AdBlue

Eingetragene Marke

AdBlue ist eine Marke für Produkte und Dienstleistungen in Bezug auf Abgasnachbehandlung bei Dieselmotoren mittels selektiver katalytischer Reduktion (SCR).[2] Die Abgasnachbehandlung in dieser Form ermöglicht dabei eine Reduktion der ausgestoßenen Stickoxide (NOx) um bis zu 90 Prozent.[3] Die hierfür u. a. notwendige wässrige Harnstofflösung ist in ISO 22241[4] als AUS 32 genormt.

AdBlue
AdBlueLogo.jpg

Besitzer/Verwender 215 Lizenznehmer (Stand Juli 2020)[1]

Inhaber Verband der Automobilindustrie (VDA)
Einführungsjahr 2009
Produkte Abgasnachbehandlung
Märkte Weltweit
Website VDA (deutsch)
Ein Pkw-Hersteller nutzt die Marke an einem Tankeinfüllstutzen.
Lizenzfreies Produkt Diesel exhaust fluid (DEF) aus dem nordamerikanischen Markt

Die Marke gehört dem deutschen Verband der Automobilindustrie (VDA).[5] Sie kann von Unternehmen zur Herstellung entsprechender Produkte lizenziert werden.

Zur technischen Wirkungsweise der Abgasnachbehandlung siehe SCR bei Dieselmotoren

LizenzbedingungenBearbeiten

Die eigenen Vergaberichtlinien werden vom Markeninhaber selber wie folgt beschrieben:

„AdBlue® ist eine eingetragene Marke des VDA (Verband der Automobilindustrie) und wird in Lizenz vor allem von Fahrzeugherstellern, Zulieferern und Unternehmen der chemischen Industrie sowie der Mineralölwirtschaft zur Verfügung gestellt. Die Marke AdBlue® ist u. a. anwendbar auf Kraftfahrzeuge, Kfz-Teile, in Bedienungsanleitungen von Kfz und für den Harnstoff AUS 32.“

Verband der Automobilindustrie: [2]

Die aktuellen Lizenzbedingungen können beim Inhaber angefragt werden.[2] Zur Einführung 2009 wurden die Lizenz- und Zertifizierungskosten exemplarisch für einen Hersteller der Harnstofflösung genannt.[6]

Die der Marke zugrunde liegende ISO-Norm standardisiert und benennt die wässrige Lösung dabei international mit AUS 32 für aqueous urea solution. Die Norm beschreibt weiterhin notwendige Test- und Qualitätssicherungsverfahren, sowie Lager- und Logistikanforderungen. Der Verband lizenziert die Marke nur in Verbindung mit umfangreichen Auditierungsmaßnahmen, die vom jeweiligen Lizenznehmer zu tragen sind.[7]

LizenznehmerBearbeiten

Die Marke wird weltweit von vielen Industriebetrieben lizenziert, die sie für Benennung und Qualifizierung der Harnstofflösung nutzen. Die Anzahl an Lizenznehmern wuchs von 124 im Oktober 2014[8] auf 177 im Mai 2018.[1]

SpezifikationenBearbeiten

AdBlue besteht aus einem Gemisch von demineralisiertem Wasser und ca. 32 % Harnstoff. Die Flüssigkeit besitzt folgende physikalische Eigenschaften:

Eigenschaft Wert Einheit
Harnstoffgehalt 31,8–33,2 Gew.-%
Kristallisationsbeginn −11,5 °C
Brechungsindex 1,3817–1,3843
Wärmeleitfähigkeit 0,57 W/(m·K)
Spezifische Wärmekapazität 3,51 J/(g·K)
Schmelzenthalpie 270 J/g
Dichte bei 20 °C 1,087–1,093 g/cm³
Dynamische Viskosität 1,4 mPa·s

HerstellungsprozessBearbeiten

Harnstoff (CH4N2O) wird in der chemischen Industrie großtechnisch aus Ammoniak (NH3) und Kohlendioxid (CO2) hergestellt. Ammoniak wird dazu mit Strom (85 bis 160 kWh pro t) aus Stickstoff (N2) und Wasserstoff (H2) mittels Methan (CH4) hergestellt.[9][10]

VerbrauchBearbeiten

Abhängig von der NOx-Konzentration und dem Motorzustand wird Adblue zur Reduktion zu Stickstoff, Kohlendioxid und Wasser eingebracht. Der Verbrauch weicht unter den verschiedenen PKWs deutlich ab.[11] Im Jahr 2018 hat Bosch für einen prototypisch veränderten VW Golf, der den Euro 6 - Grenzwert von 80 mg NOx/km im Realbetrieb deutlich unterschritten hat, je nach Fahrweise einen AdBlue-Verbrauch von 0,5 bis 1,8 l/1000 km angegeben.[12] Andere Quellen geben einen Verbrauch an AdBlue von etwa 4 % bis 6 % des Kraftstoffverbrauchs[13] oder bei PKWs bis zu 8,5 Liter pro 1000 Kilometer an.[14]

In einer Situation, in der hauptsächlich schnelle Selektive katalytische Reduktion stattfindet, liegt der Verbrauch bei 1 Liter pro 450 g NOx:

 
 
 

Setzt man die Atommassen N=14u, H=1u, C=12u und O=16u ein, ergeben sich Molekülmassen von 60u für   und 18u für  . Um das Masseverhältnis von 32,5 % zu 67,5 % zu erhalten, muss das molekulare Verhältnis bei ca. 1:6,92 liegen. Bei der Reaktion wird jeweils 1 Molekül   und   verbraucht, der verbleibende Wasseranteil nimmt an keiner Reaktion zur Reduktion von Stickoxiden teil.

