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Mercedes-Benz
OM 654
OM 654
Hersteller: Mercedes-Benz
Produktionszeitraum: seit 2016
Funktionsprinzip: Diesel
Bauform: Reihenmotor, Vierzylinder
Motoren:
  • 1,6 Liter (1598 cm³)
  • 2,0 Liter (1950 cm³)
Vorgängermodell: OM 651, OM 626
Nachfolgemodell: keines
Ähnliche Modelle: OM 656

Der OM 654 ist ein Dieselmotor von Mercedes-Benz, der 2016 eingeführt wurde. Die Hauptbauteile werden im Motorenwerk Stuttgart-Untertürkheim gefertigt. Der Motor wird bei der MDC Power GmbH in Kölleda montiert.[1]

Der Vierzylinder-Reihenmotor OM 654 ist der Nachfolger des OM 651 und Teil einer neuen, modularen Motorengeneration, die Vier- und Sechszylinder-Dieselmotoren sowie Vier- und Sechszylinder-Ottomotoren umfassen wird. Durch gleichen Zylinderhubraum (ca. 500 cm³) und -abstand wird eine hohe Zahl von Gleichteilen erreicht.[2]

Der OM 654 ist der erste Vollaluminium-Diesel-Vierzylindermotor von Mercedes-Benz.[3]

Der erste Einsatz des Motors erfolgte in der E-Klasse (Baureihe 213), die seit April 2016 ausgeliefert wird. Seit 2018 wird auch eine zweite Variante mit einem auf 1,6 Liter reduzierten Hubraum angeboten.[4]

Inhaltsverzeichnis

TechnikBearbeiten

1,6 Liter-Reihenvierzylinder (OM 654 DE 16)Bearbeiten

GrundmotorBearbeiten

Der Hubraum des Vierzylinder-Reihenmotors beträgt 1598 cm³ mit einer Bohrung von 78 mm und einem Hub von 83,6 mm, bei einem Zylinderabstand von 90 mm. Das Kurbelgehäuse des Motors besteht aus Aluminium, der Zylinderkopf aus einer hochfesten Aluminium-Legierung. Es kommen Stahlkolben und eine sogenannte CONICSHAPE®-Zylinderhonung (Trompetenhonung) zum Einsatz.[4] Im Gegensatz zur 2,0-Liter-Variante hat der Motor keine Lanchester-Ausgleichswellen.[5]

2,0 Liter-Reihenvierzylinder (OM 654 DE 20)Bearbeiten

GrundmotorBearbeiten

Der Hubraum des Vierzylinder-Reihenmotors beträgt 1950 cm³ mit einer Bohrung von 82 mm und einem Hub von 92,3 mm, bei einem Zylinderabstand von 90 mm. Die Verdichtung beträgt 15,5. Das Kurbelgehäuse des Motors besteht aus Aluminium, der Zylinderkopf aus einer hochfesten Aluminium-Legierung. Es kommen Stahlkolben und eine sogenannte NANOSLIDE®-Zylinderbeschichtung zum Einsatz.[6] Dabei handelt es sich um eine Eisen-Kohlenstoff-Schicht, die mittels Lichtbogendrahtspritzen direkt auf die Aluminium-Oberfläche aufgebracht wird und hohe Ölrückhaltevolumen in der Zylinderlaufbahn ermöglicht. Der Motor hat zwei seitlich angebrachte Lanchester-Ausgleichswellen.

Die Steuerung des Ladungswechsels erfolgt über vier Ventile pro Zylinder (Vierventiltechnik) und zwei obenliegende, von einer Steuerkette angetriebene Nockenwellen. Der Antrieb sitzt wie beim OM 651 am hinteren Motorende (Abtriebsseite), um die Bauhöhe am vorderen Ende möglichst klein zu halten. Das ermöglicht bei längs eingebautem Motor eine flache und nach hinten ansteigende Motorhaube zugunsten von Aerodynamik und Fußgängerschutz.

In der 143-kW-Variante wiegt der Motor nach DIN-Norm 168,4 kg und damit 35,4 kg weniger als der Vorgänger mit 125 kW. Lauffähig und mit allen Nebenaggregaten beträgt die Gewichtseinsparung sogar rund 46 kg.[3]

Aufladung und AbgasBearbeiten

Der Motor hat einen wassergekühlten Abgasturbolader von Honeywell (GTD1449) mit variabler Turbinengeometrie. Ein Elektromotor verstellt die Leitschaufeln. Die verdichtete Frischluft wird in einem Ladeluftkühler gekühlt.

Weiterhin hat der Motor sowohl eine gekühlte Niederdruck-Abgasrückführung (AGR) als auch eine gekühlte Hochdruck-Abgasrückführung. Das Abgas der Niederdruck-AGR wird hinter dem Partikelfilter entnommen, gekühlt und vor dem Verdichter wieder eingeleitet.

