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Muro di Sormano

Straßenabschnitt in der Lombardei, Italien
Oberer Abschnitt des Muro di Sormano auf 1075 m s.l.m.

Der Muro di Sormano (italienisch: Mauer von Sormano) ist ein Straßenabschnitt westlich der lombardischen Gemeinde Sormano in Italien. Die Straße ist ein kürzerer Nebenzweig der Ostrampe, die nördlich der Ortschaft Asso zum 1124 Meter hohen Bergpass Colma di Sormano führt. Die Passauffahrt ist über mehrere Jahre Bestandteil der Lombardei-Rundfahrt und gehört aufgrund ihres extremen Profils zu den steilsten Abschnitten in einem Profi-Radrennen.

BeschreibungBearbeiten

 
Straßenverlauf des Muro di Sormano, nördlich davon die alternative Rampe der Strada provinciale Nummer 44

Nördlich der Ortschaft Sormano zweigt auf 820 m der Muro di Sormano in westliche Richtung von der Strada provinciale Nummer 44 (SP44) ab, über die man in zwei Spitzkehren zur Colma di Sormano gelangt. Diese Abzweigung ist mit einem großen Pfeil am Straßenrand gekennzeichnet, der neben dem Namen „Muro di Sormano“ ein steil aufgerichtetes Fahrrad zeigt. Der Verlauf der Strecke weist nur an zwei Stellen echte Spitzkehren auf und ist ansonsten leicht kurvig, teilweise geradeaus. Der Muro di Sormano trifft nach rund 1,9 Kilometern auf 1116 m wieder die SP44, die für die gleiche Überwindung der Steigung hingegen 4,2 Kilometer benötigt, und bildet damit eine distanztechnische Abkürzung. Wenige Meter nach dem Zusammentreffen der beiden Passstraßen befindet sich der Colma di Sormano.

Die schmale Straße verfügt damit über einen durchschnittlichen Steigungsgradienten von 15,8 % und weist Steigungsmaxima bis 27 % auf. Die überwiegend durch bewaldetes Gebiet verlaufende Straße ist vollständig asphaltiert. Das Profil ist ohne Flachpassagen durchgängig ansteigend; lediglich die Steigungsprozente variieren.

Seit der Renovierung der Straßendecke und der Wiedereröffnung 2006 ist der Abschnitt für den motorisierten Verkehr gesperrt.[1] Die Straße ist mit verschiedenen Zitaten von Radsportlern als Motivationsparolen bemalt. Gleichzeitig ist jeder Höhenmeter auf dem Asphalt beschriftet – an den steilsten Abschnitten verringern sich die Höhenmeter-Markierungen auf unter vier Meter. Eines der Zitate stammt vom italienischen Rennradfahrer Gino Bartali und lautet:[2]

„Un passista non ha alternative. Deve arrivare ai piedi del muro con almeno dieci minuti di vantaggio così poi, se lo fa a piedi impiegando un quarto d’ora di più di quelli che lo faranno in bici, arriverà in cima con cinque o sei minuti di ritardo e potrà ancora sperare.“

„Ein Rouleur hat keine Alternative. Am Fuße der Mauer angekommen, muss er mindestens zehn Minuten Vorsprung haben, denn sollte er sie zu Fuß bewältigen müssen und dafür eine Viertelstunde mehr benötigen als diejenigen, die im Sattel bleiben, kommt er mit fünf oder sechs Minuten Verspätung oben an, sodass er noch hoffen darf.“

Die Gestaltung des Straßenbelags mit den Zitaten, Bestzeiten, Höhenmeterkennzeichnungen und anderen grafischen Elementen wird auch als „Open Air Museum des historischen Radsports“ bezeichnet und wurde von einem spanischen Architekturbüro gestaltet.[3]

Die Westrampe verbindet die Passhöhe mit der Ortschaft Nesso am Comer See.

