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Linalool ist ein einwertiger tertiärer Alkohol aus der Gruppe der acyclischen Monoterpene. Linalool ist eine farblose Flüssigkeit mit frischem, blumigem Geruch.

Strukturformel
Strukturformel von Linalool
Strukturformel ohne Angabe der Stereochemie
Allgemeines
Name Linalool
Andere Namen
  • 3,7-Dimethyl-1,6-octadien-3-ol
  • Linalylalkohol
  • Licareol [(R)-(−)-Linalool]
  • Coriandrol [(S)-(+)-Linalool]
Summenformel C10H18O
Kurzbeschreibung

farblose nach Maiglöckchen riechende Flüssigkeit[1][2]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
  • 78-70-6 (unspez.)
  • 126-91-0 [(R)-(−)-Linalool]
  • 126-90-9 [(S)-(+)-Linalool]
EG-Nummer 201-134-4
ECHA-InfoCard 100.001.032
PubChem 6549
Wikidata Q410932
Eigenschaften
Molare Masse 154,25 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

0,86 g·cm−3 (20 °C)[1]

Siedepunkt

198–200 °C [(S)-(+)-Linalool] [3]

Dampfdruck

10 Pa (20 °C)[1]

Löslichkeit

schlecht in Wasser (1,45 g·l−1 bei 20 °C)[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 315​‐​317​‐​319
P: 280 [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

IsomereBearbeiten

Die Substanz hat ein stereogenes Zentrum am Kohlenstoffatom der Position 3 und tritt somit in Form zweier Enantiomere auf: Licareol [(R)-(−)-Linalool] und Coriandrol [(S)-(+)-Linalool]. Es ist isomer zu Nerol/Geraniol wie auch zu Pinanol, Borneol, Myrcenol und Dihydrocarveol.

Isomere von Linalool
Name (S)-(+)-Linalool (R)-(−)-Linalool
Andere Namen Coriandrol Licareol
Strukturformel  
CAS-Nummer 126-90-9 126-91-0
78-70-6 (unspez.)
EG-Nummer 204-810-7 204-811-2
201-134-4 (unspez.)
ECHA-Infocard 100.004.374 100.004.375
100.001.032 (unspez.)
PubChem 67179 443158
6549 (unspez.)
Wikidata Q27105233 Q27105200
Q410932 (unspez.)

VorkommenBearbeiten

Linalool ist Bestandteil vieler ätherischer Öle. Es kommt im Koriander, Hopfen, Muskat, Ingwer, Bohnenkraut, Zimt, Basilikum, Majoran, Thymian, Oregano, schwarzen Pfeffer, Safran, Hanf und anderen Gewürzpflanzen vor.

 
Hopfen

Auch als Ester (Linalylacetat) und als Linalooloxid findet es sich in vielen ätherischen Ölen. Linalool gehört auch zu den Aromen im Wein. Mit einem Geruchsschwellenwert von 0,025 Milligramm pro Liter ist es eine wichtige Komponente des Muskateller-Bouquets.[4]

Gewinnung und DarstellungBearbeiten

Nach Schätzungen wurden im Jahr 2000 weltweit etwa 12.000 Tonnen Linalool industriell hergestellt. Die natürliche Produktion übertrifft die industrielle aber um ein Vielfaches.

Zur Synthese wird Methylheptenon ethinyliert. Das entstehende Dehydrolinalool wird durch eine partielle Hydrierung zum Linalool reduziert. Diese Synthese gelang erstmals Leopold Ruzicka und Virgilio Fornasir 1919.[5]

Eine zweite mögliche Syntheseroute geht vom α-Pinen aus. Dieses wird zum cis-Pinan hydriert und an der Luft zu cis- bzw. trans-Pinanhydroperoxid oxidiert. Das Hydroperoxid wird reduktiv zum Gemisch aus cis- oder trans-Pinanol aufgearbeitet, das destillativ getrennt werden kann. Bei Temperaturen von über 500 °C wird cis-Pinanol dann zum Coriandrol und trans-Pinanol zum Licareol isomerisiert.

EigenschaftenBearbeiten

Linalool ist eine klare, farblose Flüssigkeit. Coriandrol riecht seifig-korianderartig, Licareol holzig-lavendelartig. Der Geruch des Racemats wird als angenehmer, leicht erfrischender, blumig-holziger/herber Geruch beschrieben. Linalool ist brennbar, der Flammpunkt der Flüssigkeit liegt bei 75 °C, die Zündtemperatur bei 235 °C. Der Brechungsindex der Flüssigkeit liegt bei 20 °C zwischen 1,46 und 1,4675.

ReaktionenBearbeiten

Linalool kann mit Wasserstoff an Katalysatoren zu Tetrahydrolinalool hydriert werden:

Im sauren Milieu isomerisiert Linalool zum Geraniol. Analog erfolgt die Isomerisierung zum Nerol bzw. Terpineol.

Linalool reagiert wie alle Alkohole mit Säuren zu Carbonsäureestern. So kann Linalool z. B. mit Essigsäure zu Linalylacetat verestert werden.

VerwendungBearbeiten

Als ein Bestandteil ätherischer Öle wie auch als Reinstoff findet Linalool als Geruchs- und Geschmackstoff Verwendung.[6] Es ist seit 1954 ein duftgebender Bestandteil des tschechischen Rasierwassers Pitralon F – voda po holení, das bis heute in unveränderter Zusammensetzung produziert wird.

Es ist ein Zwischenprodukt bei der Synthese von Vitamin E.

GefahrenhinweiseBearbeiten

Linalool wirkt reizend auf Haut und Augen, es ruft Rötungen und Schmerzen hervor. Linalool kann oral oder inhalativ aufgenommen werden. Es ist schwach wassergefährdend (WGK 1). Die LD50 für Ratten bei oraler Aufnahme liegt bei 2.790 mg/kg, bei dermaler Resorption bei 5.610 mg/kg. Linalool hat sich in vielen Tests als nicht erbgutverändernd erwiesen. Auch eine karzinogene Wirkung konnte bis heute nicht nachgewiesen werden. Chronische Aufnahme führt zur Schädigung der Leber.

Linalool gehört zu den Prohaptenen, Substanzen, deren Oxidationsprodukte an der Luft (Linalooloxid) bzw. Reaktionsprodukte auf der Haut allergieauslösend sind. In einer europaweiten Studie erwiesen sich 1,3 Prozent der Patienten als sensibel auf oxidiertes Linalool.[7]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Eintrag zu Linalool in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 8. Januar 2018 (JavaScript erforderlich).
  2. Eintrag zu Linalool. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 4. November 2014.
  3. The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage, 2006, S. 952, ISBN 978-0-911910-00-1.
  4. Wie kommt eigentlich die schwarze Johannisbeere in die Scheurebe? (PDF; 2,1 MB), von Rainer Amann, Staatliches Weinbauinstitut Freiburg, in Der Badische Winzer, Ausgabe Oktober 2002.
  5. L. Ruzicka, V. Fornasir: Über die Totalsynthese des Linalool, Helv. Chim. Acta 1919, 2, 182.
  6. Juliane Daphi-Weber, Heike Raddatz, Rainer Müller: Untersuchung von Riechstoffen – Kontrollierte Düfte, S. 94–95, in Band V der Reihe HighChem hautnah – Aktuelles aus der Lebensmittelchemie (Herausgegeben von der Gesellschaft Deutscher Chemiker) 2010, ISBN 978-3-936028-64-5.
  7. M. Matura et al.: Selected oxidized fragrance terpenes are common contact allergens. In: Contact Dermatitis. 52/6/2005. S. 320–8, PMID 15932583.