeichnung, mit der Medienschaffende und Modelabels geehrt werden, die die Liaison von Musik und Mode deutlich machen. Weitere Ableger des Musikexpress waren ME.Urban (2015/2016) und me.movies (2013 bis 2018).

Musikexpress KlubtourBearbeiten

Seit 2010 veranstaltet der Musikexpress in unregelmäßigen Abständen die "Musikexpress Klubtour", die jeweils durch die Clubs mehrerer deutscher Städte führt. Sie ist aus einer Partyreihe des Musikexpress in München hervorgegangen. Bei diesen Clubnächten treten DJs und Bands auf, in den vergangenen Jahren waren u. a. Bonaparte, Isolation Berlin, Schnipo Schranke, Hayiti, DJ Hell und Juan Atkins dabei.[16]

PodcastBearbeiten

Seit 2020 produzieren die Musikexpress-Redakteure Stephan Rehm Rozanes und Fabian Soethof regelmäßig den ME-Podcast "Never Forget", der sich um die Popkultur 90er-Jahre dreht und auf allen gängigen Streaming-Plattformen zu hören ist.

Resonanz in den MedienBearbeiten

Die Frankfurter Rundschau warf dem Musikexpress vor, sich seit spätestens Mitte der 1970er unentschlossen zu äußern und dabei mal seine Zuneigung zu alternativen und mal zu kommerziell erfolgreichen Künstlern zu zeigen. Es sei kein Plan erkennbar gewesen, was in den achtziger Jahren mangels Konkurrenz kein Problem gewesen sei.[17] In einem 1999 im Buch Journalismus als Eiertanz publizierten Artikel wurde unterstellt, dass die Käufer des Musikexpress aus jenen Leuten bestünden, „die sich überhaupt nicht für Musik interessieren.“ (Michael Rudolf: Strictly verkehrt herum. Münchner Journalismus a la musikexpress/SOUNDS[18]) Die neue Ausrichtung von Inhalt und Aussehen mit der April-Ausgabe 2002 wurde in der Frankfurter Rundschau skeptisch kommentiert: „Der neue Musikexpress gibt sich rebellisch. Allerdings nur ein bisschen.“ (Adam Olschewski: Revolutiönchen. Der Musikexpress verpackt alte Inhalte in neues Gewand[17]) Mit dem erneuten Relaunch im März 2009 sollen vermehrt mode- und szeneaffine Themen sowie internetbezogene Inhalte in das Heft integrieren.[19] Dabei gab es optische Veränderungen hin zu klareren Strukturen.[20]

TriviaBearbeiten

Als ein Artikel in Musikexpress/Sounds Thomas Anders, den Sänger von Modern Talking, als „höhensonnengegerbte Sangesschwuchtel und Schoßhündchen an der güldenen Kette seiner Frau Nora“[21] bezeichnete, wurde der Autor Martin Brem von Anders erfolgreich auf 25.000 DM Schadensersatz verklagt.[22][23]

In der Jubiläumsausgabe 09/19 (S. 34) wurde das Love-and-Peace-Festival auf die Nordseeinsel Fehmarn verlegt.

Album des JahresBearbeiten

Die Leser des Musikexpress wählen seit 1985 das Album des Jahres. Seit 1988 gibt es eine zweite Liste, in der nur die Autoren abstimmen. Im Jahr 1987 wurden die Alben des Jahres ohne feste Reihenfolge veröffentlicht, weshalb es keinen eindeutigen Gewinner gab.[24] Bisher wurden folgende Alben ausgezeichnet:[25]

