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Koordinaten: 48° 47′ N, 9° 9′ O

Stuttgart-West
Stadtbezirk der Landeshauptstadt Stuttgart
Stadtwappen Stadtkarte
Wappen von Stuttgart
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Über dieses Bild
Liste der Stadtteile Stuttgarts
Höhe: 260–511 m ü. NHN
Bevölkerungsdichte: 2.749 Einwohner je km²
Postleitzahl: 70176, 70178, 70193, 70197
Vorwahl: 0711
Adresse des
Bürgerbüros:
Bebelstraße 22
70193 Stuttgart
Website: www.stuttgart.de
Bezirksvorsteher: Bernhard Mellert (Grüne)
Stadtbezirk Einwohner
(Stand 2014)
Fläche
Nr. Stadtteil
Stuttgart-West 51.250 1.864,3 ha
181 Kräherwald 6.306 39,3 ha
182 Hölderlinplatz 4.733 45,3 ha
183 Rosenberg 9.304 53,6 ha
184 Feuersee 6.165 52,4 ha
185 Rotebühl 10.795 50,4 ha
186 Vogelsang 9.148 41,7 ha
187 Hasenberg 4.730 53,8 ha
191 Wildpark dep1
192 Solitude 69 1.174,1 ha
191 Wildpark ist in 192 Solitude enthalten
Quelle: Datenkompass Stuttgart

Stuttgart-West ist einer der fünf inneren Stadtbezirke der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart und liegt im westlichen Teil des Stuttgarter Talkessels, der eine Art Bucht bildet. Zum Bezirk gehören auch die umfangreichen Waldgebiete Rotwildpark und Solitude sowie in kleinen Teilen der Kräherwald. Er ist im Süden eingegrenzt durch den Bergrücken des Hasenberges und dessen Verlängerung, die Karlshöhe, sowie im Norden durch den Kamm des Kräherwaldes.

GeschichteBearbeiten

Der Bezirk ist nicht durch Eingemeindung, sondern durch organisches, aber stürmisches Wachstum der Stadt entstanden. Die flachen Teile des Tales wurden von 1850 bis 1900 zugebaut, ab 1920 wurden auch die Hänge erschlossen und ebenfalls bebaut.

Als eigenständiger Stadtbezirk wurde er erst 1956 bei der Einteilung des Stadtgebiets in Stadtbezirke gebildet. Neben Stuttgart-West umfasste er zunächst die beiden Stadtteile Solitude und Rot- und Schwarzwildpark. Bei der Neugliederung der Stadtteile zum 1. Januar 2001 wurde der Stadtteil Stuttgart-West in die Stadtteile Kräherwald, Hölderlinplatz, Rosenberg, Feuersee, Rotebühl, Vogelsang und Hasenberg aufgeteilt. Der Stadtteil Rot- und Schwarzwildpark wurde in Wildpark umbenannt. Der Stadtbezirk Stuttgart-West besteht seither aus insgesamt neun Stadtteilen.

PolitikBearbeiten

Kommunalwahl 2019
 %
40
30
20
10
0
32,9
15,5
10,2
7,1
6,5
6,1
4,9
3,8
13,0
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+1,8
-7,1
-3,5
+1,6
-0,6
+1,0
+1,3
+0,1
+5,4
 
Stuttgart-West Panorama

Die Ergebnisse der Gemeinderatswahlen in den Stadtbezirken sind maßgebend für die Anzahl der Sitze der Parteien in den Bezirksbeiräten. Die letzte Kommunalwahl 2019 ergab die in der nebenstehenden Grafik abgebildeten Stimmenanteile und die folgende Verteilung der 20 Sitze des Bezirksbeirats:

Seit 2019 ist Bernhard Mellert (Bündnis 90/ Die Grünen) Bezirksvorsteher von Stuttgart West. Sein Stellvertreter ist seit 2014 Roland Stricker (CDU).[1]

TopografieBearbeiten

 
Feuerseepromenade seit 2016
 
Stuttgart-West vom Hasenberg Richtung Kräherwald

Das Straßennetz im Talboden ist sehr regelmäßig, fast schachbrettartig angelegt, abgesehen von wenigen diagonal verlaufenden Straßen, die auf alte Flurwege zurückzuführen sind. Die Straßenplanung an den später bebauten Hängen fügt sich dagegen besser an das Gelände an und verläuft vielfach gewunden.

