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Leppersdorf (Wachau)

Ort in Deutschland

Leppersdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Wachau im Landkreis Bautzen, Sachsen. Er erstreckt sich über ein Gebiet von circa 7,3 km² und hat etwa 1.000 Einwohner. Am 1. Januar 1994 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde mit Seifersdorf und Wachau zur Gemeinde Wachau zusammengeschlossen, in die dann am 1. Januar 1998 auch Lomnitz eingemeindet wurde.

Leppersdorf
Gemeinde Wachau
Wappen von Leppersdorf
Koordinaten: 51° 9′ 1″ N, 13° 57′ 31″ O
Höhe: 260,5 m
Fläche: 7,32 km²
Einwohner: 1058 (31. Dez. 2010)
Bevölkerungsdichte: 145 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1994
Postleitzahl: 01454
Vorwahl: 03528

GeografieBearbeiten

Leppersdorf ist ein Ort in Ostsachsen zwischen Pulsnitz und Radeberg an der Staatsstraße S 95, der alten Poststraße von Radeberg nach Pulsnitz und Camenz.[1] Das etwa 1.000 Einwohner zählende Dorf an der Kleinen Röder liegt unmittelbar an der Anschlussstelle Pulsnitz zur Autobahn A4. Die Landeshauptstadt Dresden ist etwa 15 Kilometer entfernt.

Die höchste Erhebung ist der nördlich des Dorfes gelegene 282,3 m ü. NN hohe Steinberg. Angrenzende Ortschaften sind Lichtenberg, Pulsnitz, Großröhrsdorf, Kleinröhrsdorf, Radeberg, Wachau und Feldschlößchen.

Leppersdorf ist ein so genanntes zweireihiges Waldhufendorf. Die hier noch häufig bestehenden Dreiseithöfe mit angrenzendem Feldstück (früher: Hufe) sind längs zu der durch den Ort verlaufenden Hauptstraße angelegt. Leppersdorf liegt am Rande des Landschaftsschutzgebietes Westlausitz und ist weitgehend von ausgedehnten landwirtschaftlichen Anbauflächen und zudem von vereinzelten zusammenhängenden Waldflächen umgeben, darunter die Landwehr im Südwesten und der Niederforst im Südosten und Osten des Dorfes.

Entwicklung der EinwohnerzahlBearbeiten

Jahr 1834 1871 1890 1910 1925 1939 1946 1950 1964 1990 2010[2]
Einwohner 694 733 858 1093 1095 1200 1233 1355 1105 853 1058

WappenBearbeiten

Beschreibung: In Weiß auf gebogenem grünen Schildfuß eine grüne Pflanze mit fünf blauen fünfblättrigen Blüten.

Symbolik: Die Pflanze ist Gemeiner Lein (Linum usitatissimum), die auf die Erwerbsgrundlage für Handwerk und Landwirtschaft hinweist. Saat-Lein oder Flachs waren ein wichtiger Rohstoff für die Leineweberei.

GeschichteBearbeiten

 
Dreiseithof am Dorfteich, Skulptur Die Nixe (2003) von Cvetanka Kirilova-Schnorrbusch (* 1956)

1337 wurde der Ort deutschen Ursprungs erstmals urkundlich als Luprandisdorf[3][4] (nach dem Lokatornamen Liutbrand) erwähnt. Die Namensgebung erfolgte offenbar nach der im Mittelalter üblichen Benennung der neuen Siedlungen nach den Kolonistenführern, mutmaßlich Luprand von Sürßen, einem von 1309 bis 1312 in drei Urkunden nachgewiesenen Ministerialen der Burggrafen von Dohna. Weitere Dokumente aus den Jahren 1375 und 1393 berichten von Hans, Burggraf von Wittin, der Leppersdorf seiner Gemahlin Elisabeth zum Leibgedinge verschrieb. Leppersdorf entstand aufgrund der sehr feuchten und sumpfigen Umgebung als Fischerort, denn landwirtschaftlich konnten nur die umliegenden Hänge genutzt werden. Die zahlreich vorhandenen, durch so genannte Fischmeister verwalteten, kurfürstlichen Teiche waren somit die Haupterwerbsquelle der Bewohner.

Im Dreißigjährigen Krieg erlitt der Ort schwere Zerstörungen, doch neben den Verwüstungen kaiserlicher Truppen dürfte bereits eine 1631 wütende Pestepidemie die meisten Einwohner vertrieben haben. Am Rande eines Waldstücks südöstlich des Ortes verweist ein Metallkreuz auf die Stelle eines ehemaligen Pestfriedhofes aus dem Jahre 1584/85.[5]

Mitte des 19. Jahrhunderts war Leppersdorf ein vorwiegend von Handwerk und Landwirtschaft geprägter Ort mit etwa 740 Einwohnern, bestehend unter anderem aus 32 Bauerngütern, zwei Mühlen und einem Erbgericht. Viele der ansässigen Bewohner verdingten sich zudem als Leinenweber. Die Lage an der seit dem 18. Jahrhundert[1] bestehenden Alten Poststraße zwischen Dresden und Kamenz begünstigte eine rasche Entwicklung des Ortes. Mit der Industrialisierung Sachsens waren viele Bewohner des Dorfes als Bau- und Industriearbeiter in der näheren Umgebung, insbesondere im nahen Radeberg mit seiner Glasindustrie, beschäftigt.

