Leichtfahrzeug

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Historisches Leichtfahrzeug: Arola 20 des ehemaligen französischen Herstellers Arola SARL
Modernes Leichtfahrzeug: Ligier Nova

Ein Leichtfahrzeug (amtlicher Begriff Leichtkraftfahrzeug bzw. leichtes vierrädriges Kraftfahrzeug; kurz Lkfz) ist ein meist vierrädriges motorisiertes Fahrzeug, das deutlich leichter und kleiner ist als ein klassisches Automobil. Auch die Bezeichnungen Leichtmobil und Kleinfahrzeug sowie Mopedauto werden verwendet.

Es nimmt dadurch in ruhendem und fließendem Verkehr und im Stau weniger Platz ein. Bis zu drei solcher Fahrzeuge passen auf einen PKW-Parkplatz. Das Leichtfahrzeug schließt die Lücke zwischen Motorrad bzw. Quad und dem herkömmlichen Personenkraftwagen (Pkw). Dementsprechend nehmen Leichtfahrzeuge im Regelfall eine oder zwei Personen auf und haben einen Wind- und Wetterschutz. Sie sind auch sparsamer ausgestattet als Autos.

AllgemeinesBearbeiten

In den meisten Ländern gibt es für Leichtfahrzeuge Beschränkungen für Leer- oder Gesamtgewicht und Geschwindigkeit, beispielsweise sind dies nach der europäischen Rahmenrichtlinie für die Klasse L6e 425 kg Leergewicht und Leistungsbeschränkungen von 4 kW oder 6 kW je nach Unterkategorie. Nach der deutschen Fahrzeug-Zulassungsverordnung gilt eine Beschränkung auf 350 kg (Leergewicht) und 50 cm³ Hubraum (bei Fremdzündungsmotor) bzw. 4 kW Nennleistung (bei anderen Motoren). In Frankreich gibt es eine weitere Klasse, die „Quadricycle lourd à moteur“ (Vierrädrige Fahrzeuge mit schwerem Motor) mit Leergewicht je Nutzungstyp bis 450 oder 600 kg und weiterer Beschränkungen.

Zur Inbetriebnahme des Fahrzeugs im öffentlichen Straßenverkehr ist in der Regel ein Kraftfahrzeugkennzeichen erforderlich. Vor allem die wenig praxisgerechte 45-km/h-Limitierung verringert die Akzeptanz und Verbreitung der Leichtfahrzeuge, vor allem in Deutschland. Andere Leichtfahrzeuge wie Twike, Sam oder Renault Twizy werden auf Grund der höheren Endgeschwindigkeit auch als Automobil eingestuft.

Situation in DeutschlandBearbeiten

Eine Besonderheit besteht in Deutschland, wo Leichtfahrzeuge von Hauptuntersuchung und Zulassung befreit sind, das heißt, es muss keine Kfz-Steuer für die Haltung entrichtet werden. Für Leichtfahrzeuge genügt ein Versicherungskennzeichen anstelle eines Kfz-Kennzeichens. Auch dreirädrige Kraftfahrzeuge wurden früher als Leichtkraftfahrzeug eingestuft, beispielsweise die gedrosselten 45-km/h-Versionen des CityEL. Nach der überarbeiteten Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV), zählen diese zu den Kleinkrafträdern mit gleicher Beschränkung in Hubraum, Motorleistung bei E-Fahrzeugen und Geschwindigkeit auf 45 km/h. Damit sind sie eine preiswerte Alternative, zumal im Vergleich zu stärkeren Kfz geringe Versicherungskosten anfallen. Auch für Ältere oder Gehbehinderte sind die Leichtkraftfahrzeuge eine Möglichkeit, mobil zu bleiben.

Geschichte und aktuelle EntwicklungBearbeiten

 
Würde heute als Leichtfahrzeug bezeichnet: Messerschmitt Kabinenroller

Leichtfahrzeuge sind keine neue Erscheinung, sondern gewissermaßen eine Rückkehr zu den „Rollermobilen“ und Kleinfahrzeugen der 1950er Jahre oder den früheren Cyclecars. Damaliger Grund für die Popularität war die preisgünstige Möglichkeit für fast jedermann, ein überdachtes Fahrzeug zu besitzen. In den 1970er und 1980er Jahren wurden mit der zunehmenden Verbreitung des Automobils diese Fahrzeuge weitgehend aus dem Straßenbild verdrängt. Da ihre Nutzung aufgrund einer Gesetzeslücke in Deutschland für Inhaber älterer Mopedführerscheine zulässig war, verschwanden sie jedoch nicht ganz.

