Marguerite Gautier-van Berchem

Schweizer Kunsthistorikerin und IKRK-Delegierte

Marguerite Gautier-van Berchem (* 11. April 1892 als Marguerite Augusta Berthout van Berchem, bekannt als Marguerite van Berchem, in Genf; † 23. Januar 1984 ebenda)[1] war eine Schweizer Archäologin[2] und Kunsthistorikerin aus einer Genfer Patrizierfamilie.[3] Sie beschäftigte sich mit frühchristlicher wie frühislamischer Kunst und war zugleich eine humanitäre Aktivistin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Als eine der ersten Frauen in führenden IKRK-Positionen trug sie dazu bei, der Gleichberechtigung aller Geschlechter in der Organisation, die ihrerseits historisch eine Pionierin des humanitären Völkerrechts ist, den Weg zu ebnen.[4]

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Van Berchem während des Ersten Weltkrieges
ICRC-TracingArchives Signature Marguerite van Berchem 23101944.png

LebenBearbeiten

Familiärer Hintergrund und AusbildungBearbeiten

 
Max van Berchem

Gautier-van Berchem stammte aus einer flämischen Dynastie im damaligen Herzogtum Brabant. Die Wurzeln des Adelshauses lassen sich bis ins 11. Jahrhundert zurückverfolgen. Der einzige Zweig der Familie, der bis heute überlebt hat, ist derjenige, der während der Reformation zum Protestantismus konvertierte und 1544 mit David Joris, einer führenden Persönlichkeit des enthusiastischen Flügels der Täuferbewegung, nach Basel auswanderte.[5]

Dieser Teil der van Berchem siedelte sich nach weiteren Ortswechseln um 1764/65 in der heutigen Romandie an, dem Französisch-sprachigen Westen der Schweiz, und erlangte 1816 das Bürgerrecht der Republik und des Kantons Genf. Die Familie kam dort zu einem großen Vermögen, vor allem durch Heiratsverbindungen mit anderen Patrizierfamilien[6][7] wie den Saladin und Sarasin. Eine «mögliche Verwandtschaft» mit dem ansonsten erloschenen Adelsgeschlecht Berthout führte dazu, dass der Schweizer Zweig der van Berchem seit dem 18. Jahrhundert diesen Namen noch zusätzlich führte.[5]

 
Das Château de Crans

Marguerites Vater Max van Berchem (1863–1921) war ein Orientalist, der sich auf islamische Archäologie spezialisiert hatte und mehrere Forschungsreisen nach Ägypten, Palästina und Syrien unternahm. Er erlangte vor allem durch das Erstellen eines Corpus inscriptionum arabicarum (eine umfassende Sammlung arabischer Schriften) internationales Renommee und gilt als Begründer der arabischen Epigraphik in der westlichen Welt.[8]

Ihre Mutter, Lucile Elisabeth Frossard de Saugy, starb, als Marguerite gerade einmal ein Jahr alt war.[9] Ihre Stiefmutter Alice Naville hatte noch sechs Kinder mit Marguerites Vater.[8] Navilles Vater Albert (1841–1912) war Geschichtslehrer an einer höheren Mädchenschule[10] und stammte aus der zweitältesten Familie von Genf,[1] während ihre Mutter einem anderen prominenten Geschlecht der Stadt entstammte, der wegen ihrer Theologen berühmten Familie der Turrettini.[8]

Marguerite van Berchem wuchs im Schloss der Familie, dem Château de Crans, in Crans-près-Céligny am Ufer des Genfersees auf, wohin ihr Vater regelmäßig berühmte Gelehrte seiner Zeit einlud.[11] Dank ihres privilegierten Hintergrundes konnte sie schließlich an der École du Louvre in Paris studieren.[9]

Erster WeltkriegBearbeiten

 
Van Berchem im Musée Rath mit Adolphe Chenevière, Emile Ador und Léopold Favre (von links)
Porträtfotos von Fred Boissonnas
Van Berchem in der Recherche-abteilung
Van Berchem in der Abteilung für Vermisste