Bedeutung im RadsportBearbeiten

Der Muro di Sormano war in den Jahren 1960 bis 1962 erstmalig Bestandteil des Eintagesrennens und Radsportklassikers Lombardei-Rundfahrt. Die Änderung im Streckenplan hatte der damalige Rennleiter Vicente Torriani kurzfristig geplant, um den in den Vorjahren zur Norm gewordenen Sprintankünften entgegenzuwirken und das Rennen selektiver zu gestalten. Trotz vielfachen Boykott-Drohungen ging am 16. Oktober 1960 das Rennen mit allen damaligen Favoriten über die Bühne.[4]

1960 schaffte Arnaldo Pambianco den Anstieg in 11 Minuten 20 Sekunden, ein Jahr später Imerio Massignan in 10 Minuten 9 Sekunden, der 1961 das Rennen für sich entschied. In dieser Zeit dominierte der Radsportler Ercole Baldini diesen Anstieg, der 1962 mit 9 Minuten 24 Sekunden zum Rekordhalter des Aufstieges wurde. Baldini selbst beschrieb den Aufstieg als „bestialisch“. Wegen der enormen Steigung der damals noch nicht asphaltierten Straße und weil auch viele Radsportler durch die Fans zu Fall gebracht wurden, strich man diesen Abschnitt von der Rundfahrt.[1] Nachdem die Straßendecke für 150.000 Euro renoviert und der Abschnitt 2006 wieder eröffnet worden war, nahm man aufgrund der Forderung vieler Radsportbegeisterter den Muro di Sormano 2012 wieder in das Rennen auf.[1][5] In jenem Jahr schaffte Joaquim Rodríguez den Muro di Sormano in 9 Minuten 2 Sekunden.[6]

 
Der Muro während der Lombardei-Rundfahrt 2018

Selbst Profi-Radrennfahrer wählen für die Rennen, bei denen der Muro di Sormano Bestandteil der Strecke ist, eine Übersetzung, die nahe am Verhältnis von 1:1 ist. So gab Alberto Contador an, eine Übersetzung von 36 zu 28 oder gar 30 zu wählen. Sein damaliger Teamchef Bjarne Riis kritisierte den Anstieg sogar als zu schwer und übertrieben, um für ein Rennen dieser Bedeutung eingebaut zu werden.[7]

Den Rekord für den schnellsten Aufstieg des Muro di Sormano hält der italienische Hobby-Radsportler Matteo Cappè, der am 26. September 2009 im Rahmen eines Berg-Einzelzeitfahrens die Rampe in einer Zeit von 7 Minuten 38 Sekunden bewältigte, und damit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,3 km/h erreichte.[8][9]

LiteraturBearbeiten

  • Daniel Friebe, Pete Goding: Mountain High: Europe’s 50 Greatest Cycle Climbs, Quercus, 2011, ISBN 978-0-85738-625-0, S. 42–45.
  • Daniel Friebe, Pete Goding: Bergetappen: 50 klassische Anstiege aus Tour de France, Giro d’Italia und Vuelta a España, Delius Klasing, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-7688-3530-5, S. 42–45.
  • Peter Cossins: The Monuments. The grit and the glory of cycling’s greatest one-day races. Bloomsburg, 2014, ISBN 978-1-4088-4682-7.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Muro di Sormano – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Friebe, Goding: Mountain High: Europe’s 50 Greatest Cycle Climbs. S. 42
  2. Wir sind noch immer dabei, diejenigen zu trösten, die abgestiegen sind …, Artikel vom 24. Januar 2018, aufgerufen am 14. Oktober 2019
  3. Projektbeschreibung zur Straßengestaltung des Muro di Sormano, aufgerufen am 14. Oktober 2019
  4. Lombardei-Rundfahrt in: Udo Witte: Campionissimo, Monsieur Chrono, Kanibale & Co. Profi-Straßenradrennen nach 1945. (Band 2) Books on Demand, Norderstedt 2015, ISBN 978-3-7392-7824-7.
  5. Procycling: Wand des Schreckens, Artikel von Dezember 2012, aufgerufen am 14. Oktober 2019
  6. ilombardia.it: The Muro Di Sormanon: Two Kilometers for bike heroes, Artikel vom 24. August 2017, aufgerufen am 5. Oktober 2019
  7. radsport-news.com: Contador mit 36/30 zur Muro di Sormano, aufgerufen am 14. Oktober 2019
  8. Carica dei 101, Muro di Somano
  9. Friebe, Goding: Mountain High: Europe’s 50 Greatest Cycle Climbs. S. 44

Koordinaten: 45° 52′ 57″ N, 9° 14′ 12″ O