Die gesamte Abgasnachbehandlung erfolgt motornah und wurde bereits auf kommende Testverfahren wie den WLTP-Zyklus und Real Driving Emissions (RDE) ausgelegt. Durch die Anordnung aller Elemente der Abgasnachbehandlung direkt am Motor konnte im Vergleich zum Vorgänger die Anzahl der Motorvarianten reduziert werden. Hinter der Turbine des Turboladers kommt zunächst ein Dieseloxidationskatalysator (DOC) zum Einsatz, anschließend wird mit einem Fallstrommischer die zur Reinigung der Stickoxide benötigte Harnstofflösung AdBlue zudosiert. Nach einer kurzen Mischstrecke schließen sich ein SCR-beschichteter Dieselpartikelfilter (sDPF) und ein SCR-Katalysator an.[3]

Einspritzung und BrennverfahrenBearbeiten

Die Common-Rail-Einspritzung arbeitet mit einem Kraftstoffdruck bis zu 2050 bar.[3] Als Hochdruckpumpe wird eine CP4-Einstempelpumpe von Bosch eingesetzt. Die Pumpe wird von der Steuerkette mit angetrieben.

Erstmals in einem Pkw-Dieselmotor wird ein Stufenmulden-Brennverfahren angewendet. Dies soll im Vergleich zu einer Omega-Mulde zu einem besseren Wirkungsgrad bei gleichzeitig niedrigeren Partikelrohemissionen führen.

VersionenBearbeiten

Der OM 654 wird in fünf Leistungsstufen (90, 110, 118, 143 und 180 kW) angeboten.

OM 654 DE 16 G SCR*Bearbeiten

Verkaufsbezeichnung Baureihe Bauzeitraum
Hubraum: 1598 cm³, Leistung: 90 kW (122 PS) bei 3800/min, Drehmoment: 300 Nm bei 1400–2800/min
C 180 d W/S 205 seit 07/2018
Hubraum: 1598 cm³, Leistung: 118 kW (160 PS) bei 3800/min, Drehmoment: 360 Nm bei 1600–2600/min[7]
C 200 d W/S 205 seit 07/2018 (bis 10/2018 nur in Verbindung mit Schaltgetriebe)

 * Die Motorbezeichnung ist wie folgt verschlüsselt: OM = Oel-Motor (Diesel), Baureihe = dreistellig, DE = Direkteinspritzung, Hubraum = Deziliter (gerundet), SCR = Art der Abgasnachbehandlung

OM 654 DE 20 G SCR*Bearbeiten

Verkaufsbezeichnung Baureihe Bauzeitraum
Hubraum: 1950 cm³, Leistung: 110 kW (150 PS) bei 3200–4800/min, Drehmoment: 360 Nm bei 1400–2800/min
C 200 d (9G-TRONIC) W/S 205 07/2018–10/2018
E 200 d W/S 213 seit 07/2016
Hubraum: 1950 cm³, Leistung: 143 kW (194 PS) bei 3800/min, Drehmoment: 400 Nm bei 1600–2800/min
C 220 d W/S 205 seit 04/2018
E 220 d W/S 213
A/C 238
seit 04/2016
seit 12/2016
Hubraum: 1950 cm³, Leistung: 180 kW (245 PS) bei 4200/min, Drehmoment: 500 Nm bei 1600–2400/min
C 300 d W/S 205 seit 07/2018
CLS 300 d C 257 seit 04/2018
E 300 d W/S 213 seit 02/2018
GLE 300 d V 167 seit 10/2018

 * Die Motorbezeichnung ist wie folgt verschlüsselt: OM = Oel-Motor (Diesel), Baureihe = dreistellig, DE = Direkteinspritzung, Hubraum = Deziliter (gerundet), SCR = Art der Abgasnachbehandlung

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mercedes-Benz startet Neuproduktionsanlauf OM654/656 am Standort Untertürkheim, abgerufen am 15. Februar 2015
  2. Hier fährt das neue Modell 2016, abgerufen am 15. Februar 2015
  3. a b c d Die Zukunft des Dieselmotors: Neue Premium-Diesel-Generation von Mercedes Benz. MB Passion Blog, 15. Februar 2016, abgerufen am 15. Februar 2016.
  4. a b OM 654 kommt mit weniger Hubraum in C- und E-Klasse - Mercedes-Benz Passion Blog / Mercedes Benz, smart, Maybach, AMG. In: Mercedes-Benz Passion Blog / Mercedes Benz, smart, Maybach, AMG. 28. April 2018 (mercedes-benz-passion.com [abgerufen am 28. April 2018]).
  5. Torsten Seibt: Neuer Mercedes-Basisdiesel OM 654 1.6: Weniger Hubraum, mehr Leistung. In: auto motor und sport. (auto-motor-und-sport.de [abgerufen am 28. April 2018]).
  6. OM 654: der neue Diesel-Motor kommt erstmals mit der neuen E-Klasse. MB Passion Blog, 15. Januar 2016, abgerufen am 15. Januar 2016.
  7. https://www.mercedes-benz.de/passengercars/mercedes-benz-cars/models/c-class/saloon/equipment.html