Die großen Baublöcke wurden allerdings anders als etwa in Berlin in recht kleine Grundstücke aufgeteilt, so dass keine Mietskasernen mit zusammenstoßenden Gebäuden entstanden. In Stuttgart baute man einzeln stehende Häuser mit einem durch die Bauvorschrift erzwungenen Bauabstand von drei Metern, gelegentlich Doppelhäuser und einige größere Einheiten. Die meist vier- bis fünfgeschossigen Häuser grenzen direkt an den Straßenrand, man spricht dabei von einer Blockrandbebauung. Die inneren Flächen der Blöcke wurden mit Gewerbeimmobilien und einfacheren Hinterhäusern bebaut. Einige Blöcke waren fast vollständig mit Industrieanlagen bebaut. Auch die Fassaden der Industriegebäude mussten ansprechend gestaltet sein, so dass man heute kaum erkennt, dass es Industriebauten waren. Auf den überwiegend in den 1920er und 1930er Jahren bebauten Hängen stehen kleinere Mehrfamilienhäuser mit Gärten.

Stuttgart-West ist eines der am dichtesten besiedelten Wohngebiete und eines der größten zusammenhängenden Altbaugebiete in Deutschland. Der Bezirk ist im Zweiten Weltkrieg von großflächiger Zerstörung verschont geblieben.

Bewohner und InfrastrukturBearbeiten

Die großen Waldflächen, die verwaltungstechnisch zum Bezirk gehören, relativieren rechnerisch die hohe Bevölkerungsdichte und den Grünflächenmangel in der Innenstadtlage. Die Bevölkerung besteht zu 58 % aus Single-Haushalten, in nur 14 % der Haushalte leben Kinder unter 18 Jahren. Entsprechend hoch ist die Fluktuation mit circa 15 % jährlich.

Der Ausländeranteil liegt mit 22 % im Stuttgarter Durchschnitt. Der Einzelhandel ist geprägt von vielen kleinen Geschäften mit unterschiedlichen Angeboten, Handwerksbetrieben und zahlreichen Lokalen an vielen Straßenecken. Große Kaufhäuser sind nicht zu finden. Im öffentlichen Nahverkehr ist der Bezirk unter anderem mit allen S-Bahn-Linien sowie den Stadtbahnlinien U2, U4, U29 und U34 angebunden. Auch wegen der guten Erreichbarkeit des Stadtzentrums für Fußgänger, seiner guten Infrastruktur und zahlreicher kultureller Einrichtungen zählt der Stuttgarter Westen für Singles zu den beliebten Wohngebieten.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Johanneskirche am FeuerseeBearbeiten

 
Johanneskirche am Feuersee

Die evangelische Johanneskirche wurde von 1864 bis 1876 im neugotischen Stil von Oberbaurat Christian Friedrich von Leins erbaut. Sie ist besonders markant durch ihre städtebaulich hervorgehobene Lage. Sie liegt mit dem Chor auf einer Halbinsel im Feuersee (Löschwasserteich). Die Kirche wurde von Christian Friedrich von Leins auf dem Wasser gebaut, sodass er als erstes 660 Pfähle in den See stoßen musste[2]. Die Einturmfassade der Johanneskirche markiert den Beginn der ehemaligen Prachtallee Johannesstraße.

Nach Kriegszerstörung wurde die Kirche äußerlich bis auf den Turmhelm wiederaufgebaut, da nicht genügend Geld vorhanden war. Die zerstörten gotischen Gewölbe wurden allerdings durch moderne ersetzt. Der Kirchturm war vor seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 66 Meter hoch[3], heute ist er rund 45 Meter hoch.[4] Die „Kirche ohne Spitze“ gilt heute als Mahnmal gegen den Krieg.

FeuerseeBearbeiten

Der Feuersee, der die Johanneskirche von drei Seiten umgibt, wurde im Jahr 1701 in einer dreieckigen Form als Löschwasserteich angelegt. Beim Bau der Johanneskirche wurde der See in seine heutige Form gebracht. Das Südufer des Sees mit der Feuerseepromenade wurde 2016 mit neuen Sitzgelegenheiten umgestaltet. Im See leben zahlreiche Wasserschildkröten, die dort ausgesetzt wurden und sich seit dem vermehren. Der See wird auch zur Zucht von Karpfen und Hechten genutzt.[5]

ElisabethenkircheBearbeiten

Die katholische Elisabethenkirche am Bismarckplatz wurde zwischen 1899 und 1901 von Joseph Cades im Stil der Neuromanik erbaut, wobei aus Kostengründen Ziegelstein verwendet wurde. Architektonisch hervorgehobene Teile sind als Sichtmauerwerk ausgeführt, die Mauerflächen dagegen teilweise verputzt und weiß getüncht – diese Gestaltungsweise ist der norddeutschen Backsteingotik entlehnt. Der Grundriss entspricht eher Konzepten der Gotik.