Kurz nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Juli 1914 gründete das IKRK unter seinem Präsident Gustave Ador die Internationale Zentralstelle für Kriegsgefangene (IPWA), um das Schicksal und den Aufenthalt von Kriegsgefangenen nachzuverfolgen und den Kontakt mit ihren Familien wiederherzustellen. Der österreichische Schriftsteller und Pazifist Stefan Zweig schilderte die Lage am Genfer Hauptsitz des IKRK wie folgt:

«Kaum daß die ersten Schlachten geschlagen sind, gellen schon die Schreie der Angst aus allen Ländern in die Schweiz hinüber. Die Tausende, denen Botschaft von ihren Gatten, Vätern und Söhnen auf den Schlachtfeldern fehlt, breiten verzweifelt die Arme ins Leere: Hunderte, Tausende, Zehntausende von Briefen und Telegrammen prasseln nieder in das kleine Haus des Roten Kreuzes in Genf, die einzige internationale Bindungsstätte der Nationen. Wie Sturmvögel kamen die ersten Anfragen nach Vermißten, dann wurde es selbst ein Sturm, ein Meer: in dicken Säcken schleppten die Boten die Tausende und Abertausende geschriebener Angstrufe herein. Und nichts war solchem Dammbruch des irdischen Elends bereitet: das Rote Kreuz hatte keine Räume, keine Organisation, kein System und vor allem keine Helfer.»[12]

Bereits am Ende des Jahres arbeiteten rund 1.200 Freiwillige in den Räumlichkeiten des Genfer Kunstmuseums Musée Rath, darunter als einer der ersten der französische Schriftsteller und Pazifist Romain Rolland. Als er den Nobelpreis für Literatur für 1915 erhielt, spendete er die Hälfte des Preisgeldes an die Zentralstelle.[13] Die meisten der Freiwilligen waren indessen junge Frauen wie Marguerite van Berchem, die ebenfalls von Anfang an dabei war. Sie engagierte sich zunächst im Sonderdienst für Telegramme,[14] im Recherchedienst[15] und in der Abteilung für vermisste Personen.[16]

Sie widmete sich diesen Aufgaben «selbstlos» und wurde bald zur Leiterin des für Deutschland zuständigen Dienstes ernannt, wo sie sich einen Ruf als geschickte und effiziente Macherin erarbeitete.[17] Leiter der Zentralstelle war der Ägyptologe Édouard Naville, mit dessen Tochter Marguerites Onkel Victor van Berchem verheiratet war.[18] Der Schwiegervater, der seit 1915 auch IKRK-Vizepräsident war,[19] und sein Schwiegersohn unternahmen auch gemeinsame Inspektionsbesuche in britische Kriegsgefangenenlager.[20] Als Ador 1917 zum Bundesrat gewählt wurde, amtierte Naville als Interimspräsident.[19]

Im gleichen Jahr erhielt das IKRK den einzigen Friedensnobelpreis, der während des Ersten Weltkrieges vergeben wurde. Man kann argumentieren, dass auch Marguerite van Berchem dazu ihren Beitrag leistete.

Insgesamt erstellten die Freiwilligen der Zentralstelle in den vier Kriegsjahren rund 7 Millionen Karteikarten, um die Schicksale von zweieinhalb Millionen Kriegsgefangenen nachzuzeichnen. Sie übermittelten rund 20 Millionen Briefe und Mitteilungen, 1,9 Millionen Pakete sowie Geldspenden in Höhe von 18 Millionen Schweizer Franken an Kriegsgefangene aller beteiligten Staaten. Darüber hinaus vermittelte das IKRK den Austausch von rund 200.000 Gefangenen.

Zwischen den WeltkriegenBearbeiten

Frontispiz und Titelblatt von Mosaïques chrétiennes du IVme au Xme siècle, dem Andenken an Max van Berchem gewidmet (unten)

Nach dem Krieg setzte van Berchem die Arbeiten ihres Vaters fort, der 1921 starb. Offenbar gemäß seinen Wünschen richtete sie ihren Schwerpunkt zunächst auf die Erforschung von Mosaiken.[11] 1924 veröffentlichte sie aufgrund eigener Untersuchungen, vor allem in Italien, ein Buch über christliche Mosaike aus der Zeit zwischen dem 4. und 10. Jahrhundert. Das Werk enthielt Zeichnungen ihrer jüngeren Halbschwester Marcelle und war eine Zusammenarbeit mit dem Archivar und Paläografen Étienne Clouzot (1881–1944), der Direktor einer der Entente-Abteilungen der Zentralstelle gewesen war. Er war auch Kolumnist der liberalen Tageszeitung Journal de Genève,[21] die 1859 einen anonymen Bericht von Henri Dunant über die Schlacht von Solferino veröffentlicht und damit maßgeblich zur Gründung des IKRK beigetragen hatte, was einmal mehr die enge Verflochtenheit der Genfer Patrizierfamilien auch auf institutioneller Ebene illustriert.[22]