Die Intention heutiger Entwicklungen liegt mehr in der Lösung aktueller Verkehrsprobleme. Die derzeitige geringe Nachfrage und Marktaufteilung stellt Leichtfahrzeuge eindeutig als Nischenfahrzeuge dar. Die Marktsegmente von Fahrrad, Motorrad und Auto sind klar aufgeteilt und haben ihre jeweilige Anhängerschaft, neue Hybride zwischen diesen Fahrzeugen haben es ohne verkehrs- oder umweltpolitische Förderung schwer, die notwendige Verbreitung zu erlangen, selbst wenn hohe Aufmerksamkeit erzielt wird. Ein Beispiel dafür war der geringe Erfolg des BMW C1 am Markt. Auch die derzeit geringe Verbreitung von Velomobilen und Elektroautos ist zum Teil darauf zurückzuführen. In anderen Ländern ist keine geeignete Fahrzeugklasse definiert, wie z. B. in Indien, wo der Bajaj Qute nur als Rikscha zur gewerblichen Nutzung, nicht jedoch als Auto für Privatpersonen zugelassen ist. Der Hersteller kämpft auf dem Heimatmarkt um die Definition einer neuen Fahrzeugklasse „Quadricycle“.

Bereits angebotene Fahrzeuge orientieren sich im Erscheinungsbild und Räderzahl zurzeit im Wesentlichen am klassischen Auto.

Die größten Hersteller sind Aixam, Ligier, Microcar und Chatenet. In Europa sind die Leichtkraftfahrzeuge am häufigsten in Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, Österreich und in den Niederlanden vertreten.

FahrerlaubnisBearbeiten

LeichtkraftfahrzeugeBearbeiten

In vielen Ländern gelten für Leichtfahrzeuge geringere Anforderungen an den Führerschein. Im Unterschied zu anderen Kleinwagen und Kleinstwagen kann der Wagen in manchen Ländern mit einem Moped-Führerschein gefahren werden (in der Europäischen Union mit der Führerscheinklasse AM), beispielsweise in Österreich mit der Eintragung vierrädriges Leichtkraftfahrzeug.

Andere LeichtfahrzeugeBearbeiten

Je nach Konstruktion und Antriebsart ist bei anderen Leichtfahrzeugen kein Führerschein erforderlich (z. B. Alleweder) oder sogar ein PKW-Führerschein Klasse B (z. B. Twike oder Twizy).

SicherheitBearbeiten

Ein Argument gegen Leichtfahrzeuge ist deren geringere passive Sicherheit (vgl. Verkehrssicherheit) gegenüber dem Auto. Im Vergleich zu Zweirädern ergibt sich jedoch eine Erhöhung der Sicherheit. Zudem ist die äußere Sicherheit gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern höher als beim Auto.

Es wurde befürchtet, dass die Anzahl der am motorisierten Straßenverkehr teilnehmenden Jugendlichen sich mit mehrspurigen Fahrzeugen erhöhen wird und sich dies in steigenden Unfallzahlen bemerkbar machen wird. In der Zwischenzeit wurde ein Pilotprojekt in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt gestartet, bei dem Jugendliche bereits mit 15 Jahren den Führerschein AM erwerben dürfen und somit berechtigt zum Führen eines Leichtkraftfahrzeugs sind. Nach dem erfolgreichen Pilotprojekt steht nun die bundesweite Regelung zur Debatte.

In einer 2007 veröffentlichten Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zu Benzin-Lkfz wird ihre Sicherheit mit Skepsis betrachtet und in Frage gestellt.[1] 2013 bezeichnete die UDV Leichtkraftfahrzeuge als gefährlich.[2] Dagegen hatte eine 1993 veröffentlichte Untersuchung von Leichtelektromobilen im Vergleich zu Autos auf ein verringertes Sicherheitsrisiko im Stadtverkehr hingewiesen, dies wegen einer messbar ruhigeren Fahrweise.[3]

Das DLR forscht im Rahmen des Großprojekts Next Generation Car an leichten, sicheren Karosserien.[4][5]

QuadBearbeiten

Ein Quad ist nach Richtlinie 92/61/EWG ein „Kraftradähnliches Vierradkraftfahrzeug in verschiedenen Fahrzeug- und Aufbauarten“. Diese Richtlinie beschränkt diese Vierradkraftfahrzeuge auf eine Leistung von maximal 15 kW und ein maximales Leergewicht von 400 kg. Sie ordnet damit einen großen Anteil der Quad-Fahrzeuge auch den Leichtfahrzeugen zu. Fahrzeuge über 15 kW Leistung sind von der Richtlinie 92/61/EWG nicht mehr erfasst. Sie können daher nur noch als PKW oder als land- und forstwirtschaftliche Zugmaschine zugelassen werden.