Aus 60u   und 6,92*18 = 124,6u  , in der Summe also 184,6u, erhält man folglich ausreichend Ammoniak für die Reduktion eines  - und eines  -Moleküls mit 30u und 46u. Da mit 184,6u AdBlue 76u   und   reduziert werden, reduziert 1 kg AdBlue ca. 412 g Stickoxide. Mit einer Dichte von 1,09 kg/l ergibt sich gerundet, dass 1 Liter AdBlue etwa 450 g Stickoxide reduziert. Der oben angegebene Spitzenwerk von 8,5 l/1000 km bezieht sich folglich auf eine Fahrsituation, in der ohne Stickoxid-Nachbehandlung ca. 3800 mg NOx/km ausgestoßen werden. Zum Vergleich: Das Umweltbundesamt gibt für Diesel-PKW der Abgasnorm Euro 5 einen Flottendurchschnitt von 950 mg NOx/km an.[15]

KartellvorwürfeBearbeiten

In einem Kartell hatten sich Volkswagen, Daimler und BMW über die Größe der Tanks für die Harnstofflösung verständigt, womit die Abgasreinigung nur kompromittiert möglich war[16], wenn man das Nachfüllen von AdBlue durch den Fahrer nicht zum Regelprozess macht. Daimler und VW hatten sich selbst angezeigt und hofften auf die Kronzeugenregelung.[17][18]

ZapfsäulenBearbeiten

Es gibt verschiedene Zapfsäulen für PKW und LKW.[19] Einige PKW werden heute so konstruiert, dass eine Betankung mit AdBlue an LKW-Zapfsäulen technisch möglich ist.[20]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Liste der Lizenznehmer auf VDA.de (PDF), abgerufen am 3. August 2020.
  2. a b c Lizenzierung der Marke
  3. Robert Bosch GmbH: Kraftfahrtechnisches Taschenbuch. 28. Aufl., Springer Vieweg, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-03800-7, S. 719.
  4. Vorschau ISO 22241-1, abgerufen 2018-04-03.
  5. Liste der weltweiten Markenregistrierungen, Januar 2019 (PDF)
  6. Advantages of the AdBlue®-Audit, August 2009 (PDF, englisch)
  7. AdBlue_Audit-Requirements%20V1%205.pdf (engl.)
  8. Liste der Lizenznehmer, Oktober 2014 (PDF)
  9. So viel Strom brauchen Autos mit Verbrennungsmotor | Edison. Abgerufen am 31. Juli 2019.
  10. Manfred Lindinger: Hoffnungsträger Methan: Wasserstoff aus dem Elektro-Ofen. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 28. Dezember 2019]).
  11. Diesel-Spezial | Wie Hersteller mit AdBlue und Co. gegen Stickoxide und Rußpartikel kämpfen. Abgerufen am 28. Dezember 2019 (deutsch).
  12. The Path to a Negligible NO2 Immission Contribution from the Diesel Powertrain. Abgerufen am 4. Januar 2021 (englisch).
  13. Adblue: Der große Ratgeber. 28. Juni 2017, abgerufen am 3. August 2019.
  14. Kartellverdacht: Autokonzerne sahen Dieselkrise kommen – „Ohne Bescheißen werden wir es nicht schaffen“. Abgerufen am 28. Dezember 2019.
  15. Umweltbundesamt: Reale Stickoxid-Emissionen von Diesel-Pkw nach wie vor zu hoch. 11. September 2019, abgerufen am 3. November 2019.
  16. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/abgas-skandal-kartellvorwurf-gegen-daimler-vw-bmw-und-co-/20091746.html?ticket=ST-1781260-QQhnEul3dHIctfQdGmte-ap3
  17. Thomas Fromm, Max Hägler, Klaus Ott: Autokartell: BMW fühlt sich von Daimler hintergangen. Abgerufen am 28. Dezember 2019.
  18. tagesschau.de: BMW, Daimler und VW: Illegale Absprachen bei Abgastechnik? Abgerufen am 28. Dezember 2019.
  19. ADAC: AdBlue kaufen, tanken und nachfüllen. 5. Mai 2020, abgerufen am 4. Januar 2021.
  20. Auto Motor Sport: Bis zu 10-facher Preis, wenig Zapfsäulen. 12. August 2020, abgerufen am 4. Januar 2021.