Koordinaten: 48° 46′ 20,8″ N, 9° 9′ 57,4″ O

Ernst Klett Aktiengesellschaft

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1995
Sitz Stuttgart, Deutschland
Leitung
  • Christian Döttinger, Vorstand
  • Philipp Haußmann, Vorstandssprecher
  • Lothar Kleiner, Vorstand
  • David Klett, Vorstand
  • Tilo Knoche, Vorstand
Mitarbeiterzahl 6.641 (2018)[1]
Umsatz 750,0 Mio. Euro (2018)[1]
Branche Lehrwerke, Lernsoftware, Unterrichts- und Lernmaterialien, Bildungs- und Weiterbildungseinrichtungen, Präsenzeinrichtungen
Website www.klett-gruppe.de

Das Klett-Haus in Stuttgart

Die Ernst Klett Aktiengesellschaft (Eigenschreibung: Klett Gruppe) ist eine Aktiengesellschaft in Deutschland, die als Holdinggesellschaft für die Teilunternehmen agiert. Ihr Geschäftszweck ist lt. Satzung der Betrieb von Verlagen und Bildungsdienstleistungen (als da sind Schulen, Hochschulen etc.), der Erwerb, das Halten und Verwalten sowie die Veräußerung von bzw. an Beteiligungen an anderen Unternehmen sowie die Übernahme der Geschäftsführung von Handelsgesellschaften.[2]

Zur Klett Gruppe zählt unter anderem der Ernst Klett Verlag als einer der größten deutschen Bildungsverlage.[3]

Die Gruppe ist 2018 international in 18 Ländern vertreten.[1] Die 6.641 Mitarbeiter in den Unternehmen der Gruppe erwirtschafteten im Jahr 2018 einen Umsatz von 750,0 Millionen Euro.[1] Im Ranking der größten deutschen Verlage stand die Klett Gruppe 2017 auf Platz zwei, wobei sich das Ranking lediglich auf den Umsatz der Klett-Verlage in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland bezieht.[4] Das Ranking orientiert sich nicht am Gesamtumsatz. Die Geschäftsbereiche Erwachsenen- und Weiterbildung, Präsenzeinrichtungen (Schulen, Krippen, Kitas) und auch die Verlage im Ausland sind nicht im Ranking berücksichtigt.

GeschichteBearbeiten

Die Ursprünge der Gruppe gehen zurück auf das Jahr 1897. Ernst Klett der Ältere übernimmt die vormals Königliche Hofbuchdruckerei zu Gutenberg, die zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine über 50-jährige Geschichte zurückblicken kann. Der Schwerpunkt der Unternehmungen liegt damals auf der Druckerei und einem angeschlossenen Plakatanschlagsinstitut sowie einem kleinen, in erster Linie musikwissenschaftlichen Verlag. Seit jeher befindet sich das Unternehmen in Familienbesitz. Für die Aufstellung neuer, moderner Druckmaschinen bezieht die junge Firma im Frühjahr 1900 einen Neubau in der Stuttgarter Rotebühlstraße 77, wo sich auch heute noch der Stammsitz des Unternehmens befindet.[5]

In den 1920er Jahren erscheinen die ersten Schulbücher für den württembergischen Raum. 1921 tritt Fritz Klett in den Betrieb ein. Zusammen mit seinem Vater Ernst Klett d. Ä. gelingt es ihm, Verlag und Auslieferung auszubauen und die Druckerei zu einem erfolgreichen mittelständischen Unternehmen zu entwickeln.[5]

1936 tritt Ernst Klett der Jüngere in das Unternehmen ein und widmet sich vorrangig den Verlagsgeschäften. Die Ausrichtung auf die Musikwissenschaft tritt zugunsten von Belletristik und Sachbuch in den Hintergrund. Während des Krieges liegen die Verlagsgeschäfte zum größten Teil brach. Die Firmengebäude in der Rotebühlstraße werden von Kriegszerstörungen weitestgehend verschont.[5]

Für die Wiederaufnahme der Verlags- und Druckereigeschäfte nach Kriegsende erhält Klett 1945 die Lizenz der amerikanischen Militärregierung: Neben dem Allgemeinen Verlag für Belletristik, Sachbuch und Psychoanalyse entsteht nun auch ein eigenständiger Schulbuchverlag. 1953 tritt Fritz Kletts Sohn Roland in die Firma ein und leitet in der Druckerei einen Modernisierungsschub ein. Schnell entwickelt sich der Verlag zu einem der größten und erfolgreichsten in Deutschland und bietet erstmals Schulbücher für die ganze Bundesrepublik an.[5]