BürgerhäuserBearbeiten

In Stuttgart-West gibt es zahlreiche Bürgerhäuser des Historismus mit Stilelementen der Neuromanik, Neugotik, Neorenaissance und des Neobarock. Ab etwa 1900 kamen Elemente des Jugendstils hinzu. Die Häuser sind meist nur an der Straßenseite durchgestaltet, die anderen Seiten sind fast immer schmucklos, meist einfaches Ziegelmauerwerk. Die typische Ausführung der Fassade besteht aus Sandstein bis zum Erdgeschoss, darüber eine Mischung aus Ziegelstein für die Mauerflächen und Details aus Werkstein für beispielsweise Fensterlaibungen, Gesimse oder Zierelemente. Fassaden, die komplett aus Sandstein bestehen, oder verputzte Häuser sind seltener anzutreffen.

SchwabtunnelBearbeiten

 
Schwabtunnel

Der 125 Meter lange Tunnel und die Schwabstraße sind nach dem Stuttgarter Pfarrer, Dichter, Publizisten und Herausgeber Gustav Schwab (1792–1850) benannt.[6] Der Tunnel gilt als der zweite innerstädtische Straßentunnel weltweit und war der erste, der von einem Kraftfahrzeug durchfahren wurde. Heute steht das Bauwerk unter Denkmalschutz.

BirkenkopfBearbeiten

Der Birkenkopf, auch „Monte Scherbelino“[7] genannt, ist der höchste Punkt des Kesselrandes und durch Aufhäufung von 15 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt aus dem Zweiten Weltkrieg um 40 m gewachsen. Er liegt jetzt 511 m ü. NN und ist ein idealer Aussichtspunkt über den Stuttgarter Talkessel. Auf dem Gipfel sind zahlreiche Architekturdetails von zerstörten Bürgerhäusern zu sehen.

Schloss SolitudeBearbeiten

Nachdem das Gebiet des Schlosses Solitude mit seinem gesamten Wohnplatz bis 1942 zu Gerlingen gehörte, wurde es am 1. April 1942 nach Stuttgart eingegliedert und dem Stadtteil Botnang zugeordnet, doch wurde das zum Wohnplatz Solitude gehörige Gebiet des Sanatoriums auf der Schillerhöhe 1951 wieder an die Gemeinde Gerlingen zurückgegeben.

Bei der Einteilung der Stadt Stuttgart in Stadtbezirke im Jahre 1956 wurde der Wohnplatz Solitude dem neu gegründeten Stadtbezirk Stuttgart-West zugeordnet und zum eigenständigen Stadtteil erklärt, der auch bei der Neugliederung der Stuttgarter Stadtteile zum 1. Januar 2001 nicht verändert wurde. Der Stadtteil Solitude hat jedoch nur wenige dauerhafte Einwohner, dafür viele wechselnde Bewohner: die Stipendiaten der Akademie Schloss Solitude.

 
Typisches Bürgerhaus in der Reinsburgstraße

Auf der Stuttgarter Seite der zum Schloss führenden Schlossallee wurde Ende der 1960er Jahre ein Bungalow mit Nebengebäuden errichtet, der dem amtierenden Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg und seiner Familie als Wohnsitz dient.

Graevenitz-MuseumBearbeiten

In einem Kavaliershaus am Schloss Solitude befindet sich seit 1971 das Graevenitz-Museum.

 
Pfaffensee im Rotwildpark

Parkseen und WildparkBearbeiten

Die Parkseen liegen im Naturschutzgebiet Rot- und Schwarzwildpark mit dem Bärenschlössle sowie dem Katzenbacher Hof. Sie bestehen aus der Kette des Bärensees, des Neuen Sees und des Pfaffensees sowie aus den in Büsnau liegenden Seen Katzenbachsee und Steinbachsee, die aus dem Katzenbach, dem Steinbach, dem Bernhardsbach und der Glems mit Wasser gespeist werden. Diese Seen dienten in den letzten Jahrhunderten der Trinkwasserversorgung Stuttgarts (Wasseraufbereitung aus den Parkseen wurde im April 1998 eingestellt).

LiteraturBearbeiten

  • Uwe Bogen (Text); Thomas Wagner (Fotos): Stuttgart. Eine Stadt verändert ihr Gesicht. Erfurt 2012, ISBN 978-3-95400-098-2, Seite 66–67 (Feuersee).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.stuttgart.de/item/show/10058/1/dept/103199
  2. Johanneskirche am Feuersee - Internationale Bachakademie Stuttgart. Abgerufen am 1. Juli 2019.
  3. http://www.kirchen-online.org/kirchen--kapellen-in-stuttgart/stuttgart---johanneskirche.php
  4. https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.johanneskirche-gestutzter-turm-gilt-als-mahnmal-gegen-krieg.00208e73-c4e2-487f-a406-a5fae28e2125.html
  5. Stuttgart to go – Ein Spazierbuch von Patrick Mikolaj, Lokalteilverlag
  6. stuttgart.de: Schwabtunnel
  7. Der Monte Scherbelino wächst zu Stuttgarter Zeitung, abgerufen am 24. November 2017