In der Folge vertraute ihr der Architekturhistoriker K. A. C. Creswell die Untersuchungen zu den Mosaiken im Felsendom von Jerusalem und in der Umayyaden-Moschee von Damaskus an. Van Berchems Beitrag erschien 1932 unter ihrem Namen im ersten Band seines Werkes Early Muslim Architecture. Zur gleichen Zeit engagierte sich van Berchem weiterhin für das IKRK. So repräsentierte sie die Organisation auf der 15. Internationalen Rotkreuzkonferenz in Tokio im Jahr 1934.[17] Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war ihr Lebensmittelpunkt offenbar vierzehn Jahre lang Rom.[11]

Zweiter WeltkriegBearbeiten

 
Der Brief vom 23. Oktober 1944 (aus den Beständen des Suchdienstes im Archiv des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz)

Nach ihrer Rückkehr nach Genf engagierte sich van Berchem alsbald in der Zentralstelle für Kriegsgefangene des IKRK. Diese war der Nachfolger der IPWA aus dem Ersten Weltkrieg und basierte völkerrechtlich auf den Genfer Konventionen in der Fassung von 1929. 1940/41 spielte van Berchem die entscheidende Rolle bei der Schaffung einer eigenen Abteilung für die Zehntausenden Kriegsgefangenen aus den französischen Kolonien, die dadurch Nachrichten ihrer Familien und Hilfspakete bekommen konnten. Um die Herausforderungen dieser Aufgabe zu meistern, rekrutierte sie ein Team von Fachleuten, die in den Kolonien gelebt hatten.[9] Ab 1943 leitete sie außerdem die Hilfssektionen der Agentur, die mit zuletzt mehr als tausend Freiwilligen über 24 Schweizer Städte verteilt waren.[23]

Im Herbst 1944 unterbrach der Krieg den Kontakt zwischen dem Kolonialdienst und den französischen Organisationen, mit denen er zusammenarbeitete. Am 23. Oktober warb van Berchem daher in einem Brief an das aus einer alten Genfer Bankiersfamilie stammende Komiteemitglied Albert Lombard[1] dafür, mit einer Mission nach Paris die Kontinuität der Abteilung zu gewährleisten, und argumentierte dazu, dass

«die Arbeit, die in Genf für einheimische Menschen in den Kolonien unternommen wurde, einen Einfluss über den der anderen nationalen Abteilungen hinaus hatte, da sie auf Menschen ausgerichtet war, denen von Weißen viel Leid angetan wurde».[9]

1944 ehrte das Nobelkomitee das IKRK mit seinem zweiten Friedensnobelpreis nach 1917. Wie im Ersten Weltkrieg war dies der erste Preis überhaupt, den es nach Kriegsbeginn vergab. Zwar wurde das IKRK später scharf dafür kritisiert, dass sein Präsident Max Huber, der auch in der Rüstungsindustrie tätig war,[24] eine ambivalente Rolle spielte und das nationalsozialistische System der Vernichtungs- und Konzentrationslager nicht öffentlich verurteilte.[25][26] Es lässt sich aber argumentieren, dass van Berchem ihrerseits einen Beitrag zu dem leistete, was das Nobelkomitee als «die großartige Arbeit, die das IKRK während des Krieges für die Menschheit leistete», würdigte.

