Khoren Gevor

armenischer Profiboxer
Khoren Gevor Boxer
Daten
Geburtsname Choren Geworgjan
Geburtstag 16. März 1980
Geburtsort Etschmiadsin
Nationalität ArmenienArmenien Armenisch
Gewichtsklasse Mittelgewicht
Stil Rechtsauslage
Größe 1,74 m
Kampfstatistik als Profiboxer
Kämpfe 44
Siege 34
K.-o.-Siege 17
Niederlagen 10

Khoren Gevor (eigentlich Choren Geworgjan, armenisch Խորեն Գեվորգյան; * 16. März 1980 in Etschmiadsin) ist ein ehemaliger armenischer Profiboxer. Er trainiert zudem seinen Stiefsohn Noel Gevor.

KarriereBearbeiten

Nach einer Amateurkarriere mit 72 Siegen in 75 Kämpfen und sechs armenischen Meistertiteln wechselte Gevor im Jahr 2000 in das Profilager. Er wurde in Deutschland vom Hamburger Boxstall Universum Box-Promotion unter Vertrag genommen. Sein Trainer war Fritz Sdunek. Khoren Gevor ist für seine Technik und Beweglichkeit bekannt.

Seine ersten zwei Niederlagen musste Gevor 2002 in zwei Kämpfen um die Internationale Deutsche Meisterschaft im Halbmittelgewicht gegen den Tschechen Lukáš Konečný hinnehmen. Beide Kämpfe verlor er aufgrund von Platzwunden über den Augen, die durch Kopfstöße des Tschechen verursacht wurden. Seitdem erkämpfte er sich die Intercontinental-Titel der Verbände WBO, IBF und den Europameistertitel EBU im Mittelgewicht und schlug Boxer wie Sergej Tatevosyan, Gustavo Magallanes, Franck Mezaache und Rafael Sosa Pintos.

Am 18. August 2007 boxte er in Berlin gegen seinen Landsmann Arthur Abraham um die IBF-Weltmeisterschaft im Mittelgewicht und verlor durch K. o. gegen Ende der elften Runde. Nach starkem Beginn schien er den Kampf zu dominieren und führte bis zur 10. Runde nach Punkten.

Seitdem hat Gevor Nicolas Perillo und Samir Barbosa bezwungen. Gevor hat inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt.

Am 28. November 2008 bezwang Khoren den Finnen Amin Asikainen durch technischen K. o. in der siebten Runde und erkämpfte sich dadurch die Europameisterschaft im Mittelgewicht. Der Kampf fand in der Hartwall Areena von Helsinki/ Finnland vor knapp 10.000 Zuschauern statt. Es war die größte Boxveranstaltung, die die Finnen seit etwa 20 Jahren gesehen hatten.

Am 11. Juli 2009 unterlag Gevor gegen Felix Sturm nach einer einstimmigen Punktentscheidung. In einem Aufbaukampf folgte ein Punktsieg am 9. Januar 2010 gegen den Brasilianer Jeferson Luis Goncalo. Anschließend unterlag Gevor nach Punkten am 31. Juli 2010 gegen Dimitri Sartison um den WBA World Supermittelgewicht Titel.

Am 9. April 2011 trat er um den WBO-Weltmeistertitel gegen Robert Stieglitz an. Nachdem Gevor durch unsaubere Aktionen während des Kampfes auffiel und bereits verwarnt worden war, gingen beide Boxer in der zehnten Runde nach einem Kopfstoß beim anschließenden Klammern zu Boden. Stieglitz zog sich dabei eine Platzwunde über dem rechten Auge zu. Gevor wurde daraufhin vom Ringrichter Manfred Küchler disqualifiziert, woraufhin Gevor für einen Eklat sorgte, indem er Küchler angriff und von Offiziellen und Betreuern aus der Halle geführt werden musste.[1] Nach dem Vorfall wurde Gevor vom Bund Deutscher Berufsboxer für sechs Monate gesperrt. Darüber hinaus muss er eine Geldstrafe von 5100 € bezahlen. Gevor hatte sich zwei Tage nach dem Eklat persönlich bei Küchler entschuldigt. Nach Angaben des BDB-Präsidenten Thomas Pütz sei die Strafe nicht härter ausgefallen, weil Manfred Küchler Gevors Entschuldigung akzeptiert und keine schwerwiegenderen Sanktionen gefordert habe. „Darüber hinaus haben wir in die Entscheidung natürlich einfließen lassen, dass Khoren sich einsichtig zeigt und seine Aktion bereut. Außerdem ist er uns über Jahre als tadelloser Sportsmann bekannt, insofern gehen wir von einer Affekthandlung aus und haben das Strafmaß dementsprechend angesetzt.“[2]

Die Strafe wurde dann auf drei Monate reduziert, um Gevor eine weitere Titelchance zu ermöglichen.