1969 wird Michael Klett, der älteste Sohn von Ernst Klett d. J., Gesellschafter und Mitglied der Geschäftsleitung. 1976 übernimmt er die Verlagsleitung. Sein jüngerer Bruder Thomas Klett wird 1973 Gesellschafter und Mitglied der Geschäftsleitung. Diese dritte Generation bewältigt eine der ersten Druckereikrisen und rückläufige Schülerzahlen. Durch Zukäufe (Axel Andersson Akademie – heute Hamburger Akademie für Fernstudien), Beteiligungen (Friedrich Verlag, Esslinger Verlag) bzw. Neugründungen (PONS) expandiert Klett daher in den 1970er und 1980er Jahren und entwickelt sich zu einer Unternehmensgruppe mit diversifizierten Geschäftsbereichen. Die Verlagsgemeinschaft Klett-Cotta stärkt ab 1977 die Belletristik. Vom traditionellen Standbein, der Klett-Druckerei, trennt sich Klett im Jahr 1989.[5]

Die erste Zweigniederlassung eines westdeutschen Verlags in den neuen Bundesländern wurde 1990 mit dem Ernst Klett Verlag Leipzig gegründet. 1992 übernahm die damalige Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart, den reprivatisierten Verlag Haack Gotha (vormals Justus Perthes Geographische Verlagsanstalt, gegründet 1785 in Gotha, 1953 enteignet, verstaatlicht und 1955 in VEB Hermann Haack Geographisch-Kartographische Anstalt Gotha umbenannt). Der ebenfalls 1992 übernommene Verlag Justus Perthes Geographische Verlagsanstalt Darmstadt (neu gegründet 1953) wurde ab 1994 in die Justus Perthes Verlag Gotha GmbH integriert; die Klett-Redaktionen Geographie und Kartographie folgten aus Stuttgart. 2003 firmierte der Gothaer Verlag um in Klett-Perthes Verlag GmbH; 2008 wurde dieser eine Zweigniederlassung der Ernst Klett Verlag GmbH. Deren restliche Aktivitäten wurden im März 2016 zum Ernst Klett Verlag Leipzig verlagert. Seither bewahrt das Perthes-Forum die Sammlung Perthes Gotha als eine der größten geographisch-kartographischen Sammlungen Europas an der historischen Verlagsadresse in Gotha.

Mit der Umwandlung der seit 1992 bestehenden Ernst Klett GmbH & Co. KG in eine Aktiengesellschaft wurden 1995 die Geschäftsfelder neu strukturiert und weitere Beteiligungen übernommen. In den 1990er-Jahren engagierte sich die Klett Gruppe verstärkt im Ausland – in die Schweiz, nach Österreich, Spanien, Polen, Rumänien, Bulgarien, Tschechien, Ungarn, die Slowakei, die Länder des ehemaligen Jugoslawiens und Frankreich. Zudem gründete das Unternehmen 1994 die Deutsche Weiterbildungsgesellschaft (DWG) und baute in ihrem Rahmen den Bereich der Fernschulen und Fernhochschulen auf und aus.[5]

Die Gründung der Europäischen Fernhochschule in Hamburg im Jahr 2001 sowie der Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft im Jahr 2005 bauten den Geschäftsbereichs Erwachsenen- und Weiterbildung auf. Mit ihren Fernschulen, Fernhochschulen und Präsenzhochschulen ist die Klett Gruppe heute der größte private Anbieter für Weiterbildung im deutschsprachigen Markt. Seit zehn Jahren runden auch Einrichtungen zum Präsenzlernen von der Kinderkrippe bis zum Gymnasium das Bildungsangebot der Klett Gruppe ab und fördern die Entwicklung von Klett zu einem vielfältigen Bildungsunternehmen.[5]

Im April 2019 genehmigte das Bundeskartellamt, dass die Klett Gruppe mittelbar wesentliche Vermögensteile der Langenscheidt GmbH & Co. KG und der Langenscheidt Digital GmbH & Co. KG erwerben darf.[6]

Das Familienunternehmen wird als Aktiengesellschaft von seinen Vorstandsmitgliedern Philipp Haußmann, Lothar Kleiner und Tilo Knoche geleitet. Mit Philipp Haußmann ist die vierte Generation der Unternehmerfamilie Klett vertreten.[5]

