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Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte

Forschungseinrichtung der Max-Planck-Gesellschaft

Das Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte (MPIeR) in Frankfurt am Main ist eines von derzeit 83 Instituten der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). Seit seiner Gründung im Jahr 1964 erforschen hier Wissenschaftler die Grundlagen zur Geschichte des Rechts in und jenseits von Europa.

Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte
Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte
MPI für europäische Rechtsgeschichte (Gebäude seit 2013)
Kategorie: Forschungseinrichtung
Träger: Max-Planck-Gesellschaft
Rechtsform des Trägers: Eingetragener Verein
Sitz des Trägers: München
Standort der Einrichtung: Frankfurt am Main
Art der Forschung: Grundlagenforschung
Fächer: Rechtswissenschaft
Fachgebiete: Rechtsgeschichte
Grundfinanzierung: Bund (50 %), Länder (50 %)
Leitung: Thomas Duve
Homepage: www.rg.mpg.de

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Der Gründungsdirektor des Instituts war Helmut Coing (1964–1979). Ihm folgten ins Direktorium Dieter Simon (1980–2001), Walter Wilhelm (1980–1987), Michael Stolleis (1991–2006) und Marie Theres Fögen (2001–2008). Nach seiner Emeritierung 2006 übernahm Michael Stolleis im September 2007 erneut die kommissarische Leitung des Instituts bis Ende 2009. Ab 2010 wurde Thomas Duve als neuer Direktor und Wissenschaftliches Mitglied eingesetzt. Seit Dezember 2014 wirkt Stefan Vogenauer[1] als Direktor ebenfalls am Institut. Ihm obliegt aktuell die Geschäftsführung. Am MPIeR sind Wissenschaftliche Mitglieder der MPG Thomas Duve, Dieter Simon, Michael Stolleis und Stefan Vogenauer sowie Knut Wolfgang Nörr als Auswärtiges Wissenschaftliches Mitglied.

ForschungBearbeiten

Unter Helmut Coing lagen die Forschungsschwerpunkte zunächst auf der Europäischen Privatrechtsgeschichte und ihren Bezügen zur Wirtschaftsgeschichte. Dieter Simon, Walter Wilhelm, Michael Stolleis und Marie Theres Fögen ergänzten die Arbeiten sukzessive um Rechtstheorie und Rechtssoziologie, um die Geschichte des Öffentlichen Rechts, des Völkerrechts, des Strafrechts, des Rechts des modernen Osteuropas und der europäischen Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Heute akzentuieren Thomas Duve und Stefan Vogenauer den transnationalen Ansatz der europäischen Rechtsgeschichte mit globalhistorischen und rechtsvergleichenden Themenstellungen.

In nunmehr zwei Forschungsabteilungen begründen sich die zahlreichen individuellen Forschungsprojekte des Instituts. Ganz unterschiedliche Epochen und Themen betreffend bündeln sie sich in einem guten Dutzend abteilungsübergreifender Forschungsfelder. Zu diesen zählen: Rechtshistoriographie, Quellen, Privatrechtsgeschichte, Strafrechtsgeschichte und historische Kriminalitätsforschung in Europa, Kirchliche Rechtsgeschichte zwischen Spätmittelalter und Moderne, Regelungsregime, Geschichte der juristischen Methoden und Praktiken, Rechtsgeschichte der Europäischen Union, Rechtstransfer im common law, Rechtsgeschichte Ibero-Amerikas, Recht als Zivilisationsfaktor im ersten Jahrtausend, Rechtsgeschichte der Schule von Salamanca sowie Regierung der Universalkirche nach dem Konzil von Trient. Vier Forschungsschwerpunkte ermöglichen darüber hinaus, integrative Fragestellungen an die einzelnen Forschungsprojekte und -felder zu formulieren. Multinormativität, Translation, Rechtsräume und Konfliktregulierung, diese vier Forschungsschwerpunkte bieten Schnittstellen zu benachbarten Disziplinen wie den Sozial- und Rechtswissenschaften.

Vorhandene Kompetenzbereiche sind: Privatrechtsgeschichte der Neuzeit, Gute Policey und Policeywissenschaft, Wissenschaftsgeschichte des öffentlichen Rechts, Vermittlung und Repräsentation von Recht in (Bild-)Medien, Wissenschaftliche Kommunikation im 19. Jahrhundert, Recht in der industriellen Revolution, Rechtskulturen des modernen Osteuropa. Traditionen und Transfers, Das Europa der Diktatur: Wirtschaftskontrolle und Recht, Erschließung der rechtsarchäologischen Bildersammlung Karl Frölich und Völkerrechtsgeschichte.