Gevor kämpfte am 15. Juli 2011 in Göppingen in der EWS Arena gegen Titelverteidiger Nikola Sjekloća um den WBC International Super Mittelgewichtsgürtel. Gevor konnte in den ersten Runden gegen den größeren Gegner, der technisch besser war, nicht punkten. In den letzten Runden nutzte Gevor seine Chancen in der Nahdistanz, wobei er durch unsaubere Aktionen auffiel. Der Kampf wurde einstimmig nach Punkten (115:114, 115:113 und 116:112) für Sjekloca gewertet.

Am 3. Oktober 2011 siegte er in den Niederlanden gegen den lettischen Meister Olegs Fedotovs durch TKO in Runde 6.

Am 10. Dezember 2011 boxte er in Mechernich gegen Baker Barakat, der hier vor Heimpublikum antrat. Bei diesem Kampf fungierte der Ringrichter Paji Peci gleichzeitig als alleiniger Punktrichter (GBA-Ring- & Punktrichter mit alleiniger Entscheidung). Kurz nach Verkündigung des Urteils, welches einen knappen Punktsieg für Barakat mit 58:57 bedeutete, attackierte Gevor den Ringrichter mit Schlägen, worauf sich inner- und außerhalb des Ringes eine wilde Auseinandersetzung entwickelte. Gevor ging auch auf Zuschauer los. Durch das Eingreifen von Barakat konnte verhindert werden, dass sich ein noch größerer Tumult entwickelte und es gelang den Sicherheitskräften, den wütenden Boxer aus der Halle zu geleiten. Im Nachhinein behauptete Gevor, den Punktzettel gesehen zu haben, auf welchem ein Unentschieden verzeichnet gewesen sei.

Khoren Gevors letzten Profikampf bestritt er am 5. November 2012 gegen Maxim Vlasov, wo er einstimmig nach Punkten verlor.

ErfolgeBearbeiten

Liste der ProfikämpfeBearbeiten

Jahr Tag Gegner/Kampfziel Ort Ergebnis Typ Runden
2000 1. Oktober Slowakei  Zdenek Zubko Universum-Gym, Hamburg-Wandsbek Sieg TKO 1
5. Dezember Slowakei  Milan Smetana Universum-Gym, Hamburg-Wandsbek Sieg TKO 1
2001 10. Februar Tschechien  Patrik Hruska Estrel Convention Center, Berlin-Neukölln Sieg Punktsieg 4/4
7. April Ungarn  Zsolt Gyalog Universum-Gym, Hamburg-Wandsbek Sieg KO 1
28. Juli Georgien  Peter Resour Estrel Convention Center, Berlin-Neukölln Sieg Punktsieg 6/6
29. September Slowakei  Ivan Vavrecan Universum-Gym, Hamburg-Wandsbek Sieg TKO 1
20. Oktober Slowakei  Tibor Horvath Rathenauhalle, Berlin Sieg KO 1
24. November Slowakei  Marek Jesenic Universum-Gym, Hamburg-Wandsbek Sieg KO 2/6
2002 26. Januar Tschechien  Marek Marusak Max-Schmeling-Halle, Berlin Sieg KO 2/6
6. April Portugal  Eugenio Monteiro Universum-Gym, Hamburg-Wandsbek Sieg Punktsieg 6/6
29. Juni Slowakei  Ivan Vavrecan Marriott Hotel, Berlin Sieg TKO 3
21. September Tschechien  Lukas Konecny
Internationale deutsche Halbmittelgewicht-Meisterschaft
Bördelandhalle, Magdeburg Niederlage Technische Entscheidung 7/10
21. Dezember Tschechien  Lukas Konecny
Internationale deutsche Halbmittelgewicht-Meisterschaft
Lausitz-Arena, Cottbus Niederlage TKO 8/10
2003 25. April Russland  Murad Makhmudov Maritim Hotelgesellschaft, Magdeburg Sieg Punktsieg (mehrstimmig) 8/8
6. Juli Ungarn  Gyorgy Bugyik Avendi Hotel, Bad Honnef Sieg Punktsieg 6/6
6. September Rumänien  Adrian Sauca Uj-Szeged Sporthal, Szeged Sieg Punktsieg (einstimmig) 6/6
2004 10. Januar Polen  Ryszard Kraz Wismarer Tribunal, Wismar Sieg TKO 2/6
2. März Finnland  Kai Kauramaki Universum-Gym, Hamburg-Wandsbek Sieg KO 4/8
30. März Ukraine  Dmytro Hotrovskyy Saaltheater Geulen, Aachen Sieg Disqualifikation 6/6
18. Mai Russland  Sergey Tatevosyan Hansehalle, Lübeck Sieg Punktsieg (einstimmig) 8/8
15. August Australien  Ian McLeod State Sports Centre, Sydney Sieg Aufgabe 5/8
2005 18. Januar Russland  Alexey Chirkov Kugelbake-Halle, Cuxhaven Sieg Punktsieg (einstimmig) 8/8
26. März Italien  Francesco Pernice Erdgas arena, Riesa Sieg TKO 4/8
28. Juni Frankreich  Franck Mezaache Kugelbake-Halle, Cuxhaven Sieg Technische Entscheidung 8/10
3. Dezember Mexiko  Gustavo Magallanes
vakante IBF/WBO-Intercontinental-Mittelgewicht-Weltmeisterschaft
Bördelandhalle, Magdeburg Sieg TKO 8/12
2006 7. März Belarus  Sergei Khomitsky
IBF/WBO-Intercontinental-Mittelgewicht-Titelverteidigung
Kugelbake-Halle, Cuxhaven Sieg Punktsieg (einstimmig) 12/12
19. September Sudafrika  Andilo Tshongolo Kugelbake-Halle, Cuxhaven Sieg TKO 3/10
2007 27. Februar Brasilien  Edison Francisco Guedes Kugelbake-Halle, Cuxhaven Sieg TKO 6/10
28. April Uruguay  Rafael Sosa Pintos König-Pilsener-Arena, Oberhausen Sieg Punktsieg (einstimmig) 8/8
18. August Deutschland  Arthur Abraham
IBF-Mittelgewicht-Weltmeisterschaft
Max-Schmeling-Halle, Berlin Niederlage KO 11/12
30. November Uruguay  Nicolas Perillo dm-Arena, Karlsruhe Sieg Disqualifikation 7/8
2008 19. April Brasilien  Samir Dos Santos Barbosa Bördelandhalle, Magdeburg Sieg Punktsieg (einstimmig) 10/10
28. November Finnland  Amin Asikainen
vakante EBU-Mittelgewicht-Europameisterschaft
Hartwall Arena, Helsinki Sieg TKO 7/12
2009 11. Juli Deutschland  Felix Sturm
WBA-Mittelgewicht-Weltmeisterschaft
Nürburgring, Nürburg Niederlage Punktniederlage (einstimmig) 12/12
2010 9. Januar Brasilien  Jeferson Luis Goncalo Bördelandhalle, Magdeburg Sieg Punktsieg (einstimmig) 10/10
31. Juli Deutschland  Dimitri Sartison
WBA-Supermittelgewicht-Weltmeisterschaft
O₂ World Hamburg, Hamburg Niederlage Punktniederlage (einstimmig) 12/12
2011 9. April Deutschland  Robert Stieglitz
WBO-Supermittelgewicht-Weltmeisterschaft
Bördelandhalle, Magdeburg Niederlage Disqualifikation 10/12
15. Juli Montenegro  Nikola Sjekloća
WBC-International-Supermittelgewicht-Weltmeisterschaft
EWS Arena, Göppingen Niederlage Punktniederlage (einstimmig) 12/12
3. Oktober Lettland  Olegs Fedotovs Theater Carré, Amsterdam Sieg TKO 6/10
10. Dezember Deutschland  Baker Barakat Sommerrodelbahn, Mechernich Niederlage Punktniederlage 6/6
2012 5. November Russland  Maxim Vlasov
WBC-Baltic-Supermittelgewicht-Weltmeisterschaft
Sports Palace Quant, Troizk Niederlage Punktniederlage (einstimmig) 10/10