Die weitere Besiedelung des Dorfes erfolgte ab den 1990er Jahren durch die Errichtung des Neubaugebietes „Waldblick“ mit Ein- und Mehrfamilienhäusern am südwestlichen Ortsausgang. Landwirtschaft wird nur noch vereinzelt betrieben. Mit der Ansiedelung von Kleinbetrieben und dem Bau eines hochmodernen Milchverarbeitungswerkes kam es zu grundlegenden Veränderungen innerhalb der wirtschaftlichen Strukturen des Dorfes. Das Milchwerk der Sachsenmilch Leppersdorf GmbH (ein Betrieb der Unternehmensgruppe Theo Müller) beschäftigt etwa 2.000 Mitarbeiter und erreicht eine Jahresproduktionskapazität von ca. 1,7 Milliarden Kilogramm Milch.[6] Im Jahr 2006 wurde die Errichtung eines Ersatzbrennstoffkraftwerkes in unmittelbarer Nähe des Milchwerkes zur Optimierung von dessen Stromversorgung geplant. Allerdings lehnte ein Bürgerentscheid in der Gemeinde Wachau vom 10. Dezember 2006 mit einer Mehrheit von 65,47 % bei 2.578 gültigen Stimmen die für den gewählten Standort nötige Änderung des Bebauungsplanes ab. Im Jahr 2007 wurde das Projekt „Ersatzbrennstoffkraftwerk“ von der Firma Müller erneut in Angriff genommen. Für die Ersatzbrennstoffanlage wurde ein neuer Standort (350 m vom bisherigen entfernt) gewählt, um das Kraftwerk trotz des Entscheids bauen zu können.[7] Letztlich wurde das Projekt verworfen, stattdessen wird nunmehr ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk am Standort errichtet. Im Rahmen des laufenden Genehmigungsverfahrens gab es keine wesentlichen Einwendungen.

SehenswertesBearbeiten

DorfkircheBearbeiten

 
Dorfkirche
 
Fassade eines Dreiseithofes in der Alten Hauptstraße

Die Leppersdorfer Dorfkirche, ursprünglich Begräbniskapelle, entstand nachweislich erst nach den Hussitenkriegen im 15. Jahrhundert. Der einfach gehaltene, von einem Satteldach mit spitzem achtseitigem Dachreiter gedeckte Saalbau und die östlich anliegende Sakristei stammen von etwa 1680, der aus gebranntem Ton gefertigte und mit einem Zinnbecken versehene Taufstein von 1794.

Der Innenraum wird nach oben hin von einer flachen, bemalten Felderdecke begrenzt. Die an drei Seiten angeordneten Emporen zeigen wie das frühbarocke Gestühl auf den Brüstungsfeldern ländliche Malereien. Die Gestaltung von Altar und Kanzel orientiert sich an gängigen Motiven, in der Mitte unter einem Rundbogen des Altars eine Kreuzigungsgruppe und in der Predella eine Abendmahlsszene, sowie auf der Kanzel eine Darstellung der vier Evangelisten. Das Geläut der Kirche setzt sich aus drei Glocken aus dem 16. und 17. Jahrhundert zusammen. Die kleine Glocke von 1538, die mittlere von um 1500 und die mit Marken versehene (die Weinranken und Wappen zeigen), am Halse verzierte große Glocke von 1670, sind bis heute in Gebrauch. Die Orgel von 1990 verfügt über zehn Register und ist ein Werk des Bautzener Orgelherstellers Hermann Eule, das einen Vorgängerbau von 1904 ersetzte. Die Leppersdorfer Kirche ist eine Filialkirche der evangelisch-lutherischen St.-Nicolai-Kirchgemeinde in Pulsnitz.

Das granitene Steinkreuz[8] an der nördlichen Friedhofsmauer soll wahrscheinlich an die Hussitenkriege oder aber an eine Pestepidemie erinnern. Auf dem Friedhof befindet sich zudem ein Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Die sandsteinerne Distanzsäule an der Staatsstraße am Abzweig nach Lichtenberg stammt von 1836.

GrundschuleBearbeiten

Bereits um 1540 verfügte Leppersdorf über einen eigenen Dorflehrer. Der später zum Wohnhaus umfunktionierte alte Schulbau wurde durch das heute noch genutzte Gebäude im Jahre 1908 ersetzt. An der Grundschule werden nur noch Schüler von der 1. bis zur 4. Klassenstufe unterrichtet, höherklassige Schulen befinden sich in Radeberg.

Weitere öffentliche EinrichtungenBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hans-Werner Gebauer, Manfred Mühlner: Leppersdorf. Eine Chronik von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wachau 2007, ISBN 3-9808371-3-0
  • Vincenz Kaiser: Von Potschappel nach Grafenstein. Die Burggrafen von Dohna und ihre Ministerialität zwischen Elbtal und Oberlausitz im Hochmittelalter. In: Neues Lausitzisches Magazin. Neue Folge Band 13, 2010, S. 111–136, bes. S. 130
  • Dresdner Heide, Pillnitz, Radeberger Land (= Werte unserer Heimat. Band 27). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1976.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Leppersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Meilenblätter von Sachsen, 1783, Blatt 264. Abgerufen am 9. September 2018.
  2. Internetseite der Gemeinde Wachau und ihrer Ortsteile. Abgerufen am 24. Mai 2013.
  3. Ernst Eichler (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band I: A–L. Berlin 2001, S. 582
  4. Leppersdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis. Abgerufen am 24. Mai 2013.
  5. Friedrich Bernhard Störzner: Der Pestkirchhof bei Leppersdorf. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen. Beiträge zur Sächsischen Volks- und Heimatkunde. In: Was die Heimat erzählt. Verlag Arwed Strauch, Leipzig 1904, S. 194–195 (Was die Heimat erzählt bei Wikisource).
  6. Sachsenmilch Leppersdorf GmbH: Sachsenmilch.com. 28. Oktober 2016 (sachsenmilch.com [abgerufen am 11. Juli 2017]).
  7. Abstimmungsergebnis des Bürgerentscheids. In: Die Radeberger. Abgerufen am 24. Mai 2013.
  8. Foto des Steinkreuzes