Jahr Leser Kritiker
Interpret Album Interpret Album
1985 Dire Straits Brothers in Arms
1986 Simply Red Picture Book
1987
1988 U2 Rattle and Hum Tracy Chapman Tracy Chapman
1989 Simple Minds Street Fighting Years The Neville Brothers Yellow Moon
1990 Westernhagen Live Sinéad O’Connor I Do Not Want What I Haven't Got
1991 U2 Achtung Baby Guns N' Roses Use Your Illusion
1992 Peter Gabriel Us Faith No More Angel Dust
1993 Pearl Jam Vs. Pearl Jam Vs.
1994 The Rolling Stones Voodoo Lounge Soundgarden Superunknown
1995 Neil Young Mirror Ball Björk Post
1996 R.E.M. New Adventures in Hi-Fi Beck Odelay
1997 The Rolling Stones Bridges to Babylon The Prodigy The Fat of the Land
1998 The Smashing Pumpkins Adore Fatboy Slim You've Come a Long Way, Baby
1999 Blur 13 Blur 13
2000 Madonna Music Radiohead Kid A
2001 Travis The Invisible Band Travis The Invisible Band
2002 Coldplay A Rush of Blood to the Head Wilco Yankee Hotel Foxtrot
2003 The White Stripes Elephant The White Stripes Elephant
2004 Franz Ferdinand Franz Ferdinand Franz Ferdinand Franz Ferdinand
2005 Maxïmo Park A Certain Trigger Maxïmo Park A Certain Trigger
2006 Mando Diao Ode to Ochrasy Kante Die Tiere sind unruhig
2007 Tocotronic Kapitulation Devendra Banhart Smokey Rolls Down Thunder Canyon
2008 Fleet Foxes Fleet Foxes Fleet Foxes Fleet Foxes
2009 The xx xx The xx xx
2010 Arcade Fire The Suburbs MGMT Congratulations
2011 Adele 21 PJ Harvey Let England Shake
2012 The xx Coexist Django Django Django Django
2013 Arcade Fire Reflektor (Album) Jon Hopkins Immunity
2014 Alt-J This Is All Yours Caribou Our Love
2015 Sufjan Stevens Carrie & Lowell Kendrick Lamar To Pimp a Butterfly
2016 David Bowie Blackstar Bon Iver 22, A Million
2017 The National Sleep Well Beast The xx I See You
2018 Tocotronic Die Unendlichkeit International Music Die besten Jahre

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Fragen an DAS GEHIRN … auf musikexpress.de
  2. Key Facts zu Musikexpress auf asmm.de
  3. EMERSON, LAKE & PALMER - ELP im SOUNDS (Memento vom 29. September 2008 im Internet Archive) auf emersonlakepalmer.de
  4. Bei pz-online.de unter Auflagen der Publikumszeitschriften (IVW) zu finden
  5. Springer übernimmt Zeitschriften der Verlagsgruppe Marquard auf new-business.de
  6. Historie auf asmm.de
  7. Musikexpress - Backissues 2000 (Memento vom 1. Januar 2011 im Internet Archive) auf musikexpress.de
  8. Axel Springer Musiktitel ziehen nach Berlin auf pop100.de
  9. Musikexpress ivw.eu
  10. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)
  11. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)
  12. Sonderheft Beatles (Memento vom 1. Januar 2011 im Internet Archive) auf musikexpress.de
  13. Sonderheft Led Zeppelin (Memento vom 30. Dezember 2010 im Internet Archive) auf musikexpress.de
  14. Made in Germany@1@2Vorlage:Toter Link/www2.txt.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. bei hannibal.txt.de
  15. Rezension zu Made in Germany auf bzw-bw.de
  16. Musikexpress Klub (Memento vom 25. Oktober 2008 im Internet Archive) auf musikexpress.de
  17. a b Adam Olschewski: Revolutiönchen. Der Musikexpress verpackt alte Inhalte in neues Gewand. In: Frankfurter Rundschau, 4. April 2002 (vgl. Nachdruck (PDF; 37 kB) auf bodes-chor.de)
  18. Michael Rudolf: Strictly verkehrt herum. Münchner Journalismus a la musikexpress/SOUNDS. In: Jürgen Roth, Klaus Bittermann (Hrsg.): Journalismus als Eiertanz. Zweiundfünfzig Meditationen über die Presse. Berlin 1999 (vgl. auch Kuttner zum ME (Memento vom 22. März 2006 im Internet Archive) auf hinternet.de)
  19. David Hein: Axel Springer relauncht „Musikexpress“. auf horizont.net
  20. Lukas Heinser: Relaunch my fire. coffeeandtv.de
  21. Musikexpress/Sounds, Nr. 4/1986
  22. Musikexpress/Sounds, Nr. 1/1987
  23. Klaus Walter: Ey, du Scheißopfer! taz.de
  24. poplist.de: 1987
  25. poplist.de