GeschäftsbereicheBearbeiten

Die einzelnen Geschäftsfelder der Gruppe gliedern sich in folgende Hauptbereiche: Verlage und Bildungsmedien, Erwachsenen- und Weiterbildung sowie Kindertagesstätten und Schulen. Der größte Geschäftsbereich sind die Bildungsmedienverlage, mit einem Umsatzanteil von 55,1 % im Jahr 2018. An zweiter Stelle folgen Kindertagesstätten und Schulen mit 21 %. Drittgrößter Umsatzanteil ist der Bereich Erwachsenen- und Weiterbildung mit einem Anteil von 20,7 %.[7]

Bildungsmedien im deutschsprachigen RaumBearbeiten

Bildungsmedien in EuropaBearbeiten

  • Anubis Publishing House, Sofia/Bulgarien
  • Bulvest 2000, Sofia/Bulgarien
  • Dr. Josef Raabe Slovensko s.r.o., Bratislava/Slowakei
  • EXPOL PAEDAGOGIKA s.r.o., Bratislava/Slowakei
  • KLETT Bulgaria Ltd., Sofia/Bulgarien
  • Klett Hellas Ltd., Alimos/Griechenland
  • Klett Izdavačka Kucá d.o.o., Belgrad/Serbien
  • Klett nakladatelstvi s.r.o., Prag/Tschechien
  • Nakladatelství Dr. Josef Raabe, Prag/Tschechien
  • NOVI LOGOS, Belgrad/Serbien
  • Profil Klett d.o.o., Zagreb/Kroatien
  • RAABE Bulgarien EOOD, Sofia/Bulgarien
  • RAABE Klett Oktatási Tanácsadó és Kiadó Kft., Budapest/Ungarn
  • ThiemeMeulenhoff, Amersfoort/Niederlande
  • Klett Polska sp. z o.o., Posen/Polen
  • Zalozba Rokus Klett, d.o.o., Ljubljana/Slowenien

FremdsprachenverlageBearbeiten

  • Difusión S.L., Barcelona/Spanien
  • Editions Maison des Langues S.A.R.L., Paris/Frankreich
  • Ernst Klett Sprachen GmbH, Stuttgart
  • Klett USA. Inc., Chicago/USA
  • PONS GmbH, Stuttgart
  • Uitgeverij Talenland, Amsterdam/Niederlande

Erwachsenen- und WeiterbildungBearbeiten

Im deutschen Weiterbildungsmarkt ist die Klett Gruppe der führende private Anbieter von Fernhochschulen und Fernfachhochschulen. Alle in Deutschland angebotenen Fernkurse der Gruppe sind von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zugelassen und die Studiengänge sind von den nationalen Zulassungsinstitutionen akkreditiert. Die Gruppe zählt jährlich mehr als 185.000 Fernkursteilnehmer und Studierende.

Die Unternehmen der Klett Gruppe im Bereich Erwachsenen- und Weiterbildung:

PublikumsverlageBearbeiten

Zu den Publikumsverlagen der Klett Gruppe zählen:

Kindertagesstätten und SchulenBearbeiten

  • BEST-Sabel-Bildungszentrum, Berlin
  • EIIE EURASIA Institute for International Education GmbH, Berlin
  • Fröbel International, Berlin, Stuttgart
  • Galileo Bildungshaus gGmbH, Stuttgart
  • Kinderzentren Kunterbunt gGmbH, Nürnberg
  • Seepferdchen Kita GmbH, München
  • SIS Swiss International School, Stuttgart/Deutschland, Zürich/Schweiz, Rio de Janeiro/Brasilien
  • Villa Luna Kindertagesstätten GmbH, Stolberg

Dienstleistung, Logistik und VertriebBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Klett Gruppe: [1]
  2. Amtsgericht Stuttgart Aktenzeichen: HRB 17521
  3. Klett Gruppe (Hrsg.): Ernst Klett Verlag GmbH. (klett-gruppe.de [abgerufen am 12. Februar 2020]).
  4. Harenberg Kommunikation Verlags- und Medien-GmbH & Co. KG (Hrsg.): 100 größte Verlage. ([2] [abgerufen am 11. September 2018]).
  5. a b c d e f g h Ernst Klett AG (Hrsg.): Klett Gruppe. Historie. (Online [abgerufen am 10. Juli 2019]).
  6. https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/wettbewerb-bei-woerterbuechern-pons-darf-langenscheidt-uebernehmen/24262200.html
  7. Ernst Klett AG (Hrsg.): Klett Gruppe. Zahlen & Fakten. (Online [abgerufen am 10. Juli 2019]).