Quads sind meist sehr geländegängig. Die Vorläuferfahrzeuge mit Kugelbereifung und zwei bis acht Rädern waren vor allem im militärischen Bereich angesiedelt. Ein Beispiel ist das deutsche Kraka. Quads dienen heute vorwiegend als Offroad-Freizeitfahrzeuge.

LeichtelektromobilBearbeiten

Als Leichtelektromobil (LEM) wird ein batteriebetriebenes, vierrädriges Fahrzeug in Leichtbauweise bezeichnet, welches in seiner Bauart zwischen einem Elektrorad und einem Elektromobil bzw. Elektroauto steht. Amtliche Bezeichnung: Vierrädriges Leichtkraftfahrzeug mit einer Leermasse bis zu 350 kg (ohne Batterien) mit bauartbedingter Höchstgeschwindigkeit von bis zu 45 km/h (EG-Fahrzeugklasse: L6e). Dreirädrige Fahrzeuge werden als (Klein-)Krafträder bezeichnet.

Diese Elektrofahrzeuge, (englisch Neighborhood Electric Vehicle) für die es in Deutschland noch keine einheitliche, umgangssprachliche Bezeichnung gibt, machten 2010 weltweit mit über 500.000 Fahrzeugen, den größten Anteil an mehrspurigen Elektrofahrzeugen aus.[6] Dies liegt auch an elektrischen Nutzfahrzeugen dieser Klasse, deren Einsatz die Schadstoff- und Verkehrsbelastung von Städten senkt. In Deutschland haben beispielsweise Hersteller wie ARI Motors, Tropos oder Goupil mit rein elektrisch betriebenen Leichtfahrzeugen umweltfreundliche Alternative für Lieferdienste, Handwerker und Kommunen auf den Markt gebracht.

Nachdem um das Jahr 1900 Elektromobile im Vergleich zu den mit Verbrennungsmotor angetriebenen Automobilen durchaus konkurrenzfähig waren, gab es erst nach der Ölkrise wieder Bestrebungen, Elektrofahrzeuge zu entwickeln. Ein grundlegendes Problem der Elektrofahrzeuge liegt in dem geringen Energieinhalt des Energiespeichers (Akkumulator). Um diesen Mangel auszugleichen und befriedigende Reichweiten zu erhalten, muss der Energieverbrauch eines Elektrofahrzeugs sehr gering gehalten werden. Dies wird durch konsequenten Leichtbau erreicht. Leichtelektromobile sind zumeist relativ klein (1 bis 1,2 m × 2 bis 3 m), nur ein- bis zweisitzig, haben eine Kunststoffkarosserie, schmale Reifen und bevorzugt drei Räder. Außerdem liegt der Energiebedarf solcher Fahrzeugebei weniger als einem Fünftel im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen.[7]

Viele Konzepte von Leichtelektromobilen kamen über nie das Versuchsstadium oder Kleinserien hinaus (Sam, Voltaire, Hotzenblitz). Kommerziell erfolgreich waren nur die Firmen Kewet Buddy, Twike, Citycom mit dem CityEL und Lohmeyer-Leichtfahrzeuge mit dem Alleweder-E. Jedoch konnte die Technologie auch auf zweirädrige Fahrzeuge übertragen werden, die von vielen Herstellern in größeren Stückzahlen verkauft werden, jedoch immer noch sehr viel weniger als benzinbetriebene Fahrzeuge. Eine Sonderform ist das Segway mit zwei nebeneinander angeordneten Rädern.

Als Traktionsbatterien kamen in der Anfangszeit meist Bleiakkumulatoren oder Nickel-Cadmium-Akkus zum Einsatz. Heute werden auch Lithium-Ionen-Akkumulatoren, zumeist Lithium-Eisenphosphat-Akkus eingesetzt. Typischerweise reichte der Energiegehalt der Akkus für den Betrieb mit einer Stunde Höchstgeschwindigkeit, so dass die Reichweiten der Leichtelektromobile bei maximal 50–80 km liegen. Die neuen Akkuentwicklungen ermöglichen bei einem Umbau trotz geringeren Gewichts deutlich höhere Fahrleistungen. So wurde ein Hotzenblitz mit Lithium-Polymer-Akkumulatoren (LiPo) ausgerüstet und soll rund 350 km Reichweite erreichen.[8]

Eine besondere Form der Leichtelektromobile sind elektrisch angetriebene Fahrzeuge für Menschen mit Gehbehinderung, die das Zufußgehen und Fahrradfahren ersetzen. Diese werden als Elektromobile vermarktet.

