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Martin Schirdewan

deutscher Politikwissenschaftler und Politiker (Die Linke), MdEP
Martin Schirdewan auf dem Parteitag der Linkspartei in Bonn (2019)

Martin Schirdewan (* 12. Juli 1975 in Ost-Berlin) ist ein deutscher Politiker (Die Linke). Im November 2017 rückte Schirdewan für den ausscheidenden Europaabgeordneten Fabio De Masi nach und ist seitdem Mitglied des Europäischen Parlaments. Bei der Europawahl 2019 kandidierte er als Spitzenkandidat seiner Partei und verteidigte sein Mandat. Seine Fraktion, die Konföderale Fraktion der Vereinten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke, wählte ihn zum Co-Fraktionsvorsitzen der 9. Legislaturperiode.[1]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Schirdewan studierte von 1998 bis 2003 Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und wurde 2007 zum Dr. rer. pol. promoviert.

Von 2001 bis 2008 war er Redakteur der Zeitschrift Utopie kreativ der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS). Außerdem war er von 2005 bis 2006 Mitglied im Sprecherrat der RLS-Stipendiatenschaft. Von 2006 bis 2008 war er leitender Redakteur von sacco & vanzetti, dem Jugendmagazin des Neuen Deutschlands (ND). Ab 2008 war er Koordinator der AG Ost der Fraktionsvorsitzendenkonferenz der Linken. 2011 wurde er Redaktionsmitglied der Zeitschrift antifa. Magazin für antifaschistische Politik und Kultur der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN).

 
Martin Schirdewan, Spitzenkandidat der Partei Die Linke für die Europawahl (2019)

2012 wurde Schirdewan in den Parteivorstand der Linken gewählt; 2014 kandidierte er für das Europaparlament. Bis 14. Januar 2015 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Roland Claus.[2] Seitdem war er Leiter des Europabüros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Brüssel und des Verbindungsbüros in Athen – zunächst in Vorbereitung, vom 15. Juli 2015 bis 15. November 2017 vollamtlich.[3] Durch die Wahl des EP-Abgeordneten Fabio De Masi in den 19. Deutschen Bundestag bei der Bundestagswahl 2017 rückte Schirdewan in das Europäische Parlament nach.[4] Bei der Europawahl 2019 kandidiert er als Spitzenkandidat der Partei Die Linke.[5] Martin Schirdewan sieht seine Schwerpunkte im Einsatz für Steuergerechtigkeit und für eine gerechte Finanzpolitik, Kontrolle der Konzerne und Unterstützung der Arbeit der europäischen Gewerkschaften. – Er ist Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Währung (ECON).

 
Martin Schirdewan spricht als Fraktionsvorsitzender der GUE/NGL-Fraktion bei der Konstituierung des Europäischen Parlaments

Seine Arbeit und seine Zielsetzung in Brüssel charakterisiert Schirdewan selbst wie folgt[3]:

„Ich werde meine Parlamentsarbeit so ausüben, dass die Kritik an den herrschenden Verhältnissen zusammenkommt mit dem Aufzeigen solidarischer und internationaler Alternativen. Der Wirtschafts- und Währungsausschuss bietet dafür mit der Behandlung der Zukunft der Eurozone und der sogenannten Bankenunion, oder der Panama-Papers sowie bald der Paradise-Papers den geeigneten Rahmen. Auch linke Politik vertritt Interessen und dient deren Durchsetzung. Linke EU-Kritik ist deshalb nicht in erster Linie verkürzt oder populistisch. Sie ist richtig und notwendig, weil sie auf politischen Gegebenheiten basiert, die von den Menschen auch so wahrgenommen werden. Aber die bislang nur hinreichend erfüllte Kunst besteht darin, die notwendige Kritik nicht nationalistisch wie die europäische Rechte, sondern internationalistisch und deshalb proeuropäisch zu äußern. Ganz im Sinne von Solidarität mit den niederländischen Siemens-ArbeiterInnen sowie den Thüringer MitarbeiterInnen im Siemens Generatorenwerk, deren Arbeitsplätze abgebaut werden sollen und im Sinne der Weimarer Coca-Cola-ArbeiterInnen, deren Arbeitsplätze abgebaut werden.“

Martin Schirdewan ist außerdem Mitglied bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.

Schirdewan ist Enkel des KPD- und SED-Politikers Karl Schirdewan[6] und Vater eines Kindes.

SchriftenBearbeiten

  • Links – kreuz und quer. Die Beziehungen innerhalb der europäischen Linken. Dietz, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02153-5.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Aubry & Schirdewan to lead Left’s challenge to EU policy. Abgerufen am 18. Juli 2019 (englisch).
  2. Martin Schirdewan. In: Prager Frühling. Abgerufen am 26. Mai 2014.
  3. a b Ein starkes Duo für Europa in Thüringen. Die Linke. Kreisverband Altenburger Land, 24. Januar 2018, abgerufen am 28. April 2019.
  4. Pressefrühstück: Verabschiedung von Fabio De Masi (Die Linke.). In: Euractiv. Abgerufen am 28. April 2019.
  5. Vertreterinnen- und Vertreterversammlung: Wahl der Europaliste. In: die-linke.de. Abgerufen am 27. Mai 2019.
  6. Reinhard Kärbsch: 1. Mai in Hoyerswerda. (pdf, 525 kB) In: Lausitzer Linksdruck. Mai 2014, S. 1, archiviert vom Original am 1. Juni 2016; abgerufen am 1. Juni 2016 (Interview mit Martin Schirdewan).