Nach 1945Bearbeiten

 
Sedrata – Foto aus van Berchems Projekt

Ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges betonte van Berchem in einer Publikation ihre Überzeugung,

«dass Unterschiede in Rasse, Sprache und Religion keine Faktoren sind, die die Völker trennen sollten, sondern dass es Gesetze und tiefe Verbindungen gibt, die diese Vielfalt zu einem Reichtum machen können.»[23]

 
Sedrata im Jahr 2021

Noch 1946 unternahm sie eine Reise nach Marokko und Algerien. In Algier fiel ihr Interesse auf Stuck-Kunstwerke im Nationalmuseum für Altertümer und Islamische Kunst. Diese stammten aus Sedrata, einer historischen Stätte rund 800 km südlich von Algier nahe der Oase von Ouargla in der algerischen Sahara. Dort gab es im 10. und 11. Jahrhundert eine prosperierende Berber-Stadt, deren Ruinen am Ende des 19. Jahrhunderts von französischen Archäologen teilweise ausgegraben worden waren, danach aber wieder vom Wüstensand zugedeckt wurden.[11]

1949 unternahm sie eine zweite Reise nach Algerien und ein Jahr später eine Erkundungsmission nach Sedrata selbst. Es folgten zwei archäologische Expeditionen: während der ersten Kampagne, die von Ende 1950 bis Anfang 1951 stattfand, ließ van Berchem mit Mitteln der Luftbildarchäologie das Gelände mit seinen Straßen und Kanälen vermessen sowie Bohrungen nach Wasservorkommen durchführen. Bei zeitlich stark begrenzten ersten Ausgrabungen legte ihr Team ein großes Haus frei, das mit Bögen und Säulen dekoriert war. Die zweite Kampagne, die von Ende 1951 bis Anfang 1952 stattfand, förderte einen Wohnkomplex zutage, der reich mit Stuckpanelen geschmückt war. Fünfzig Kisten mit Funden ließ van Berchem nach Algier schicken.[11] Ihre weiteren Pläne musste sie allerdings infolge des 1954 entbrannten Algerienkriegs um die Unabhängigkeit von Frankreich aufgeben. Ein großer Teil der Forschungsergebnisse wurde erst posthum 2017 veröffentlicht.[27]

 
Stuck aus Sedrata im Louvre, von van Berchems Team ausgegraben

Unterdessen wurde van Berchem 1951 zum Mitglied des IKRK gewählt,[17] sechs Jahre nach ihrem Cousin René van Berchem. Der Bankier gehörte dem Gremium allerdings nur bis 1955 an,[1][28] während seine Cousine 18 Jahre lang ordentliches Mitglied blieb.[17] In dieser Zeit unternahm sie u. a. Missionen nach Nepal und Jordanien.[11] Mit ihrem Engagement war sie auch in der noch bis vor wenigen Jahren stark von Männern dominierten Versammlung der IKRK-Mitglieder eine Pionierin für die Gleichberechtigung von Frauen.

1963 sprach das Nobelkomitee dem IKRK seinen dritten Friedensnobelpreis nach 1917 und 1944 zu. Es ist damit bis heute die einzige Organisation, die derart oft mit diese höchste Ehrung erhalten hat. Einmal mehr lässt sich argumentieren, dass van Berchem auch zu dieser Auszeichnung einen Beitrag leistete.

1966 heiratete van Berchem den Bankier Bernard Gautier,[1] der ein Enkel von Augusta Berthout van Berchem und damit ein Cousin von Marguerites Halbgeschwistern war. Zugleich war eine Urgroßmutter van Berchems eine geborene Gautier.[29]

Drei Jahre später wurde Gautier-van Berchem zum Ehrenmitglied des IKRK ernannt. Im gleichen Jahr wurde der Bankier Marcel Naville – ein Enkel des früheren IKRK-Vizepräsidenten Edouard Naville, dessen Tochter mit Gautier-van Berchems Onkel Victor van Berchem verheiratet war – zum neuen IKRK-Präsidenten gewählt. Bis wenige Jahre vor ihrem Tod nahm Gautier-van Berchem regelmäßig und aktiv an der Versammlung des Komitees teil. Darüber hinaus engagierte sie sich finanziell für den Fonds, der notleidenden IKRK-Pensionärinnen und -Pensionären zugutekam.[17]

Als sie im Januar 1984 im Alter von fast 92 Jahren starb, schrieb der frühere IKRK-Vizepräsident Jean Pictet, der als der „Vater“ der Genfer Konvention von 1949 für den Schutz von Kriegsopfern gilt und aus der ältesten Genfer Familie stammte, in einem im Journal de Genève erschienenen Nachruf:

«Als einheimische Genferin verkörperte sie auf bewundernswerte Weise den ‹Geist von Genf›, nachdenklich und reserviert, bereitwillig rebellisch und gallig, aber auch großzügig und fähig, gute Anliegen zu entfachen. Sie war die Erbin dieser wissenschaftlichen und humanistischen Tradition, die – aristokratisch wie für die Massen – das gemeinsame Erbe der Genfer Bevölkerung ist.»[30]

Ihr Ehemann starb im Dezember des gleichen Jahres im Alter von 92 Jahren.[31]

NachlebenBearbeiten

Die Villa Saladin-Van Berchem
Die Westseite der Villa (Mitte)
Die Ostseite

1973 schenkte Gautier-van Berchem, die keine direkten Erben hatte, die 1715 erbaute Villa Saladin-van Berchem dem Schweizer Staat. Zwar war das Haus über sieben Generationen lang das Eigentum der Familie Saladin, doch hatte Gautier-van Berchem es selber nicht von diesem Zweig ihrer Vorfahren geerbt, sondern 1955 erworben. Da sie nicht wollte, dass das Anwesen mit seinem großen Park, das vom Plateau de Frontenex in Cologny den Genfersee überblickt, in ausländische Hände fällt, vermachte sie es dem Bundesrat unter der Bedingung, das Bauensemble nicht zu verändern.[3] Es dient seither als Residenz für den ständigen Repräsentanten der Schweiz beim Büro der Vereinten Nationen in Genf.[4]

Ebenfalls 1973 wurde auf Initiative von Gautier-van Berchem die Max van Berchem-Stiftung gegründet, die ihren Sitz im Genfer Stadtteil Champel hat. Sie dient zum einen in Kooperation mit der Bibliothek von Genf als Archiv für den wissenschaftlichen Nachlass Max van Berchems und über seine Unterlagen hinaus mit einer spezialisierten Büchersammlung als Dokumentationszentrum für arabische Epigraphik. Zum anderen finanziert die Stiftung archäologische Expeditionen, Rechercheprojekte und Studien zu islamischer Kunst und Architektur in einer Vielzahl von Ländern, auch außerhalb der arabischen Welt.[32] Für die Vergabe der Mittel erteilt ein wissenschaftliches Komitee, das 1985 geschaffen wurde, Empfehlungen. Dem Gremium gehören zehn internationale Fachleute an, darunter ein Mitglied der Familie van Berchem.[33] Der Stiftungsrat besteht aus vier Mitgliedern der Familien van Berchem und Gautier sowie dem Vorsitzenden des wissenschaftlichen Rates.[34]

Zum einhundertsten Todestag von Max van Berchem feiert das Genfer Musée d’art et d’histoire vom 16. April bis zum 6. Juni 2021 Gautier-van Berchems Vater in Kooperation mit der Stiftung und der Bibliothek von Genf mit einem Blick auf seine Persönlichkeit, seinen Bezug zum lokalen Kulturerbe und seinen Beitrag zum Verständnis der Islamischen Kunst. Die Ausstellung trägt den Titel

«L'aventure de l'épigraphie arabe» (das Abenteuer der arabischen Epigraphik).[35]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