AusstattungBearbeiten

Der interdisziplinäre Forschungsansatz, die institutseigene Spezialbibliothek mit inzwischen über 470.000 Medieneinheiten, die Publikationen und die interinstitutionelle wie internationale Vernetzung des MPI für europäische Rechtsgeschichte bieten weltweit einmalige Arbeitsbedingungen für die rechtshistorische Forschung und andere Disziplinen. All dies hat das Institut über die letzten 50 Jahre zu einem Referenzpunkt der weltweiten scientific community werden lassen, die über die Vergangenheit und Gegenwart unserer nationalen und transnationalen Rechtsordnungen forscht.

Die Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität in der Wissenschaftsregion Rhein-Main spielt dabei eine wichtige Rolle. Durch Kooperationen etwa im Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" oder dem LOEWE-Schwerpunkt "Gerichtliche und außergerichtliche Konfliktlösungen" tragen Universität und Max-Planck-Institut nachhaltig dazu bei, den Standort Frankfurt am Main als Ort der Normativitätswissenschaft zu profilieren. So ist es dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte und der Goethe-Universität schließlich auch gelungen, das Forschungsprojekt „Die Schule von Salamanca“ als Langzeitvorhaben der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz zu etablieren und damit rechtshistorische und philosophische Perspektiven in der Forschungsarbeit miteinander zu verbinden.

PublikationenBearbeiten

Rechtsgeschichte - Legal History (Rg), eine Zeitschrift des MPI für europäische Rechtsgeschichte, erscheint seit 2002 in gedruckter Form im Vittorio Klostermann Verlag. Seit 2012 wird sie parallel online im Open Access publiziert. Vorläufer der Rg waren die Zeitschriften „Ius Commune - Zeitschrift für Europäische Rechtsgeschichte“ (1967–2001, Vittorio Klostermann Verlag) und das „Rechtshistorische Journal“ (1982–2001, Verlag der Löwenklau Gesellschaft e.V.).

In der institutseigenen "Research Paper Series im Social Science Research Network" werden Forschungsergebnisse aus den Institutsprojekten als working paper, pre-print und post-print online frei zugänglich veröffentlicht.

Darüber hinaus publiziert das MPIeR vier Schriftenreihe, darunter die „Studien zur europäischen Rechtsgeschichte“, die "Rechtsprechung. Materialien und Studien.", die "Studien zu Policey und Policeywissenschaft" und die "Studien zur Geschichte des Völkerrechts".

OrganisationBearbeiten

Das Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte besteht aus zwei Forschungsabteilungen unter Leitung von Stefan Vogenauer (Abteilung I) und Thomas Duve (Abteilung II). Die Aufgabe des Geschäftsführenden Direktors wechselt turnusmäßig. Am Institut arbeitet außerdem die Max-Planck-Forschungsgruppe von Benedetta Albani zum Thema „Die Regierung der Universalkirche nach dem Konzil von Trient“. Eine zweite Max-Planck-Forschungsgruppe befindet sich zurzeit im Aufbau. Freunde und Förderer des Instituts haben sich 2003 zum Verein „Freunde des Frankfurter Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte e.V.“ mit Sitz in Frankfurt am Main zusammengeschlossen.

Gezielten Service für die Wissenschaft bieten die Verwaltung (Leitung: Carola Schurzmann), die Bibliothek (Leitung: Sigrid Amedick), die Redaktion (Leitung: Karl-Heinz Lingens) und das IT-Management (Leitung: Volker Novak). Stefanie Rüther koordiniert die verschiedenen Aufgaben im Bereich der Forschung.

LiteraturBearbeiten

  • Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte (Max Planck Institute for European Legal History), in: Eckart Henning, Marion Kazemi: Handbuch zur Institutsgeschichte der Kaiser-Wilhelm-/ Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften 1911–2011 - Daten und Quellen, Berlin 2016, 2 Teilbände, Teilband 2: Institute und Forschungsstellen M-Z (online, Seite 1451–1463 Chronologie des Instituts).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Anne Grewlich: Anglo-Amerikanisches Recht im Blick. Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, Pressemitteilung vom 22. Dezember 2014 beim Informationsdienst Wissenschaft (idw-online.de), abgerufen am 23. Dezember 2014.

Koordinaten: 50° 7′ 40,6″ N, 8° 40′ 13,9″ O