Experimentalfahrzeuge und KonzeptautosBearbeiten

Mit die spektakulärsten Vertreter und auch aus technologischer Sicht besonders interessante Ableger sind die auf engl. sogenannten Tilting Three Wheelers (TTW), sich neigende dreirädrige Fahrzeuge.

Mercedes-Benz hat 1997 ein solches Konzeptauto vorgestellt, den F 300 Life-Jet. Hierbei handelt es sich um ein Trike, das sich in Kurven neigt. Es fährt auf Motorradreifen und bietet Fahrleistungen, die zwischen einem PKW und einem Motorrad liegen. Das Hardtop ist abnehmbar. In der Reihe sind weitere Experimentalfahrzeuge entstanden, die aber nicht alle in die Kategorie Leichtfahrzeuge fallen.

Der Shell-Konzern startet jedes Jahr einen Eco-Marathon, in dem Fahrzeuge mit einem Liter Benzin möglichst weit fahren sollen. Die Fahrzeuge sind alle Experimentalfahrzeuge, die mit Benzin, Wasserstoff, Sonnenenergie oder Dieselkraftstoff betrieben werden. Der Verbrauch wird auf einen Liter Benzin umgerechnet. Der Sieger des Jahres 2005 kam mit einem Liter 3836 km weit. Das entspricht 0,00026 l/km bzw. 0,026 l/100 km. Dies wurde mit einem wasserstoffbetriebenen Fahrzeug der Schweizer ETH Zürich erreicht. Das beste dieselbetriebene Fahrzeug errang Platz 11 in der Gesamtwertung und erreichte 1807 km/l mit einem 4,2 PS starken Triebwerk. Das Fahrzeug wurde von der FH Offenburg ins Rennen geschickt.

HPV (Human powered vehicles) / VelomobileBearbeiten

Am radikalsten wird der Leichtbau bei mit Muskelkraft angetriebenen Fahrzeugen (Velomobile) vorangetrieben. Außer reinen Muskelkraft-Konzepten gibt es auch kombinierte Antriebe mit unterstützendem Elektromotor (z. B. Aerorider). Twike ist ein Sonderfall: Es wurde ausgehend von einem 2-Sitze-nebeneinander-Velomobil entwickelt, ist nun ein besonders leichtes Elektrofahrzeug, von dem ein bedeutender Anteil mit dem optionalen Muskelkraft-Pedalkurbel-Zusatzantrieb ausgestattet ist, dessen Eintrag die Akku-Reichweite etwas erhöht.

Hersteller von LeichtfahrzeugenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Matthias Kühn: Untersuchung des Sicherheitsrisikos von Leichtkraftfahrzeugen (= Unfallforschung kompakt. Nr. 2). Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, Unfallforschung der Versicherer, Berlin 2007, ISBN 978-3-939163-20-6 (PDF; 1,05 MB).
  2. Leichtkraftfahrzeuge sind gefährlich – Gewichtsbeschränkung verhindert mehr passive Sicherheit. Unfallforschung der Versicherer, 11. April 2013, abgerufen am 21. Mai 2020.
  3. Ralf Risser et al.: Das Fahrverhalten beim Lenken von Leichtmobilen. Im Auftrag der Universität Zürich, Universität Wien, III. Leichtmobil-Symposium Wildhaus der Winterthur Unfallforschung, Februar 1993.
  4. Leichtbaukarosserie für zukünftige Autos im Crashtest. Abgerufen am 4. November 2019.
  5. Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt ein neuartiges Konzept für E-Kleinfahrzeuge. In: Elektroauto-News.net. 29. August 2018, abgerufen am 4. November 2019.
  6. Electric Neighborhood Vehicles, Research Report Pike Research, 2011 (Memento vom 7. März 2012 im Internet Archive)
  7. Shae Singer: Electric cars keep Aspen’s air clean. Abgerufen am 13. Mai 2020 (amerikanisches Englisch).
  8. Hotzenblitz mit ~350 km Reichweite. Website von Kruspan Engineering, abgerufen am 7. Januar 2012.