SonstigesBearbeiten

Khoren Gevor hat mit Nenel Gevorgyan drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. Beide Söhne sind ebenfalls Boxer. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit RC-Cars und mit CAD-Programmen. Khoren Gevor ist Stiefvater und Trainer der beiden Profiboxer Abel und Noel Gevor.

Am 23. Juni 2017 wurde Khoren Gevor vor einem Fitnessstudio in Hamburg angeschossen und am rechten Bein verletzt. Der Täter flüchtete unerkannt. Am Abend verschwand zudem der von Gevor trainierte 22-jährige Profiboxer Tunahan Keser, am 21. Juli wurde er nördlich von Hamburg erschossen aufgefunden. Einer Auswertung der Daten seines PKW zufolge lag auch bei ihm der Todeszeitpunkt am 23. Juni 2017, am späten Nachmittag.[3] Auch diese Tat ist ungeklärt. Beide Fälle wurden gemeinsam am 28. März 2018 in der Sendereihe Aktenzeichen XY … ungelöst thematisiert.[4][5]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Stieglitz siegt durch Disqualifikation. (Nicht mehr online verfügbar.) In: sportal.de. 10. April 2011, archiviert vom Original am 7. September 2011; abgerufen am 27. März 2012.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sportal.de
  2. Ebby Thust: Khoren Gevor – Sechs Monate Sperre und 5.100,- Euro Geldstrafe. (Nicht mehr online verfügbar.) In: boxen1.com. Archiviert vom Original am 16. Mai 2012; abgerufen am 27. März 2012.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.boxen1.com
  3. Der Spiegel Nr. 14/1019, S. 42 f.:Im Maserati zur Hinrichtung
  4. Fernsehfahndung - Mord an Hamburger Box-Talent bei „XY“. Aktenzeichen XY … ungelöst, 28. März 2018, abgerufen am 4. April 2018.
  5. Mordfall Tunahan Keser. Landespolizei Schleswig-Holstein, 28. März 2018, abgerufen am 28. März 2018.