 
Algerische Sedrata-Sondermarke von 1967
  • mit Étienne Clouzot: Mosaïques chrétiennes du IVme au Xme siècle. Genf 1924.
  • The Mosaics of the Dome of the Rock at Jerusalem and of the Great Mosque at Damascus. In: Keppel Archibald Cameron Creswell: Early Muslim Architecture. Band 1. Oxford 1932, S. 152–252.
  • Les Sections auxiliaires du Comité international de la Croix-Rouge. Genf 1946.
  • Deux campagnes de fouilles à Sedrata en Algérie. In: Comptes rendus des séances de l’Académie des Inscriptions et Belles-Lettres 1952, S. 242–246 (Digitalisat).
  • Sedrata. Un chapitre nouveau de l’histoire de l’art Musulman. Campagnes de 1951 et 1952. In: Ars Orientalis. Bd. 1, 1954, S. 157–172
  • Sedrata et les anciennes villes berbères du Sahara dans les récits des explorateurs du XIXème siècle. In: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale Bd. 59, 1960, S. 289–308
  • Palmettes, rosaces et bordures dans les décors de Sedrata, Sahara Algérien, XIe et XIIe siècles. In: L. A. Mayer Memorial Volume (1895–1959) (= Eretz Israël. Archaeological, Historical and Geographical Studies. Bd. 7). Jerusalem 1964, S. 6–16.
  • Le palais de Sedrata dans le désert saharien. In: Studies in Islamic Art and Architecture, in honour of Professor K.A.C. Creswell. Kairo 1965, S. 8–29.
  • Anciens décors de mosaïques de la salle de prière dans la Mosquée des Omayyades à Damas. In: Mélange offerts à M. Maurice Dunand (= Mélanges de l’Université Saint-Joseph. 46). Beirut 1970, S. 287–304.
  • mit Solange Ory: La Jérusalem musulmane dans l’œuvre de Max van Berchem. Lausanne 1978.
    • englisch: Muslim Jerusalem in the Work of Max van Berchem. Fondation Max van Berchem, Genf 1982.

Eine ausführliche Publikationsliste mit 31 Titeln findet sich im Bibliothekskatalog der Max-van-Berchem-Stiftung (PDF).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Diego Fiscalini: Des élites au service d’une cause humanitaire: le Comité International de la Croix-Rouge. Université de Genève, faculté des lettres, département d’histoire, Genf 1985, S. 18, 119 (französisch).
  2. Marguerite van Berchem (1892-1984). In: Bibliothèque nationale de France. Abgerufen am 26. März 2021 (französisch).
  3. a b Roger d’Ivernois: Mme Gautier-van Berchem lègue sa belle maison du plateau de Frontenex à la Confédération. In: Journal de Genève : le quotidien suisse d’audience internationale. 6. März 1973, S. 15 (französisch).
  4. a b Costin van Berchem: Généalogie de la Maison de Ranst et de Berchem. Chapitre X: Les Berchem à Genève (XVIIIe – XXIe siècles). Juni 2012 (französisch, ranst-berchem.org [PDF; abgerufen am 23. März 2021]).
  5. a b Catherine Santschi: Berchem, van. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 12. April 2012, abgerufen am 23. März 2021.
  6. Costin van Berchem: Portrait de Famille. In: Ranst-Berchem.org. Abgerufen am 23. März 2021 (französisch).
  7. Ernst Herzfeld: Max van Berchem. In: Der Islam. Band 12, 1922, S. 206–213.
  8. a b c Catherine Santschi: Berchem, Max van. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 11. Mai 2004, abgerufen am 23. März 2021.
  9. a b c d Marie Allemann: Marguerite Gautier-Van Berchem, une figure emblématique. In: Cross-Files. ICRC Archives, audiovisual and library, 5. Mai 2016, abgerufen am 23. März 2021 (französisch).
  10. Albert Naville (1841-1912). In: data.bnf.fr. Abgerufen am 25. März 2021 (französisch).
  11. a b c d e f Fawzi Zayadine: Islamic Art and Archaeology in the Publications of Marguerite Gautier-Van Berchem. In: Annual of the Department of Antiquities of Jordan. Band 28. Department of Antiquities of Jordan, 1984, S. 203–210 (englisch, gov.jo [PDF; abgerufen am 1. April 2021]).
  12. Stefan Zweig: Romain Rolland – Der Mann und das Werk. Rütten & Loening Verlag, Frankfurt am Main 1929 (projekt-gutenberg.org [abgerufen am 23. März 2021]).
  13. Paul-Emile Schazmann: Romain Rolland et la Croix-Rouge: Romain Rolland, Collaborateur de l’Agence internationale des prisonniers de guerre. In: International Review of the Red Cross. Band 37, Nr. 434, Februar 1955, S. 140–143, doi:10.1017/S1026881200125735 (französisch, icrc.org [PDF; abgerufen am 23. März 2021]).
  14. V-P-HIST-03557-02. In: ICRC Audiovisual Archives. Abgerufen am 23. März 2021 (französisch).
  15. V-P-HIST-03557-06. In: ICRC Audiovisual Archives. Abgerufen am 23. März 2021 (französisch).
  16. V-P-HIST-03557-06. In: ICRC Audiovisual Archives. Abgerufen am 23. März 2021 (französisch).
  17. a b c d e Death of Mrs. M. Gautier-van Berchem. In: International Review of the Red Cross. Band 24, Nr. 238, Februar 1984, S. 32–33, doi:10.1017/S0020860400069679 (englisch, icrc.org [PDF; abgerufen am 23. März 2021]).
  18. Sandrine Vuilleumier: Naville, Edouard. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 25. Oktober 2019, abgerufen am 23. März 2021.
  19. a b Genève, hôtel Beau-Séjour: portrait de groupe dans le parc. In: Bibliothèque de Genève. Abgerufen am 26. März 2021 (französisch).
  20. Edouard Naville, Victor van Berchem: Documents publiés à l’occasion de la guerre de 1914-1915 : rapport de MM. Ed. Naville & V. Van Berchem sur leur visite aux camps de prisonniers en Angleterre en janvier 1915. International Committee of the Red Cross, Genf 1915 (französisch, icrc.org [PDF; abgerufen am 23. März 2021]).
  21. Ismaël Raboud, Matthieu Niederhauser, Charlotte Mohr: Reflections on the development of the Movement and international humanitarian law through the lens of the ICRC Library’s Heritage Collection. In: International Review of the Red Cross. Band 100, Nr. 1-2-3, 2018, S. 143–163, doi:10.1017/S1816383119000365 (englisch).
  22. Henry Dunant: Faits divers. In: In: Journal de Genève. 9. Juli 1859 (französisch, letempsarchives.ch [abgerufen am 23. März 2021]).
  23. a b Marguerite van Berchem: Les Sections auxiliaires du Comité international de la Croix-Rouge. Genf 1946, S. 3–5 (französisch).
  24. Cornelia Rauh: Schweizer Aluminium für Hitlers Krieg? Zur Geschichte der „Alusuisse“ 1918–1950. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-52201-7.
  25. Jean-Claude Favez: Das Internationale Rote Kreuz und das Dritte Reich: War der Holocaust aufzuhalten? Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1989, ISBN 3-85823-196-7.
  26. Gerald Steinacher: Hakenkreuz und Rotes Kreuz. Eine humanitäre Organisation zwischen Holocaust und Flüchtlingsproblematik. StudienVerlag, Innsbruck [u. a.] 2013, ISBN 978-3-7065-4762-8.
  27. Cyrille Aillet: La dame de Sedrata: retour sur l'entreprise archéologique de Marguerite van Berchem (1946-1965). In: Ikosim. Band 5, 2016, S. 93–124 (französisch, academia.edu [abgerufen am 23. März 2021]).; Thomas Soubira: Sedrata. Histoire et archéologie d’un carrefour du Sahara médiéval à la lumière des archives inédites de Marguerite van Berchem. In: Cahiers de civilisation médiévale. Xe-XIIe siècle. Nr. 246, 1. April 2019, ISSN 0007-9731, S. 214–216, doi:10.4000/ccm.4804 (französisch, openedition.org [abgerufen am 23. März 2021]).
  28. Costin van Berchem: René van Berchem, banquier (1898-1985). (PDF) In: Ranst-Berchem.org. Juni 2012, abgerufen am 23. März 2021 (französisch).
  29. Pierre de Candolle: Family tree of Marguerite van BERCHEM. In: Geneanet. Abgerufen am 23. März 2021 (englisch).
  30. Jean Pictet: Hommage: Marguerite Gautier-van Berchem. In: Journal de Genève. 25. Januar 1984 (ranst-berchem.org [PDF]).
  31. Pierre de Candolle: Family tree of Bernard GAUTIER. In: Geneanet. Abgerufen am 23. März 2021 (englisch).
  32. Introduction. In: Fondation Max van Berchem. Abgerufen am 23. März 2021 (englisch).
  33. Scientific Committee. In: Fondation Max van Berchem. Abgerufen am 31. März 2021 (englisch).
  34. Foundation's Board. In: Fondation Max van Berchem. Abgerufen am 31. März 2021 (englisch).
  35. Max van Berchem – The adventure of Arabic epigraphy. In: Musée d’Art et d’histoire. Ville de Genève: Sites des institutions, abgerufen am 23. März 2021 (englisch).

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